Das hochmittelalterliche Königtum

Abschiedsvorlesung von Exzellenzcluster-Sprecher Prof. Dr. Gerd Althoff

Gerd Althoff

Prof. Dr. Gerd Althoff

© Julia Holtkötter

„Die Begegnungen und der Austausch im Exzellenzcluster haben meinem wissenschaftlichen Denken und Arbeiten inspirierende neue Impulse gegeben“, sagt Prof. Dr. Gerd Althoff über seine vorerst letzte große Herausforderung. Seit 2007 hat er den Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster als Sprecher begleitet, nun wird der 67-Jährige emeritiert. Am Dienstag, 12. Juli, hält der Mittelalter-Historiker seine Abschiedsvorlesung. Er spricht um 11.15 Uhr in der Aula des Schlosses über „Das hochmittelalterliche Königtum. Akzente einer unabgeschlossenen Neubewertung“.

Auch wenn die Leitung des Exzellenzclusters mit einem Finanzvolumen von 37 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren sicherlich eine ganz besondere Aufgabe war, so hat Gerd Althoff während seiner gesamten wissenschaftlichen Karriere gezeigt, dass er ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Mittelalterforschung ist. Zu den Forschungsschwerpunkten Althoffs gehören die Funktionsweisen mittelalterlicher Staatlichkeit, die damalige Konfliktführung und -beilegung, Gruppenbindungen sowie die Formen öffentlicher Kommunikation im Mittelalter.

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Als Wissenschaftsmanager gehört er zu den führenden Köpfen der WWU. So war er insgesamt an drei Graduiertenkollegs als Betreuer beteiligt, eines in Gießen, zwei an der Universität Münster. Er war Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in Münster Projektleiter des Sonderforschungsbereiches „Pragmatische Schriftlichkeit“ sowie Mitinitiator und Sprecher des Sonderforschungsbereiches „Symbolische Kommunikation“, der in diesem Jahr nach zwölf Jahren Förderung ausläuft.

So vielfältig wie die wissenschaftlichen Aktivitäten, so vielfältig sind auch die Orte, an denen Gerd Althoff geforscht und gelehrt hat. Nach dem Studium in Heidelberg und Münster, wo er auch promoviert wurde, habilitierte er sich in Freiburg, wurde 1986 nach Münster berufen und wechselte 1990 nach Gießen. Nach einer Professur in Bonn kehrte er 1997 nach Westfalen als Lehrstuhlinhaber für mittelalterliche Geschichte zurück.

„Ich glaube schon, dass es uns gelungen ist, die im weitesten Sinne geisteswissenschaftlichen Fächer in Münster in neuer Weise ins Gespräch zu bringen. Und das ist für viele eine neue und anregende Erfahrung, die wir unbedingt im Exzellenzcluster fortführen wollen“, hofft Gerd Althoff. In diesen Tagen wird an dem Antrag für eine Weiterführung der Förderung gefeilt. Und auch ansonsten bedeutet Emeritierung noch nicht Ruhestand für den in Hamburg geborenen und in Ibbenbüren aufgewachsenen Wissenschaftler: Bis zum Oktober wird er Sprecher des Clusters bleiben. Derzeit erscheint gemeinsam mit der Philologin Prof. Dr. Christel Meier-Staubach ein Buch über Ironie im Mittelalter, geplant ist eines zum Thema Papsttum und Gewalt im Mittelalter.

Auch sonst ist an Ausruhen nicht zu denken, denn vom 18. bis 22. Oktober findet im Moskauer Kreml-Museum eine vom Cluster gemeinsam mit der Lomonossow-Universität und dem Deutschen-Historischen Institut organisierte Tagung „Die Sprache der Gaben“ über die Geschenkpraxis in den internationalen Beziehungen der Vormoderne statt. Das Gute kann manchmal aber auch ganz nah liegen. Im Frühjahr 2012 wird im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und in der Domkammer die Ausstellung „Goldene Pracht“ zur Goldschmiedekunst in Westfalen eröffnet. Mehr als 200 Exponate des LWL-Landesmuseums und des Bistums sowie zahlreiche Leihgaben aus internationalen Museen werden im Rahmen des 1,6-Millionen-Projektes gezeigt. Möglich machte dies eine Kooperation zwischen Landesmuseum, Domkammer und dem Exzellenzcluster.

Trotz der Vielzahl seiner Verpflichtungen, „auf Gerd Althoff konnte man sich immer verlassen“, sagt Prof. Dr. Eva Schlotheuber von der Universität Düsseldorf, die im Exzellenzcluster mit ihm zusammenarbeitet. „Deshalb hat es immer viel Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten.“ Sie rühmt seine Präsenz, sowohl im Seminar als auch, wenn es darum ging, das Fach in der Wissenschaftslandschaft zu vertreten. „Gerd Althoff hat eine ganz besondere Fähigkeit, interessante Aspekte herauszustellen und so Diskussionsräume zu eröffnen“, so Eva Schlotheuber. (upm)