Das Strafrecht im internationalen Vergleich

Neuer Sammelband fragt auch nach dem Einfluss der Religion auf das Recht

News Publikation Rechtsvergleichung

Dr. Bijan Fateh-Moghadam

© Julia Holtkötter

Rechtswissenschaftler Dr. Bijan Fateh-Moghadam aus dem Exzellenzcluster "Religion und Politik" hat einen Sammelband zu den Folgen der Internationalisierung des Strafrechts und zu Theorien und Methoden der Strafrechtsvergleichung mit herausgegeben. Die Autoren stellen Strafrechtsvergleichung "in action" vor und gehen der Frage nach, ob und wie die Europäisierung und die Internationalisierung des Strafrechts als Motor der Vergleichung wirken. Der Band richtet sich den Herausgebern zufolge an alle, die sich in Wissenschaft und Praxis für das Thema interessieren.

Die Rechtsvergleichung ist laut Fateh-Moghadam sehr hilfreich, um grenzüberschreitende Fragen des Strafrechts zu bearbeiten. Zugleich werde sie dabei aber selbst zum Problem: Weil sich das Strafrecht internationalisiere, müsse neu danach gefragt werden, ob ihre theoretischen und methodischen Grundlagen noch angemessen sind. So ist dem Juristen zufolge im "Mehrebenensystem" der Europäischen Union schon unklar, was als Gegenstand der Vergleichung sinnvoll in den Blick genommen werden kann und von wo aus dies beobachtet werden soll.

Wichtige Grundlagenforschung für Rechtskonflikte mit Religionsbezug

"Die Grundlagenforschung zu Theorien und Methoden der Rechtsvergleichung ist auch besonders wichtig, um Rechtskonflikte mit Religionsbezug untersuchen zu können", erläutert Fateh-Moghadam, der den Band gemeinsam mit den Juristen Dr. Susanne Beck und Dr. Christoph Burchard herausgibt. So bilde der erste Teil des Bandes eine kontroverse Diskussion darüber ab, ob und inwieweit kulturbezogene und damit auch religiöse Einflüsse auf das Recht von Bedeutung sind, um fremde Rechtsordnungen zu verstehen. Fateh-Moghadam selbst beschreibt in seinem Beitrag das Recht nicht als Ausdruck und Spiegel der Kultur, sondern betont die "die Eigensinnigkeit spezifisch rechtlicher Begründungs- und Entscheidungszusammenhänge". Die Autonomie des Rechts könne am besten durch eine "operativ funktionale Methode der Rechtsvergleichung systemtheoretischer Provenienz" sichtbar gemacht werden, so der Jurist.

Von übergreifendem Interesse ist nach den Worten von Fateh-Moghadam der Vorschlag von Ass.-Prof. Dr. Martino Mona aus Bern, die Strafrechtsvergleichung mit dem von Amartya Sen entwickelten Konzept der comparative justice zu verbinden. Die Diskussionsbeiträge der renommierten Strafrechtsvergleicher Prof. Dr. Walter Perron aus Freiburg und Prof. Dr. Thomas Weigend aus Köln vermittelten zwischen den zum Teil kontroversen Positionen des Grundlagenteils. Die beiden folgenden Teile des Bandes zu "Strafrechtsvergleichung in action" und zur "Internationalisierung und Europäisierung des Strafrechts" beleuchten den Herausgebern zufolge schließlich die gestiegene Bedeutung der Strafrechtsvergleichung vor dem Hintergrund der Europäisierung und Inter- und Transnationalisierung des Rechts.

Fateh-Moghadam ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt "Normenbegründung im pluralistischen Staat" (A3) des Exzellenzclusters. (arn)


Hinweis: Susanne Beck, Christoph Burchard, Bijan Fateh-Moghadam (Hg.): Strafrechtsvergleichung als Problem und Lösung (Schriftenreihe des Zentrums für rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung Würzburg, Bd. 3). Baden-Baden: Nomos 2011, 314 S., ISBN 978-3-8329-5483.