„Einfluss der Religionen reicht in alle Kontinente“

Soziologe Prof. Dr. David Martin sieht keinen Siegeszug der Säkularisierung in der Moderne

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Soziologe Prof. Dr. David Martin diskutierte über Religion und Säkularisierung am Exzellenzcluster "Religion und Politik".

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Religionen spielen laut dem renommierten englischen Religionssoziologen Prof. Dr. David Martin bis heute auf allen Kontinenten eine entscheidende Rolle. „In Europa beeinflusst Religion noch stark die Politik. In den USA kann man gar von einer gleichbleibenden Religiosität ausgehen“, sagte der emeritierte Professor der London School of Economics am Donnerstagabend in Münster. „In zwei Dritteln der Welt lässt sich überhaupt nicht von einer Säkularisierung sprechen.“ Vor allem in Lateinamerika, im christlichen Afrika südlich der Sahara und in großen Teilen Asiens habe sich kein nennenswerter Bedeutungsverlust von Religion vollzogen, so der 81-Jährige. „Dort hat man es mit einer eher spiritualisierten Umwelt zu tun.“

„Es gibt nur wenige Ausnahmeländer, die wirklich säkularisiert sind“, sagte David Martin auf einer Tagung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Uni Münster. Die westlichen Industrieländer könnten nur bedingt als säkularisiert bezeichnet werden. Welche Bedeutung Religion in welchem Land einnehme, sei stets historisch-politisch zu erklären. „Religiöse und politische Kultur spiegeln sich immer gegenseitig.“ In China und Russland etwa sei Religion durch den Kommunismus unterdrückt worden, so der Experte. Frankreich habe das religiöse Leben früh zur Privatsache erklärt. „In den USA hingegen hat sich das Christentum als einflussreiche Zivilreligion durch die frühe Trennung von Staat und Kirche etabliert.“ Gleichwohl glaubt Martin nicht, dass es eine verstärkte Wiederkehr des Religiösen in den Ländern gibt, in denen Säkularisierung bereits eingetreten ist.

Die Verflechtungen von Religion mit Politik, Gewalt und Globalisierung sind nach Einschätzung des Wissenschaftlers eng und vielschichtig. Der britische Forscher sprach auf der Tagung „Secularization revisited“ („Säkularisierung wieder aufgegriffen“), zu der die Soziologen Prof. Dr. Detlef Pollack und Dr. Christel Gärtner eingeladen hatten. David Martin hatte bereits Mitte der 1960er Jahre als erster Religionssoziologe das Säkularisierungsparadigma kritisiert. Bekannt wurde er mit seiner Säkularisierungstheorie, die als erste Studie systematisch den historischen Einfluss auf den Prozess der Säkularisierung herausstellte und den engen Zusammenhang von religiösen und politischen Umständen eines Landes in den Blick nahm. Darüber hinaus ist der Wissenschaftler ein Kenner der Pfingstbewegung in Lateinamerika und weltweit. (han/vvm)