„Eher weltliche als geistliche Herrscherinnen“

Buch mit neuen Forschungsergebnissen über das berühmte Damenstift Quedlinburg

News Buch Quedlinburg

Buchcover „Kayserlich – frey – weltlich“

© Mitteldeutscher Verlag

Neue Forschungsergebnisse über das berühmte Reichsstift Quedlinburg in Sachsen-Anhalt präsentiert das Buch „Kayserlich – frey – weltlich“ der Herausgeber und Historiker Clemens Bley und Werner Freitag. Die Autoren des Sammelbandes untersuchen die Beziehungen des 936 gegründeten Damenstiftes zu Reich und Region im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Beides habe in der Forschung bislang nur geringe Beachtung erfahren, teilten die Wissenschaftler am Dienstag in Münster mit. Dabei stelle sich die Frage, ob es sich bei den Äbtissinnen des Stiftes eher um weltliche als um geistliche Herrscherinnen gehandelt habe.

Gerade in der Zeit nach der Reformation übten die Abtissinnen von Quedlinburg und vergleichbaren Stiften laut Herausgeber Clemens Bley eher eine hochadelige Herrschaft als eine geistliche aus. So seien sie nicht mehr geweiht, sonder nur eingesegnet worden, hätten kein Keuschheits- und Ehelosigkeitsgelübde abgelegt und auch das Kirchenregiment sei eher weltlich gehandhabt worden. Der Band „Kayserlich – frey – weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit“ ist im Mitteldeutschen Verlag mit Unterstützung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erschienen. Neben den Beziehungen zu Reich und Region geht es darin um die inneren Verhältnisse im Stift Quedlinburg.

Das Stift galt bis zu seiner Säkularisation im Jahre 1803 als das vornehmste Damenstift im Heiligen Römischen Reich und war eng mit dessen Geschicken verbunden. Nur einer Handvoll adeliger Damenstifte gelangt es im Hochmittelalter, die Reichsstandschaft zu erringen. Als Äbtissinnen konnten die Frauen über Land und Leute Herrschaft ausüben. Quedlinburg war 936 von Otto dem Großen und seiner Mutter Mathilde gegründet worden. Es diente dem Gebetsgedenken der ottonischen Familie, der Erziehung von Töchtern des Hochadels sowie deren standesgemäßen Versorgung. Das Stift war kein Kloster. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts sprechen die Quellen von einem weltlichen Stift.

Zum 1070. Jahrestages der Stiftsgründung und des 200. Jahrestages der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches fand im September 2006 im Schlossmuseum Quedlinburg ein Symposium statt. Der Band enthält Beiträge dieser Veranstaltung. (vvm)


Clemens Bley (Hg.), Kayserlich – frey – weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Unter Mitarbeit von Werner Freitag. Studien zur Landesgeschichte, Bd. 21, Halle/Saale, Mitteldeutscher Verlag 2009, 264 S., 26 Euro.