Mittelalterliche Herrscher hatten ein gutes Gedächtnis

Münchener Professor Dr. Knut Görich zu Gast in der Masterclass

Review Masterclass Goerich

Prof. Dr. Knut Görich (Foto: Kristina Thies)

Vorstellungen vom dem, was der mittelalterliche Mensch als Ehre auffasste, spielen in der gegenwärtigen Praxis immer noch eine große Rolle, nur dass westliche Gesellschaften sie anders bezeichnen würden. Das meint Prof. Dr. Knut Görich. Der Gastwissenschaftler aus München diskutierte in einer gemeinsamen Masterclass im Exzellenzcluster "Religion und Politik" mit Graduiertenschülern, Mitarbeitern des Exzellenzclusters und des Historischen Seminars Ehrbegriffe verschiedener Epochen.

Ehre und Ehrverletzungen gelten heute oft als fremde, vergangene, häufig sogar als rückständige Phänomene. Ehre als Tatmotiv ruft Unverständis hervor und trägt zu einem falsch verstandenen Ehrbegriff bei, etwa wenn es um eine vorgeblich islamische Ehre geht, obgleich die koranische Ehre etwas ganz anderes meint.

Knut Görich hat in seiner Habilitation die Ehre des staufischen Kaisers Friedrich Barbarossa (1122–1190) genauer untersucht und damit geschichtswissenschaftliches Neuland betreten: „Der Begriff Ehre galt als eher archaisch. Deswegen passte er nicht in eine Sichtweise, die in der mittelalterlichen Königsherrschaft vor allem Modernisierungstendenzen akzentuierte.“

Auf Verletzungen der Ehre – etwa durch Beleidigungen – reagierten Friedrich Barbarossa und seine Nachfolger in der Regel sehr besonnen. Da ihnen klar war, dass sie jede öffentliche Reaktion auf erlittene Ehrverletzungen unter unmittelbaren Handlungszwang setzen würde, verbargen sie ihre emotionale Reaktion häufig hinter einer Maske aus Gleichgültigkeit oder Freundlichkeit. Erst bei passender Gelegenheit, manchmal Jahre später, wurde an den Vorgang erinnert und Vergeltung damit begründet. Knut Görich: „Mittelalterliche Herrscher hatten ein sehr gutes Gedächtnis für Beleidigungen.“ (Kristina Thies)


Homepage von Knut Görich an der LMU München