WWU-Statements

Warum haben wir uns für Open-Access entschieden?

Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der WWU haben bereits von einem unserer Angebote zum offenen Publizieren Gebrauch gemacht. Hier kommen einige von ihnen zu Wort.

Dr. Christian Peters, Studienreferendar in Dortmund
Tobias Enseleit, Promovend der WWU

„Open Access verbessert die Zugänglichkeit von Texten immens: Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet heute in den Geisteswissenschaften vor allem das Konsultieren zahlreicher Forschungsliteratur. Ob einem ein Beitrag, den man nur dem Titel nach recherchiert hat, für die eigene Arbeit tatsächlich etwas bringt, merkt man erst, wenn man den Weg in die Bibliothek auf sich genommen, dort das Buch gesucht, entliehen und an die Arbeitsstelle geschleppt hat (oft zusammen mit einer ganzen Herde von Artverwandten). Onlinezugriffe ermöglichen dagegen ein zeitnahes, schnelles und einfaches Arbeiten – und wenn man dann mit dem Titel etwas anfangen kann, kann man das Buch immer noch klassisch entleihen und damit arbeiten.
Unser Band Bilder vom Mittelalter hat verschiedenste Artikulationsformen des "Mittelalters" in der Breitenkultur zum Gegenstand und beleuchtet diese aus der Perspektive zahlreicher Fächer. Er richtet sich daher nicht nur an Mediävisten und Kulturwissenschaftler unterschiedlicher Richtungen, sondern auch an interessierte Laien und Berufspraktiker. Ein Buch, das an so vielen Diskursen zugleich teilhat und seinen Gegenstand einem neuen, teils ungewohnten Blick unterzieht, wäre bei einem etablierten Verlag nicht nur schwer zu platzieren gewesen, sondern dort auch für die außeruniversitären Kreise, die an seinen Ergebnissen interessiert sein könnten, mehr oder weniger unsichtbar und unerreichbar gewesen. Open Access will den Profis die Forschung nicht "wegnehmen", sondern ihre Deutungshoheit auf den Prüfstein einer mündigen Öffentlichkeit stellen – zum beiderseitigen Gewinn.“

Dr. Christian Peters,
Studienreferendar in Dortmund

„Öffentlich finanzierte Forschung gehört vom Grundsatz her der Öffentlichkeit, die sie finanziert, und sollte dieser ohne weitere Kosten oder Hürden zur Verfügung stehen. Menschen, die nur wenig Geld haben oder weit entfernt von einer gut ausgestatteten Unibibliothek leben, werden durch den derzeit üblichen geisteswissenschaftlichen Publikationsbetrieb strukturell benachteiligt. Wenn open access-Angebote durch wissenschaftliche Einrichtungen betreut werden, kann auch der oft vorgebrachte Einwand, dass Verlage und Reihen unverzichtbare Bewertungs- und Filterinstanzen darstellen, entkräftet werden. Ich habe mich bei meiner Dissertation Mythologie und Politik, die sich mit der politischen Instrumentalisierung fiktionaler lateinischer Literatur im 15. Jahrhundert befasst, bewusst für ein hybrides Publikationsformat mit freiem Zugang entschieden. In einem „Orchideenfach“ wie der Mittel- und Neulateinischen Philologie, das sich an der Schnittstelle zahlreicher geisteswissenschaftlicher Disziplinen befindet, erschließt sich durch Open Access ein breiteres und vielfältigeres Publikum, als es mit klassischen Buchpublikationen in den einschlägigen Verlagen und Reihen möglich wäre.“

Dr. Ruth Liesert,
Musiktherapeutin in Hamburg

„Open Access halte ich für sehr wichtig!
Open Access bietet einen einfachen und unkomplizierten Zugang zu Wissen: man spart viel Zeit gegenüber der Beschaffung der Quellen auf anderen Wegen und auch Geld und trägt damit direkt zur Qualität von Forschungsprojekten bei, insbesondere, wenn sie ohne Stipendium durchgeführt werden.
Open Access trägt somit direkt dazu bei, Forschungsprojekte zu erleichtern und zum Ende zu bringen. Der niedrigschwellige Zugang transportiert Erkenntnisse von Wissenschaftlern, was die Rezipienten zu neuen Überlegungen und Erkenntnissen inspiriert und somit der gesamten Wissenschafts-Community nützt. In der Konsequenz wird so die Qualität der Praxis erweitert und verbessert.
Open Access ermöglicht die Fokussierung auf bestimmte Aspekte einer Forschungsarbeit: Nicht das gesamte Werk muss erworben werden, sondern einzelne Aspekte können je nach Interesse des Lesers eingesehen werden. Dies mag der Verbreitung von Erkenntnissen dienen, wenn die Veröffentlichungen komplex und vielschichtig sind.“
Dissertation Vom Symptom zum Gefühl

Benjamin Görgen und Björn Wendt,
Herausgeber der Schriftenreihe „SuN – Soziologie und Nachhaltigkeit“

„Open Source Publikationen bieten eine einzigartige Möglichkeit qualitativ hochwertige Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

„Als Herausgeber einer fachwissenschaftlichen Open-Source-Schriftenreihe SuN, schätzen wir vor allem die Flexibilität, den offenen Zugang und die große Reichweite von Open Source.“

„Durch Open Source werden Zugangsschranken zu qualitativ hochwertigem, wissenschaftlichem Wissen abgebaut. Auf diese Weise wird dieses Wissen nicht nur dauerhaft verfügbar gehalten, sondern auch demokratisiert.“

Dr. Markus Wilp, Zentrum für Niederlande-Studien

Der in der Wissenschaft zu beobachtende Trend hin zu Open Access-Publikationen ermöglicht es, dass man leichter, schneller und kostengünstiger Einblicke in die Forschungsresultate anderer Autorinnen und Autoren erhält. Diese Entwicklung ist zweifelsohne überaus positiv zu bewerten, daher haben auch wir am Zentrum für Niederlande-Studien uns dafür entschieden, unsere Veröffentlichungen fortan direkt online zugänglich zu machen. Die ersten Erfahrungen sind sehr positiv, auch durch die Unterstützung der ULB Münster.

Dr. Laura Eckerth, Rechtsreferendarin

Eine Veröffentlichung über OpenAccess ermöglicht es mir, einen größeren Personenkreis zu erreichen, als es über die alleinige Print-Veröffentlichung möglich wäre. Daher habe ich mich bei der Veröffentlichung meiner Dissertation Die Schiedsperson nach § 73b Abs. 4a SGB V: Einsetzung, Verfahren, Schiedsspruch für ein hybrides Publizieren entschieden und dabei das Angebot der WWU Münster zur Veröffentlichung in der Schriftenreihe genutzt. Durch die umfassende und professionelle Unterstützung des kompetenten Teams der Schriftenreihe hat das Veröffentlichen schnell und unkompliziert geklappt. Ich würde jedem die Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse in der Schriftenreihe unter Nutzung von OpenAccess weiterempfehlen!

Dr. Christina Riesenweber, Alumna der WWU, jetzt FU Berlin

Für mich ist Open-Access-Publizieren eine Selbstverständlichkeit, und ich bin sehr froh, durch die Services der Schriftenreihe einen unkomplizierten Weg zu mehr Sichtbarkeit für meine Dissertation Die Ordnungen der Literaturwissenschaft gefunden zu haben. Meine Arbeit ist fächerübergreifend ausgerichtet und Open Access ist der beste Weg um sicherzustellen, dass Forschungsergebnisse auch außerhalb der engeren Fachkreise wahrgenommen werden

Dr. Katharina König, Germanistisches Institut

Zum einen hat uns der sehr kurze Prozess von der Fertigstellung des Manuskripts bis zur Veröffentlichung dazu bewogen, den Band SMS, WhatsApp & Co. in einer Open-Access-Lösung zu publizieren.
Zum anderen hat sich auch das Thema des Sammelbands hierfür angeboten: Unsere Kommunikationswege haben sich in den Zeiten des mobilen Internets grundlegend verändert und damit auch die Möglichkeiten der digitalen Publikation.
In den vergangenen Monaten habe ich immer wieder die Rückmeldung bekommen, dass der Band von Studierenden schnell gefunden wird und dass die Open-Access-Publikation ihren Recherche- und Arbeitsweisen entspricht.

Prof. Dr. Joachim Jose, Pharmazeutische und Medizinische Chemie

Durch Open Access kann ich meine Forschung weltweit sichtbar und zugänglich machen. Das ist für mich besonders wichtig, da ich mit Wissenschaftlern aus Ländern zusammenarbeite, in denen Closed-Access-Literatur nicht umfassend verfügbar ist.
Open Access macht meine Forschung auch außerhalb der wissenschaftlichen Community sichtbar. So wird Bewusstsein und Akzeptanz der Gesellschaft für die Wissenschaft geschaffen.

Burkard Rosenberger, Universitäts- und Landesbibliothek Münster

Als Herausgeber von Neuausgaben sog. „alter“ Musik (in meinem Fall Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert) hat man es mit zwei grundsätzlich verschiedenen, weltweit verstreuten Interessensgruppen zu tun: Zum einen ist da die wissenschaftliche Fachcommunity, deren Interesse vor allem einer textkritischen Quellenedition gilt, zum anderen sind dort viele praktisch ausübende Musiker, die aus dem bereitgestellten Notenmaterial musizieren möchten und damit der geschriebenen Musik zu ihrem eigentlichen Zweck verhelfen möchten: dass sie erklingt.
Beiden Interessen gleichzeitig wird man bei einer gedruckten Publikation nur selten gerecht werden können, denn kaum ein Musikverlag kann eine solche Publikation wirtschaftlich vertretbar in sein Programm aufnehmen, zumal, wenn es sich um Werke von weniger bekannten Komponisten handelt. Insofern ist für mich eine reine Open-Access-Publikation wie bei der Edition Papier.Klänge der ULB ebenso wie die hybride Publikationsweise der Wissenschaftlichen Schriften der WWU als Kombination von Open Access und kostengünstiger gedruckter Publikation on demand ideal: Die praktischen Musiker können aus den Open Access bereitgestellten Noten ohne rechtliche Probleme musizieren, während die Fachwissenschaftler sowohl auf die online verfügbare als auch die gedruckte Ausgabe zurückgreifen können. Und das Konzept geht auf: Bei meiner Edition von Johann Crügers Geistlichen Kirchen-Melodien erreichten wir einen sehr hohen Absatz der Druckausgabe, der durch die über 3.000 Downloads der elektronischen Version eher befördert als vermindert wurde. Eine solch erfreuliche, weltweite Resonanz ist nur durch Open Access zu erreichen!

Die Redaktion der Textpraxis

Die Zeitschrift Textpraxis. Digitales Journal für Philologie erscheint zweimal im Jahr online und kostenfrei, sowohl für LeserInnen als auch für AutorInnen.
Für uns war die Entscheidung, Open Access zu publizieren, eine wissenschaftspolitische, aber auch eine, die mit dem Design unserer Zeitschrift zusammenhängt. Wir verfolgen dabei ein demokratisches Wissens- und Wissenschaftsmodell, das Zugänge zu Bildung und Fachdiskursen ermöglicht, unabhängig von institutioneller Anbindung und den finanziellen Ressourcen unserer RezipientInnen. Gleichzeitig wollen wir gerade NachwuchswissenschaftlerInnen kostenfreie Publikationsmöglichkeiten bieten. Diese Möglichkeiten stellt das Internet als Medium prinzipiell zur Verfügung. Es ist hier möglich, einen einfachen, internationalen Wissenstransfer herzustellen und gleichzeitig eine Diskussionsplattform anzubieten, die AkteurInnen aus unterschiedlichen Hintergründen und akademischen Kulturen zusammenbringen kann. Dazu dienen auf unserer Seite vor allem die Kommentarfelder und die Option, mit Repliken auf Texte zu antworten. Auch inhaltlich ist der offene Zugang zu unseren Inhalten und Diskussionen von großer Bedeutung, da wir neben unseren thematischen Säulen „Theorie“ und „Gesellschaft“ auch „Praxis“ als Themenfeld adressieren. Entsprechend müssen auch Menschen ohne Uni-Verbindungen, die dafür aber in der ‚Praxis‘ tätig sind, unsere Inhalte erreichen können. Insgesamt steht Textpraxis also für eine offene, internationale Wissenschaftskultur, die auf den gleichberechtigten Austausch unterschiedlicher AkteurInnen setzt. Und dafür steht unserer Auffassung nach Open Access.

Prof. Dr. Elisabeth Timm, Sem. für Volkskunde/Europäische Ethnologie der WWU

Als Mitherausgeberin der Zeitschrift für Kulturwissenschaften halte ich die nicht-kommerziellen, öffentlichen Open-Access-‌Dienste der ULB Münster für eine wichtige und wertvolle Ergänzung der Print-Ausgabe der Zeitschrift.