Katharina Scheerer

Zum Verhältnis von expressionistischer Prosa und fantastischer Unterhaltungsliteratur. [Arbeitstitel]

Bild von K. Scheerer
© privat

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebt die deutschsprachige fantastische Literatur einen ersten Höhepunkt. Dieser schlägt sich vor allem in der sogenannten ‚Unterhaltungsliteratur‘, aber auch bei den hochliterarischen Avantgarden nieder. Autoren wie Hans Dominik, Carl Grunert, Kurd Laßwitz und Friedrich Wilhelm Mader publizieren eine Vielzahl von Texten in Knaben- und Groschenromanen, die Motive wie Kontakte mit anderen Planeten, kosmische Katastrophen und technisch-utopische Fantasien aufweisen. Aber auch die hochliterarischen Avantgarden, wie die Expressionist*innen, veröffentlichen fantastische Texte. Es entsteht eine umfangreiche und qualitativ heterogene Landschaft von utopischen und dystopischen Zukunftsromanen, Abenteuer- und technisch-politischer Prosa. Obwohl die expressionistische Kunstströmung die Form künstlerischer Darstellung radikal erneuern will, greifen Autoren wie Paul Scheerbart oder Alfred Döblin im Bereich der Fantastik Topoi der Genre-Literatur wie das Leben auf fernen Planeten (vgl. Lesabéndio und Berge Meere und Giganten) auf und nutzen deren Erzählmuster.
Das Promotionsvorhaben untersucht das Verhältnis von expressionistischer Prosa und fantastischer Unterhaltungsliteratur zu Beginn des 20. Jahrhunderts und fragt, welchen Gewinn die Expressionist*innen durch die Anleihen in der ‚Unterhaltungsliteratur‘ erzielen und welche Austauschprozesse zwischen den Bereichen Expressionismus und fantastische ‚Trivialliteratur‘ entstehen. Die Dissertation strebt eine Erfassung, theoretische Fundierung und analytisch abgesicherte Bestimmung der Zusammenhänge an. Dazu sollen Beschreibungskategorien für das Verhältnis von populärer und Hochkultur erarbeitet werden, die zum einen die Klassifizierung der Texte als ‚unterhaltend‘/‚trivial‘ oder ‚(hoch)literarisch‘ hinterfragen und zum anderen einen innovativen Blick auf die expressionistische Prosa erlauben.

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  • Akademischer Werdegang

    aktuell Projektleitung "Eden? Plants between Science and Fiction". Ausstellungsprojekt von Promovierenden der GSPoL und Masterstudierenden der WWU
    01/2022 Organisation und Leitung der Tagung „Kosmische Räume. All-Imaginationen in der kulturellen Landschaft von 1880 bis 1920“ am Germanistischen Institut der Universität Münster
    10/2020 Organisation und Teilnahme an der studentischen Nachwuchstagung "'Where are we now?' Orientierungen nach der Postmoderne" im LWL-Museum für Kunst und Kultur
    seit 06/2020 Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes
    seit 05/2020 Wissenschaftliche Hilfskraft am Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Lehrstuhl Prof. Dr. Moritz Baßler
    seit 04/2020 Doktorandin an der Graduate School Practices of Literature Münster, Deutsche Philologie
    10/2017 – 03/2020 Master of Arts: Kulturpoetik der Literatur und Medien an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
    10/2018 – 05/2020 Studentische Hilfskraft am Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Lehrstuhl Prof. Dr. Moritz Baßler
    01/2018 – 04/2020 Studentische Hilfskraft im Kulturbüro der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
    10/2016 – 09/2019 Stipendiatin des Deutschlandstipendiums des BMBF
    10/2014 – 09/2017 Bachelor of Arts: Germanistik, Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
    10/2010 – 08/2013 Bachelor of Science (duales Studium): International Business Administration an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein mit Ausbildung zur Industriekauffrau bei der BASF SE

     

  • Vorträge & Publikationen

    [im Erscheinen] "Between the Stove and Emancipation—Conservative Women and Anti-Utopian Imaginations in Early German Science Fiction Literature". In: The Routledge Companion to Gender and Science Fiction. Hg. v. Sonja Fritzsche, Keren Omry, Wendy Pearson, Lisa Yaszek. London: Routledge 2023.
    06/2022 Where Are We Now? Orientierungen nach der Postmoderne. Hg. v. Sebastian Berlich, Holger Grevenbrock, Katharina Scheerer. Bielefeld: Transcript 2022.
    06/2022 "Where Are We Now? Eine Einleitung". In: Where Are We Now? Orientierungen nach der Postmoderne. Hg. v. Sebastian Berlich, Holger Grevenbrock, Katharina Scheerer. Bielefeld: Transcript 2022. S. 9-15. [gemeinsam mit Sebastian Berlich und Holger Grevenbrock]
    06/2022 "Zwischen Aufrichtigkeit und Ironie – Future Islands' 'Seasons‘'als Beispiel der Metamoderne". In: Where Are We Now? Orientierungen nach der Postmoderne. Hg. v. Sebastian Berlich, Holger Grevenbrock, Katharina Scheerer. Bielefeld: Transcript 2022. S. 69-75.
    06/2022 "Posthumanismus. Eine Einführung". In: Where Are We Now? Orientierungen nach der Postmoderne. Hg. v. Sebastian Berlich, Holger Grevenbrock, Katharina Scheerer. Bielefeld: Transcript 2022. S. 225-241.
    06/2022 "Künstliche Tierchen im Paradies. Post- und Transhumanismus in Dietmar Daths 'Die Abschaffung der Arten'"“. In: Where Are We Now? Orientierungen nach der Postmoderne. Hg. v. Sebastian Berlich, Holger Grevenbrock, Katharina Scheerer. Bielefeld: Transcript 2022. S. 243-256. [gemeinsam mit Nuria Mertens]
    01/2022 "Marsmenschen und Exterritoriale – Außerirdische bei Georg Heym und Albert Ehrenstein" auf der Tagung "Kosmische Räume. All Imaginationen in der kulturellen Landschaft von 1880 bis 1920" am Germanistischen Institut der Universität Münster.
    11/2021 "Between Stove and Emancipation: Female imaginations of the utopic in early German Science-Fiction" auf der 46. Jahrestagung der Women in German.
    2021 "Ein Wilhelminisches Wunder. Zu Georg Heyms 'Der Besuch des Marsmenschen'" In: Literatur für Leser. Berlin 2021. [gemeinsam mit Prof. Dr. Moritz Baßler]
    09/2021 "'Im Reich des zweiten Gesichts' – Außerirdische als Ausgangspunkt ethischer Diskurse in spekulativer Literatur um 1900". Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung.
    10/2020 "'Make kin, not babies!' Post- und Transhumanismus in der Gegenwartskultur". Vortrag im Rahmen der studentischen Nachwuchstagung "'Where are we now?' Orientierungen nach der Postmoderne" im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster.
    10/2020 "'Aber kann man das ernst nehmen?' Die Metamoderne". Vortrag im Rahmen der studentischen Nachwuchstagung "'Where are we now?' Orientierungen nach der Postmoderne" im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster.
    2020 "Das narrative Potenzial von Filmmusik am Beispiel von Spielbergs JAWS". In: Andreas Blödorn, Stephan Brössel (Hrsg.): Paradigma. Studienbeiträge zu Literatur und Film. [gemeinsam mit Annika Hermann]