Pegah Byroum-Wand

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Einheit der Differenz: Literarische Narrative in der Post-DDR-Literatur (Arbeitstitel)

Nach dem Systemumbruch 1989/90 fand die Auseinandersetzung mit (Post-)DDR-Literatur lange Zeit ausschließlich unter dem Primat politisch-moralischer Paradigmen statt. Fragen nach der politischen Verortung und Verantwortung der SchriftstellerInnen sowie nach dem zeithistorischen Aussagegehalt ihrer Texte dominierten die wissenschaftliche und mediale Debatte.
Das Dissertationsprojekt möchte an jüngste Beiträge der literaturwissenschaftlichen Forschung anknüpfen, die die Produktivität kultur- und sozialwissenschaftlicher Zugänge für den Gegenstandsbereich der (Post-)DDR-Literatur hervorheben. So attestiert Wolfgang Emmerich den Modellen des britisch-indischen postkolonialen Literaturwissenschaftlers Homi K. Bhabha (wie der Dritte Raum, kulturelle Differenz und Hybridität) ein fruchtbares Potenzial, welches in der Dissertation textanalytisch aufbereitet und exemplarisch ausgearbeitet werden soll. Bhabha betont in seinen Schriften den sozialen Impetus literarischer Texte. Seine Ansätze bieten die Möglichkeit, abseits von Binarismen die Reflexionen gesellschaftlicher Machtmechanismen nach 1989/90 aus der Perspektive des innerdeutschen Anderen zu erfassen und zu untersuchen, welche gesellschaftlichen Möglichkeiten, Alternativen und Verwerfungen im Umgang mit dem Anderen verhandelt werden. Davon ausgehend kann die Frage danach, welche Erkenntnisse sich für das Verhältnis von Literatur und Gesellschaft sowie Literaturtheorie und Gesellschaft gewinnen lassen, zur Konturierung und Perspektivierung zweier zentraler Forschungsfelder des Kollegs beitragen.
Das Ziel dieses Projekts ist es, anhand von Romanen der SchriftstellerInnen Wolfgang Hilbig, Reinhard Jirgl, Angela Krauß und Monika Maron die literarischen Gestaltungsformen von kulturellen und sexuellen Differenzerfahrungen als Bestandteil eines marginalen Gegendiskurses zu untersuchen. Als „Literatur von den Rändern“ entlarven die Romane nicht nur den Konstruktcharakter gesellschaftlich definierter Kategorien wie Einheit, Narration und Wirklichkeit im Ost-West-Verhältnis. Vielmehr unterminieren sie sozial wirksame Strategien der Vereinnahmung, Exklusion sowie Dichotomisierung von ‚Ich‘ und ‚Anderem’, Subjekt und Objekt und gestalten einen Zwischenraum, in dem hybride Subjektentwürfe möglich werden.

Fach: Germanistik/Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Betreuer/innen: Frau Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf und Prof. Dr. Mark Stein

Lebenslauf

seit 04/2012 Kollegiatin im Promotionskolleg Literaturtheorie als Theorie der Gesellschaft und Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung
2009 - 2012 Dozentin für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sowie Pädagogische und administrative Hilfskraft in Köln und Berlin
2010 Absolventenpraktikum im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Redaktion von Arsprototo in der Kulturstiftung der Länder, Berlin
2007 Redaktionspraktikum bei der taz.nrw
2006 - 2009 Studentische Hilfskraft am Institut für deutsche Sprache und Literatur I, Universität Köln
2003 - 2009 Magisterstudium der Germanistik, Geschichte und Anglistik an der Universität zu Köln
2003 Abitur
1984

geboren

Vorträge

02/2013 „Indigniez-vouz!“ – Geschichte schreiben im 21. Jahrhundert an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Titel: „Eine fintierte Revolte. Kontrafaktische Geschichtsdarstellung in Volker Brauns Die hellen Haufen (2011)“
06/2012 Die zwei Körper der Nation. Ästhetische Figurationen des Politischen, Universität Luxemburg. Titel: „!Keiner betritt noch 1 Mal diese Ruine. Ästhetische Repräsentationen des wiedervereinigten Deutschlands in Reinhard Jirgls Roman Hundsnächte (1997)“(Publikation in Vorbereitung).
06/2011 Vortrag im Rahmen des Interdisziplinären Kolloquiums für (Post-)DoktorandInnen des CePoG Trier. Titel: „Die Barbarin aus dem Osten. Kolonisierung des Weiblichen in Monika Marons Animal Triste (1996)“

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