
Las divinas matemáticas:
Darstellungsformen des Mathematischen in der Traktatliteratur des Siglo de Oro
Die Renaissance ist eine Zeit epistemologischer Umwälzungen: Die neuzeitlichen Wissenschaften entstehen, und zur gleichen Zeit wird der Übergang vom geozentrischen zum heliozentrischen Denken vollzogen. Aus wissenschaftshistorischer Sicht sind vor allem drei Erkenntnisstrategien von Bedeutung: die Suche nach Naturgesetzen, die Anerkennung des Experiments als Erkenntnismittel und, im Kontext dieser Arbeit entscheidend, die Einführung der Mathematik in die Naturerkenntnis. In einer von weitreichenden Veränderungen geprägten Zeit liefert die Mathematik universelle arithmetische und geometrische Gesetze und kann als rettende Kraft der Organisation verstanden werden. So ist die „Mathematisierung“ der Wirklichkeit auch als Versuch zu verstehen, einen neuen, sich öffnenden Raum – durch die Entdeckung Amerikas zunächst geographisch und schließlich auch kosmologisch – beherrschbar zu machen. Die mathematische Vermessung von Erde und Kosmos im 16. Jahrhundert spiegelt sich in verschiedenen Künsten und Wissenschaften wieder, so etwa in der Architektur, Malerei oder auch in der Anatomie.
Der Mathematik wird vor allem auf dem Gebiet der Wahrheitsfindung eine zunehmend größere Autorität zugeschrieben. Die Annahme einer mathematischen Struktur des Raumes korrespondiert mit der Idee, der mathematische Beweis sei objektiv wahr. Dies hat zur Folge, dass sich zahlreiche Wissenschaften der Spätrenaissance auf die Mathematik berufen, um ihren Erkenntnissen Dignität zu verleihen. Es handelt sich um ein gesamteuropäisches Phänomen, an dem auch Spanien – entgegen der verbreiteten Annahme, man habe dort nicht oder nur bedingt an der wissenschaftlichen Revolution partizipiert – regen Anteil hat. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der Gründung der Königlichen Akademie für Mathematik von Madrid im Jahre 1582.
Ziel meiner Dissertation ist es, die Bedeutung der Mathematik im spanischen Wissensdiskurs des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts aus literaturwissenschaftlicher Sicht herauszuarbeiten: Es soll nachvollzogen werden, wie die Mathematik sprachlich konzipiert und samt ihren spezifischen Darstellungsformen als Argument für die Unumstößlichkeit von Erkenntnissen eingesetzt wird und welche Rolle sie für die Bestimmung eines Wissens- oder Tätigkeitsgebietes als Wissenschaft spielt. Da sich auch die bildenden Künste und das Handwerk auf die Mathematik berufen, um den Rang einer Wissenschaft zu erlangen, ist die Diffusion mathematischen Gedankenguts in verschiedene Bereiche aufzuzeigen. Zu Grunde gelegt wird ein Textkorpus aus Traktaten, die – dem Begriff ars entsprechend – ein weites Feld von der Schneiderei über die Militärwissenschaft bis hin zur Astronomie abdecken.
Lebenslauf |
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| 10/2009 | Aufnahme in die Graduate School Practices of Literature |
| seit 04/2009 | Mitglied des Zentrums für Wissenschaftstheorie (ZfW) Münster |
| 09/2010 - 01/2011 | Research Fellow am Centro de Investigaciones Lingüísticas, Universität Salamanca |
| 2003 - 2008 | Studium der Romanistik und Anglistik in Münster |
| 1998 - 2003 | Studium der Germanistik und Philosophie in Düsseldorf und Alicante |
| 1996 | Abitur |
| 1977 |
geboren |
Vorträge & Publikationen |
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| 10/2009 | "Todas o las más ciencias del mundo - el Quijote desde la perspectiva sientífico-histórica", Vortrag im Rahmen des VII Congreso Internacional Asociación Cervantistas in Münster |
| 10/2008 | "Transdisciplinary Studies - The Concept of Networks in Modern Physics and Contemporary Poetry", Vortrag im Rahmen der internationalen und interdisziplinären Tagung Applikation der Netzwerk-Theorie in Münster |
