Lis Hansen

Die literarische Müllszene. Kehrseiten der Kultur: Über den Müll in der deutschsprachigen Literatur seit 1950 (AT)

Lis Hansen
© Lis Hansen

Abfälle gelten gemeinhin als alt, schmutzig und wertlos. Müll wird weggeworfen, aussortiert und herausgetragen. Zygmunt Bauman zufolge sollen Reste und Abfälle, in einer sich als fortschrittlich und rational verstehenden Moderne, möglichst unsichtbar sein. In literarischen Darstellungen von Müll, insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wird diesem Wunsch allerdings gerade nicht entsprochen. Müll wird darin häufig ausgiebig wahrgenommen und inszeniert. Ausgehend von dieser Beobachtung nehme ich das Verhältnis von Literatur und Müll genauer in den Blick. Gerade im Zusammenhang mit Praktiken des Aussortierens und Wegwerfens sowie bezüglich Fragen des Erinnerns, Vergessens und Verdrängens stellt Abfall ein vielschichtiges kulturpoetisches Phänomen dar, dessen gesellschaftliche wie ökologische Dimension evident sind. In meinem Dissertationsvorhaben möchte ich daher analysieren wie Müll, verstanden als ein Motivkomplex, der sich aus dem Zusammen- und Wechselspiel von Figur, Dingen und Raum konstituiert, in der deutschsprachigen Literatur nach 1950 thematisiert wird. Ein Ziel soll dabei sein, die spezifischen Inszenierungsverfahren der ‚Müllszenen‘ zu erfassen und ihre poetischen Funktionen zu beschreiben.
In Bezug auf Abfalltheorien sowie für das Thema relevante Literatur- und Kulturtheorien (u.a. von Aleida Assmann, Michel Foucault und Julia Kristeva) und vor dem Hintergrund kulturgeschichtlicher Entwicklungen (etwa die massenhafte Verbreitung von Kunststoffen seit den 1950er Jahren) wird untersucht, wie Müll in der Literatur des sogenannten Anthropozäns dargestellt wird. Zudem erfolgt eine Analyse der Bedeutung der Müllszenen in den entsprechenden literarischen Werken. Im Hintergrund steht die Frage nach einer Poetologie des Mülls.

Fach: Germanistik
Betreuerinnen: Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf (WWU Münster), Prof. Dr. Ulrike Vedder (HU Berlin)

Kontakt

Lebenslauf
seit 07/2018 Stakeholderin im Projekt PlastikBudget (https://plastikbudget.de/)
seit 07/2015 Stipendiatin des Evangelischen Studienwerks Villigst
04/2015-03/2017 Promovierendenvertretung im Auswahlausschuss der Graduate School Practices of Literature, WWU Münster
seit 10/2014 Mitglied der Graduate School Practices of Literature, WWU Münster
07/2014 Summer School der Universitet Aarhus (Dänemark) in Rom: Text – Memory – Monument. The use of the past in Italien Renaissance culture.
03-09/2014 Erschließung des Nachlasses von Dr. h.c. Gerhard Schoenberner
04/2012 - 01/2013 Studentische Mitarbeiterin der Direktion des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin (Prof. Dr. Dr. h.c. Sigrid Weigel und Prof. Dr. Stefan Willer)
10/2011-09/2013 Tutorin am Institut für Romanistik der Humboldt-Universität zu Berlin
10/2011-09/2013 Tutorin am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin
10/2010-07/2014 Masterstudium: Europäische Literaturen an der Humboldt-Universität zu Berlin
10/2007-02/2010 Mentorin für ErstsemstlerInnen an der Freien Universität Berlin am Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie
10/2006-09/2010 Bachelorstudium: Deutsche Philologie und Geschichte an der Freien Universität Berlin und der Université de La Réunion, Frankreich
Praktika
01-02/2014 Praktikum in der Museumsabteilung des Deutschen Literaturarchivs Marbach
09/2011 Praktikum im LiteraturHaus Kopenhagen, Dänemark
04-06/2010 Praktikum im Goethe-Institut Lyon, Frankreich

Vorträge und Publikationen

11/2018 Plastikmüll in der Literatur. Narrative einer ungewissen Substanz. Auftaktkonferenz des Projekts PlastikBudget: Plastikperspektiven - Historisch, ästhetisch, sozialwissenschaftlich. Kulturwissenschaftliches Institut Essen.
10/2018 Vom Suchen und Finden im Müll. Die Deponie als Topos der Kontingenz. Deutsch-Italienische Fachkonferenz: Narrative der Deponie. Literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf eine Entsorgungspraxis. Goethe-Universität Frankfurt am Main.
2018 KUNST-STOFFE. Der Zauber und Fluch materieller Persistenz am Beispiel von Dea Lohers Deponie. In: Hansen, Lis/Roose, Kerstin/Senzel, Dennis (Hg.): Die Grenzen der Dinge. Ästhetische Entwürfe und theoretische Reflexionen materieller Randständigkeit. Wiesbaden: Spinger.
2018 Die Grenzen der Dinge. Ästhetische Entwürfe und theoretische Reflexionen materieller Randständigkeit. Wiesbaden: Springer.  (Herausgeberschaft gemeinsam mit Kerstin Roose und Dennis Senzel).
2018 Abfall/Müll. In: Scholz, Susanne/Vedder, Ulrike (Hg.): Literatur und materielle Kultur. Berlin: De Gruyter.
2017 Das Immaterielle ausstellen. Zur Musealisierung von Literatur und performativer Kunst. Bielefeld: transcript. (Herausgeberschaft gemeinsam mit Janneke Schoene und Levke Teßmann).
2017 Verdammte Dinge: Tabu (und) Müll in der Literatur. In: Süwolto, Leonie (Hg.): Ästhetik des Tabuisierten in der Literatur- und Kulurgeschichte. Open-Access-Publikationen der Universitätsbibliothek Paderborn.
01/2017 Just one word: Plastics. Kulturelle und literarische Imaginationen von Kust-Stoffen. Freie Universität Berlin
07/2016 KUNST-STOFFE. Plastikmüll und Literatur am Beispiel von Dea Lohers Deponie. Workshop: Plunder-Müll-Makulatur. Die Grenzen der Dinge. Literatur und materielle Randständigkeit seit dem 19. Jahrhundert. Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin
06/2016 Dinge an der Grenze zur kulturellen Form: Transfer und Transformationsprozesse von Müll. MLA International Symposium: Other Europes: Migrations, Translations, Transformations. Heinrich Heine Universität Düsseldorf
06/2016 Dinge und kulturelle Formen. MLA Vorbereitungsworkshop: Zirkulation und Beweglichkeit kultureller Formen. Universität Wien
07/2015 Ships that stand still and islands that will never be visited - the usage of and breaking with classical travel topoi in contemporary German literature. DAAD Porstgraduate Summer School in German Studies: Culture in a Global Context. University of Oxford
06/2015 Kehrseiten der Kultur: Müll in der Literatur seit 1945. Inszenierungsstrategien und poetisches Potenzial. Workshop: Wörter und Sachen. Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin
09/2014 "Hartmut Hellmann stinkt!" Tabuisierung und poetisches Potential von Müll in Arne Rautenbergs Der Sperrmüllkönig und Wolfgang Herrndorfs Tschick. Workshop: Ästhetik des Tabuisierten in der Literatur und Kultur. Universität Paderborn