Die Sammlung Beetz

15 originale historische Hammerflügel der Jahre 1785 bis 1871

Das Spiel auf historischen Tasteninstrumenten erfährt in der aktuellen Musiklandschaft zunehmend Aufmerksamkeit und erweist sich als weitaus mehr als eine Mode-Erscheinung: Mit der Zahl der Interpret*innen wächst die Erkenntnis, dass wir Werke eines Beethoven, Schubert, Schumann oder Brahms auf Konzertflügeln moderner Bauweise tatsächlich nur verfremdet erleben.

Seit 2014 hat die exquisite Sammlung historischer Hammerflügel von Prof. Ulrich Beetz und Prof.‘in Birgit Erichson-Beetz ihr neues Zuhause in den Räumlichkeiten der Musikhochschule Münster gefunden (Hier ein Bericht der WWU-Zeitung wissen.leben.). Sie bietet eine der höchst seltenen Gelegenheiten, die klangliche Vielfalt historischer Tasteninstrumente zu entdecken.

Die Sammlung besteht inzwischen aus 15 originalen historischen Instrumenten der Baujahre 1785 bis 1871. Im Klavier-Atelier von Gert Hecher in Wien fachkundig restauriert stehen die Instrumente den Studierenden und Lehrenden der Musikhochschule für Studium und Konzerte zur Verfügung. In der Konzertreihe „Auf der Suche nach dem vollkommenen Klang" spielen unsere Studierenden diese Instrumente regelmäßig. Gastkonzerte und Meisterkurse auf und mit den Flügeln der Sammlung ergänzen und bereichern zudem das Konzert- und Lehrangebot der Musikhochschule Münster.

Unter der fachkundigen Führung von Prof. Beetz können die Instrumente im Kammermusiksaal der Musikhochschule auch besichtigt werden. Klangbeispiele ergänzen die Erläuterungen zu den baulichen Besonderheiten der Flügel und zu ihrer historischen Einordnung. Termine für Führungen werden im Veranstaltungskalender angekündigt, sie sind kostenfrei und ohne Voranmeldung zu besuchen. Größere Gruppen können gerne auch gesonderte Termine vereinbaren unter 0251 83-27457.

Zurzeit lassen die erforderlichen Corona-Schutzmaßnahmen leider keine Führungen zu. Konzerte finden statt wie im Semesterprogramm angekündigt.

Hier erhalten Sie einen kurzen Überblick über technische Daten der 15 Instrumente, erste visuelle Eindrücke und einige ausgewählte Klangbeispiele von der Sammlung Beetz:

  • Anonymus

    Anonymus

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | Österreich um 1785

    Kirsche, 227 cm, Tonumfang F1 - g3, Wiener Mechanik, 2 Kniehebel (Dämpfung und Moderator), geradsaitig

    Während der Restauration dieses Hammerflügels ergaben sich viele Fragen: Woher kommt der Flügel? Wer hat ihn gebaut? War er von Anfang an als Hammerflügel konzipiert oder sollte er anfänglich ein Cembalo werden?
    Viele Details sprechen für die letzte These. Sicher ist jedoch nur, dass es sich um einen österreichischen Hammerflügel handelt, der um 1785 gebaut und wenige Jahre später mit einem Moderator ausgestattet wurde. Leider haben die Motten, der größte Feind aller Klaviere, die Belederung und die Garnierungen zerstört. Dass dem Hammerflügel sein so runder und weicher Klang erhalten blieb, liegt unter anderem daran, dass die Hammerköpfe mit einem Leder aus der Zeit um 1800 restauriert wurden.
    Außer dem Notenpult und dem zerfressenen Leder war der Hammerflügel vollständig erhalten, auch die mit Elfenbein belegten Obertasten und schwarzen Untertasten. Durch eine aufwendige Restauration hat er seine alte Schönheit wiedererlangt.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel Anonymous, Österreich um 1785
    Wolfgang Amadeus Mozart: Fantasie d-Moll KV 397
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • John Broadwood & Son

    John Broadwood & Son

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | op 2079 | London 1808

    Mahagonifurnier, 227 cm, Tonumfang F1 - c4, Stoßzungenmechanik, drei Pedale (Verschiebung und geteilte Dämpfung), geradsaitig

    Dieser Flügel stammt noch aus der Werkstatt John Broadwood‘s und seines ältesten Sohnes James (John Broadwood and Son). Erst im Jahr 1808 erweiterte der Vater die Klavierfabrikation unter dem neuen Namen John Broadwood and Sons – nach Einbeziehung seines zweiten Sohnes Thomas in die Firma.
    Broadwood baute in dieser Zeit außer Tafelklavieren auch zwei Flügelmodelle, von denen das vorliegende das kleinere darstellt. Ein ähnlicher Flügel mit einem etwas erweiterten Tonumfang von C1 - c4 wurde 1817 als Geschenk an Ludwig van Beethoven nach Wien gesandt und trug wesentlich zur Legendenbildung um die Manufaktur bei.
    John Broadwood and Sons stieg zur bedeutendsten englischen Klavierfabrik des 19. Jahrhunderts auf und stellte 1848 Fredéric Chopin drei Instrumente für seine England-Tournee zur Verfügung.
    Bei seinem letzten Besuch in London 1886 spielte Franz Liszt einen Broadwood-Flügel.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von John Broadwood and Son, London 1808
    Joseph Haydn: Sonate Hob.XVI:34 1. Satz Presto
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Johann Christian Schleip

    Johann Christian Schleip

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Aufrechter Lyraflügel | Berlin 1823

    Mahagonifurnier, Tonumfang F1 – f4, aufrechte Stoßzungenmechanik, drei Kniehebel (Dämpfung, Fagott, Verschiebung), geradsaitig

    Um Platz zu sparen, entwickelten Klavierbauer aufrechte Hammerflügel. Der damalige Kunde konnte wählen, welches Design sein Flügel haben sollte, und sich zwischen einer Lyra-, einer Pyramiden-, einer Harfen- und einer Schrankform entscheiden.
    Johann Christian Schleip ist einer der bedeutendsten Klavierbauer für aufrechte Hammerflügel.
    Der Lyraflügel der Sammlung zeichnet sich durch ein wunderschönes Mahagonifurnier und feingliedrige Intarsien aus, die den Flügel zu einer Augenweide werden lassen. Da der Flügel durchweg 2-chörig bezogen ist, erklingt bei Gebrauch der Verschiebung ein faszinierendes una corda.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Johann Christian Schleip, Berlin um 1823
    Fanny Hensel geb. Mendelssohn Bartholdy: Lied op.6 Nr.2 aus „Vier Lieder für das Pianoforte“
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Conrad Graf

    Conrad Graf

    © MHS, Bernd Schwabedissen
    • © MHS, Bernd Schwabedissen

    Hammerflügel | op. 1101 | Wien um 1825

    Mahagonifurnier, 245 cm, Tonumfang C1 – f4, Wiener Mechanik, fünf Pedale (Dämpfung, Verschiebung, Piano, Pianissimo, Fagott), geradsaitig

    Conrad Graf, geb. am 17.11.1782 in Riedlingen, zog 1799 mit 17 Jahren als gelernter Tischler nach Wien, gründete 1804 seine eigene Werkstatt und legte 1822 den Bürgereid ab. 1824 erhielt er den Titel „k. k. Hof-Piano- und Klaviermacher“. Sein Ruf als Klavierbauer verbreitete sich von Wien aus sehr schnell über ganz Europa.
    Ludwig van Beethoven, dem Conrad Graf auf Grund seiner Taubheit einen extra lauten 4-chörigen Flügel baute, Frederic Chopin, der sein erstes Konzert am 11.8.1829 in Wien auf einem Graf-Flügel spielte, und Franz Liszt gehörten ebenso zu den Bewunderern der Graf‘schen Klavierbaukunst wie Clara Wieck, der Graf 1838 einen seiner Flügel schenkte. Robert Schumann liebte diesen Flügel bis zu seinem Tode. Danach verschenkte ihn Clara an Johannes Brahms, der ihn wiederum noch zu Lebzeiten an die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien weiter schenkte, wo er noch heute bewundert werden kann.
    1835 wurde Conrad Graf bei der Gewerbeproduktenausstellung in Wien mit einer „Goldmedaille“ ausgezeichnet. 1841 verkaufte er seine Werkstatt an den Klavierbauer Carl Andreas Stein und wurde ein leidenschaftlicher Kunstsammler. 10 Jahre später, am 18.03.1851, verstarb Conrad Graf in Wien. Eine posthume Ehrung erfuhr Conrad Graf 1873: Bei der Weltausstellung in Wien wurde der Schumann‘sche Graf-Flügel einer großen Öffentlichkeit präsentiert.
    Der in der Musikhochschule beheimatete Flügel von Conrad Graf op. 1101 stammt vermutlich aus dem Jahr 1825.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Conrad Graf, Wien 1826/27:
    Franz Schubert: Impromptu op.90 Nr.4 - As-dur
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Johann Fritz

    Johann Fritz

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | Wien um 1830

    Furnier aus geriegelter ungarischer Blumenesche, 241 cm, Tonumfang C1- g4, Wiener Mechanik, vier Pedale (Verschiebung, Pianissimo, Piano und Dämpfung), geradsaitig

    Johann Fritz gehörte seit ca. 1805 zu den führenden Wiener Klavierbauern. Er gilt als mutmaßlicher Schüler Anton Walters. Das vorliegende Instrument stammt aus der letzten Phase von Fritz` Wirken, in den 1830er Jahren übergab er die Firma an seinen Sohn.
    Der Flügel betört durch seinen brillanten, klaren Ton und das fast psychedelisch anmutende, äußerst seltene und wertvolle Furnier (geriegelte ungarische Blumenesche). Die Besaitung ist etwa noch zu 60 Prozent im originalen Zustand, ebenso stammen die Hammerköpfe aus der Entstehungszeit des Flügels.
    Die Klanglichkeit des Instruments ist besonders in der Musik Franz Schuberts, den frühen Werken Felix Mendelssohn Bartholdys sowie Robert Schumanns hörbar. Auch Fredéric Chopin fand bei seinen Wiener Aufenthalten in den Jahren 1829 bis 1831 die differenzierte Klangcharakteristik der Flügel dieser Jahre vor. Franz Liszt hatte sie schon während seiner Jugend und Ausbildung in Wien in den Jahren 1822/23 kennengelernt.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Johann Fritz, Wien 1828
    Franz Schubert: Impromptu op.90 - Ges-Dur
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Friedrich Hoxa

    Friedrich Hoxa

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | Wien um 1840

    Nussbaumfurnier, 240 cm, Tonumfang C1 - g4, Wiener Mechanik, zwei Pedale (Dämpfung und Verschiebung), geradsaitig

    Friedrich Hoxa gehört zu den bedeutenden Wiener Klavierbauern. Der von ihm um 1840 gebaute Flügel, ausgestattet mit einer Wiener Mechanik, zeichnet sich durch eine Konstruktion aus, die zu dieser Zeit nicht mehr üblich war. So besitzt er einen Holzanhang und keine Spreizen, was bedeutet, dass der gesamte Saitenzug durch die Holzkonstruktion aufgefangen wird. Die Hammerköpfe sind original beledert und die ebenfalls originale Besaitung ist vollständig erhalten. Sie ist mit verantwortlich für den sehr warmen, intimen Klang dieses Instruments, ein Zeugnis der Mannigfaltigkeit des Klavierklangs dieser Epoche.
    Eine Augenweide bietet das wunderschöne, ausdrucksstarke Nussfurnier, eine wahre Zierde für den damaligen Salon.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Friedrich Hoxa, Wien um 1840
    Fanny Hensel geb. Mendelssohn Bartholdy: Melodie op.4 Nr.2 aus Six Mélodies pour le Piano
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Carl Stein

    Carl Stein

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | Wien um 1840

    Mahagonifurnier, 220 cm, Tonumfang C1 - g4, Wiener Mechanik, zwei Pedale (Dämpfung und Verschiebung), geradsaitig

    Carl Stein (1797 – 1863) entstammt der größten Klavierbaudynastie Wiens und gilt als einer der bedeutendsten Klavierbauer seiner Zeit. Sein Vater, André Stein (1776 – 1842), seine Tante Nannette Streicher, geb. Stein (1769 – 1833), die beste Klavierbauerin aller Zeiten in Wien, sein Cousin Johann Baptist Streicher (1796 – 1871) und sein Großvater, Andreas Stein (1728 – 1792), der Erfinder der Prellmechanik (Wiener Mechanik), bilden sein klavierbautechnisches familiäres Umfeld.
    1842 kaufte Carl Stein 45-jährig die Werkstatt von Conrad Graf, dem damals bekanntesten Klavierbauer Wiens, und übernahm im selben Jahr die Werkstatt seines Vaters André Stein.
    Carl Stein entwickelte ein eigenes Konzept für den Bau seiner Instrumente, die ihm höchste Anerkennung zuteilwerden ließ. So schrieb der ebenso renommierte wie gefürchtete Wiener Kritiker Eduard Hanslick in seinem Buch „Geschichte des Concertwesens“: „In den dreißiger Jahren waren die Claviere von Conrad Graf und Carl Stein die beliebtesten und in Concerten am häufigsten verwendet.“
    Der Carl Stein-Flügel in der Sammlung Beetz ist in seiner Substanz nahezu vollständig erhalten, die Restaurierung bezog sich im Wesentlichen auf die Stabilisierung der Leimfugen. Das Furnier wurde geleimt und die Politur aufgefrischt, Mechanik und Saiten wurden gereinigt. Ersetzt werden musste die Belederung der Hammerköpfe.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Carl Stein, Wien um 1840:
    Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 30 op.109 E - dur
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Johann Baptist Streicher

    Johann Baptist Streicher

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | op. 3463 | Wien 1841

    Pyramidenmahagonifurnier, 240 cm, Tonumfang C1- g4, Stoßzungenmechanik, zwei Pedale (Dämpfung und Verschiebung), geradsaitig

    Dieser mit einer hinterständigen Stoßzungenmechanik ausgestattete „Hammerflügel op. 3463“ ist der älteste erhaltene Streicher-Flügel mit obenliegender Eisenverspreizung.
    Eine mit Messingblech armierte Anhangplatte und ein mit Messing überzogener Stimmstock lassen ahnen, dass der damalige Käufer etwas Besonderes erwerben wollte. Statt einer liegenden Dämpfung wurde eine Stiefeldämpfung eingebaut, die an der Vorderseite aufwendige Messingintarsien aufweist.
    In das prächtige, geriegelte Pyramidenmahagonifurnier wurden an der Sockelleiste umlaufende Adern eingearbeitet. Sicher ist dieser Flügel ein Zeuge der hohen Klavierbaukunst seiner Zeit.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Johann Baptist Streicher, Wien 1841
    Robert Schumann - Franz Liszt: Widmung
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Pleyel

    Pleyel

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | op. 11628 | Paris um 1843

    Mahagonifurnier, 200 cm, Tonumfang C1 - g4, Stoßzungenmechanik, zwei Pedale (Verschiebung, Dämpfung), geradsaitig

    Der österreichische Komponist Ignaz Josef Pleyel gründete 1807 in Paris die Klavierfabrik Ignace Pleyel & Comp.ie, die sich neben der Firma Erard zum größten und bekanntesten Hersteller französischer Klaviere entwickelte. Sein Sohn Camille führte die Firma zu Weltruhm und begründete zusammen mit seiner Frau Marie die berühmten „Salon“-Konzerte, ein Treffpunkt für Künstler. Frederic Chopin wählte diesen Ort für sein Debut in Paris und war fortan von den Flügeln der Firma Pleyel begeistert.
    Chopin soll gesagt haben, dass er, wenn er sich sehr gut fühle, Pleyel-Flügel spiele, denn auf diesen könne er die Töne individuell und feinst nuancieren. Wenn er sich allerdings nicht so gut fühle, bevorzuge er Erard-Flügel, weil diese in ihrer Klanggestaltung einfacher zu einem guten Ergebnis führten.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Pleyel, Paris um 1843
    Frédéric Chopin: Walzer op. 64 Nr.2 cis-moll
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Érard

    Érard

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | op.1459 | London 1844

    Palisanderfurnier, 240 cm, Tonumfang C1 - g4, Érard´sche Doppelrepetitionsmechanik, zwei Pedale (Verschiebung und Dämpfung), geradsaitig

    Der geniale Instrumentenbauer Sébastien Érard (1752 – 1831), Erfinder der Doppelrepetitionsmechanik, arbeitete ursprünglich in Paris, floh jedoch vor der Französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts nach London. Dort baute er vorwiegend Harfen und erfand die Pedalharfe, die das Spiel in allen Tonarten ermöglicht.
    Nach seiner Rückkehr nach Paris blieb die Londoner Manufaktur bestehen. Sie produzierte nun auch Klaviere, die dem englischen Geschmack nur leicht angepasst wurden, in der Konstruktion jedoch den Pariser Modellen entsprachen. Klanglich sind diese englischen Érard-Flügel jedoch weicher und romantischer als seine Pariser Modelle.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel op. 1459 von Érard, London 1844
    Frédéric Chopin: Mazurka op.24 Nr. 2
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Julius Blüthner

    Julius Blüthner

    © MHS, Bernd Schwabedissen
    • © MHS, Bernd Schwabedissen

    Hammerflügel | op.1648 | Leipzig 1864

    Palisanderfurnier, 220 cm, Tonumfang A2 - a4, Blüthner'sche Patentmechanik, zwei Pedale (Verschiebung und Dämpfung), geradsaitig

    Julius Blüthner gründete seinen zunächst kleinen Betrieb mit nur drei Gesellen im Jahr 1853. Rasch entwickelte er sich jedoch zu einem führenden und auch größten Klavierhersteller Deutschlands. Instrumente der Firma wurden buchstäblich in alle Welt exportiert. Das Modell mit 220 cm ist ein größerer Salonflügel, der mit seinem warmen, romantischen Klang das legendäre Klangideal der Blüthner´schen Instrumente belegt.
    Abgesehen vom Drang der Musiker nach immer neuen Instrumenten sind sicher die Zerstörungen des 2. Weltkrieges ein Grund dafür, dass nicht mehr viele Instrumente aus der frühen Zeit des Blüthner´schen Klavierbaus existieren. Umso erfreulicher ist, dass es einen frühen Flügel in der Sammlung gibt, dessen Mechanik und Besaitung sich noch im originalen Zustand befinden. Die Filze der Hammerköpfe sind, wie damals üblich, im Diskant mit Leder überzogen.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Julius Blüthner, Leipzig 1864
    Claude Debussy: Sarabande, aus der Suite Pour le piano
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Wenzel Tomaschek

    Wenzel Tomaschek

    © MHS, Bernd Schwabedissen
    • © MHS, Bernd Schwabedissen

    Hammerflügel | Wien 1864

    Palisanderfurnier, 220 cm, Tonumfang A2 - a4, Wiener Mechanik, zwei Pedale (Verschiebung und Dämpfung), geradsaitig

    Die kleine Wiener Klavierbaufirma Tomaschek existierte über drei Generationen. Aus ihrer Werkstatt stammen wenige, aber sehr gute Instrumente.
    Als einer der ersten Wiener Klavierbauer übernahm Wenzel Tomaschek vom französischen und englischen Klavierbau den Extra-Tastendeckel. Bis dahin war ein zusammenhängender Klavierdeckel mit bis zu fünf Umschlägen gebräuchlich. Der Tastendeckel dieses Instruments besticht durch seinen hochklassigen, wunderschön mit Messing- und Perlmutteinlagen gearbeiteten Namenszug.
    Da der Flügel in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist, kann er als ein höchst authentischer Klangzeuge seiner Zeit gelten.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Wenzel Tomaschek, Wien um 1864
    Pjotr Tschaikowski – Michail Pletnjow: Andante maestoso aus der Konzertsuite des Balletts „Der Nussknacker“
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Theodor Stöcker

    Theodor Stöcker

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Oberschlägiger Hammerflügel | op. 982 | Berlin 1869

    Palisanderfurnier, 228 cm, Tonumfang A2 - a4, Pape´sche/Stöcker´sche oberschlägige Mechanik, zwei Pedale (Verschiebung und Dämpfung), geradsaitig

    Unter den Instrumenten der Sammlung ist dieses durch seine oberschlägige Mechanik und den ungeheuren technisch-handwerklichen Aufwand wohl das exotischste. Stöcker wurde in Paris bei Henri Pape ausgebildet, dessen oberschlägiges System er übernahm und in seiner Berliner Fabrik ausschließlich produzierte bzw. im hauseigenen Konzertsaal vorführte.
    Das vorliegende Instrument aus seiner späten Schaffensphase, das größere von Stöckers zwei Modellen, stellt mit seinem enorm kräftigen Klang die Vorteile der oberschlägigen Konstruktion (Anschlag der Saite zum Resonanzboden hin) klar unter Beweis. Stöcker baute ca. 1.000 Flügel, doch aufgrund seiner beständigen Suche nach technischen und klanglichen Verbesserungen waren Instrumente selten baugleich. Heute existieren noch ca. 50 Instrumente, spielbar sind zurzeit allerdings nur sieben von ihnen.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Theodor Stöcker, Berlin 1868/69
    Claude Debussy: Rêverie
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • Carl Bechstein

    Carl Bechstein

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | op. 4024 | Berlin 1869/70

    Palisanderfurnier, 240 cm, Tonumfang A2 - a4, Kriegelstein-Mechanik, zwei Pedale (Verschiebung und Dämpfung), geradsaitig

    Carl Bechstein gründete seine Klavierfabrik 1853 in Berlin und machte sie binnen 40 Jahren – vielleicht in Konkurrenz zur Blüthner´schen Klavierbaukunst – zu der berühmtesten Klavierbaufirma Deutschlands.
    Wie alle Instrumente dieser Sammlung hat auch dieser Flügel noch einen geradsaitigen Bezug, das bedeutet, dass alle Saiten parallel angeordnet sind. Beim kreuzsaitigen Bezug, der schließlich zur Grundform des modernen Klavierbaus wurde, werden die Saiten der Bassregion diagonal über die anderen geführt. Schon bald nach Gründung der Bechstein‘schen Klavierbaufirma wurden Komponisten und Pianisten wie Franz Liszt und Richard Wagner auf seine Instrumente aufmerksam und bevorzugten diese.
    Mit Franz Liszt verband Carl Bechstein eine tiefe Freundschaft und Claude Debussy sagte über Bechsteins Flügel: „Man sollte Klaviermusik nur für den Bechstein schreiben“.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel von Carl Bechstein, Berlin 1869/70
    Franz Liszt: Aux cyprès de la Villa d´Este (I) / Thrénodie aus „Années de pèlerinage“
    Pianistin: Iryna Stupenko

  • J. B. Streicher & Sohn

    J. B. Streicher & Sohn

    © MHS, Hanna Neander
    • © MHS, Hanna Neander

    Hammerflügel | op. 7200 | Wien 1871

    Palisanderfurnier, 240 cm, Tonumfang A2 - a4, Streicher'sche Patentmechanik, zwei Pedale (Verschiebung und Dämpfung), geradsaitig

    Die Firma Streicher gehörte zwar nicht zu den großen Stückzahl-Produzenten, wohl aber zu den renommiertesten Firmen der Klavierbaugeschichte überhaupt. Sie existierte von 1794 bis 1896. Dieser palisanderfurnierte Flügel wurde 1871, im Todesjahr von Johann Baptist Streicher, gebaut.
    Der spezielle Klang der Instrumente von Streicher muss schon damals sehr überzeugend gewesen sein, wie man aus den genauestens geführten Firmenbüchern und Korrespondenzen erfahren kann. Kennzeichnend ist nicht nur das wunderbar tiefe Bassregister, sondern auch der klare, helle und singende Diskant.
    Der berühmteste Besitzer eines 2,40 m langen Streichers dieser Modellreihe war Johannes Brahms.


    Klangbeispiel

    Hammerflügel op. 7200 von J. B. Streicher & Sohn, Wien 1871
    Johannes Brahms: Intermezzo aus Klavierstücke op.119 Nr.1
    Pianistin: Iryna Stupenko