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Das Seminar gibt einen Überblick über die ökonomischen, politischen, rechtlichen und technischen Besonderheiten des deutschen Mediensystems. Ferner wird schlaglichtartig zu spezifischen Mediensystemen in anderen Ländern der Erde Bezug genommen. Diese Grundlagenkenntnisse sollen dazu befähigen, Entwicklungen innerhalb der Medienöffentlichkeit(en) kompetent zu analysieren und einzuordnen.
Im ersten Teil des Seminars werden Grundlagen des deutschen Mediensystems entlang spezifischer Themenbereiche erarbeitet und anhand gegenwärtiger Herausforderungen reflektiert. Dazu gehören u.a.:
- Auswirkungen der Ökonomisierung und Digitalisierung auf Geschäftsmodelle (z.B. Plattformisierung des Journalismus)
- Regulierung von Sozialen Medien ohne Gefährdung der Meinungsfreiheit
- Kennzeichnung von Werbung in Sozialen Medien
- Datenmacht der IT-Konzerne
Im zweiten Teil des Seminars werden ergänzend Besonderheiten und Entwicklungen ausgewählter internationaler Mediensysteme thematisiert, wie zum Beispiel Aspekte der Zensur im Iran oder der Wandel nordafrikanischer Mediensysteme während des Arabischen Frühlings.
Leistungsnachweis: Von den Teilnehmer*innen wird neben aktiver Mitarbeit und vorbereitender Lektüre die Bearbeitung kleinerer Übungsaufgaben gefordert.
Prüfungsleistung: Klausur
- Lehrende/r: Stephan Niemand
Wenn man in ein System fördernd eingreifen will, muss man es zunächst in seinem Aufbau und seinen Zusammenhängen verstanden haben. Das Seminar behandelt die grammatischen Strukturen der deutschen Sprache auf Wort-, Satz- und Textebene, deren Verständnis eine wichtige Voraussetzung für richtiges Schreiben und angemessenes Leseverstehen, Textverstehen und für die Textproduktion ist. Das erworbene Wissen über Grammatik und Sprachentwicklung und die erworbenen Analysefähigkeiten in diesen Bereichen sind für angehende Förderlehrkräfte unerlässlich, um individuelle Förderbedarfe zu erkennen.
- Lehrende/r: Antje Dammel
- Lehrende/r: Christian Sieg
Der Pressespiegel zu Babylon Berlin (D 2017–) liest sich wie ein Loblied. Von einer „Serie der Superlative” (Deutschlandfunk Kultur) ist da die Rede, einer „Reise in die Abgründe der deutschen Seele”, einem „beeindruckende[n] Panorama” in „opulenten Bildern”, wobei zugleich durchaus auch die „Schattenseiten” der Zeit um 1920/30 Eingang finden (Stern.de).
Ganz offensichtlich trifft die Produktion einen Nerv der Zeit, und dies nicht nur medial, im Kielwasser der vielen aufwendigen und komplex erzählten Serien im internationalen Filmgeschäft (wie z. B. Downton Abbey, Peaky Blinders, Boardwalk Empire), sondern auch im Hinblick auf die Beschäftigung mit der ‚deutschen Kultur‘ vor einem Jahrhundert: Die „Faszination am Berlin der 20er”, so heißt es beim Deutschlandfunk zum „Mythos ‚Babylon Berlin‘, sage etwas „über unsere heutige Zeit aus”.
Doch warum überhaupt die 1920er in der Rückschau? Offensichtlich dient die Serie vor allem der Aushandlung des aktuellen kulturellen Selbstverständnisses, einer in vielerlei Hinsicht modellbildenden Rückschau auf eine Zeit, die mit dem eigenen Entstehungskontext in Beziehung steht. Entsprechend wäre Babylon Berlin als medialer Verhandlungsort, als kultureller Speicher primär für unsere heutige Gegenwart und ihr retrospektives Geschichtsbild aufzufassen: Die Wahl des Sujets und die raumzeitliche Situierung deuten auf die Einbindung in zeittypische und gegenwartsdiagnostische Diskurse hin, wodurch die Serie sich ins Verhältnis zu anderen Medientexten setzt, die ebenfalls die 1920er-Jahre thematisieren (wie z.B. die Serien Eldorado KaDeWe und Das Haus der Träume).
Es ließen sich daraus Rückschlüsse ziehen nicht nur auf das aktuelle Bild der Weimarer Republik, sondern gleichfalls auf das Selbstverständnis der Kultur der 10er- und 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts, und fragen, inwiefern dieser hinsichtlich seiner politischen Implikationen brisante, auch mediengeschichtlich bemerkenswerte „Schnittpunkt” von 1929 Ausgangspunkt einer Diskussion des gegenwärtigen Gesellschaftsbildes wird, überhaupt werden kann (Andriopoulos/Dotzler).
Nähert man sich diesem Komplex auf medienkulturwissenschaftlichem Wege an, bieten sich zwei grundsätzliche Zugriffe an: zunächst auf die mediale Darstellung der Serie und ihre Verfahren, d.h. ihre Machart, fiktionsinterne Logiken und Erzählweisen sowie Anlage und Konzeption der Retrospektive auf die ‚Goldenen Zwanziger‘, jenen ‚Tanz auf dem Vulkan‘, dessen angloamerikanisches Pendant die ‚Roaring Twenties‘ sind. Und dies umso mehr, als Babylon Berlin offensichtlich Strategien der medialen Selbstrepräsentation der 1920er-Jahre einerseits aufgreift und neu inszeniert, andererseits als Kommunikat der späten 2010er- und frühen 2020er-Jahre distribuiert wird, wobei ihr Diskurse des spätmodernen 21. Jahrhunderts eingeschrieben sind. Dies der Zugriff auf die Serie als ‚re-modellierender‘ Brückenschlag.
Das Seminar soll diesen Fragen und Aspekten nachgehen. Dazu werden (1) Grundlagen und Arbeitskontexte der Serienforschung erarbeitet, um (2) Ästhetik, Erzählweisen und Logiken der Serie in den Blick zu nehmen. Neben Gestaltungsaspekten der Produktion selbst sollen (3) insbesondere die medienoperative Retrospektive der 2020er auf die 1920er sowie die Vergleichsebene zu ähnlichen retrospektiv(-historisch) angelegten Serienproduktionen in den Blick rücken.
Hinweis: Die Veranstaltung findet außerplanmäßig in Kombination mit dem Forschungskolloquium „Wege der Literatur- und Mediensemiotik” statt. Sie bietet demnach also ebenso Raum für die Präsentation von Masterarbeitsprojekten. Eingeladen sind alle Interessent:innen und bisherigen Teilnehmer:innen.
- Lehrende/r: Stephan Brössel
Auf 35 Studierende begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich!
Bevor das deutsche Bildungswesen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts zu einer „Veranstaltung des Staates“ wurde, wie es im preußischen Landrecht 1794 heißt, wurde es über Jahrhunderte hinweg von der Kirche organisiert, geleitet und beaufsichtigt. Mit dem Einsetzen der Reformation und der darauf antwortenden Gegenreformation bildeten sich im Konfessionellen Zeitalter ganz unterschiedliche konfessionelle Traditionen und Glaubenslehren heraus, die sich spürbar auf die Universitätslehre und den Schulunterricht in den nun entweder lutherischen, reformierten oder katholischen Staaten des deutschen Reiches auswirkten. Die von Protestanten und Katholiken im Gegensatz oder Wetteifer formulierten Bildungskonzepte prägten die deutsche Bildungslandschaft bis in die Zeit der Spätaufklärung und teilweise darüber hinaus.
- Lehrende/r: Andreas Oberdorf
Der Parteienstreit zwischen den sogenannten „Klassizisten” oder „Traditionalisten” auf der einen und den „Neudeutschen” bzw. der „Fortschrittspartei” auf der anderen Seite schlug hohe Wellen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der mitteleuropäischen Musik.
Die erste Gruppe setzte sich zusammen u.a. aus dem in Musikerkreisen schon damals hochgeschätzten jungen Johannes Brahms, dem einflussreichen Geiger und Brahms-Förderer Joseph Joachim, dem (lange in Münster wirkenden) Komponisten und Dirigenten Julius Otto Grimm,
dem Dirigenten des Breslauer Orchestervereins Bernhard Scholz, sowie später dem Brahms und seine Musik bewundernden Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick.
Auf der Seite der „Neudeutschen” fanden sich zunächst der Musikkritiker und Journalis Franz Brendel, der 1844 die Nachfolge Robert Schumanns als Leiter der Leipziger „Neuen Zeitschrift für Musik” antrat sowie die Komponisten Hector Berlioz, Franz Liszt, Richard Wagner und später Hugo Wolff, schließlich wurde Anton Bruckner als symphonischer Gegenspieler Brahms’ ohne eigene Aktivität in diesen Parteienstreit mit hineingezogen.
Auffällig ist, dass die maßgeblichen Komponisten der „Neudeutschen” (Berlioz und Liszt) keine Deutschen waren und Richard Wagners Schwerpunkt trotz zweier kaum bedeutender früher Sinfonien im Komponieren von Opern/Musikdramen bestand. Gleichwohl ist Wagner durch seine phänomenale Art der Orchestersprache und sein Schrifttum eine entscheidende Gestalt in diesem Parteienstreit.
1860 erschien ein kurzes Manifest, in dem die vier Unterzeichner Brahms, Grimm, Joachim und Scholz ihren Unmut darüber bekunden, dass die NZfM unter Franz Brendel in ihren Rezensionen und Artikeln eben die musikalische und musikästhetische Richtung bevorzuge und fördere, die dem ästhetischen Empfinden der Unterzeichner zuwider war, nämlich die Programm-Sinfonien von Berlioz’ und insbesondere die Sinfonischen Dichtungen Franz Liszts
Im Seminar soll diese Weichenstellung zu der großen Frage, wie es mit der Sinfonie nach Beethoven weitergehen könne, umfassend aufgearbeitet werden.
Johannes Brahms hat mehrfach in Münster konzertiert und am 25. Januar 1881 in Münster in einem Sinfoniekonzert im Theater u.a. seine zweite Sinfonie dirigiert
und als Pianist Robert Schumanns halbstündige C-Dur-Fantasie op.17 gespielt.
Es ist vorgesehen, dass die Studierenden Referate („Mitgestaltung einer Veranstaltungseinheit einer Veranstaltungsreihe”) halten, in denen sie konzentriert bestimmte Aspekte ausarbeiten und zur Diskussion stellen.
Als Seminarleiter übernehme und ergänze ich entsprechend. Es sollen also nicht die kompletten Sitzungen mit Referaten zugebracht werden. Wie immer geht es in meinen Seminaren um einen Einblick in die entsprechende Epoche anhand großer Komponisten und deren Schaffen. Wir werden natürlich viel hören und zur Repertoire-Kenntnis beitragen, ohne die Diskussionen über Komponisten sinnlos wären.
Wer teilnehmen möchte, sollte bereit sein, Werke kennenzulernen und im Referat vorzustellen. Literaturhinweise kommen, ein Seminar-Apparat mit den wichtigsten Titeln wird eingerichtet, Materialien werden wie üblich im Learnweb verfügbar sein.
- Lehrende/r: Markus Giljohann
Auf 35 Studierende begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich!
Der mährische Pädagoge Johann Amos Comenius (1592-1670), der auch als Bischof der böhmischen Brüdergemeinde wirkte, war im 17. Jahrhundert einer der am weitesten gereisten Erziehungsschriftsteller und Schulpraktiker seiner Zeit. Der in ganz Europa gefragte Mann arbeitete und wirkte sowohl in seiner tschechischen Heimat, im deutschen Reich, in Schweden, Polen, Ungarn und England als auch Holland, wobei es ihm gelang, seinen Erziehungsvorstellungen eine weite Verbreitung und hohe Popularität zu verschaffen. Sein Hauptwerk ist die in lateinischer Sprache verfasste „Didactica magna“ [Große Didaktik] aus dem Jahr 1657. Damit tritt er als Erfinder der modernen Didaktik in Erscheinung. Dieses wichtige Buch, das wichtige und bahnbrechende Passagen zur Friedens- und Umweltpädagogik, zur religiösen Toleranz und zur Inklusion enthält, soll im Seminar in einer modernen deutschen Übersetzung gelesen und ausführlich diskutiert werden. Im Rahmen des Seminars wird auch eine Exkursion in die Niederlande in die Stadt Naarden angeboten, wo sich das Grab des Comenius und ein ihm gewidmetes Museum befindet.
- Lehrende/r: Jürgen Overhoff
Learnwebkurs der Arbeitsgemeinschaft zum Deutschen und Europäischen Verfassungsrecht I für Wiederholerinnen und Wiederholer, AG-Leiterin: Maren Eilers, Raum: AUB 215, Zeit: 18-20 Uhr (c. t.).
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Herzlich Willkommen im Sommersemester 2024 und dem Learnwebkurs der Arbeitsgemeinschaft zum Deutschen und Europäischen Verfassungsrecht I für Wiederholerinnen und Wiederholer.
Wir treffen uns ab dem 25.4.2024 mittwochs von 18-20 Uhr (c.t.) im Raum AUB 215. Den Raum findet ihr in der Alten Universitätsbibliothek (Bispinghof 24/25).
WICHTIG: Da der 1. Mai auf einen Mittwoch fällt, findet unsere zweite AG-Einheit am Montag, den 29.4. ebenfalls von 18-20 Uhr (c.t.) im Raum F 040 im Fürstenberghaus (Domplatz 20-22) statt.
Die Fälle für die erste Einheit findet ihr bereits jetzt hier im Kurs. Macht euch gerne bereits erste Gedanken dazu, sodass wir am Mittwoch produktiv starten können.
Ich freue mich auf die Arbeit mit euch! :-)
Bis dahin,
Maren
In diesem Seminar werden ausgewählte strukturelle Merkmale des Deutschen aus sprachvergleichender Sicht betrachtet und typologisch eingeordnet. Dabei wird gefragt, wie andere Sprachen in Bezug auf diese Merkmale strukturiert sind und wie sich das Deutsche im Sprachvergleich verhält. Folgende Fragen können gestellt werden: Ist es typisch, dass Sprachen (drei) Genera unterscheiden? Welche Wortstellungstypen kommen in den Sprachen der Welt vor und wie "typisch" ist das Deutsche diesbezüglich? Worin unterscheidet sich das Deutsche von anderen Sprachen in Bezug auf sein Phonemsystem? Diese und viele weitere spannende Fragen werden es uns erlauben, die wesentlichen Merkmale des Deutschen mit denen anderer Sprachen zu kontrastieren und damit die Besonderheiten des Deutschen im Vergleich zu anderen Sprachen herauszuarbeiten. Diese Kenntnis ist neben der Sprachtypologie und Kontrastiven Linguistik auch für den DaF/DaZ-Bereich von Interesse.
- Lehrende/r: Katerina Stathi
Nach der Einführung von Grundbegriffen der kontrastiven Linguistik geht es um ausgewählte lexikalische und grammatische Bereiche der italienischen Sprache, die im Vergleich mit dem Deutschen besondere Aufmerksamkeit verdienen und interessante Unterschiede zeigen. Hierzu gehören z.B. die Wortstellung, das Passiv und verwandte Konstruktionen, Ausdrucksformen der Modalität, Höflichkeitsformen oder Anredeformen sowie bestimmte Wortfelder. Neben dem Systemvergleich werden anhand ausgewählter Korpora gesprochener und geschriebener Sprache (u.a. literarischer Texte), auch Probleme des Übersetzungsvergleichs und der Fremdsprachendidaktik thematisiert. Anmeldung über HISLSF.
- Lehrende/r: Lena Pauline Saur
- Lehrende/r: Georgia Veldre-Gerner
Ulrich Beck war ohne Frage einer der (auch international) prominentesten deutschen Soziologen der jüngeren Vergangenheit. Sein letztes Buch, „Die Metamorphose der Welt“ (2015), soll im Seminar als Ausgangspunkt dienen, um sich mit Becks Soziologie und seinen Zeitdiagnosen (kritisch) auseinanderzusetzen.
- Lehrende/r: Björn Wendt
Die Übung bietet eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten der deutsch-jüdischen Migrationen in die Vereinigten Staaten im 19. und 20. Jahrhundert und schafft dadurch ein umfassendes Verständnis für die historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Dynamiken unterschiedlicher Migrationswellen. Die Veranstaltung betrachtet dabei nicht nur die jüdische Einwanderung im 19. Jahrhundert, die einen bedeutenden Teil der umfassenderen deutschen Einwanderungswelle Richtung Nordamerika darstellte, sondern richtet den Blick auch auf Flucht und Migration deutscher Juden und Jüdinnen während der Zeit des Nationalsozialismus. Vergleichend werden verschiedene Gründe für Migration bzw. Flucht untersucht. Zusätzlich werden Schlüsselthemen wie jüdische Identität als religiöse und ethnische Zugehörigkeit, die Assimilation der deutschen Juden und Jüdinnen in sowohl Deutschland als auch in den USA, Gender und die Rolle von jüdischen Frauen in der Migration, sowie die Beziehungen der deutsch-jüdischen Migrant*innen zu anderen ethnischen Gruppen analysiert. Der US-amerikanische Staat und seine Einwanderungspolitiken werden ebenso untersucht wie jüdische Migration in Vororte und Metropolen und die Entstehung jüdischer Zentren sowie deutsch-jüdische säkuläre und religiöse Organisationen und Institutionen.
- Lehrende/r: Hannah Elisabeth Kemper
Im Deutschen – ebenso wie in den meisten anderen Sprachen – gibt es eine Klasse von Ausdrücken, mir deren Hilfe wir uns auf einzelne Gegenstände beziehen können. Dazu zählen etwa Eigennamen („Olaf Scholz”, „Annalena Baerbock”), Demonstrativpronomen („Dies”, „Dort”), oder bestimmte Kennzeichnungen („Die größte Frau der Welt”, „Der diesjährige Torschützenkönig”). Aber was bedeutet es eigentlich, dass ein solcher Ausdruck sich auf einen einzelnen Gegenstand bezieht? Und wie genau geht diese Bezugnahme im Falle der verschiedenen Ausdrücke vonstatten? Diese und ähnliche Fragen haben in der Geschichte der Sprachphilosophie eine zentrale Rolle gespielt und stehen noch immer im Zentrum zahlreicher Debatten innerhalb und außerhalb der Sprachphilosophie. In dem Seminar werden wir die Debatte um die Natur dieser sog. singulären Bezugnahme anhand einschlägiger Texte nachvollziehen und kritisch reflektieren.
- Lehrende/r: Dirk Franken
Der Sprachkontakt zwischen dem Deutschen und den slavischen Sprachen geht viele Jahrhunderte zurück. Dementsprechend groß sind die gegenseitigen Einflüsse, ebenso vielfältig die sozialen und kulturellen Bezüge der einzelnen Kontaktsituationen. Im Proseminar widmen wir uns den diversen Formen dieses Sprachkontakts. Wir beginnen mit einer allgemeinen Einführung in die Sprachkontaktforschung, bei der wir soziolinguistische Aspekte und durch Kontakt ausgelösten Sprachwandel genauer betrachten. In weiterer Folge gehen wir genauer auf die slavischen Sprachen im deutschsprachigen Raum und die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem Deutschen und dem Slavischen ein. Der Fokus liegt dabei auf dem Polnischen, Russischen und Tschechischen.
Im Laufe der ersten Wochen wird für alle Teilnehmer:innen ein eigenes Thema für ein Referat und die abschließende Proseminararbeit (10–12 Seiten) gefunden. Literatur wird den ausgewählten Themen entsprechend empfohlen.
- Lehrende/r: Nele Focke
Historische Jubiläen sind Gegenstand öffentlichen Erinnerns und Gedenkens ebenso wie Anreiz für geschichtswissenschaftliche Neuerscheinungen. Mit der Revolution von 1848/49 sowie der Verabschiedung des Grundgesetzes 1949 wird aktuell an gleich zwei zentrale Ereignisse der jüngeren deutschen Demokratiegeschichte erinnert. Wie und in welchen Formaten geschieht dies? Welche Akeur*innen und Autor*innen sind dabei maßgeblich? Welche Narrative sind dominant? Und was verrät dies über aktuelle Debatten über Demokratie in Deutschland?
- Lehrende/r: Silke Mende
Dieser Kurs ist für Studierende, die keine Vorkenntnisse im Deutschen haben. In dem Kurs lernen Sie erste Grundlagen der deutschen Sprache kennen. Ziel ist eine Basis-Kommunikationsfähigkeit in Alltag und Studium. Im Kurs üben Sie einfache Satzstrukturen und elementares Vokabular. // This course is designed for students who have no previous knowledge of German. Students will learn the first basics of the German language. The goal is a basic ability to communicate in everyday life and at university. In the course you will practise simple sentence structures and elementary vocabulary.
- Lehrende/r: Sarah Walkenfort
Die Digitalisierung verändert nicht nur Wirtschaft, Verwaltung und den privaten Bereich, sondern auch die Zivilgesellschaft. Schon vor der Coronapandemie sind zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen erste Schritte der Digitalisierung gegangen, die Pandemie hat den digitalen Wandel noch weiter beschleunigt. Dabei zeichnen sich große Unterschiede zwischen einzelnen Organisationen ab, einige haben ihre Organisation bereits vollständig digitalisiert, andere Organisationen lehnen die Digitalisierung ihrer Arbeit weitgehend ab, während anderen das notwendige Know-how und die Ressourcen für eine weitgehende Digitalisierung fehlt. Im Rahmen des Seminars, das dem Konzept des forschenden Lernens folgt, wollen wir diese Unterschiedlichkeit von Digitalisierungsprozessen in den Blick nehmen und begünstigende sowie hemmende Faktoren für eine erfolgreiche Digitalisierung identifizieren. Dabei wollen wir auch evaluieren, welche Effekte die zahlreichen Förderprogramme von EU, Bund und Ländern auf die Digitalisierung der Zivilgesellschaft haben. Im ersten Seminarblock soll nach der Vermittlung von Grundlagenwissen und der Erfassung des Forschungsstandes ein gemeinsamer Interviewleitfaden entwickelt werden, mit dem zwischen dem ersten und zweiten Seminarblock in Kleingruppen Interviews mit zivilgesellschaftlichen Organisationen geführt werden sollen. Diese sollen dann im zweiten Seminarblick ausgewertet und präsentiert werden. Die Präsentation ist zugleich die Studienleistung im Seminar. Für die Erbringung einer Prüfungsleistung ist darüber hinaus eine schriftliche Ausarbeit im in der jeweiligen Studienordnung vorgesehen Umfang zu verfassen.
Literatur:
Bork, Magdalena/ Tahmaz, Birthe: Den digitalen Wandel in zivil gesellschaftlichen Organisationen aktiv gestalten: Ein Leitfaden, 2021.
Brandl, Paul: Organisationsentwicklung, Transformations- und Change-Management: Nutzenstiftende Veränderungen bei sozialen Dienstleistern gestalten, 2021.
Ehnold, Peter et al.: Digitalisierung im organisierten Sport: Eine Analyse zur Situation der Sportvereine in Nordrhein-Westfalen, 2019.
Kreidenweis, Helmut (Hg.): Digitaler Wandel in der Sozialwirtschaft: Grundlagen – Strategien – Praxis, 2018.
Plözl, Alois/ Wächter, Bettina: Digitale (R)Evolution in Sozialen Unternehmen: Praxis-Kompass für Sozialmanagement und Soziale Arbeit, 2019.
Simonson, Julia et al.: Freiwilliges Engagement in Deutschland: Zentrale Ergebnisse des Fünften Deutschen Freiwilligensurveys (FWS 2019), 2021.
Wadsack, Ronald: Vereinsorganisation: Den Verein erfolgreich führen und managen, 2021.
Wohlfahrt, Anna: Digitale Zivilgesellschaft fördern: Wie Politik und Verwaltung die Digitalisierung des Dritten Sektors unterstützen können - Impulse, 2019.
- Lehrende/r: Jens Wortmann
In diesem Seminar betrachten wir unter dem Motto „Wir könnten auch anders” Sprachwandel des Deutschen aus sprachwandelvergleichender Perspektive (Fleischer/Simon 2013). Ausgehend von zentralen Charakteristika des Deutschen in Grammatik (z.B. Umlaut, Pluralbildung, Perfekt, Modalverben, Passiv, Genus, Pronomen), Semantik (z.B. Intensivierer), Pragmatik (z.B. Anrede) Graphematik (z.B. Großschreibung, Verhältnis zur Lautung) und Soziolinguistik (z.B. Etablierung von Standardvarietäten) wagen wir einen Blick in die Entwicklung anderer germanischer Sprachen im Vergleich zum Deutschen und seinen Varietäten.
So lassen sich u.a. Warum-Fragen stellen und Faktoren herausarbeiten, die unterschiedliche Richtungen von Wandel in den germanischen Sprachen bedingt haben. Und ganz nebenbei lernen Sie andere germanische Sprachen als das Deutsche und Englische in ihren Struktureigenschaften und ihrer soziolinguistischen Situation etwas genauer kennen.
Sie brauchen für dieses Seminar keine andere germanische Sprache über Englisch hinaus zu kennen oder zu können, sollten aber aufgeschlossen für sprachvergleichende Perspektiven und für (auch) grammatische Fragestellungen sein und bereit sein, sich mit Literatur zu anderen germanischen Sprachen auseinanderzusetzen.
- Lehrende/r: Antje Dammel
Die 2015 ausgerufene „Flüchtlingskrise” wurde als „größte Herausforderung seit der deutschen Einheit” (Heiko Maas) beschrieben. Auch wenn die mediale Aufmerksamkeit stark variiert, bleibt das Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik – nicht zuletzt durch den Ukrainekrieg und angesichts der weltweit fast 90 Mio. Menschen, die laut UNHCR „unfreiwillig” migrieren – weit oben auf der politischen Agenda.
Statt aber zu Fragen, ob die Geflüchteten dem „Standort Deutschland” eher nutzen oder schaden, ist es das Ziel dieses Standardkurses, grundsätzlich zu klären, worin „Flüchtlingskrisen” eigentlich bestehen: Was sind die ökonomischen und politischen Fluchtursachen? Wie reagieren die maßgeblichen Akteure des Politikfeldes darauf? Und schließlich: Welche politikwissenschaftlichen Schlüsse können aus den vielschichtigen Diskursen über das deutsche Asylsystem gezogen werden?
Studienleistung
- regelmäßige, aktive Teilnahme
- max. 20-min. wiss. Vortrag, der deutlich über die Reproduktion der Pflichtlektüre hinaus geht
Prüfungsleistung
- Die Prüfungsleistung wird durch eine 90-minütige Abschlussklausur am 12.07.2024 erbracht.
Einführende Literatur
Huisken, Freerk (2016): abgehauen. eingelagert aufgefischt durchsortiert abgewehrt eingebaut. neue deutsche flüchtlingspolitik. Hamburg.
Luft, Stefan/Schimany, Peter (Hrsg.) (2014): 20 Jahre Asylkompromiss. Bilanz und Perspektiven. Bielefeld.
Learnweb
Die Pflichtlektüre wird in einem für beide Termine gemeinsam genutzten Learnweb-Kurs zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wird das Learnweb genutzt, um Präsentationsfolien, Handouts und weitere aktuelle bzw. thematisch passende Materialien zur Verfügung zu stellen.
- Lehrende/r: Hendrik Meyer
Der Standardkurs führt in die Grundlagen deutscher Außen- und Sicherheitspolitik vor dem Hintergrund der Veränderungen ein, welche die seit dem 24. Februar 2022 andauernde, neuerliche Aggression Russlands gegen die Ukraine für die europäische und globale Sicherheitsordnung bewirkt, und für die sich der von Bundeskanzler Olaf Scholz geprägte Begriff der „Zeitwende“ auch in den wissenschaftlichen Diskursen eingebürgert hat.
In einer ersten Sitzung sollen die tektonischen Verschiebungen in der europäischen Sicherheitsarchitektur betrachtet werden, die aus dem russischen Angriff resultieren. Im Folgenden soll dann untersucht werden, wie Deutschland mit Blick auf die damit verbundenen Herausforderungen aufgestellt ist. Dazu soll zunächst auf die historisch gewachsenen und bis heute noch wirkmächtigen Konstanten und Handlungsmaximen deutscher auswärtiger Politik vor 1989 eingegangen werden. In einem weiteren Schritt werden dann die Veränderungen vor dem Hintergrund von Wiedervereinigung und neuer globaler Herausforderungen in den Blick genommen. Dem schließt sich die Betrachtung des deutschen außen- und sicherheitspolitischen Entscheidungsund Handlungsapparates an.
Die Analyse der Praxis deutscher Außen- und Sicherheitspolitik geschieht unter Bezug auf sieben zentrale Handlungsfelder: Zunächst wird die deutsche Politik im Rahmen der drei traditionell wichtigsten außenpolitischen Bezugssysteme Deutschlands – EU, NATO/transatlantische Beziehungen und Vereinte Nationen – untersucht, um dann das Engagement im Rahmen von Entwicklung und ziviler Krisenprävention sowie die Problematik neuer Anforderungen an die deutschen Streitkräfte im Kontext der Landes- und Bündnisverteidigung zu analysieren. Am Beispiel der Beziehungen zu China soll auch herausgearbeitet werden, ob und inwieweit die wachsende Bedeutung neuer Interessen und (problematischer) Partner Modifikationen der eingespielten Handlungsmuster deutscher auswärtiger Politik erforderlich macht.
Den Abschluss bilden perspektivische Überlegungen zur künftigen Rolle Deutschlands als einer potenziellen Führungsmacht in einem vom Krieg betroffenen Europa, als Partner in den transatlantischen Beziehungen sowie als Akteur in der globalisierten Welt.
Der Kurs findet als Blockseminar statt. Dazu findet am Freitag, 12. April 2024 von 13.00 c.t. bis ca. 14.30 Uhr in Hörsaal SCH 100.2 eine Einführungsveranstaltung statt, in der nach der Vorstellung des Seminars auch die Referatsthemen verteilt werden. Das eigentliche Seminar wird dann am 28. Juni 2023 von 14.00 c.t. bis 18.00 Uhr sowie am 29. und 30. Juni 2024 jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr jeweils in Raum SCH 100.2 durchgeführt.
Als Prüfungsleistung ist im Regelfall neben der Seminarteilnahme und einem Referat eine Hausarbeit von ca. 15 Seiten Umfang vorgesehen, die bis Ende des Sommersemesters 2024 vorgelegt werden muss.
- Lehrende/r: Sven Bernhard Gareis
Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule gehört zu einer der bedeutendsten Strömungen der deutschen Philosophie seit den 1920ern bis heute. Als die bedeutendsten Denker gelten Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Erich Fromm, Herbert Marcuse, Jürgen Habermas, Axel Honneth, Rainer Forst, Christoph Menke und Rahel Jaeggi. Geprägt von einer linkshegelianisch-marxistischen Tradition und aufbauend auf den psychoanalytischen Ansätzen Sigmund Freuds haben sie sich mit gesellschaftlichen Missständen auseinandergesetzt. Dabei arbeiteten sie für eine Gesellschaft frei von Unterdrückung, Ausbeutung, Diskriminierung und Ungleichheit. Das Dogma des spezifisch sozialphilosophischen Ansatzes der Schule ist, Philosophie an konkreten sozialen und politischen Gegebenheiten zu erarbeiten und immer wieder zu messen. Im Mittelpunkt der Kritik steht dafür eine ideologiekritische Analyse der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.
In dem Blockseminar sollen Grundlagentexte der Kritischen Theorie gelesen werden. Ziel ist es, einen Einblick in das Denken und die besondere Methode zu geben. Beginnen werden wir mit Texten der Vordenker Karl Marx und Georg Luckás. Anschließend soll sich ausführlich den Schriften der sogenannten ersten Generation der Frankfurter Schule um Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Walter Benjamin gewidmet werden. Darauf aufbauend soll auf die verschiedenen Entwicklungen der Schule eingegangen werden.
- Lehrende/r: Friedrich Johannes Weißbach
Das 15. Jahrhundert gilt als Zeit des Übergangs zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Tatsächlich zeichnen sich in diesem bewegten Jahrhundert Tendenzen ab, die europäische Gesellschaften langfristig verändern sollten. Gleichwohl fallen die Ereignisse, die mit der Begründung der Epochengrenze um 1500 traditionellerweise in Verbindung gebracht werden, in verschiedenen Regionen Europas mitunter sehr unterschiedlich ins Gewicht. Das Seminar möchte einen Überblick über die Geschichte Europas im 15. Jahrhundert bieten und dabei gleichzeitig die regional unterschiedlichen Rahmenbedingungen aufzeigen, unter denen sich Veränderungen jeweils manifestierten. Dabei wird es ebenso darum gehen, die vielseitigen Verflechtungen herauszuarbeiten, die zwischen den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen bestanden, die sich während dieses spektakulären Jahrhunderts in verschiedenen Kontexten, etwa in England, Frankreich, Spanien oder dem römisch-deutschen Reich, abzeichneten. Schließlich bietet das Seminar eine Einführung in die Themen, Fragestellungen und Methoden der mittelalterlichen Geschichte insgesamt.
- Lehrende/r: Marcel Bubert
Im Zentrum des Seminars stehen die historischen Sprachstufen des Deutschen sowie zentrale Sprachwandelprozesse, die die deutsche Sprache im Laufe der Sprachgeschichte durchlaufen hat. Wir beschäftigen uns sowohl mit den nicht überlieferten Vorstufen des Deutschen als auch mit den sprachlichen Merkmalen des Althochdeutschen, Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen. Mit dem Ziel, Ihre gegenwartssprachliche Perspektive mit historischer Sprachbetrachtung zu verknüpfen, setzen wir uns mit theoretischen Grundlagen des Sprachwandels, Wandelprozessen insbesondere auf den Ebenen Phonologie, Morphologie und Syntax im Sprachsystem sowie Fragen der Periodisierung und Sprachverwandtschaft auseinander und reflektieren methodische Herausforderungen bei der Arbeit mit historischen Sprachdaten.
- Lehrende/r: Ilka Lemke
Im Zentrum des Seminars stehen die historischen Sprachstufen des Deutschen sowie zentrale Sprachwandelprozesse, die die deutsche Sprache im Laufe der Sprachgeschichte durchlaufen hat. Wir beschäftigen uns sowohl mit den nicht überlieferten Vorstufen des Deutschen als auch mit den sprachlichen Merkmalen des Althochdeutschen, Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen. Mit dem Ziel, Ihre gegenwartssprachliche Perspektive mit historischer Sprachbetrachtung zu verknüpfen, setzen wir uns mit theoretischen Grundlagen des Sprachwandels, Wandelprozessen insbesondere auf den Ebenen Phonologie, Morphologie und Syntax im Sprachsystem sowie Fragen der Periodisierung und Sprachverwandtschaft auseinander und reflektieren methodische Herausforderungen bei der Arbeit mit historischen Sprachdaten.
- Lehrende/r: Ilka Lemke
Kursbeschreibung
Warum heißt es ich lege – du legst aber ich gebe – du gibst?
Warum heißt es ich baue – du baust aber ich laufe – du läufst?
Warum heißt es ich blinke – ich blinkte aber ich trinke – ich trank?
Warum heißt es Hund – Hunde aber Grund - Gründe?
Warum heißt es heben aber Hefe?
In diesem Seminar werden wir uns mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen. Im Vordergrund steht die Betrachtung solcher vermeintlicher "Unregelmäßigkeiten" im Deutschen, die auf die historische Entwicklung der Sprache zurückzuführen sind. Sie erhalten einen Überblick über die älteren Sprachstufen des Deutschen (Althochdeutsch 750-1050, Mittelhochdeutsch 1050-1350, Frühneuhochdeutsch 1350-1650) sowie über die Grundzüge der Entwicklung der deutschen Sprache vom Indogermanischen an.
Was Sie lernen
- die wichtigsten strukturellen Merkmale jeder Sprachstufe
- die wichtigsten Veränderungen des Deutschen auf jeder Sprachstufe
- die soziokulturellen Rahmenbedingungen jeder Sprachstufe
- für jede Sprachstufe typische Texte
- die wesentlichen Sprachwandelmechanismen, die auch in anderen Sprachen sowie im heutigen Deutsch weiter wirksam sind
- Lehrende/r: Katerina Stathi
Auf 35 Studierende begrenzte Teilnehmerzahl; Anmeldung erforderlich!
1966 hielt T.W. Adorno im Hessischen Rundfunk den Vortrag „Erziehung nach Auschwitz”, der die vielzitierte Forderung enthält, „dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung” (Adorno 1966/1971: 88), die das Selbstverständnis von Generationen von Pädagog*innen nach 1968 prägte. In den folgenden Jahrzehnten und bis heute werden die pädagogischen Überlegungen zum Umgang mit und der Aufarbeitung von NS-Geschichte aus dieser Forderung abgeleitet und entsprechende Erziehungsprogramme (bspw. Friedens,- Demokratie,-und Menschenrechtserziehung) begründet.
Aktuelle empirische Studien legen nahe, dass das Interesse und Geschichtsbedürfnis auch der 4. Generation zwar vorhanden ist, gleichzeitig aber auch (zurecht) ein gewisses Unbehagen mit der zu einer moralischen Formel erstarrten deutschen Erinnerungskultur in- und außerhalb von Schule besteht, die wiederum mit dem Ableben der Zeitzeug:innen, dem erstarkenden Rechtspopulismus, der Internationalisierung des Holocaust und einer postkolonialen Kritik auch noch vor ganz anderen sozio-kulturellen und politischen Herausforderungen steht.
Von den Ausgangstexten Adornos aus den 1960er Jahren ausgehend werden wir Entwicklungslinien der erziehungswissenschaftlichen Auseinandersetzungen um die Grundfiguren der „Erziehung nach Auschwitz” (Mündigkeit, Autonomie, Selbstreflexion, Dialektik der Aufklärung) rekonstruieren und diskutieren, ob man überhaupt aus Geschichte lernen kann, was ‚diese Geschichte‘ mit ‚uns‘ zu tun hat und welche Aktualisierungen hilfreich sein könnten, um dem Unbehagen der Erinnerungskultur und dem „Schmerz der Anderen” (Wiedemann 2023) zu begegnen.
- Lehrende/r: Christina Gericke
Um 1185 erzählt Chrétien de Troyes erstmals von ‚Yvain, ou Le Chevalier au lion‘, von Yvain, dem Ritter mit dem Löwen. Die Geschichte wird wenig später um 1200 von Hartmann von Aue ins Mittelhochdeutsche übertragen (‚Iwein‘) und mit ganz eigenen inhaltlichen Schwerpunkten versehen.
Es handelt sich um die Geschichte des Artusritters Iwein, der ausreitet, um eine seinem Vetter widerfahrene Schmach zu rächen. Er gewinnt zunächst Hand und Land der Laudine, Herrin des Brunnenreiches, verliert ihre Gunst jedoch wieder, da er sich nicht an eine Vereinbarung hält. Nach der Aufkündigung der Beziehung und der Bloßstellung vor der Artusgemeinschaft verfällt Iwein dem Wahnsinn. Mit einem Löwen als Weggefährten gelingt ihm nach einer Reihe von Abenteuern die Wiederherstellung seines Rufes und seiner Ehre; schließlich gelingt ihm auch die Versöhnung mit Laudine.
Der Iwein-Stoff scheint bei Zeitgenoss*innen einen Nerv getroffen zu haben, denn die Abenteuer des Artusritters werden bereits im 13. Jh. bemerkenswert häufig auch bildlich dargestellt (z.B. in Form der sog. ‚Iwein-Fresken‘ auf Schloss Rodenegg). Nach einer Tradition des Textes bis ins 15. Jh. reißt die Rezeption zunächst ab und wird erst im 18. Jh. wieder aufgenommen. Neue Relevanz erhält der Stoff durch die Kinderbuch-Bearbeitung ‚Iwein Löwenritter‘ von Felicitas Hoppe aus dem Jahr 2008, durch eine von Moritz Eggert komponierte gleichnamige Familienoper (Libretto von Andrea Heuser, UA Bonn, 2022) sowie das 2022 erschienene Bilderbuch ‚Iwein & Laudine. Ein Ritter*innen-Epos‘ von Anita Buchart (illustriert von Lili Mossbauer).
Das Seminar arbeitet das Thema ‚Medialität‘ in Auseinandersetzung mit den verschiedenen Bearbeitungen des Iwein-Stoffs vom Mittelalter bis in die Gegenwart auf und nimmt nach allgemeinen medientheoretischen Ausführungen die Phänomene der ‚Intermedialiät‘ und der ‚Transmedialität‘ in ihrer Bedeutung für Literaturproduktion und -rezeption genauer in den Blick. Auf diese Weise sollen verschiedene medienhistorische Konstellationen in Bezug auf ihre jeweiligen Potenziale ästhetischer Erfahrung und Gestaltung untersucht und dabei auch hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Deutschunterricht der Grundschule reflektiert werden.
Historische Textzeugnisse werden – soweit möglich – in Übersetzung angeboten; Kenntnisse in älteren Sprachstufen des Deutschen werden nicht vorausgesetzt. Das Seminar wird durch einen Learnweb-Kurs begleitet, über den Material zur Vor- und Nachbereitung der Sitzungen zur Verfügung gestellt wird. Die Zugangsdaten werden in der ersten Sitzung kommuniziert.
- Lehrende/r: Susanne Spreckelmeier
- Lehrende/r: Sophia Jana Oppermann
Kursbeschreibung
Wie verändert sich die Flexionsmorphologie im Deutschen? Diese zentrale Frage wird im Rahmen des Seminars aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Zunächst soll ein Überblick über die wesentlichen Veränderungen der Flexion im verbalen und nominalen Bereich gegeben werden. In einem nächsten Schritt werden Theorien und Modelle herangezogen, die diese Veränderungen erklären können. In einem dritten Schritt werden Veränderungen, die immer noch andauern, genauer in den Blick genommen und vertieft. Dazu gehören Schwankungen beim Partizip (z.B. gesendet/gesandt, gesogen/gesaugt) als auch bei der Nominalflexion (z.B. den Bären/Bärs, dem Autoren/Autor). Ziel der Lehrveranstaltung ist ein vertieftes Verständnis aktueller Schwankungen in der Flexionsmorphologie, ihres Ursprungs in der Sprachgeschichte sowie der Sprachwandelmechanismen und -prinzipien, die diesen Prozessen zugrundeliegen und die zur Veränderung der deutschen Sprache führen.
- Lehrende/r: Katerina Stathi
Auf 35 Studierende begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich!
Schon 1880 behauptete Paul Lafargue das „Recht auf Faulheit“. 2023 forderte ein Spitzenvertreter der deutschen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber „mehr Bock auf Arbeit“. Arbeit und Nichtstun, Faulheit und Fleiß, Muße und Müßiggang stellen Gegensatzpaare dar, an denen sich die Gemüter schon immer erhitzten: Wer gilt eigentlich als faul? Wozu sind all der Fleiß und Eifer überhaupt gut? Welche Tugenden sollen Erziehung und Bildung überhaupt befördern und als Leitkategorien anstreben? In ausgewählten Lektüren nähert sich das Seminar unterschiedlichen Zuschreibungen an die Kategorien Faulheit und Fleiß in pädagogischen Kontexten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit um 1800.
- Lehrende/r: Hendrik Holzmüller
Zusammenfassung
Liberale Demokratien zeichnen sich durch eine Diversifizierung von geschlechtlichen Identitätsformen aus. Ausprägungen finden sich in verschiedenen Bereichen: Im deutschen Rechtssystem beispielweise in dem 2018 eingeführten Divers-Geschlecht (PStG §22) sowie für 2025 geplanten „Selbstbestimmungsgesetz” (SBGG), im Gesundheitssystem im 2021 erlassenen Operationsverbot an intergeschlechtlichen Kindern (BGB §1631e), oder im Sport in der 2022 vom Deutschen Fußballbund (DFB) offiziell beschlossenen Inklusion von nichtbinären Personen. Zugleich wird dieser Prozess von geschlechterpolitischen Kontroversen flankiert, die die Erweiterung des Geschlechterspektrums mit Bezug auf Themen wie das sprachliche Gendern, die Aufklärung über queere Lebensformen in Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten oder die medizinische Behandlung transgeschlechtlicher Kinder zum Gegenstand emotional besetzter öffentlicher und politischer Debatten machen. Vor diesem Hintergrund variiert die gegenwärtige Bewertung dieser Entwicklung zwischen freiheitlicher Diversifizierung und apokalyptischer Enttraditionalisierung.
Das Ziel der Lehrveranstaltung ist es, aus der kollektiven Sogwirkung der emotionalen Bewertung zu treten und die Diversifizierung von Geschlecht als Transformation von Wissen zu untersuchen. Hierzu werden wir in der Lehrveranstaltung methodisch angeleitet und empirisch abgesichert danach fragen, wie sich der Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt konkret artikuliert, wie sich ein neuer Umgang mit Geschlecht als neue Form der diskursiven Aushandlung vollzieht und welche diskursiven Deutungskämpfe sich beobachten und nachweisen lassen. Um das methodische Rüstzeug zu erwerben, erlernen Sie die Durchführung
diskursanalytischer Projekte – von der Entwicklung der Forschungsfrage über die Erhebung der Forschungsdaten bis hin zur Analyse und Präsentation der Forschungsergebnisse.
Prüfungsleistung:
Hausarbeit (13-15 Seiten)
Ausgewählte Literatur
Bublitz, Hannelore; Bührmann, Andrea D.; Hanke, Christian; Seier, Andrea (1999): Das Wuchern der Diskurse. Perspektiven der Diskursanalyse Foucaults. Frankfurt a.M., New York: Campus.
Butler, Judith (2009): Die Macht der Geschlechternormen. Frankfurt a.M: Suhrkamp.
Fausto-Sterling, Anne (1993): The Five Sexes: Why Male and Female are not enough. In: The Sciences March/April, S. 20-25.
Keller, Reiner (2011): Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen. Wiesbaden: VS, S. 65-81.
Krämer, Dennis (2022): Queer Studies. In: Gugutzer, Robert; Klein, Gabriele; Meuser, Michael (Hrsg.): Handbuch Körpersoziologie 1. 2. Aufl. Wiesbaden: Springer VS, S. 395-409.
Krämer, Dennis (2020): Intersexualität im Sport. Mediale und medizinischer Körperpolitiken. Bielefeld: transcript.
Jäger, Siegfried; Jäger, Margarete (2007): Deutungskämpfe. Theorie und Praxis Kritischer Diskursanalyse. Wiesbaden: VS.
- Lehrende/r: Dennis Krämer