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Übung Emotionen im antiken Griechenland

Mittwoch, 16-18 Uhr

Die europäische Literatur beginnt mit der menis, dem Zorn, des Achill. Der athenische Geschichtsschreiber Thukydides sah in der Furcht der Spartaner vor dem Machtzuwachs der Athener den wahrsten Grund für den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges und die Dramentheorie des Aristoteles kreist bekanntlich um die Begriffe von Mitleid (eleos) und Furcht (phobos). Bei diesem prominenten Auftreten von Emotionen an zentralen Stellen der griechischen Literatur kann es kaum verwundern, dass der Gegenstand in den Altertumswissenschaften mittlerweile Konjunktur hat.

So beliebt der Gegenstand gegenwärtig aber auch ist, so schwer ist er auch zu fassen. Was genau Menschen im antiken Griechenland tatsächlich fühlten, ist nur in ganz seltenen Fällen rekonstruierbar. In der Übung wollen wir uns daher schwerpunktmäßig mit der Darstellung und Repräsentation von Emotionen in den Quellen beschäftigen. Dafür bedarf es zunächst eines adäquaten theoretisch-methodischen Zugangs zum Thema. In einem zweiten Schritt wollen wir uns dem Gegenstand dann von den griechischen Quellen aus nähern. Welche Rolle spielten Emotionen in und für die griechische Historiographie? Wie wurden Emotionen in der Rhetorik als Überzeugungsstrategie eingesetzt? Welchen Niederschlag fanden sie in Inschriften und Papyri? Auch wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, in welchen konkreten Situationen der bewusste Verzicht auf Emotionen eine zentrale Rolle spielte (wie etwa bei Amnestieregelungen).

 

Literatur:

Cairns, D.L. – Fulkerson, L. (Hgg.), Emotions between Greece and Rome, London 2015.

Cairns, D.L. – Nelis, D. (Hgg.), Emotions in the Classical World. Methods, Approaches, and Directions, Stuttgart 2017.

Chaniotis, A. (Hg.), Ritual Dynamics in the Ancient Mediterranean. Agency, Emotion, Gender, Representation, Stuttgart 2011.

Chaniotis, A. (Hg.), Unveiling Emotions, I: Sources and Methods for the Study of Emotions in the Greek world, Stuttgart 2012.

Chaniotis, A. – Ducrey, P. (Hgg.), Unveiling Emotions, II: Emotions in Greece and Rome, Stuttgart 2013.

Gray, B.D., Stasis and Stability. Exile, the polis, and political thought, c. 404-146 BC, Oxford 2015.

Konstan, D., The Emotions of the Ancient Greeks. Studies in Aristotle and Classical Literature, Toronto 2006.

Konstan, D., Envy, Spite and Jealousy. The Rivalrous Emotions in Ancient Greece, Edinburgh 2003.

Sanders, E. – Johncock, M. (Hgg.), Emotion and Persuasion in Classical Antiquity, Stuttgart 2016.


Übung Sport und Gesellschaft. Agonistische Kulturen im archaischen, klassischen und hellenistischen Griechenland

(Mo, 16-18 Uhr)

Bis zum späten 19. Jahrhundert spielte der Wettkampfsport in keiner anderen Kultur eine so zentrale Rolle wie im antiken Griechenland. Cicero lag wahrscheinlich nicht so falsch, wenn er urteilte, dass ein Olympiasieg für einen Griechen mindestens so bedeutsam sei, wie ein Triumphzug für einen Römer. Anders als in Rom wurden die höchsten Ehren in den griechischen Poleis nicht nur für politische und militärische Leistungen verliehen, sondern auch für sportliche Erfolge. Vielleicht ist es gerade aufgrund dieser großen Bedeutung der griechischen Agonistik, dass sich auch zentrale politische Entwicklungen und Strukturen besonders gut im Sport widerspiegeln. Gerade das für das antike Griechenland so charakteristische Zusammenspiel von „Vielgestaltigkeit und Einheit“ (Hans-Joachim Gehrke) zeigt sich jedenfalls ganz deutlich in der Agonistik, die sich eben nicht in den vier großen Kranzagonen erschöpfte, sondern zugleich eine Vielzahl lokaler Wettkämpfe hervorbrachte.

            In der Übung wollen wir uns zunächst mit den Rahmenbedingungen der griechischen Agonistik (Sportstätten, Agone, Siegespreise, Sportförderung etc.) beschäftigen, um uns im Anschluss dem Thema mit einem räumlichen Zugriff zu nähern, der auf dem Zentralbegriff der ‚agonistischen Kultur‘ beruht. Ausgehend von sportlich besonders erfolgreichen Städten (Sparta, Kroton, Rhodos), Regionen (Thessalien) und Reichen (Ptolemäerreich), für die auch die Quellenlage besonders gut ist, wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, worauf diese Erfolge beruhten und inwieweit sie in unterschiedliche lokale und regionale Diskurse eingebunden waren.

 

Literatur

Christesen, P. – Kyle, D.G. (Hgg.), A Companion to Sport and Spectacle in Greek and Roman Antiquity, Malden, MA – Oxford.

Decker, W., Sport in der griechischen Antike. Vom minoischen Wettkampf bis zu den Olympischen Spielen, Hildesheim ²2012.

Finley, M.I. – Pleket, H.W., The Olympic Games: The First Thousand Years, London 1976.

Golden, M. Sport and Society in Ancient Greece, Cambridge (UK) 1998.

Golden, M., Greek Sport and Social Status, Austin, TX, 2008.

Kurke, L., The Traffic in Praise: Pindar and the Poetics of Social Economy, Ithaca, NY, 1991.

Kyle, D.G., Sport and Spectacle in the Ancient World, Malden, MA, ²2015.

Mann, C., Athlet und Polis im archaischen und frühklassischen Griechenland, Göttingen 2001.

Mann, C. – Remijsen, S. – Scharff, S. (Hgg.), Athletics in the Hellenistic World, Stuttgart 2016.

Nielsen, T.H., Two Studies in the History of Ancient Greek Athletics, Kopenhagen 2018.