Jeannine-Böhmichen-Preis

für herausragende Bachelorarbeiten im Studiengang Landschaftsökologie
  • Logo des Jeannine-Böhmichen-Preis: J. Böhmichen wirft ein Isolationsquadrat auf einer hochwüchsigen Wiese
    © Buttschardt/Schreiter

    Der Preis

    Das Institut für Landschaftsökologie vergibt seit dem Jahr 2018 den Jeannine-Böhmichen-Preis (PDF) [de] für eine herausragende Bachelorarbeit im Studiengang Landschaftsökologie. Der Preis wird Jährlich vergeben und ist mit 400 Euro dotiert.

    Prämiert wird eine Bachelorarbeit, die unter anderem komplexe Sachverhalte aus der Landschaftsökologie klar und übersichtlich darstellt, eigenständig Fragen von hoher Originalität bzw. Aktualität aufwirft, vielschichtige Informationen übersichtlich aufbereitet und den kreativen Gestaltungsraum von Studierenden aufzeigt.

    Der Preis belohnt besonders engagierte Studierende mit deren Abschlussarbeit und erinnert gleichzeitig an Jeannine Böhmichen, die in Münster Landschaftsökologie studiert hat und 2016 tödlich verunglückt ist.

    Das Preisgeld stammt aus einer Stiftung von Eltern, Verwandten und Freunden von Jeannine.
    Die Übergabe des Preises erfolgt nach Möglichkeit in einer feierlichen Veranstaltung der Fakultät (Absolvententag, Young Researchers Day o.Ä.). Die Preisträgerinnen und Preisträger sind eingeladen, auf dieser Veranstaltung einen kurzen Vortrag über ihre Arbeit zu halten.

    Zustiftungen sind möglich und erwünscht. Wenden Sie sich für weitere Informationen gerne an die rechts genannte Kontaktadresse.

  • Die Bewerbung

    Für den Jeannine-Böhmichen-Preis können sich alle Studierenden bewerben, die im B.Sc. Landschaftsökologie der Universität Münster eingeschrieben sind/waren und dort ihre Bachelorarbeit verfasst haben. Die Arbeit soll im laufenden bzw. vorangegangenen akademischen Jahr geschrieben worden sein. Auch wenn die Selbstbewerbung von Studierenden beabsichtigt ist, sind die Betreuenden aufgerufen, geeignete Studierende anzusprechen und zu ermutigen, die Arbeit einzureichen.
    Die Bewerbung erfolgt auf elektronischem Wege an folgende Adresse:
    jeannine.boehmichen.preis [at] uni-muenster.de

    Die Jury

    Die Bewerbungen werden von einer Jury bewertet, der Mitglieder der Familie Böhmichen, des Instituts für Landschaftsökologie sowie aktive und ehemalige Studierende der Landschaftsökologie angehören.
    Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

    Bewerbungsfrist 2024

    12. Oktober 2024

    Unterlagen

    • Anschreiben
    • Kopie des (vorläufigen) Abschlusszeugnisses
    • eine zwei- bis dreiseitige erweiterte Zusammenfassung
    • Bei einer in englischer Sprache abgefassten Arbeit eine Kurzfassung in deutscher Sprache
    • Bachelorarbeit
  • © FB14

    Jeannine-Böhmichen-Preis vergeben

    m Rahmen des Geo.Science.Days am 15.06.2023 wurde der  Jeannine-Böhmichen-Preis für das Jahr 2022 überreicht. Der Preis prämiert eine Bachelorarbeit, die unter anderem komplexe Sachverhalte aus der Landschaftsökologie klar und übersichtlich darstellt, eigenständig Fragen von hoher Originalität bzw. Aktualität aufwirft, vielschichtige Informationen übersichtlich aufbereitet oder den kreativen Gestaltungsraum von Studierenden aufzeigt. 

    Prof. Dr. Tillmann Buttschardt hielt die Laudatio und überreichte die Preisurkunde an Isabelle Walgath. Sie erhielt die Auszeichnung für ihre Bachelorarbeit mit dem Thema: Die Effektgröße von unterschiedlich breiten Gewässerrandstreifen auf den ökologischen Zustand eines landwirtschaftlich geprägten Fließgewässers.

    Wir gratulieren der Preisträgerin sehr herzlich!

  • Die Preisträgerin 2022

    Im Jahr 2022 erhielt Isabelle Walgarth den Preis für ihre Arbeit zum Thema

    Die Effektgröße von unterschiedlich breiten Gewässerrandstreifen auf den
    ökologischen Zustand eines landwirtschaftlich geprägten Fließgewässers


    Zusammenfassung

    Der ökologische Zustand des Oberflächen- und Grundwassers in Nordrhein-Westfalen hat sich durch den vielschichtigen anthropogenen Eingriff (Begradigung, Vertiefung, Eindeichung und Stauung von Flüssen und Seen, Manipulation des Abflusses, verstärkter Eintrag von Nähr- und Schadstoffen) seit der Industrialisierung maßgeblich verschlechtert. Dieser negativen Entwicklung soll in Einzugsgebieten mit einer umfangreichen agrarwirtschaftlichen Flächennutzung mit Einsatz von Gewässerrandstreifen (GRS) entgegengewirkt werden. Dabei impliziert die Umweltgesetzgebung (Wasserhaushaltsgesetz und Düngeverordnung), dass die Puffereigenschaften Breite, Vegetationsdichte, eine standortgerechte Vegetationszusammensetzung und die Neigung eines GRS, den ökologischen Zustand eines Fließgewässers verbessern. Inwiefern die Breite und andere Uferattribute eines GRS – neben bestehender Beschattung – dessen Pufferwirkung verbessern, wurde anhand von sechs Untersuchungsstandorten eines Fließgewässers im landwirtschaftlich geprägten Teileinzugsgebiet Lippe untersucht. Dabei konnte überprüft werden, ob auf lokaler Ebene die breiteren und strukturreicheren Uferbereiche eine positive Wirkung auf den ökologischen Zustand des untersuchten Fließgewässers ausüben. Die GRS der sechs Untersuchungsstandorte (je 50m) wurden qualitativ durch den Riparian Habitat Index (RHI) von Burdon et al. [2020] bewertet und mit den Indizes der Qualitätskomponente Makrozoobenthos (Bewertungssystem Perlodes) verglichen. Des Weiteren wurde das Vorkommen von Makrophyten untersucht und von jedem Standort eine Wasserprobe entnommen, um den trophischen Zustand – insbesondere hinsichtlich des Gehaltes an Orthophosphat, Nitrat und Ammonium – zu bestimmen. Hierbei wurde der Einfluss der umliegenden Kleinkläranlagen und der Stoffeintrag aus dem Oberlauf durch eine offizielle Messstelle vor dem Untersuchungsgebiet berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigten, dass insbesondere die Uferattribute Uferstabilität und Vegetationsdichte, gefolgt von der Pufferbreite, Pufferintaktheit und Neigung die Wirkung der GRS im Untersuchungsgebiet effektiv verbessern. Des Weiteren konnte ein signifikant positiver Zusammenhang (R2= 0,60, p= < 0,001) zwischen dem RHI und dem Multimetrischen Index – der die ökologische Zustandsklasse repräsentiert – festgestellt werden. Dies verdeutlicht eine Zunahme der Artendiversität mit einer breiten und strukturreichen Gewässermorphologie. Dagegen zeigten nur die Untersuchungsstandorte mit geringer Pufferbreite im Zusammenhang mit großer Degradation (Sedimentverlagerung) eine niedrige Diversität und Abundanz der EPT- Taxa (Ephemeroptera, Plecoptera, Trichoptera). Die Orthophosphat- und Ammoniumkonzentration ist an den gepufferten (breiteren und vegetationsreicheren) Standorten am höchsten. Dies könnte durch Leaching und des bereits erhöhten Gehaltes an Phosphor durch frühere Bewirtschaftung liegen. Die hohen Werte des Orthophosphats konnten im Untersuchungsgebiet zu 68% durch den RHI der gepufferten Standorte erklärt werden. Dies zeigte allerdings durch die Beschattung (welches das überhöhte Vorkommen an Makrophyten und somit einen Sauerstoffverlust verhindert) keinen negativen Einfluss auf die Gemeinschaft der Makrozoobenthos. Im Bewirtschaftungsplan von NRW wurde der chemische Zustand des untersuchten Fließgewässers (ohne ubiquitäre Stoffe) als gut bewertet und insbesondere morphologische bzw. Habitat verbessernde Maßnahmen herangezogen. Daher liegt der ausgebliebene Erfolg (Verlängerung des Maßnahmenprogramms bis 2045) vermutlich an dem Flächennutzungskonflikt zwischen der Landwirtschaft und der Wasserwirtschaft bzw. dem Naturschutz. Die Ergebnisse im Untersuchungsgebiet zeigten, dass die Gestaltung von GRS nach den Schutzzielen (Ökosystemdienstleistungen) des jeweiligen Standortes ausgerichtet werden sollten. Risikogebiete für Sedimentverlagerung und Nährstoffeintrag sollten demnach – insbesondere im Oberlauf – bevorzugt mit breiteren und dicht bewachsenen GRS zum Schutz der Uferstabilität und Erhaltung von Habitatstrukturen bewirtschaftet werden, wobei die Vegetation einmal im Jahr durch Mahd entfernt werden sollte. Die Umsetzung lokal kommunizierter Lösungsansätze könnte durch die erweiterten Regulierungsmöglichkeiten der Behörden [LWG, 2022] und der Beratung aus der Landwirtschaftskammer gefördert werden.

  • Die Preisträgerinnen 2021

    Im Jahr 2021 erhielten Hanna Schlüter und Svenja Hirsch je einen Preis für ihre Arbeiten.


    Hanna Schlüter

    Gegenüberstellung eines renaturierten und begradigten Fließgewässerabschnitts der Hessel anhand von
    Ökosystemfunktionen am Beispiel des Abbaus organischer Substanz

    Viele Fließgewässer in Deutschland befinden sich in einem degradierten Zustand. Aus diesem Grund existiert seit dem Jahr 2000 die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) mit dem Ziel die Oberflächengewässer wieder in einen ökologisch guten Zustand zu versetzen. In der ausgezeichneten Arbeit wurden ein ausgebauter und ein 2013 renaturierter Gewässerabschnitt an der Hessel verglichen. Es wurden zwei Versuchsreihen (Gewässerufer, Gewässermitte) durchgeführt. Es wurden Probesäckchen mit zwei verschiedenen Maschenweiten, gefüllt mit Blattmaterial, positioniert. Die grobmaschigen Säckchen ermöglichen eine Besiedlung des Blattmaterials durch Makroinvertebraten, die feinmaschigen Säckchen schließen die Besiedlung durch Makroinvertebraten aus und demonstrieren ausschließlich den Abbauprozess durch Mikroorganismen. In der zweiten Versuchsreihe sollte explizit der Einfluss der Strömung auf den Abbau des Blattmaterials untersucht werden. Der Masseverlust des Blattmaterials wurde wöchentlich kontrolliert. Außerdem wurden die Makroinvertebraten, die die Proben besiedelt haben, auf Großgruppenniveau bestimmt und gezählt. Zudem erfolgte bei jeder Entnahme die Messung der Strömungsgeschwindigkeit und der Wassertemperatur, um den Einfluss abiotischer Parameter zu berücksichtigen. Anschließend wurden die Ergebnisse mit den Ergebnissen vorheriger Bachelorarbeiten verglichen, um den Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen beurteilen zu können. Durch einen Vergleich mit den Ergebnissen aus 2013 und 2017 wurde deutlich, dass die Ähnlichkeit der Gewässerabschnitte (ausgebaut, renaturiert), durch eine positive Strahlwirkung des renaturierten auf den ausgebauten Abschnitt, erklärt und der Renaturierungserfolg dargelegt werden kann.


    Svenja Hirsch

    Ein von Kindern durchgeführtes Citizen-Science-Konzept zum Messen des Effekts der Mulchwirtschaft auf die Bodenqualität unter Berücksichtigung der Ziele der Bildung für nachhaltige Entwicklung

    Citizen Science eröffnet neue Möglichkeiten der Da-tenerhebung im Naturschutz und hat Potenzial zur Einbindung in den Schulunterricht. Im Rahmen der ausgezeichneten Bachelorarbeit wurde ein Citizen-Science-Konzept, bestehend aus 7 Versuchen zum Messen des Effekts der Mulchwirtschaft auf die Bo-denqualität entwickelt, das von Schüler*innen der 5. und 6. Klasse durchgeführt werden kann. Bei der Erar-beitung des Konzepts wurden die Ziele der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) berücksichtigt.
    Die Evaluierung des Konzepts durch eine Pilotierung an einer Schule zeigte, dass einige der Versuche sich für die Datenerhebung mit Kindern eignen. Andere Versuche zeigen mehr Probleme in der Datenerhebung mit Kindern, da die Ergebnisse sich stärker unter-scheiden. Um die Frage zu beantworten, ob die Schüler*innen in der Lage sind, brauchbare Daten für die Wissenschaft zu erheben, bedarf es einer umfassen-deren Evaluierung mit einer größeren Stichprobe. Au-ßerdem zeigt die Pilotierung des Konzepts, dass Schü-ler*innen der 5. und 6. Klasse motiviert sind, an Citi-zen-Science-Projekten mitzuwirken. Citizen-Science-Projekte können einen positiven Effekt auf das Lernen der Schüler*innen haben. Durch das praktische Arbei-ten und die verbrachte Zeit in der Natur bei der Daten-erhebung kann das Interesse der Schüler*innen für wissenschaftliches Forschen und den Boden geweckt werden. Außerdem konnten die Kinder positive Erfah-rungen mit der Arbeit im Team sammeln.
    Aufgrund der Verbindung von Citizen Science und BNE bietet das entwickelte Citizen-Science-Konzept zum Messen des Effekts der Mulchwirtschaft auf die Bo-denqualität durch Kinder einen Mehrwert zu bisheri-gen BNE- oder Citizen-Science-Projekten.

  • Titelblatt Bachelorarbeit Nadine Jöllenbeck
    Titelblatt Bachelorarbeit Nadine Jöllenbeck
    © Jöllenbeck

    Die Preisträgerin 2020

    Im Jahr 2020 erhielt

    Nadine Jöllenbeck

    den Preis für ihre Arbeit zum Thema:

    Kanadagans (Branta canadensis) und Nilgans (Alopochen aegyptiaca) an Stillgewässern in Bochum.
    Aktueller Bestand, Bestandstrend und Habitatpräferenzen sowie Maßnahmenempfehlungen für ein effektives Management neozoischer Wildgänse


    Zusammenfassung

    Die Populationen der nicht heimischen Kanadagans und der Nilgans haben sich in den letzten Jahren in Nordrhein-Westfalen –  auch im Stadtgebiet von Bochum –  stark ausgebreitet. Um die ökologischen Auswirkungen der neozoischen Gänsepopulationen in Bochum zu untersuchen, wurde eine Bestandsaufnahme der Wasservögel an zehn verschiedenen Seen und Teichen durchgeführt. Bei der Kanadagans wurde eine durchschnittliche Populationsgröße von 209 Altvögeln und 104 Brutpaaren gezählt, wobei an vielen Gewässern eine hohe Populationsdichte festgestellt wurde. Außerdem wurden im Durchschnitt 60,5 erwachsene Gänse und ein Brutbestand von 22 Paaren festgestellt. Die Nilgans hat offensichtlich noch nicht ihr Optimum an Dichte erreicht. Ausgehend von den Brutbeständen und den biologischen Faktoren sind die Populationstrends der Kanadagans und der Nilgans positiv, aber bei Branta canadensis ist der Trend stärker anwachsend als bei Alopochen aegyptiaca. Möglicherweise hat die Kanadagans an einigen Teichen des Untersuchungsgebietes bereits ihr Maximum erreicht. Gewässer in unmittelbarer Nähe von Offenlandflächen mit kurzem Gras sowie Weideflächen werden von beiden untersuchten Gänsearten als Lebensraum präferiert. Brutplätze auf Inseln werden von Kanadagänsen bevorzugt, aber an städtischen Teichen mit hoher Populationsdichte wurden auch Bruten an ungeschützten Stellen z.B. neben Fußwegen festgestellt. Für die Nilgans konnten keine bevorzugten Brutplätze ermittelt werden. Es wurden keine negativen Auswirkungen von neozoischen Gänsen auf autochthone Wasservögel beobachtet. In künftigen Untersuchungen sollte geprüft werden, ob ein weiteres Populationswachstum eine Bedrohung für einheimische Arten darstellt. Infolge des Populationswachstums von Kanadagänsen und Nilgänsen und der häufigen Beschwerden von Parkbesuchern ist das Management dieser Gänse unumgänglich. Die Reinigung von Wegen und Rasenflächen sowie die Schaffung von Barrieren oder Langgraswiesen stellen wirksame, nichtletale Methoden dar, um eine räumliche Kontrolle zu erreichen und die Verschmutzung von städtischen Parks und Grünflächen durch Gänse zu minimieren. Die besten Langzeitwirkungen zur Reduzierung von Gänsepopulationen zeigten Maßnahmen zur Entfernung von Eiern. Ein kontinuierliches und regelmäßiges Monitoring aller Wasservogelarten sollte als Grundlage für alle zukünftigen Ansätze zum Management der Gänsepopulationen in der Zukunft durchgeführt werden.

  • Titel Bachelorarbeit Thomas Middelanis
    Titelseite Bachelorarbeit Thomas Middelanis
    © Thomas Middelanis

    Der Preisträger 2019

    Im Jahr 2019 erhielt

    Thomas Middelanis

    den Preis mit seiner Arbeit zum Thema:

    Die landwirtschaftliche Nutzung von Pflanzenkohle als mögliche bodenverbessernde Maßnahme in den semi-ariden Tälern der bolivianischen Anden


    Zusammenfassung

    Die Landwirtschaft der semiariden Täler Boliviens steht angesichts der derzeitigen Bodenbeschaffenheit und den prognostizierten klimatischen Veränderungen vor großen Herausforderungen, welche die Anpassung des Umgangs mit Wasser und Boden sowie der landwirtschaftlichen Praxis im Allgemeinen einfordern. Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wurde untersucht, inwiefern die Einbringung von Pflanzenkohle die Bodenqualität verbessern und Degradationsprozessen vorbeugen kann. Die Pflanzenkohle wurde kurz vor Versuchsbeginn in einem Kon-Tiki Pyrolyseofen hergestellt (ca. 700 °C; < 1 Stunde Dauer). Als Indikatoren für eine bodenverbessernde Wirkung dieser Maßnahme wurden die Feuchtigkeit, der Gesamtstickstoffgehalt sowie Streuumsatzraten neben grundlegenden Bodenparametern untersucht. Die Datenaufnahmen fanden zwischen März und Juli 2019 in einer dafür angelegten Versuchsparzelle im Forschungsbetrieb Mollesnejta in Cochabamba, Bolivien statt. Die Pflanzenkohlezugaben bewirkten in Gruppen von je 10 Ver-suchssubstraten sowohl bei Dosierungen von 25,8 als auch 51,6 kg Pflanzenkohle pro m³ messbare Verbesserungen der Bodeneigenschaften: Der pH-Wert, die elektrische Leitfähigkeit, die potentielle Kationenaustauschkapazität, der Bodenwassergehalt sowie die Gesamtstickstoffkonzentration konnten durch die Einbringung von Pflanzenkohle erhöht werden. Der Effekt auf die letztgenannten Parameter war signifikant (p < 0,05); im Falle der Bodenfeuchtigkeit sogar höchstsignifikant (p < 0,001). Die Messung der Streuabbauraten ergab keine eindeutigen Ergebnisse. Die sonst positiven Einflüsse von PK auf Bodenphysik und -chemie lassen sich mit den besonderen strukturellen Eigenschaften, allen voran der hohen Porosität sowie der Oberflächenchemie, von Pflanzenkohle erklären.

  • Titel Bachelorarbeit Viktoria Zimmer
    Titelblatt Bachelorarbeit Viktoria Zimmer
    © Viktoria Zimmer

    Die Preisträgerin 2018

    Im Jahr 2018 erhielt

    Viktoria Zimmer

    den Preis für ihre Arbeit zum Thema:

    Fostering regenerating living systems: The role of basketry handicraft in creating a culture rooted in place


    Zusammenfassung

    Um einen gesunden Zustand unserer überwiegend degenerativen sozial-ökologischen Systeme wiederherzustellen, bedarf es eines Verstehens, wie derzeitige ökologische Krisen mit einem abnehmenden Bewusstsein der Menschen für lokale Ökosysteme einhergehen. Eine tiefere Ursache für die fortschreitende Degradierung ökologischer Systeme liegt im Außer-Acht-Lassen der Beziehung zu der uns umgebenden Landschaft. Somit ist es von elementarer Bedeutung, eine Verbindung zwischen Menschen und Orten anzustoßen, welche von Respekt, Reziprozität und Verantwortungsbewusstsein geprägt ist. In der preisgekrönten Arbeit wurde betrachtet, wie ein bewusstes Verweben menschlicher Lebensweisen mit lokalen naturräumlichen Gegebenheiten das sogenannte ‚Place Attachment‘, eine Bindung zu Orten, verstärkt und das Entstehen von Kultur aus der lokalen Landschaft heraus fördert. Das Hauptziel dieser Arbeit lag darin, zu untersuchen, welchen Beitrag das Praktizieren des Korbflechthandwerks zu einem Wandel hin zu regenerativen (sozial-ökologischen) Lebenssystemen leisten kann.  
    Die Verfasserin erläutert zunächst, dass Menschen ein integraler Teil der Natur sind, und dass zur Gestaltung regenerativer Lebenssysteme ein Gefühl der Zugehörigkeit zu Orten vonnöten ist, welches unsere wechselseitige Verbundenheit anerkennt. Anschließend wurde eine ganzheitliche Betrachtungsweise des ‚Place Attachment‘ entwickelt, indem die Ergebnisse einer interdisziplinären Literaturrecherche mit dem 8-Schilde-Modell, einem ‚Werkzeug‘ zum Erkennen natürlicher Muster und Abläufe, zusammengeführt wurden. Es konnten acht verschiedene Arten der Verbundenheit zu Orten abgegrenzt werden, die ausführlich erläutert werden. Um diese Betrachtungsweise des Place Attachment empirisch zu untersuchen, zu präzisieren und das obengenannte Forschungsziel zu erreichen, wurden leitfadengestützte Interviews mit fünf KorbflechterInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geführt. Eine computergestützte qualitative Inhaltsanalyse der erhobenen Daten schloss sich an.  
    Die Forschungsergebnisse bestätigen die Annahme, dass Korbflechten mit lokalen Pflanzenmaterialien mit emotionaler Bindung zu einem Ort, Wissen über ihn, und einem fürsorglichen Umgang mit ihm einhergeht. Die empirische Untersuchung bekräftigt, wie das Kultivieren von Verbundenheit zu einem Ort die Entwicklung einer aus dem Platz hervorgehenden Kultur fördert und auf diese Weise regenerativere Lebenssysteme hervorbringen kann. Demnach sprechen die erlangten Erkenntnisse dafür, Maßnahmen zur Förderung regenerativer Prozesse un-ter Einbeziehung der breiteren Bevölkerung vom einzigartigen Charakter des jeweiligen Ortes leiten zu lassen.