Preisträgerin beste Masterarbeit 2025
© Julian Wortmann

MedienAlumni Münster e.V. verleiht den Preis für die beste Abschlussarbeit 2025 an Anastasia Glawatzki

(28.07.2026) Masterarbeit über die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften von Künstlicher Intelligenz hat die Jury am meisten überzeugt.

Künstliche Intelligenz (KI) verändert Wirtschaft, Arbeitswelt und Alltagsleben, indem sie Prozesse effizienter macht, neue Dienstleistungen ermöglicht und datenbasierte Entscheidungen erleichtert. Sie birgt gleichwohl Chancen und Risiken, etwa in Bezug auf Ethik, Privatsphäre, Sicherheit und sozialer Ungleichheit, weshalb verantwortungsvolle Steuerung und Regulierung wichtig sind.

Insofern ist es von größter Relevanz zu erforschen, wie KI-Unternehmen auf ihre Technologie blicken und diese gesellschaftlich verankern wollen. An diesem Punkt setzt die Masterarbeit von Anastasia Glawatzki an. Die von Dr. Anne Mollen und Prof. Dr. Sigrid Kannengießer betreute Arbeit untersucht, wie KI-Unternehmen (OpenAI, Mistral AI, Meta) generative KI in ihren Dokumenten vermenschlichen („Anthropomorphisierung") und dadurch soziotechnische Zukunftsvisionen („Imaginaries") konstruieren. Zwei zentrale Forschungsfragen leiten die Arbeit: Welche anthropomorphisierenden Imaginaries setzen die Unternehmen ein und wie wird die Technologie durch Anthropomorphismen als wirkmächtig in zukünftigen Gesellschaften inszeniert?

Bisherige Forschung fokussierte sich meist auf Anthropomorphisierung aus Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer. Unternehmen als anthropomorphisierende Akteure wurden kaum untersucht, obwohl diese Big-Tech-Firmen weitgehend ohne demokratische Legitimation eine „hegemoniale Position“ bei der Gestaltung von KI-Zukünften einnehmen.

Zur Beantwortung ihrer Forschungsfragen hat Frau Glawatzki eine qualitative, inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse von 36 Unternehmensdokumenten durchgeführt, gefolgt von einer Typenbildung zur Ableitung von Wirkmächtigkeits-Typen. Die Autorin hat drei zentrale anthropomorphisierende Imaginaries identifiziert, die von allen drei Unternehmen vertreten werden: 1. KI als Werkzeug mit menschlichen Fähigkeiten, die menschliche Produktion steigert; 2. KI als ermächtigende Helferin, die den fehlbaren Menschen bei Routineaufgaben entlastet; 3. KI als anthropomorphisierte Superintelligenz, die sich autonom weiterentwickelt, aber auch Gefahrenpotenzial birgt, vor dem sich die Unternehmen selbst „retten“ wollen.

Die Autorin stellt heraus, dass alle drei Imaginaries Unternehmensinteressen (Profit, Marktmacht) sowie gesellschaftliche Kosten (bspw. Abhängigkeiten, Ausbeutung menschlicher Arbeit für KI-Optimierung, Entwertung menschlicher Kreativität/Beziehungen) verschleiern. Theoretisch erweitert die Arbeit das Anthropomorphisierungs-Konzept um eine Wirkmächtigkeits-Dimension und eine strategische Akteursebene. Das Imaginaries-Konzept wird um eine normative Dimension demokratischer Legitimität ergänzt, da wirkmächtige Unternehmen wie Meta und OpenAI ihre Zukunftsvisionen ungleich stärker infrastrukturell durchsetzen können als andere gesellschaftliche Akteure.

Die Jury begründet ihre Entscheidung aufgrund der exzellenten theoretischen Auseinandersetzung mit dem Forschungsgegenstand der vermenschlichenden Vorstellungswelten generativer KI. Die Arbeit hat durch die Bearbeitung eines hochaktuellen Themas eine große Relevanz, ist innovativ und zeichnet sich durch eine kritische, sehr reflektierte Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz und KI-Werkzeugen aus.

Die umfassende Beantwortung der beiden Forschungsfragen hat nicht nur für demokratische Gesellschaften, die immer stärker von KI und KI-Unternehmen geprägt werden, wesentliche Erkenntnisse hervorgebracht. Die Ergebnisse der Arbeit beinhalten insbesondere für den Journalismus hinsichtlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz wichtige Implikationen. Die Autorin hat nach Ansicht der Jury einen kontroversen Forschungsgegenstand kritisch und unvoreingenommen bearbeitet. Für die Kommunikationswissenschaft ergeben sich durch ihre hervorragende Analyse und Einordnung der Ergebnisse neue Anknüpfungspunkte für die Forschung zur Künstlichen Intelligenz und zu Technologieunternehmen – und wie wir als Gesellschaft mit dieser Technologie umgehen (sollten).

Daher verdient Anastasia Glawatzki die Auszeichnung als beste Masterarbeit des Jahres 2025. Sie erhält mit der Auszeichnung von MedienAlumni Münster e. V. ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro. Der Preis für die beste Masterarbeit des Vorjahres wird einmal pro Jahr durch den MedienAlumni Münster e. V. verliehen.

Die Jury bestand in diesem Jahr aus Dr. Laura Badura (Produktmanagerin und Teamlead „Editorial Solutions“ bei der Innovations- und Digitalagentur ida), Anne Elshorst, M.A. (Senior Audience Researcher bei RTL in Hamburg), Desiree Hammer, M.A. (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaft) und Dr. Annika Summ (Referentin für Soziale Innovationen im Referat Forschung und Transfer an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg).

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