© Stephan Görland, Susanne Lüdeling

Neues Forschungsprojekt untersucht Fußnoten-Journalismus als innovative Transparenzpraxis

(01.10.2026) Wie werden neue journalistische Praktiken von Journalist*innen und Publikum angenommen und langfristig zur Normalität? Mit dieser Frage beschäftigt sich das neue Forschungsprojekt „Von der Neuheit zur Norm: Habitualisierung und Internalisierung des Fußnotenjournalismus als Beispiel einer innovativen Transparenzpraxis im Journalismus“. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Austrian Science Fund (FWF) geförderte Projekt wird von Dr. Lars-Ole Wehden von der Universität Münster und Dr. Bernadette Uth von der Universität Wien geleitet.

Transparenz wird zunehmend als zentrale Norm des Journalismus diskutiert. Während lange Zeit insbesondere das Ideal journalistischer Objektivität im Mittelpunkt stand, setzen Redaktionen heute verstärkt darauf, auch die Entstehungsbedingungen ihrer Berichterstattung offenzulegen – etwa durch Informationen zu Reporter*innen, zur Nachrichtenauswahl oder zu den verwendeten Quellen. Damit ist häufig die Hoffnung verbunden, die Glaubwürdigkeit journalistischer Angebote und das Vertrauen des Publikums zu stärken.

Eine vergleichsweise neue Form dieser Transparenz ist derzeit in Deutschland und Österreich zu beobachten: wissenschaftliche Quellenangaben in Form von Fußnoten, beispielsweise unter journalistischen Artikeln oder als Einblendungen in Nachrichtenvideos. Für diese Praxis wurde der Begriff „Fußnoten-Journalismus“ geprägt.

Neue journalistische Praktiken entsprechen jedoch nicht zwangsläufig den bisherigen Erwartungen und Gewohnheiten des Publikums. Bevor sie akzeptiert werden und zur Stärkung der Beziehung zwischen Journalismus und Publikum beitragen können, müssen sie sich zunächst etablieren und normalisieren. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an: Untersucht wird, wie Fußnoten-Journalismus von Journalist*innen und Publikum verinnerlicht, habitualisiert und schließlich als journalistische Praxis akzeptiert wird.

Dafür sind mehrere Teilstudien in Deutschland und Österreich geplant. In Leitfadeninterviews werden Journalist*innen zu ihren Routinen, Motiven und Erwartungen im Zusammenhang mit Fußnotenjournalismus befragt. Die Entwicklung der Publikumswahrnehmung wird über mehrere Erhebungszeitpunkte hinweg mithilfe qualitativer Interviews und einer Experimentalbefragung untersucht. Zwischen den Erhebungen kommen die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Formen des Fußnoten-Journalismus in Kontakt. Ergänzend soll eine Eye-Tracking-Studie zeigen, wie Quellenhinweise gestaltet werden können, um ihre Wahrnehmung und Akzeptanz beim Publikum zu fördern.

Das Projekt trägt damit nicht nur zur Erforschung einer neuen Form journalistischer Quellentransparenz bei, sondern soll auch Erkenntnisse darüber liefern, wie neue journalistische Normen und Praktiken sowohl innerhalb des Journalismus als auch beim Publikum entstehen und sich dauerhaft etablieren.

Das Forschungsprojekt läuft vom 1. Oktober 2026 bis zum 30. September 2029 und wird mit einer Summe von 643.848 € gefördert. Davon entfallen 403.940 € auf den von der DFG geförderten deutschen Projektteil.

Ansprechpartner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. Stephan Völlmicke
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