Mittelniederdeutsche Frühdrucke digital

Schaffung einer virtuellen Bibliothek durch die digitale Erschließung und Zusammenführung aller überlieferten mittelniederdeutschen Inkunabeln und Frühdrucke (1473–1520), Projektlaufzeit: Oktober 2021 – September 2022
Abbildung aus dem Druck "Reynke de vos", Lübeck 1498. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Signatur 8° Inc 1478. Blatt 35b
Abbildung aus dem Druck "Reynke de vos", Lübeck 1498. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Signatur 8° Inc 1478. Blatt 35b
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Ausgangslage

An der Niederdeutschen Abteilung des Germanistischen Instituts der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wurden zwischen 1975 und 1987 systematisch die Frühdrucke in mittelniederdeutscher Sprache ermittelt und in Form von Mikrofilmen archiviert. Es handelt sich um Drucke aus der Zeit zwischen 1473 und 1520.

Die Originale befinden sich in den Beständen zahlreicher Bibliotheken im In- und Ausland. In Münster wurden Abzüge der Verfilmungen angefertigt, die für Benutzer*innen der Institutsbibliothek zugänglich sind und so einen einzigartigen vergleichenden Zugriff auf die Texte dieser Zeit bieten.

Die dadurch geschaffene Grundlage für – nicht ausschließlich – philologische Untersuchungen wurde bisher von zahlreichen Wissenschaftler*innen aus aller Welt (darunter die Niederlande, Spanien, Italien, Schweden, Dänemark, Russland und Südafrika) genutzt.

Infolge der kontinuierlich voranschreitenden Digitalisierung historischer Bibliotheksbestände wurde der analoge Bestand der Frühdrucksammlung seit einiger Zeit jedoch weniger nachgefragt.
 

Projektziele und Arbeitsschritte

Ziel des Projektes „Mittelniederdeutsche Frühdrucke digital“ ist die digitale Erschließung der in der analogen Sammlung erfassten Drucke sowie die Erweiterung der Sammlung um diejenigen Drucke, die seit Ende der 80er Jahre (wieder) aufgefunden werden konnten. Durch die digitale Aufbereitung der Bestände werden neue Zugriffsmöglichkeiten geschaffen, um die Voraussetzungen für Forschungsarbeiten und Lehre zu verbessern sowie die Sichtbarkeit der Sammlung und des Bestandes der mittelniederdeutschen Inkunabeln und Frühdrucke hervorzuheben.

In der ersten Projektphase wurde seit Oktober 2021 ermittelt, welche der in der mittelniederdeutschen Frühdrucksammlung erfassten Drucke bereits durch die Bibliotheken digitalisiert wurden, in denen sie aufbewahrt werden. Darüber hinaus wurden alle Informationen zu den in der Sammlung erfassten Drucken anhand der gängigen online Inkunabel- und Frühdruckkataloge (GW, ISTC, USTC, VD 16) aktualisiert.

Ab April 2022 wurde in der zweiten Projektphase anschließend die Digitalisierung derjenigen Frühdrucke angestrebt, die bis dahin noch nicht in digitaler Form vorlagen. Die Kooperationen mit den zahlreichen Bibliotheken und Archiven umfassen sowohl die Genehmigungen zur Digitalisierung und Veröffentlichung der Mikrofilme als auch die Reproduktion der angefragten Drucke vom Original vor Ort. Für die freundliche Unterstützung unseres Projektes und für die uneingeschränkte Zusammenarbeit möchten wir uns herzlich bei allen beteiligten Institutionen bedanken.

Materialien

 

Weiterführende Literatur zur Sammlung

  • Borchling, Conrad und Claussen, Bruno (1931–36, 1957): Niederdeutsche Bibliographie. Gesamtverzeichnis der niederdeutschen Drucke bis zum Jahre 1800. 3 Bd. Neumünster: Wachholtz.
  • Derendorf, Brigitte und Sodmann, Timothy (1988): Übersicht über die in der Niederdeutschen Abteilung in Münster in Form von Photokopien vorhandenen niederdeutschen Frühdrucke. In: Niederdeutsches Wort 28, S. 39–41.
  • Menke, Hubertus (1999): „… dem hordt dith boek tho“. Zur Neubearbeitung des Borchling-Claussen, mit 6 Neufunden. In: Niederdeutsches Wort 39, S. 455–469.
  • Schulte, Brigitte (1990): Zur Sammlung volkssprachiger Frühdrucke (Fotokopien) an der Niederdeutschen Abteilung in Münster. In: Niederdeutsches Wort 30, S. 97–102.
  • Sodmann, Timothy (1988): Zur Entstehungsgeschichte und zur Verwendbarkeit der münsterschen Sammlung früher niederdeutscher Drucke. In: Niederdeutsches Wort 28, S. 3–10.