• Dissertationsprojekt

    Arbeitstitel: Kulturphilosophie als formbildende Macht der literarischen Moderne


    Hieße es, ein markantes Distinktivum der Literatur der klassischen Moderne zu bestimmen, so ließe sich bei den variantenreichen Ausformungen moderner Literatur unstrittig wohl nur der stilistische Pluralismus benennen. Dieser, entsprungen aus dem Anspruch kontinuierlicher Neuschöpfung, andauernder Progression, der sich etwa in den Thesen der Literaturvereinigung Durch! artikuliert, bezeichnet eine Vielfalt an Texten, die bereits konzeptionell gravierend differieren.
    Die Modellbildungen des literarischen Feldes verändern sich nachhaltig, indem sie versuchen, der forcierten Forderung nach Originalität und Innovation Rechnung zu tragen. Weil sich dieser Übersteigerungsgestus der Reaktivierung bekannter Formmodelle rigoros verweigert, eröffnet er dadurch auch neue Darstellungspotentiale. Gerade in der programmatisch postulierten Abkehr von jeglicher mimetisch verpflichteter Darstellungsintention liegt der Keim einer Neuorientierung geborgen, durch die die Literatur der Moderne sich neue Objekte und Strukturen der Darstellung zu erschließen imstande ist.
    An diesem Punkt sucht das im Folgenden beschriebene Disserationsprojekt anzusetzen. Es geht von der Annahme aus, dass insbesondere die formalen Modifikationsprozesse der Narrationen und Narrative innerhalb der Moderne zu einem maßgeblichen Teil von kulturphilosophischen wie -theoretischen Impulsen abhängig sind. Beispielhaft ersichtlich wird die Relevanz solcher Komponenten an einem fundamentalen Motivkomplex der Moderne: der Neurasthenie. Als Krankheit der explizit forschrittlichen, zivilisatorischen Gesellschaft verdichtet sich in ihr als literarisches Motiv Kulturkritik zu der Pathologie eines ganzen gesellschaftlichen Kollektivs. Als formmodifikatorisch oder gar formbildend verstanden werden können diese kulturphilosophischen Implemente, wenn ihre Einflüsse nicht allein als Motiv oder Symbol wiederkehren, sondern konkret in die Struktur der Erzählungen eingreifen.

    In der Dissertationsschrift sollen die Fragen nach poetischen Maßgaben und Darstellungsintentionen der Romane leitmotivisch als zentrale Problemstellungen analytischer Organisation fungieren. Zielsetzung ist zum einen, anhand dieser Leitvorgabe sich wandelnde Darstellungsansprüche und literaterische Modellierungen nachzuzeichnen, die kulturtheoretische Einflüsse insofern gleichsam hypostatisch verwirklichen. Zum anderen stellt sich die Analyse der Aufgabe, derart realisierte kulturkritische Einsprengsel zu untersuchen. Gerade bei Texten, die Dekadenz nicht allein motivisch sondern als erzählleitende Struktur verwirklichen, stellt sich dann auch die Frage, inwiefern bereits die formale Organisation der Texte als Kulturkritik verstanden werden kann. Die selbstreflexive Komponenten kulturkritischer Elemente verspricht im Rahmen dieses Untersuchungskomplexes, Selbstbeschreibungsmechanismen und Formbildungsprozesse der literarischen Moderne gleichermaßen zu erhellen.

  • Vita

    seit August 2017 Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes (ideelle Förderung)
    seit April 2017 Mitherausgeberin der Zeitschrift Textpraxis. Digitales Journal für Philologie (www.textpraxis.net)
    seit Oktober 2016 Promotionsstipendiatin im Graduiertenkolleg „Literarische Form. Geschichte und Kultur ästhetischer Modellbildung“
    Westfälische Wilhelms-Universität Münster
    10/2015 - 09/2016 Studium der Französistik und Gräzistik
    Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
    09/2014 - 06/2015

    Stipendiatin des Deutschen akademischen Austauschdienstes

    Förderung des Aufenthaltes an der University of St. Andrews

    01/2014 - 08/2014 Studentische Hilfskraft im Haus der Geschichte, Bonn
    Assistenz Dr. Tuya Roth
    11/2013 - 08/2014 Studentische Hilfskraft an der Rheinische-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
    Neuere deutsche Literaturwissenschaft
    Lehrstuhl Prof. Dr. Michael Wetzel
    10/2013 - 09/2015 Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes
    10/2013 - 09/2015 Studium der Germanistik und Komparatistik
    Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn / University of St. Andrews
    01/2013 - 09/2013 Studentische Hilfskraft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
    Neuere deutsche Literaturwissenschaft
    Jun. Prof. Misia Doms
    Lehrstuhl Prof. Dr. Volker Dörr
    10/2011 - 09/2013 Stipendiatin des Deutschlandstipendiums
    10/2010 - 09/2013 Studium der Germanistik und Geschichte
    Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

  • Vorträge

    11/2017 „Arthur Schnitzler und die Wiener Moderne: Sterben und Spiel im Morgengrauen
    Gastvortrag gehalten im Rahmen der Vorlesung „Österreichische Literatur“ (Jun.-Prof. Misia Doms), Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
    09/2017

    „Fantastische Wissenschaft: Dietmar Daths Abschaffung der Arten
    Jahrestagung der Gesellschaft für Fantastikforschung (GFF) 2017: “Wirklichkeiten und Weltenbauen“, 20.-23.9.2017, Universität Wien

    09/2016 „Bildbeschreibung und ästhetische Programmatik bei Goethe und Diderot“
    „Visuelle Täuschung und Selbstermächtigung um 1800“, Klassik Stiftung Weimar
    09/2015 „Eduard von Keyserling: Das Narrativ der ‚Schlossgeschichte‘ als Kulturkritik“
    „Aristokratismus. Historische und literarische Semantik von ‚Adel‘ zwischen Kulturkritik der Jahrhundertwende und Nationalsozialismus“, Philipps-Universität Marburg
    06/2015 „‘Der Demiurg ist ein Zwitter‘ – das Motiv des Traums als Methode der Sprachkritik in Kubins Die andere Seite und Söderbergs Doctor Glas
    Studierendenkongress Komparatistik, Technische Universität Chemnitz
    05/2015 „‘Der große Zusammenhang der Dinge‘ – Metonymien als Verwirklichung poetologischer Überlegungen in Fontanes Stechlin und Eduard von Keyserlings Abendliche Häuser
    Frühjahrstagung der Fontane-Gesellschaft Großbritannien und Irland, London