
Geistliche Ökumene
Die Geistliche Ökumene bezeichnet einen Ansatz in der Ökumene und der Ökumenischen Theologie, der die Suche nach der Einheit der Christen nicht in erster Linie auf der Ebene theologischer Dialoge oder institutioneller Annäherungen ansetzt, sondern bei der inneren Haltung jedes Christen und jeder Kirche. Das Gebet für die Einheit der Christen, Umkehr und geistliche Erneuerung gelten ihr als Wege, die zur Einheit führen. Der Ansatz der Geistlichen Ökumene geht auf den französischen Priester Paul Couturier (1881–1953) zurück und hat Eingang in das Ökumenismusdekret Unitatis redintegratio des Zweiten Vatikanischen Konzils gefunden, wo sie als „Seele der ganzen Ökumenischen Bewegung“ (UR 8) bezeichnet wird.
Das Dissertationsprojekt erarbeitet die erste umfassende Studie zur Geistlichen Ökumene. Es verbindet eine vertiefte und fokussierte historische Erschließung mit einer erstmaligen systematisch-theologischen Entfaltung der Geistlichen Ökumene. Leitend ist dabei die Überzeugung, dass die Geistliche Ökumene nur dann angemessen verstanden werden kann, wenn sie auf ihre Ursprünge bei Paul Couturier zurückbezogen wird – auch und gerade dort, wo zentrale lehramtliche Texte wie Unitatis redintegratio oder Ut unum sint nur sehr knapp auf sie eingehen.
Auf dieser historischen Grundlage wird die Geistliche Ökumene als eigenständiger hermeneutischer Ansatz entfaltet und auf ihre Bedeutung für die Ökumene heute befragt. Ihr ökumenisches Potential gründet dabei auf ihrer christozentrischen Überzeugung und Ausrichtung: Wenn sich alle in einer Bewegung der Umkehr und Erneuerung Christus annähern, kommen sie automatisch auch einander näher. Der Geistlichen Ökumene wohnt damit das Potential inne, die Ökumene von innen heraus zu transformieren – wenn sie wirklich verstanden, ernst genommen und mit ganzer Überzeugung gelebt wird.
Publikationen:
- Kulke, David: „Ein Vorläufer und ein Beispiel“. Paul Couturier als Vordenker und Wegbereiter der Ökumene. In: Catholica 67 (2013), 19–39.
- Kulke, David: Geistliche Ökumene und geistliche Gemeinschaften. Geistliche Gemeinschaften als ökumenisch-theologische Erkenntnisorte am Beispiel der Gemeinschaft Chemin Neuf. In: Klein, Rebekka A./Teuchert, Lisanne (Hg.): Ökumene in Bewegung. Neue Perspektiven der Forschung. Leipzig 2021, 227–255.

