DFG-Langfristvorhaben "Römische Inquisition und Indexkongregation von 1542 bis 1966"

© Titelkupfer des Index librorum prohibitorum von 1758

Erst seit 1998 ist das Archivio della Congregazione per la Dottrina della Fede (ACDF), das Archiv der Vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre, der Forschung zugänglich. Es hütet die Akten zur Römischen Buchzensur durch Inquisition und Indexkongregation. Über 400 Jahre lang haben sich diese beiden Kongregationen mit den neuzeitlichen Wissenskulturen auseinandergesetzt: Ging es der römischen Zensur zunächst darum, im Gefolge von Luther und Calvin die protestantischen "Häresien" zu bekämpfen, entwickelte sie sich bald zum Instrument einer totalen Kontrolle der Medien. Kaum ein anderes Archiv spiegelt daher die europäische Wissensgeschichte derart umfassend wider.

Das auf zwölf Jahre angelegte DFG-Langfristvorhaben "Römische Inquisition und Indexkongregation von 1542 bis 1966" am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte erarbeitete seit 2002 ein umfangreiches wissenschaftliches Hilfsmittel, das die Bestände des Archivs zum Thema Buchzensur systematisch erschließt. Es umfasst eine Edition der Verbotsplakate (Bandi), ein Systematisches Repertorium und eine Prosopographie.

2005 wurden die Ergebnisse zum 19. Jahrhundert präsentiert, seit 2009 liegen die Bände zum 18. Jahrhundert vor. Bei den Bänden für das 16. und 17. Jahrhundert hat sich die Drucklegung durch das Ende des DFG-Projekts verzögert. Anfang 2020 erschienen das Systematische Repertorium zur Inquisition und die beiden Bände "Personen und Profile". Die "Bandi" folgen im Frühjahr 2022. Das Systematische Repertorium zur Indexkongregation wird momentan  mithilfe einer Förderung durch die Fritz-Thyssen-Stiftung fertiggestellt.