Die Rhetorik des Monotheismus im römischen REich

(DFG-Projekt vom 01.03.2012 bis 28.02.2015 - abgeschlossen)

Die antiken christlichen Theologen nutzten die Dialektik von Einzahl und Vielzahl in der Gottesvorstellung als zentrales Vehikel für die von ihnen geformte Unterscheidung des Christentums von der antiken Kultur und Religion, indem sie ein monotheistisches Christentum einem polytheistischen Heidentum gegenüberstellten. Mit dieser Dichotomie schufen sie ein einprägsames Muster zur Deutung der Geschichte und zur Verortung des Christentums in der antiken Kultur, das bis in die Gegenwart die Geschichtsschreibung zur Spätantike dominiert. Der Abgrenzungsdiskurs, den die christlichen Theologen dabei führten, war zugleich ein Reflexionsdiskurs über die eigene Gottesvorstellung und ein Faktor im Selbstfindungsprozess des antiken Christentums.
Das Gesamtziel des Teilprojekts besteht darin, durch Infragestellung der Dichotomie Poly-/Monotheismus, die ein sprachliches Konstrukt in je bestimmten Zusammenhängen mit jeweils bestimmten Absichten ist, Einteilungen, Abgrenzungen und Zuordnungen verschiedener Gottesvorstellungen (und zugehöriger Trägergruppen) zu erschließen, die den komplexen Konstellationen der kontroversen spätantiken Debatten in den diversen Situationen angemessener sind als simplifizierende Antithesen, ohne damit ein neues System von Kategorien zu schaffen.

Beteiligte Wissenschaftler

Arbeitsthemen

  • Die Rhetorik des Monotheismus in den griechischen Apologien

    Die Untersuchung der griechischen christlichen Apologien widmet sich der oben beschriebenen Infragestellung einer schlichten Opposition von Mono- und Polytheismus anhand der Schriften von Justin bis Theodoret. Kennzeichen dieser Texte ist die Auseinandersetzung mit griechischer Tradition, für die Autoren wie Platon und Homer wichtige Gewährsmänner darstellen. Der klassischen griechischen Philosophie wird innerhalb der Texte die christliche Gegenseite als vera philosophia entgegengestellt, was gerade mit einer deutlichen Abqualifizierung polytheistischer Vorstellungen einhergeht und eine Verteidigung und Durchsetzung des jüdisch-monotheistischen Erbes zum Ziel hat. Bei der Recherche und Bearbeitung der in Frage kommenden Textpassagen und Argumentationslinien soll der im folgenden Teil kurz angedeutete rhetorische Ansatz Perelmans ausreichend Hilfestellung bieten.
  • Die Rhetorik des Monotheismus in den lateinischen Apologien

    Die lateinischen Apologeten (von Tertullian bis Augustinus) orientierten sich an bereits ausgeformten griechischen Texttraditionen, bezogen sich aber auf andere Referenztexte (insbesondere Cicero /Vergil) und entwickelten mit ihrer spezifisch rhetorischen Ausbildung einen eigenen Argumentationsstil. Die Dichotomie zwischen dem Glauben an einen und an viele Götter wird von ihnen als Topos gebraucht, um die Überlegenheit des Christentums über die „pagane Umwelt“ rhetorisch zu untermauern.
    Die Analyse ihrer Strategien und Darstellungsformen geht von den Gesamtzusammenhängen relevanter apologetischer Texte aus und schreitet zu einer feingliedrigen Analyse der Stellen voran, welche sich direkt auf die propagierte Unterscheidung zwischen Einzahl und Vielzahl in der Gottesvorstellung beziehen. Inspiration verspricht dabei die „Nouvelle Rhétorique“ (Chaim Perelman), welche die antike Rhetorik auf einer neuen philosophischen Grundlage weiterschreiben möchte und dabei ein Instrument zur Auffindung spezifischer Formen von Argumentation bietet.

Vorträge und Tagungen

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