"Deo gratias, ist gutgegangen"
Im Rahmen einer feierlichen Abendveranstaltung in der Katholischen Akademie München wurde am 29. Juni 2026 der Abschluss der Faulhaber-Edition gefeiert. Nach Grußworten des Akademiedirektors und des Generalvikars des Erzbischofs von München und Freising wurden über 150 Gästen in unterschiedlichen Formaten zentrale Ergebnisse des Editionsvorhaben präsentiert.
Fotos


Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem jungen Cellisten Levi Schudel und dem Jugendorchester des Wittelsbacher Gymnasiums.© Katholische Akademie München - Robert Walser 
In Vertretung von Reinhard Kardinal Marx dankte Generalvikar Christoph Klingan den Projektleitern Prof. Dr. Andreas Wirsching und Prof. Dr. Hubert Wolf sowie dem Forschungsteam.© Katholische Akademie München - Robert Walser 
Dr. Peer Volkmann© Katholische Akademie München - Robert Walser 
Projektleiter Prof. Dr. Hubert Wolf© Katholische Akademie München - Robert Walser 
Dr. Matthias Daufratshofer© Katholische Akademie München - Robert Walser 
Im Rahmen einer feierlichen Abendveranstaltung in der Katholischen Akademie München wurde am 29. Juni 2026 der Abschluss der Faulhaber-Edition mit über 150 Gästen gefeiert.© Katholische Akademie München - Robert Walser 
Großen Applaus gab es, als Dr. Peer Volkmann alle beteiligten Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter namentlich nannte und auf die Bühne bat.© Katholische Akademie München - Robert Walser 
Schülerinnen und Schüler des Fachbereichs Geschichte des Wittelsbacher-Gymnasiums lasen einige Texte aus Tagebüchern und Briefen Kardinal Faulhabers.© Katholische Akademie München - Robert Walser 
Das Jugendorchester des Wittelsbacher Gymnasiums© Katholische Akademie München - Robert Walser
Dr. Achim Budde als Direktor der Katholischen Akademie in Bayern hieß zunächst alle Gäste willkommen. In seinem Grußwort führte er aus, dass die Katholische Akademie das Projekt von Anfang an intensiv begleitet und allen Veranstaltungen einen Ort zur Diskussion und Präsentation geboten habe. In Vertretung von Reinhard Kardinal Marx dankte Generalvikar Christoph Klingan den Projektleitern Prof. Dr. Andreas Wirsching und Prof. Dr. Hubert Wolf sowie dem Forschungsteam. Für die Erzdiözese führe kein Weg daran vorbei, alle Quellen der Forschung zugänglich zu machen und zu seiner Geschichte zu stehen. Großen Applaus gab es, als Dr. Peer Volkmann alle beteiligten Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter namentlich nannte und auf die Bühne bat. Schülerinnen und Schüler des Fachbereichs Geschichte des Wittelsbacher-Gymnasiums lasen einige Texte aus Tagebüchern und Briefen Kardinal Faulhabers.
Professor Wolf und Juniorprofessor Dr. Matthias Daufratshofer stellten ihre Präsentation unter das Motto "Deo Gratias, ist gutgegangen" – eine Formulierung, die Kardinal Faulhaber genau 75 Jahre zuvor, am 29. Juni 1951, in seinem Tagebuch verwendet hatte, als er von der Priesterweihe in Freising kam. Anhand verschiedener Beispiele stellten sie Tagebucheinträge und Beiblätter in den historischen Kontext und verdeutlichten damit, welches Potential die Edition für die Bewertung auch gut erforschter historischer Themen haben kann. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem jungen Cellisten Levi Schudel und dem Jugendorchester des Wittelsbacher Gymnasiums.
1911 zum Bischof von Speyer nominiert, wurde Michael von Faulhaber (1869-1952) 1917 zum Erzbischof von München und Freising. 1921 ernannte ihn Papst Benedikt XV. zum Kardinal. Zwischen 1911 und seinem Tod 1952 führte er ein Besuchstagebuch. In 32 Bänden, auf insgesamt 4.095 Seiten, hielt er nahezu täglich seine Besucher, dazugehörige Gesprächsnotizen und kurze Impressionen fest. In diesen 41 Jahren stand er mit mehr als 18.000 Personen in Kontakt. Zu seinen Gesprächspartnern zählten unter anderem die Päpste Pius XI. und Pius XII., der US-Präsident Warren G. Harding, der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, die Reichskanzler Wilhelm Marx und Heinrich Brüning, der bayerische Ministerpräsident Gustav von Kahr, Vertreter des bayerischen Königshauses und Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Faulhaber schrieb in der heute ausgestorbenen Kurzschrift "Gabelsberger". Nach seinem Tod nahm sein Privatsekretär die Tagebücher an sich, wodurch sie erst 2010 über Umwege in das Erzbischöfliche Archiv München gelangten. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter der Leitung der Professoren Hubert Wolf von der Universität Münster und Andreas Wirsching vom Institut für Zeitschichte München transkribierte in zwölfjähriger Arbeit die Tagebücher sowie rund 200 Gesprächsprotokolle aus der Gabelsberger-Stenografie und nahm eine prosopografische Identifikation der in den Tagebüchern auftauchenden Personen vor. Unter www.faulhaber-edition.de sind Faulhabers Tagebücher Open Access komplett zugänglich.
Zum Abschluss des Projekts, das von 2013 bis 2025 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde, sind 10.729 Tagebucheinträge und 14.252 Kurzbiografien online gestellt. Ergänzt werden die Tagebücher durch die sogenannten Beiblätter, stenografische Notizzettel, die einen Bezug zu den Besuchstagebüchern aufweisen. Faulhaber fertigte sie an, um zu wichtigen Themen, Vorkommnissen und Gesprächen umfangreichere Überlegungen festzuhalten. Sie zeichnen sich durch Detailreichtum und ein hohes Reflexionsniveau aus, wie etwa die Gesprächsprotokolle zu Faulhabers Besuch bei Hitler auf dem Obersalzberg (1936), seinen Gesprächen mit dem Apostolischen Nuntius Cesare Orsenigo (1936, 1938, 1940), Papst Pius XI. (1933), oder dem Widerständler Carl Goerdeler (1943). Bisher sind 178 solcher Beiblätter online gestellt.
Dank einer weiteren Finanzierung durch Kardinal Reinhard Marx und das Erzbistum München und Freising werden weitere 45 Beiblätter Ende 2026 online gestellt. Im Durchschnitt erreicht die Editions-Homepage pro Monat etwa 700 Interessierte.
