Fakultät trauert um Stefan Schreiber
Mit großer Betroffenheit nimmt die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster die Nachricht auf, dass Prof. i. R. Dr. Stefan Schreiber am 22. Juni 2026 verstorben ist. Er wurde 58 Jahre alt. Von 2003 bis 2010 war Stefan Schreiber Professor in Münster.
Bereits kurz nach der Promotion (1995) zu einem paulinischen und der Habilitation (1999) zu einem johanneischen Thema bekleidete er ab 2003 als Professor für Theologie und Hermeneutik des Neuen Testaments und Direktor des Seminars für Zeit- und Religionsgeschichte des Neuen Testaments in Münster seine erste Professur, ehe er 2010 einen Ruf der heimatlichen Universität Augsburg annahm.

Seinen damaligen Hörer:innen ist er bis heute als ein überaus kompetenter, engagierter und geschätzter akademischer Lehrer in Erinnerung – nicht wenigen Münsteraner Studierenden galt er als ihr „Lieblingsdozent“. Frucht dieser Lehre ist unter anderem der vielgelesene "Begleiter durch das Neue Testament" (Düsseldorf 2006, 3. Aufl. 2024), sowie die mit Martin Ebner herausgegebene "Einleitung in das Neue Testament" (Kohlhammer-Studienbücher Theologie 6, Stuttgart 2008), die sich als unverzichtbares Standardwerk etablierte und 2020 ebenfalls bereits in dritter Auflage erschien.
Sein breit gefächertes und innovatives Œuvre – unter anderem legte er zum Römerbrief, dem lukanischen Doppelwerk, den Johannesbriefen und der Offenbarung des Johannes wegweisende Ansätze vor – ist besonders durch eine stupende Kenntnis antiker Lebensrealitäten und eine große Aufmerksamkeit für die ganz konkreten Menschen in und hinter den neutestamentlichen Texten gekennzeichnet. Die pointierten Titel seiner Publikationen, etwa "Der Papst und der Teufel", "Weihnachtspolitik" oder "Früher Paulus mit Spätfolgen", markieren den wissenschaftlichen Anspruch, nicht nur für die eigene Veröffentlichungsliste zu schreiben, sondern mit exegetischer Expertise einen Beitrag zu theologischen und kirchlichen Debatten zu leisten.
In den letzten Jahren konnte Stefan Schreiber unter anderem noch eine detaillierte Kommentierung der drei Johannesbriefe abschließen, die diese Texte konsequent innerhalb des antiken Judentums liest (Die Johannesbriefe, ThKNT 21, Stuttgart 2025) und eine ins Englische übertragene und ergänzte Sammlung seiner wichtigsten Aufsätze zu Theologie und Rezeption des Paulus vorlegen (Paul’s Messiah and God’s Torah. Reconciliation, Interpretation, and Politics, TANZ 73, Tübingen 2026).
Mit Stefan Schreiber, der von 2019 bis 2022 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft katholischer Neutestamentler und Neutestamentlerinnen (AKN) war, verliert die katholische Theologie einen Exegeten, der in außergewöhnlicher Weise wissenschaftliche Exzellenz und persönliche Integrität miteinander verband. Die zahlreichen Impulse, die er vielen Kolleg:innen durch sein Forschen und Lehren sowie seine stets genaue und wertschätzende Kritik mit auf den Weg gab, werden bleiben. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.
