10. SCHWERTER QUMRANTAGUNG
Reinheit im antiken Judentum und frühen Christentum

10.-12. Februar 2019 in der katholischen Akademie Schwerte
In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neutestamentliche Wissenschaft mit Schwerpunkt Antikes Judentum und Hermeneutik an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich
und dem lnstitutum Judaicum Delitzschianum der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

Reinheit spielt eine zentrale Rolle im antiken Judentum. Sie ist Voraussetzung für die Begegnung mit dem Heiligen, etwa am Jerusalemer Tempel, aber auch in der Gemeinschaft von Qum­ran. Doch auch abseits des Tempels, etwa in der Diaspora, stre­ben antike Jüdinnen und Juden nach Reinheit. Die schon im Ju­dentum angelegte Unterscheidung von äußerer und innerer Reinheit wird im frühen Christentum aufgegriffen.
Die 10. Schwerter Qumrantagung versammelt hochkarätige Ex­pertinnen und Experten, Nachwuchswissenschaftlerinnen und - wissenschaftler, die aus unterschiedlichen Perspektiven ein Licht auf dieses faszinierende Thema werfen.
Die Vortrage und Diskussionen werden mehrheitlich in engli­scher Sprache sein.

Eine Anmeldung ist über die homepage der katholischen Akademie Schwerte bis zum 31.01.2019 möglich.

Referentinnen/Referenten:
Dr. Veronika Bachmann, Universität Luzern
Dr. Moshe Blidstein, University of Haifa.
Prof Dr. Carsten Claußen, Theologische Hochschule Elstal
Dr. Michael Cover, Marquette University I Humboldt Fellow, Universität Münster
Prof Dr. Roland Deines, Internationale Hochschule Liebenzell
PD Dr. Christina Eschner, Humboldt-Universität zu Berlin
Dr. Yitzhaq Feder, University of Haifa
Dr. Yair Furstenberg, Hebrew University of Jerusalem
Prof Dr. Thomas Kazen, Stockholm School of Theology
Prof Dr. Christophe Nihan, Universite de Lausanne
Prof Dr. Andrej Petrovic, University of Virginia, USA
Dr. Julia Rhyner, Universitat BaseI
Dr. Cecilia Wassen, Uppsala University

Franz-Delitzsch-Vorlesung 2018

Prof. Dr. Tal Ilan (Berlin), Jüdische und christliche Philologie, die Frauen zum Schweigen bringt – Die Königin und die Apostelin

Montag, 26.11.2018, 18 Uhr c.t., Hörsaal H4, Hörsaalgebäude der WWU, Schlossplatz 46

Die Franz-Delitzsch-Vorlesung des Institutum Judaicum Delitzschianum an der WWU Münster wird in diesem Jahr von der bekannten Berliner Judaistin Prof. Dr. Tal Ilan gehalten. Sie beschäftigt sich mit Überlieferungsprozessen, in deren Verlauf Texte, in denen Frauen auftauchen oder selber sprechen, editiert und verändert wurden. Durch das Aufdecken früherer Textversionen wird erkennbar, in welche Richtung und weshalb die Darstellung der Wirklichkeit von Frauen verändert wurde. Dabei zeigen die Beispiele der Maria Magdalena in den Evangelien und der Königin Schelamzion (Salome Alexandra) in der rabbinischen Literatur an, wie universal solche Prozesse sind, die Frauen zum Schweigen bringen.Prof. Dr. Tal Ilan ist eine israelische Historikerin und Judaistin. Sie wurde an der Hebräischen Universität in Jerusalem promoviert. Seit 2003 lehrt sie als Professorin am Institut für Judaistik an der Freien Universität Berlin. Schwerpunkte der Arbeit Tal Ilans sind Geschichte und Philologie des antiken Judentums, insbesondere die Reintegration von Frauen in die antike jüdische Geschichte. Sie ist Herausgeberin eines feministischen Kommentars zum Babylonischen Talmud. In diesem Sommer wurde sie mit einer Festschrift geehrt (Sources and Interpretation in Ancient Judaism: Studies for Tal Ilan at Sixty, hg. v. Meron Piotrkowski, Geoffrey Herman und Saskia Dönitz, AJEC 104, Leiden 2018).

© Michael Cover

Dr. Michael Cover als Humboldt Research Fellow zu Gast (2018–19) bei Professor Doering am IJD

Von Ende Juni 2018 bis Juni 2019 ist Dr. Michael Cover von der Marquette University in Milwaukee, Wisconsin (USA), als Humboldt Research Fellow zu Gast bei Prof. Dr. Lutz Doering am Institutum Judaicum Delitzschianum der Ev.-Theol. Fakultät. Dr. Cover wird unter anderem an einem Kommentar zu Philon von Alexandrien, De mutatione nominum, und einer Monographie zum 1. Korintherbrief arbeiten. Wir heißen ihn und seine Familie in Münster herzlich willkommen!

Hier folgt eine kurze Selbstvorstellung von Dr. Cover:

Dr. Michael Cover is Assistant Professor of Judaism and Christianity in Antiquity at Marquette University in Milwaukee, Wisconsin. He holds a doctoral degree in theology from the University of Notre Dame; studied Greek and Latin Classics at Harvard College (A.B.) and the University of Oxford (M.St.), and theology at Yale Divinity School (M.Div.). His first monograph, Lifting the Veil, a study of Pauline biblical exegesis, appeared in the BZNW series in 2015. He is currently New Testament editor for the journal Biblical Research, and Book Reviews editor for The Studia Philonica Annual.

As a Humboldt Fellow at WWU Münster and the IJD, Dr. Cover will be working toward the completion of two major projects. The first is a new translation and commentary on Philo of Alexandria’s treatise, On the Change of Names, for the Brill Philo of Alexandria Commentary Series. The commentary aims to explicate significant theological, philosophical, and rhetorical elements of the treatise, with a particular focus on Philo’s biblical interpretation and his early Christian reception history (in Greek, Latin, and Armenian writings). The second project is a monograph on 1 Corinthians, provisionally entitled The Divine Comedy at Corinth. This study sets Paul’s letter in dialogue with three texts by Dio Chrysostom, Menander, and Euripides. Dr. Cover is interested in the way Paul’s letters might have been received and composed in light of the Greek dramatic tradition, especially New Comedy.

Franz-Delitzsch-Vorlesung 2016 (Frank Crüsemann, Jesus Christus und das Alte Testament: Ein theologisches Modell) jetzt veröffentlicht
Die Franz-Delitzsch-Vorlesung 2016 von Prof. Frank Crüsemann mit dem Titel "Jesus Christus und das Alte Testament. Ein theologisches Modell." ist jetzt über die Seite der Fördergesellschaft des IJD und über den Navigationsreiter der Neuveröffentlichungen zum Download bereitgestellt worden. Eine leicht überarbeitete Fassung ist unter dem Titel „Das eine Wort Gottes und seine beiden Gestalten. Oder: Jesus Christus und das Alte Testament“ in EvTh 78/2 (2018), 86–100 erschienen.

© Volker Konrad

Druckfrisch -  Marie-Theres Wacker, Ecclesia und Synagoge im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert
Soeben ist die Druckfassung der Franz-Delitzsch-Vorlesung 2017 erschienen: Marie-Theres Wacker, Ecclesia und Synagoge im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Historische Sondierungen in theologischem Interesse, Franz-Delitzsch-Vorlesungen, Heft 19, Münster 2018, ISBN 978-3-947760-00-8.
Die 1. Aufl. zum Sonderpreis von 5€ ist vergriffen. Die 2. Aufl. zum regulären Preis von 9 € (plus ggfs. 1 € Versandkosten) ist in Vorbereitung und kann bereits vorbestellt werden.

Vortrag von Professor Doering an der Israel Academy of Sciences and Humanities auf einer Konferenz zum Gedenken an Professor David Flusser

Am 6. und 7. Dezember 2017 fand an der Israel Academy of Sciences and Humanities eine Konferenz in Erinnerung an den einhundertsten Geburtstag des im Jahr 2000 verstorbenen Jerusalemer Religionswissenschaftlers Professor David Flusser statt. Die Organisation lag in den Händen der Akademiemitglieder Professor Guy G. Stroumsa und Professor Saul Shaked sowie des Professors der Hebrew University of Jerusalem, Menahem Kister. Die Vorträge reflektierten die vielfältigen Forschungsinteressen David Flussers im Themenbereich „Judaism and Christian Origins“ (so der Titel der Konferenz). Professor Doering hielt einen Vortrag zum Thema „,The Whole Yoke of the Lord‘: Legal Issues Reflected in the Didache and Their Early Christian Context“, der hier aufgerufen werden kann. Die Konferenz wurde abgeschlossen durch persönliche Erinnerungen von Jochanan Flusser an seinen Vater.

© Tal Rogovski

Grabungsexkursion nach Israel - Münsteraner Studierende graben mit in Horvat Midras

In October 2015, Dr. Orit Peleg-Barkat of the Hebrew University launched a four-year research project funded by the Israel Science Foundation called Continuity and Change in Roman Rural Judaea, which is aimed at filling the gap in our knowledge concerning key matters relating to the material culture and settlement patterns, and especially with regard to the socio-economic and ethnic characteristics of the local elites in late Hellenistic and Roman Judaea. The study includes a comprehensive survey of the remains at Horvat Midras, dating largely from the Hellenistic to the Mameluke period, and an excavation of selected features. The results of the excavations and accompanying comparative study are meant to shed light on the nature of the Idumaean rural settlements prior to the Hasmonaean conquest and thereafter, as well as on continuity and change before and after the two Jewish Revolts. They may also clarify the origin of the region’s inhabitants in the Late Roman period.

The second season of excavations started on July 24, 2017 and continued until August 18, 2017. The excavation resumed the exposure of the ashlar structure on the western part of the site. The expedition also excavated a stepped pyramidal funerary memorial (10 by 10 m) to the southeast of the ashlar building. This monument is situated on the highest point of the hill, close to a burial cave. The third area is situated at the northwestern part of the site, where a significant amount of Hellenistic period pottery was collected during the survey. (Original von http://horvatmidras.huji.ac.il/book/about)

© Tal Rogovski

Von drei Theologen, die auszogen Indiana Jones zu werden
- und sich in einer antiken Müllhalde wiederfanden

Ein Erfahrungsbericht zur Freiwilligenarbeit an der Ausgrabung in Horvat Midras 2017 von Laura Bramkamp.

Anfang August diesen Jahres brach eine Gruppe von zehn Studierenden und Promovierenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen unter der Leitung von Prof. Dr. Lutz Doering nach Israel auf, um sich an einer von der Archäologin Dr. Orit Peleg-Barkat geführten Ausgrabung in Horvat Midras zu beteiligen. Im Vorfeld hatte es bereits vorbereitende Treffen zu Archäologie im Allgemeinen und dem Ort im Besonderen gegeben. Nach einer Führung wurden drei Theologen aus der Gruppe, Yannick Golchert, Daniel Schumann und Laura Bramkamp, der Area C unter der Leitung von Tal Rogovski zugeteilt, um dort aktiv an der Ausgrabung mitzuwirken. Dort arbeiteten sie gemeinsam an einem Abschnitt von 5x5 Metern und lernten Messtechniken kennen. Sie fanden zwei Münzen, mehrere Knochen und hunderte von Tonscherben. Die Einbettung des Großteils dieser Funde in eine Ascheschicht wies darauf hin, dass es sich vermutlich bei Area C um eine antike Müllhalde gehandelt hat. Umgeben war diese Schicht von zwei Steinansammlungen, von denen eine klar als Mauer und die andere als umgestürzte Mauer identifizieren wurde. Durch den Abbau der einen Mauer in Zusammenarbeit mit einigen israelischen Soldaten konnte zum Ende des Aufenthaltes auch die zeitliche Abfolge der beiden Mauern geklärt werden. Indiana Jones wurden unsere Theologen nicht, aber sie konnten in dieser Zeit dennoch spannende Erfahrungen machen. Weg vom Schreibtisch in Hitze und Staub zeigten sich nicht nur die Mühen, sondern auch die Deutungsspielräume, die Ausgrabungen mit sich bringen. Die herausragend gute Stimmung im Team und die interessanten Ausflüge taten ihr Übriges, um diese Exkursion zu einem lohnenswerten Aufenthalt zu machen.

© Tal Rogovski

Ein Muss für alle an der Geschichte Israels interessierten Theologinnen und Theologen

Ein Erfahrungsbericht von Yannick Golchert
Die Grabungsexkursion nach Horvat Midras in Israel wahr wohl für alle Beteiligten ein erinnerungswürdiges Erlebnis. Besonders die historischen Stätten, die wir bei unseren Exkursionen während des Aufenthalts besichtigt haben, haben mich sehr beeindruckt. Historische Schauplätze wie Qumran, Massada, En Gedi und das Herodium vor Ort zu sehen und durch die uns begleitenden Archäologen näher gebracht zu bekommen, war eine neue Erfahrung, die nicht mit den Beschreibungen aus Fachbüchern zu vergleichen ist.
Aber auch die Ausgrabung in Horvat Midras, an der wir mitwirken konnten, hat uns neue Einblicke in die praktische Arbeit der Archäologen gegeben. Dabei waren die Mitreisenden in drei Gruppen aufgeteilt, die an jeweils unterschiedlichen Projekten arbeiteten: Einer Pyramide, umgeben von Funden aus der Mameluken-Zeit und einer Grabhöhle darunter, sowie einem wohl aus römisch-hellenistischer Zeit stammenden Tempel und einem Areal aus hellenistischer Zeit, bei dem zur Zeit noch unklar ist, für welchen Zweck die Mauern und mit Tonscherben und Asche aufgefüllten Hohlräume genutzt wurden. Während wir mit angepackt haben, wurde uns von der Vorgehensweise der Archäologen, ihren Herausforderungen aber auch ihren Erfolgserlebnissen berichtet.
Auch der interkulturelle Austausch ist nicht zu kurz gekommen, da wir zusammen mit dem Archäologen-Team im Kibbuz Beit Guvrin untergebracht waren. Dort gab es immer genug Zeit für Gespräche bei gemeinsamen Mahlzeiten, gemütlichen Abendrunden oder immer mal zwischendurch. Vor allem die Tagesfahrt nach Jerusalem hat uns einen Einblick in die Kultur und Geschichte des Landes gegeben, in dem drei Weltreligionen zusammenleben. Interessant war deshalb auch der Besuch eines Freitagabend-Gottesdienstes in einer orthodoxen Synagoge.
Ich kann Exkursionen wie diese besonders für Theologiestudierende aber auch für Studierende der Geschichte oder Archäologie empfehlen, die sich näher mit Israel, seiner Geschichte und seiner heutigen Kultur beschäftigen wollen. So hautnah treffen Menschen, Kultur und Geschichte nur selten aufeinander. Bei der Finanzierung wurden wir als Studierende durch Qualitätsförderungsmittel, ein Promosstipendium und im Falle der Theologiestudenten von den jeweiligen Landeskirchen unterstützt, also stand auch finanziell der Unternehmung nichts im Weg.
Alle die durch unsere Berichte neugierig geworden sind, können für weitere Informationen sicher im IJD oder unter der Facebookseite der Ausgrabung (https://www.facebook.com/MidrasExcavations/) fündig werden und sich dann vielleicht für eine der nächsten Ausgrabungssaisons dem Ausgrabungsteam in Horvat Midras anschließen.
Schalom!

© Tal Rogovski

Schatz oder nicht Schatz, das ist hier die Frage

Ein Erfahrungsbericht von Daniel Schumann.

Dass Archäologie nicht unbedingt Schatzsuche bedeutet bzw. dass Archäologen eine etwas gröbere Definition vom Begriff „Schatz“ haben, war bereits vor der Ausgrabung zu mir durchgedrungen. Dass allerdings das Durchforsten der Müllkippe einer antiken Siedlung – hier sind nämlich die wirklichen Schätze der Archäologen verborgen – mit einer Begeisterung vollzogen wird, bei der die Funde von besonders großen Tonscherben, Amphorenhenkeln mit Stempeln oder Tierknochen mit einem Schulterklopfer und einem Foto samt Finder und Fundstück zelebriert wird, war dann doch für mich eine verblüffende und mitreißende Erfahrung.
Überrascht hat mich, in welchem hohen Maße eine Ausgrabung von der Unterstützung durch Freiwillige lebt. Neben unserer Münsteraner Exkursionsgruppe kamen zusätzlich jeden Tag noch weitere freiwillige Helfer zur Ausgrabungsstätte. Mal waren es Familienangehörige aus dem Kreis des festen Ausgrabungsteams, mal eine Schulklasse und wieder ein anderes Mal kam ein Bus mit einer Einheit israelischer Soldaten, die tatkräftig beim Wegschaffen von Schutt mit Hand anlegten. Diese Hilfsbereitschaft wurde mit viel Dankbarkeit von Seiten des Ausgrabungsteams entgegengenommen, wobei uns dafür das Know-how und das nötige Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Grabungswerkzeugen und den Messinstrumenten geduldig und fachkompetent nahegebracht wurden. Die Grabungsexkursion hat nachhaltig mein Interesse an biblischer Archäologie geweckt und in mir die Frage aufkommen lassen, wie ich Archäologie und Exegese für mein theologisches Arbeiten fruchtbar miteinander ins Gespräch bringen kann.

L. Doering
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Professor Doering hält Hauptvortrag zu Tora und Halacha in der Hellenistischen Zeit auf dem 9. Enoch Seminar

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© L. Doering

Vom 18. bis 23. Juni 2017 kam eine internationale Gruppe von etwa 45 Forscherinnen und Forschern im Kloster Camaldoli am Rand der Toskana zum 9. Enoch Seminar zusammen. Thema der Konferenz, die von Professor William M. Schniedewind (University of California at Los Angeles) und Dr. Jason M. Zurawski (Rijksuniversiteit Groningen) in Zusammenarbeit mit Professor Gabriele Boccaccini (University of Michigan) organisiert wurde, war “From tôrāh to Torah: Variegated Notions of Torah from the First Temple Period to Late Antiquity”. In den historischen Räumen der Foresteria, in denen einst auch die Florentiner Platonische Akademie um Marsilio Ficino und Pico della Mirandola getagt hatte, diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Verständnis von Tora in den unterschiedlichen Textbereichen des antiken Judentums. Professor Lutz Doering hielt einen der sieben Hauptvorträge, “Torah and Halakhah in the Hellenistic Period”. Wie im Enoch Seminar üblich, wurden die Papers im Vorhinein zirkuliert und, jeweils angeregt durch eine Response, ausgiebig diskutiert; Lutz Doerings Respondent war Professor Michael Satlow (Brown University). Eine Veröffentlichung der Vorträge ist geplant.

A. Krause
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Synagoge Gruppenfoto
© L. Doering

Synagogues in the Hellenistic-Roman Period: New Finds – New Theories – New Methods

On 13–15 June, 2017, the Exzellenzcluster „Religion und Politik“ and Institutum Judaicum Delitzschianum at Westfälische Wilhelms-Universität Münster hosted an international conference entitled, “Synagogues in the Hellenistic-Roman Period: New Finds – New Theories – New Methods.” This conference was generously funded by the university’s Internationalisation Office and projects C2-24 and A2-10 of the Exzellenzcluster. As the title suggests, this conference was designed to analyse the synagogue at the axial time of Hellenistic and Roman domination in Israel and in the wider Jewish Diaspora. Despite decades of research, the origins, influences, development, chronological and geographic variance, and political purposes of these Jewish institutions are still poorly understood. However, given the plethora of recent archaeological discoveries and the growing methodological and theoretical tool-kit of scholars today, it is believed that scholars are in a place to clarify many of these perplexing issues. Thus, an international team of scholars from Germany, Israel, the United States, Austria, Canada, and Scotland was assembled in order to discuss the many facets of this problem in a collegial and interdisciplinary manner. It is the humble opinion of the organizers that this conference was a rousing success. The level of collaboration and discussion was even greater than hoped. Recent finds, such as the Wadi-Hammam inscriptions and Magdala Stone, and literary texts were brought into conversation with ritual studies, critical spatial theory, cognitive theory, and emerging theories of Roman political organization. Likewise older finds and theories were scrutinized and reassessed in light of these finds and theories. Within this broad conversation, numerous themes and lacunae in current scholarship emerged. Firstly, objects such as the Magdala Stone and Theodotus Inscription need to be brought into further conversation, as they have more to tell us than was originally thought. Secondly, synagogue origins and development are both more complex and more important to the understanding of Judaism in this period than scholars had previously acknowledged. Finally, the strengths of Westfälische Wilhelms-Universität Münster as a research hub and destination were showcased in an international event. The organizers are now starting the task of compiling the results of this discussion in a proceedings volume that will be published by Vandenhoeck & Ruprecht Academic of Göttingen in the Schriften des Institutum Judaicum Delitzschianum series.

© Doering

1. Internationales Tosefta-Kolloquium in Münster

Vom 6. bis 7. November 2016 fand in Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Lutz Doering in den Räumen des IJD das 1. Internationale Tosefta-Kolloquium unter dem Titel „Contested Family Relations: Mishnah and Tosefta“ statt, zu dem neben namhaften nationalen wie internationalen Referenten auch junge Nachwuchswissenschaftler/innen eingeladen waren. Für die Einstimmung in das komplexe Thema intertextueller Bezüge zwischen Mischna und Tosefta sorgte Prof. Dr. Michael Tilly (Tübingen) mit seinem Vortrag „Die Tosefta: Beschreibung, Deutung und Verwendung eines Dokuments aus dem antiken jüdischen Schulbetrieb“. Anhand von Einzelstudien wie „Counting Cups for Pesach - tBer/tPes Preceding mPes“ von Prof. Dr. Clemens Leonhard (Münster), „Between ʻVariantenʼ and ʻVersionenʼ: The Complexity of the Textual Tradition of the Tosefta“ von Prof. Dr. Adiel Schremer (Ramat Gan) und „Babylonian Baraitot in the Tosefta“ von Daniel Schumann (Münster) wurden die Probleme traditioneller Abhängigkeitsmodelle von Mischna und Tosefta weiterführend diskutiert und problematisiert. Darüber hinaus gaben zwei Workshops einen aktuellen Einblick in die Kommentararbeit an den Traktaten Schabbat von Lutz Doering (Münster) und Ketubbot von Therese Hansberger (Paderborn). Mit besonderem Interesse wurde zudem die Präsentation von Cecilia Biondi-Haendler (Berlin) zum Projekt “Digital Mishnah and Tosefta” der FU Berlin und der University of Maryland unter der Leitung der Professoren Tal Ilan und Hayim Lapin wahrgenommen.

© Doering

 Mit der Organisation und Durchführung des Kolloquiums war u.a. die Hoffnung verbunden, neues Interesse für die Entstehungsvoraussetzungen und -zusammenhänge tannaitischer Traditionsliteratur zu wecken und eine breite, international angelegte und vernetzte Diskussionsgruppe zu etablieren. Durch die Zusammenführung ausgewiesener Forscher/innen sollte zudem eine Gesprächsplattform zur Unterstützung der Bearbeiter/innen der Kohlhammer Tosefta-Reihe geschaffen werden.

© Doering

 Am letzten Tag des Kolloquiums wurde einstimmig beschlossen, es nicht bei diesem ersten Kolloquium zu belassen, sondern das Format der Veranstaltung beizubehalten und eine Weiterführung im kommenden Jahr in Aussicht zu nehmen.

EDV-Team
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Gastprofessor Dr. Adiel Schremer

Adiel Schremer
© Bar-Ilan University

Zu Gast an der Ev.-theol. Fakultät im November 2016: Professor Dr. Adiel Schremer, Bar Ilan University (Israel)
Professor Dr. Adiel Schremer ist zu Beginn des Wintersemesters 2016/17 zu Gast an der Ev.-theol. Fakultät im Rahmen der Vertiefung ihrer internationalen Kontakte. Auf Einladung von Prof. Dr. Lutz Doering vom Institutum Judaicum Delitzschianum wird Professor Schremer einen Vortrag im Forschungskolloquium Neues Testament und antikes Judentum halten (2.11.) sowie an drei Sitzungen der Lehrveranstaltungen von Professor Doering mitwirken: an der Vorlesung Einführung in die rabbinische Literatur (2.11.), am Hauptseminar Das Vaterunser (mit Prof. Dr. Clemens Leonhard, FB02) sowie am Hauptseminar Die Bergpredigt (beide 3.11). Professor Schremer wird auch einen Vortrag beim internationalen Workshop zur Tosefta „Ungeklärte Familienverhältnisse: Mischna und Tosefta im Gespräch zwischen Inter-, Hyper-, Para- und Metatextualität“ am 6. und 7. November 2016 in den Räumen des IJD halten.

Professor Adiel Schremer ist Professor für Jüdische Geschichte an der Bar Ilan-Universität (Israel). Seine Arbeitsfelder sind die Geschichte des antiken Judentums, die jüdische Literatur der Zeit des Zweiten Tempels (insbesondere Qumran), die rabbinische Literatur, die Geschichte und Theorie des jüdischen Rechts (Halacha) sowie die jüdisch-christlichen Beziehungen in der Antike. Er ist Autor des Buches Brothers Estranged: Heresy, Christianity and Jewish Identity in Late Antiquity (Oxford 2010). Seine Arbeit ist vielfach ausgezeichnet worden: Er war Jacob and Hilda Blaustein Visiting Professor an der Yale University (2001/02), Tikvah Fellow an der NYU School of Law (2009/10) und Fellow am Israel Institute for Advanced Studies in Jerusalem (2014/15). 2011 erhielt er den renommierten Michael Bruno Memorial Award der Rothschild-Stiftung in Israel (Yad Hanadiv).