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Band zur jüdischen Numismatik von Professor em. Max Küchler (Université de Fribourg)

Der bereits angekündigte materialreiche Band zur Geschichte der jüdischen Numismatik ist nun in der Institutsreihe Ioudaioi erschienen. 

Zum Gedenken an Diethard Aschoff (1937–2021) 


Am 6. Dezember 2021 verstarb nach langer Krankheit Prof. Dr. Diethard Aschoff, langjähriger Mitarbeiter des Institutum Judaicum Delitzschianum (IJD), Honorarprofessor der Evangelisch-Theologischen Fakultät der WWU Münster und bedeutender Erforscher der jüdischen Geschichte Westfalens. Diethard Aschoff wurde am 7. März 1937 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Studium der Fächer Latein und Geschichte sowie Evangelische Theologie in München und Heidelberg war er bereits von 1969 bis 1971 als Studienreferendar und Mitarbeiter des Leiters der damals dem IJD angeschlossenen Abteilung für die Geschichte des deutschen Judentums, Rabbiner Dr. Bernhard Brilling, in Münster tätig, bevor er im Jahr 1971 mit einer Arbeit in mittelalterlicher Geschichte in Heidelberg zum Dr. phil. promoviert wurde. Nach einer Assistentur für mittelalterliche Geschichte in Heidelberg arbeitete er von 1976 bis 1993 im Schuldienst, zuletzt als Oberstudienrat am Gymnasium Hammonense in Hamm. Nachdem Aschoff bereits ab 1978 einen Lehrauftrag für Geschichte des deutschen Judentums an der WWU Münster erhalten hatte, wurde ihm im Jahr 1990 der Titel Honorarprofessor verliehen. Von 1997 bis 2002 war er als Studiendirektor im Hochschuldienst am IJD tätig; anlässlich seines Eintritts in den Ruhestand wurde er mit der Festschrift „Grenzgänge. Menschen und Schicksale zwischen jüdischer, christlicher und deutscher Identität“ (Hg. F. Siegert, Münster 2002) geehrt. Diethard Aschoff war seit 1986 Mitglied der Historischen Kommission zu Westfalen und erhielt im selben Jahr den Historikerpreis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.  

Diethard Aschoff machte sich vor allem einen Namen durch seine Forschungen zur Geschichte der Juden in Westfalen, mit besonderem Schwerpunkt auf Münster und seinem Umland. Maßgeblich war seine Herausgeberschaft der Reihe Westfalia Judaica, für die er den ersten Band von Bernhard Brilling und Helmut Richterling, Quellen und Regesten zur Geschichte der Juden in Westfalen und Lippe. 1005–1350, in 2. Aufl. 1992 um umfangreiche Nachträge ergänzte. Im Jahr 2000 erschien dann der von Aschoff selbst bearbeitete Bd. 3.1, Quellen und Regesten zur Geschichte der Juden in der Stadt Münster 1530–1650/1662, fünf Jahre später sein Bd. 3.2, Quellen und Regesten zur Geschichte der Juden in der Stadt Hamm. Von den Anfängen bis zur Zeit des großen Kurfürsten 1287–1664. Darüber hinaus hat Diethard Aschoff die Geschichte und Kultur der Juden in Westfalen einem breiteren Publikum nahegebracht, etwa durch seine Bildmediensammlungen oder seine Geschichte der Juden in Westfalen im Mittelalter (Münster 2006). Diethard Aschoff hat ferner das bekannte Buch von Marga Spiegel, Retter in der Nacht, ab der 3. Aufl. herausgegeben und mit Erläuterungen versehen (7. Aufl., Münster 2009). Auch um die Erhellung jüdischen Lebens und jüdischer Vergangenheit an weiteren Orten des Münsterlands (in Laer, im Kreis Borken, im Kreis Coesfeld) hat sich Diethard Aschoff verdient gemacht. Sein Schriftenverzeichnis umfasst mehr als 180 Aufsätze zu unterschiedlichen Themen und Perioden jüdischer Geschichte.  

Das Institutum Judaicum Delitzschianum und die Evangelisch-Theologische Fakultät der WWU Münster werden Prof. Dr. Diethard Aschoff in ehrendem Angedenken behalten. 

Münster, im Januar 2022                                                     Prof. Dr. Lutz Doering

© Klaus Wengst

Rückblick auf die Franz-Delitzsch-Vorlesung am 29. November 2021 von Professor Klaus Wengst 

Die letzte Franz-Delitzsch-Vorlesung fand am 29. November 2021 im Hörsaalgebäude der WWU, Schlossplatz 46 (Hörsaal H2), in hybrider Form statt. 

Es war uns eine große Freude, in diesem Jahr als Vortragenden Herrn Prof. Dr. Klaus Wengst (Ruhr-Universität Bochum) begrüßen zu können. "Vom Nutzen des Lesens rabbinischer Texte für die Auslegung des Neuen Testaments" war seine Franz-Delitzsch-Vorlesung thematisch überschrieben. Damit ist ein wichtiges, spannendes und diskussionswürdiges Thema der Exegese des Neuen Testaments im Kontext des antiken Judentums und im Horizont christlich-jüdischer Begegnung angesprochen worden. Über die rege Teilnahme vor Ort und auch über Zoom haben wir uns sehr gefreut. 

© Ludger Hiepel

Führung über den Jüdischen Friedhof Münster

12.10.2021 und 14.10.2021 | 16:15 Uhr | Einsteinstr./Ecke Försterstr., 48149 Münster

Im Rahmen der 1700-Jahrfeier jüdischen Lebens in Deutschland führen Mitarbeitende des Institutum Judaicum Delitzschianum sowie der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU Münster über den Jüdischen Friedhof in Münster.

Für diese Führungen unter der Überschrift „Haus des ewigen Lebens“ gestattet die Jüdische Gemeinde Münster Interessierten Zutritt zu dem ansonsten für die Öffentlichkeit verschlossenen Friedhof. Die Teilnehmer*innen erhalten Einblicke in die jüdische Begräbniskultur sowie in die jüdische Grabkunst. Anhand von einzelnen Grabsteinen werden außerdem Biografien mancher jüdischer Bürger*innen aus dem Münsterland nacherzählt und so das jüdische Leben in Münster auf besondere Weise entdeckt.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung für einen der beiden Termine ist bis zum 11.10.2021 unter folgender E-Mail-Adresse möglich: f.steiger@uni-muenster.de.

© Doering
© Doering

Tagung „Globalisation in Ancient Judaism and Early Christianity: Theory and Practice“ (12.–14.7.2021)

Vom 12. Juli bis zum 14. Juli 2021 fand in Münster eine internationale Konferenz zum Thema „Globalisation in Ancient Judaism and Early Christianity: Theory and Practice“ statt, die von Prof. Dr. Lutz Doering zusammen mit Dr. Bärry Hartog, dem ehemaligen Humboldt-Forschungsstipendiaten des IJD und Postdoctoral Researcher an der Protestantse Theologische Universiteit Groningen (PThU), organisiert wurde.
Dabei kamen die Vortragenden nicht nur aus den Niederlanden und Deutschland, sondern auch aus den USA, Kanada, Israel, Österreich und Dänemark. Aufgrund der Pandemie-Situation wurde die Konferenz hybrid durchgeführt, so dass nur ein Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort in Münster war. Finanziert wurde die Tagung durch die Alexander von Humboldt-Stiftung, die PThU und den Internationalisierungsfond der WWU Münster finanziert.
Die Konferenz war der Frage gewidmet, ob, in welcher Weise und mit welchem Ertrag Theorien zur Globalisierung, die in den letzten Jahren verstärkt in den Altertumswissenschaften und der Archäologie diskutiert worden sind, auf das antike Judentum und das frühe Christentum Anwendung finden können. Dabei beschäftigten sich einige der Beiträge mit theoretischen Ansätzen zur Globalisierung und stellten sie in den Kontext benachbarter Ansätze wie Netzwerk-Theorie, (Trans-) Lokalität und Transkulturalität. Andere Beiträge leuchteten das Verhältnis von Globalem und Lokalem, von Universalem und Partikularem an Quellenbelegen aus oder gingen der Bedeutung von Faktoren wie Übersetzung oder Mobilität nach.

Die Durchführung im hybriden Format bedeutete, dass es sowohl möglich war, vor Ort an der Tagung teilzunehmen als auch auf Distanz per Zoom zu partizipieren. Vor Ort in Münster fand die Tagung mit viel Abstand und einem ausgearbeiteten Infektionsschutzkonzept in der Aula des Vom-Stein-Hauses statt. Mithilfe einer 360°-Konferenz-Kamera war es möglich, sowohl den Vortragenden bzw. die Vortragende als auch die Teilnehmenden im Raum digital zu sehen und zu hören. Alle Teilnehmenden über Zoom wurden im üblichen „Kachel“-Format auf einer großen Leinwand angezeigt. Auch wenn es schade war, dass aufgrund der Pandemie nur Forscherinnen und Forscher aus Deutschland und dem näheren Ausland den Weg nach Münster gefunden haben, konnten doch durch das hybride Format zahlreiche Partizipationsformen ermöglicht werden, die sicherlich auch in Zukunft mit Hinblick auf die CO2-Blianz solcher Tagungen bedenkenswert sind.

Seit langem wieder im Seminarraum

von Franziska Steiger

Wieder in Präsenz studieren – das wurde mit der Änderung der Corona-Schutzverordnung von Anfang Juni und den immer weiter sinkenden Inzidenzzahlen für alle Studierenden der Westfälischen-Wilhelms Universität zum Ende des Sommersemesters wieder möglich.

Da die Zahl der Teilnehmenden jedoch weiterhin auf 50 Personen beschränkt ist und es für alle Studierenden möglich bleiben muss, das angefangene Semester digital zu Ende zu studieren, gingen viele Lehrende nun in die Hybridlehre über. Konkret hieß das, dass einige Studierende auf Wunsch und nach Möglichkeit für Vorlesungen, Seminare und Übungen wieder in die Hörsäle und Seminarräume kommen konnten, andere Kommilitonen hingegen über das Videokonferenztool „Zoom“ zugeschaltet wurden. Mit eigens dafür erworbenen Konferenzkameras war die Evangelisch-Theologische Fakultät im Allgemeinen sowie das Institutum Judaicum Delitzschianum im Speziellen für diese Art von Hybridlehre technisch auch bestens ausgestattet.

Nach zwei Semestern reiner Online-Lehre war diese Veränderung am Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters für viele Studierenden eine willkommene und lang entbehrte Möglichkeit, nun endlich wieder mit Kommilitonen und auch den Lehrenden selbst in das direkte Gespräch zu kommen. Für nicht wenige war es sogar die erste Gelegenheit, seit Beginn ihres Studiums die Uni von innen zu sehen. So wurde beispielsweise das Angebot der Hybrid- oder Präsenzlehre im Hauptseminar von Herrn Prof. Doering und in der Übung von Herrn Dik von vielen gerne angenommen. Auch an der Vorlesung Einführung in die Qumrantexte von Herrn Doering nahmen gegen Ende einzelne Studierende in Präsenz teil, während der Großteil der Hörerinnen und Hörer die Vorlesung weiterhin durch Livestream und auch später abrufbare Videomitschnitte verfolgte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass manche Studierende auch zum Ende dieses Sommersemesters die Onlinelehre von zu Hause aus bevorzugten, da sie teils im Moment gar nicht in Münster wohnhaft sind, teils bei mehreren Veranstaltungen an einem Tag ungern zwischen Seminarraum und Laptop hin und her wechselten.

Es bleibt zu wünschen, dass das Wintersemester in Präsenz wie geplant durchführbar sein wird.

Tosefta Studies
© Doering

Neu erschienen: Lutz Doering and Daniel Schumann (Eds.), Tosefta Studies: Manuscript, Traditions, and Topics

Soeben ist im LIT-Verlag Bd. 27 der Münsteraner Judaistischen Studien erschienen. Es handelt sich um einen Band, dessen Ausgangspunkt zwei internationale Tosefta-Kolloquien in den Jahren 2016 und 2017 waren.

Der um weitere Aufsätze angereicherte Band bietet Beiträge zu zwei grundlegenden Fragen des Studiums der Tosefta: Wie können wir den Charakter und die Beziehung der Tosefta-Handschriften beschreiben? Und wie verhält sich die Tosefta zu anderen rabbinischen Traditionen und Texten? Der Band wirft auch Licht auf andere Themen der Tosefta-Forschung: „Magie“, Emotionen und Gender. Der Band markiert den Beginn einer neuen Phase in der Erforschung der Tosefta und regt ein internationales Gespräch zwischen Gelehrten über Methode und Inhalt an.

Tosefta Studies: Manuscripts, Traditions, and Topics. Eds. Lutz Doering and Daniel Schumann. MJSt 27. Zürich 2021.

Bestellformular

Inhalt:
Lutz Doering and Daniel Schumann, Introduction
Michael Tilly, Die Tosefta: Beschreibung, Deutung und Verwendung eines Dokuments aus dem antiken jüdischen Schulbetrieb
Daniel Schumann, Observations on the Textual History of the Mishnah and the Tosefta: In Dialogue with Robert Brody
Adiel Schremer, Between “Transmission” and “Performance”: The Complexity and Open Texture of the Textual Tradition of the Tosefta
Daniel Schumann, How “Babylonian” Is the Tosefta?
Lutz Doering, The Notion of Mela’khah in Tosefta Shabbat
Lutz Doering, A Note on the Four Sabbath Domains according to Tosefta Shabbat
Paul Mandel, On the Formation of Collected Traditions in the Tosefta
Lutz Doering, A (Different) Kind of Magic: The “Ways of the Amorite” according to Tosefta Shabbat 6–7
Elisabetta Abate, Biblical Emotions in the Tosefta and the Mishnah: The “Man who is Afraid and Faint of Heart” (Deut 20:8) between Fear, Guilt, Love, and Mercy
Cecilia Haendler, “The Wisest of Women: This is the King of Kings”: Rabbinic “Theology” in Gendered Terms (Tosefta Sanhedrin)
Cumulative Bibliography

© Eran Shuali

Dr. Eran Shuali (Strasbourg) zu Gast am IJD bei Professor Doering von September 2020 bis August 2021

Dr. Eran Shuali von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Université de Strasbourg (Frankreich) wird von September 2020 bis August 2021 als Gastwissenschaftler am Institutum Judaicum Delitzschianum bei Prof. Dr. Lutz Doering zu Gast sein. Sein Aufenthalt wird durch ein Stipendium der Heinrich-Hertz-Stiftung finanziert. Am IJD wird Dr. Shuali an einer Monographie über die Geschichte der hebräischen Wörter arbeiten, die für Christen, Christentum und christliche Institutionen von der Zeit des Frühchristentums bis zur Gegenwart verwendet worden sind. Diese Studie soll insbesondere zeigen, wie dieses Vokabular durch theologische und ideologische Ansichten geprägt wurde, die Juden und Christen zu verschiedenen Zeiten vertreten haben. Ein erster Beizrag aus diesem Projekt wurde kürzlich veröffentlicht: “Yešu or Yešuaʿ? A Sketch of the History of Jesus’ Names in Hebrew from Antiquity to the Present,” Revue des études juives, 2020.
Darüber hinaus bereitet Dr. Shuali eine neue Übersetzung des Neuen Testaments ins moderne Hebräisch für die Tel Aviv University Press vor. Er hat auch mehrere Studien zur Geschichte der hebräischen Übersetzungen des Neuen Testaments veröffentlicht, darunter einen Artikel über die Übersetzung von Franz Delitzsch: “The Translation of the New Testament into Hebrew in the Eyes of Franz Delitzsch: Philology, Mission, Theology,” Wrocław Theological Review, 2018.
Im Wintersemester 2020/21 hat Dr. Shuali einen Lehrauftrag am FB01 für eine Übung mit dem Titel “Jewish Perceptions of Christianity: A Short Overview from Talmudic Times to the Present”.