Kuss*labor | Eventbeschreibung
Intimität mit den Sinnen erkunden
Bei dieser Veranstaltung geht es nicht darum, besser küssen zu lernen, sondern darum, einen Raum für Erkundung und Experimente zu schaffen, um mit anderen in Kontakt zu treten und durch körperliche Nähe – und vielleicht auch durch Küssen – zu kommunizieren. Neben den körperlichen Aspekten des Küssens werden wir auch kulturspezifische Formen des Küssens erkunden, wie zum Beispiel Begrüßungsküsse oder das Küssen des Handrückens. Schon allein der bewusste Akt, sich einer anderen Person zu nähern, ihren Geruch wahrzunehmen und ihre Präsenz zu spüren, kann unglaublich aufregend und zugleich herausfordernd sein.
Deshalb werden wir die Teilnehmenden durch verschiedene Begegnungsspiele kontinuierlich anleiten und unterstützen. Die Idee ist, mit verschiedenen Partner:innen kurze Übungen durchzuführen, die nach und nach intimer werden können. Durch diese Veränderungen wird es möglich, einzelne Begegnungen anders zu erleben als in alltäglichen Situationen, beispielsweise beim Flirten oder bei Begrüßungsritualen. Diese Veranstaltung möchte den Fokus auf das Küssen legen und es wieder auf das sinnliche Erleben im Hier und Jetzt zurückführen. Deshalb zielt sie auch darauf ab, das Küssen aus ritualisierten Begrüßungssituationen und sexuellen Kontexten herauszulösen. Genauso wie Tanzen körperlichen Kontakt und körperliche Kommunikation beinhaltet, sind das Annähern mit unseren Lippen und der Einsatz unseres Geruchssinns Formen zwischenmenschlicher Kommunikation. Der Wert dieser Form der zwischenmenschlichen Kommunikation wird jedoch weitgehend unterschätzt und die Praxis beschränkt sich ausschließlich auf die Sexualität in Paarbeziehungen und den Bereich des Datings.
Struktur, Begleitung und Unterstützung während der Veranstaltung
Das Veranstaltungsformat sieht einen Anfang und ein Ende vor. Vor Beginn und nach Ende der Veranstaltung wird den Teilnehmenden Zeit eingeräumt, sich einzustellen, und die Veranstaltungsleitenden begleiten sie in den Veranstaltungsraum hinein und wieder hinaus. Zwei Personen leiten die Veranstaltung und ein Betreuungsteam steht für Fragen oder im Falle eines emotionalen Unterstützungsbedarfs zur Verfügung. Es wird auch einen Rückzugsraum geben, in den sich die Teilnehmenden aus den Interaktionen zurückziehen können. Es besteht weder Druck zum Küssen noch eine Garantie dafür, dass es zu Küssen kommen wird. Die Teilnehmenden müssen offen für kurze Interaktionen mit anderen sein, unabhängig von deren wahrgenommenem Geschlecht, Alter, Fähigkeiten und Aussehen. Denkt daran: Dies ist kein explizit sexueller Raum, sondern ein Raum, der Teil eines gemeinschaftlichen Projekts zwischen Kunst und sozialwissenschaftlicher Forschung ist.
Alle Übungen sind freiwillig, und die Teilnehmenden können jederzeit aussteigen. Die Teilnehmenden werden gebeten, alle Interaktionen sorgfältig und aufmerksam abzustimmen, um einen einvernehmlichen Ablauf zu gewährleisten.
Die Sitzung beinhaltet leichte Bewegungen, gelegentlich Rollenspiele und (stets freiwillige) körperliche Interaktion. Die Moderierenden werden ein respektvolles, vorurteilsfreies Umfeld schaffen, das Unterschiede wie Alter, Geschlecht, Mobilität, körperliche Verfassung, Neurodiversität und die Erfahrungen der Teilnehmenden berücksichtigt. Die Veranstaltung wird durch klare Anweisungen, durchdachte Moderation, regelmäßige Reflexionsrunden und Pausen für die Teilnehmenden sorgfältig gestaltet.
Eine ganz andere Art von gemeinschaftlichem Erlebnis
Das Ziel ist nicht, Menschen miteinander zu verkuppeln, sondern unsere Sinne für ein paar Stunden voller Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen zu öffnen. Das ist eine ganz andere Art von gemeinschaftlichem Erlebnis. Anstatt unsere Sinne mit Alkohol und anderen Substanzen zu betäuben, werden wir eine gesteigerte Wahrnehmung erkunden, uns aufeinander einstimmen, im Hier und Jetzt bleiben, unsere Sinne erkunden und uns anschließend bewusst wieder mit uns selbst verbinden.
Während der Veranstaltung spielen Namen keine Rolle, und wir laden euch ein, euch nicht vorzustellen. Das ist beabsichtigt: Wir möchten einen Raum schaffen, in dem wir einander jenseits von Namen, Rollen und den Etiketten begegnen, die wir normalerweise mit uns herumtragen. Ihr seid eingeladen, euch auf einer unmittelbareren, körperlichen Ebene zu begegnen – als präsente Körper, die einen Moment miteinander teilen, und nicht als Identitäten, die vorgestellt werden müssen. Lasst euch einfach da sein, ohne erklären zu müssen, wer ihr seid.
Begegnungen nach der Veranstaltung finden in einem neuen Raum statt – betrachte diesen nicht als Erweiterung des Veranstaltungsraums. Bitte kläre im Vorfeld ab und stelle sicher, dass der Kontakt nach dem Kiss*Lab einvernehmlich erfolgt.
