Karrierewege mit Mathematik

Interviews mit Absolvent:innen aus Münster

Auf dieser Webseite möchten wir euch Einblicke geben, was man später mit einem Mathematik-Studium machen kann. Denn das Studium eröffnet viele unterschiedliche Wege! Wir stellen Absolvent:innen, die Mathe in Münster studiert haben, Fragen zu ihrem Arbeitsalltag, ihrer Berufsentscheidung und welche Skills aus dem Studium noch heute hilfreich für sie sind.

Die Reihe der Interviews wird kontiuierlich erweitert. Los geht es mit Moritz Schlingmeyer.

August 2026

Interview mit Moritz Schlingmeyer

© privat
Moritz Schlingmeyer hat 2017 seinen Masterabschluss in Mathematik an der Universität Münster gemacht. Er arbeitet jetzt als Projektmanager bei der Unternehmensberatung  „d-fine“

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Mein Arbeitsalltag ist sehr vielseitig. Als Projektmanager betreue ich mehrere Projekte bei unterschiedlichen Kunden im Bereich Banking. Dadurch beschäftige ich mich mit einem breiten Themenspektrum – von aufsichtsrechtlichen Anforderungen über Accounting und Banksteuerung bis hin zu Nachhaltigkeitsthemen.

Meine Arbeit findet in einer Mischung aus Homeoffice, dem d-fine Büro und Terminen beim Kunden vor Ort statt. Dadurch reise ich regelmäßig von Münster aus in verschiedene Städte, zum Beispiel nach Berlin, Frankfurt, Hamburg oder Wien.

Wenn man als Consultant bei d-fine einsteigt, sieht der Arbeitsalltag allerdings zunächst etwas anders aus. Nach einem intensiven internen Programm, in dem man viele technische und fachliche Fähigkeiten für die Projektarbeit beim Kunden lernt, arbeitet man in der Regel zunächst bei einem Kunden und an einem Thema. Die erste Zeit verbringt man dabei an unserem Standort Frankfurt und hat damit die Möglichkeit sich im Unternehmen zu vernetzen. So kann man sich nach der Uni gut in den Beruf einfinden. Mit steigender Erfahrung bekommt man bei d-fine dann die Möglichkeit, mehr Verantwortung für eigene Themen und später auch für kleinere Teams zu übernehmen.

Wie bist du zu diesem Beruf gekommen?
Ich habe mein Studium zunächst im Zwei-Fach-Bachelor mit der Kombination Mathematik und Englisch begonnen, mit dem Ziel, Lehrer zu werden. Das Mathestudium hat mir dann aber so viel Spaß gemacht, dass ich mich nach einigen Semestern spontan dazu entschieden habe, parallel ein vollständiges Mathematikstudium in Münster zu beginnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine konkrete Vorstellung davon, was ich später beruflich damit machen möchte. Ich konnte mir aber gut vorstellen, einmal bei einer Bank oder Versicherung zu arbeiten.

Den Beruf als Berater hatte ich nach dem Studium nicht konkret im Blick. Ich bin eher zufällig über eine Jobanzeige von d-fine auf einem Jobportal darauf aufmerksam geworden. Besonders angesprochen hat mich, dass explizit nach Mathematikerinnen und Mathematikern gesucht wurde – das war zu diesem Zeitpunkt bei vielen anderen Arbeitgebern nicht unbedingt der Fall.

Was hat dir am Mathestudium am meisten Spaß gemacht?
Im Studium fand ich theoretische Mathematik immer etwas spannender als angewandte Mathematik. Besonders interessiert haben mich abstrakte Strukturen und die Frage, wie verschiedene Teilgebiete der Mathematik miteinander zusammenhängen. Im Masterstudium habe ich mich schwerpunktmäßig mit algebraischer Topologie und Funktionalanalysis beschäftigt. Auch meine Masterarbeit habe ich zu einem Thema geschrieben, das beide Bereiche miteinander verbindet.

Welche Rolle spielen Inhalte oder Fähigkeiten aus dem Mathestudium in deinem Job?
d-fine zeichnet sich insgesamt durch hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit analytischem und technologischem Hintergrund aus. Rund 90 % der Belegschaft haben einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Von etwa 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben ungefähr 35 % Mathematik studiert.

Meiner Erfahrung nach ist ein Mathestudium sehr hilfreich für die Arbeit bei d-fine. Im Arbeitsalltag muss man sich regelmäßig in neue Themen einarbeiten, um kundenindividuelle Probleme und Fragestellungen zu verstehen. Genau dabei hilft mir das Studium sehr: Ich habe gelernt, mich selbstständig und strukturiert in komplexe Themen einzuarbeiten und Probleme analytisch und quantitativ anzugehen. Die konkreten Inhalte einzelner Vorlesungen spielen dabei meist eine eher untergeordnete Rolle – wichtiger ist die Denkweise, die man im Studium entwickelt.

Eine große Rolle spielt in unserem Beruf außerdem die Zusammenarbeit mit unseren Kundinnen und Kunden sowie mit den Kolleginnen und Kollegen im Team. Den Satz „Beratung ist People Business“ habe ich in meiner Karriere schon häufig gehört – und er trifft es aus meiner Sicht sehr gut.

Siehst du KI eher als Werkzeug oder als „Konkurrenz“?
KI sehe ich daher vor allem als Werkzeug für unsere Arbeit bei d-fine, heute und auch in Zukunft. Sie kann uns dabei helfen, Themen schneller zu durchdringen, Informationen aufzubereiten und bestimmte Aufgaben effizienter zu erledigen. Ich glaube aber nicht, dass sie unsere Arbeit ersetzt. Gerade die Kombination aus analytischem Denken, fachlichem Verständnis, Kommunikation und Zusammenarbeit bleibt sehr wichtig.