Irak, Ukraine, Gaza, Iran: 80 Jahre, nachdem in Nürnberg mit dem Prozess gegen Göring und die Hauptkriegsverbrecher eine neue Epoche im internationalen Recht begann, liegt das Völkerrecht am Boden. Immer öfter regiert stattdessen zwischen Staaten das Recht des Stärkeren. Aktuelle offene Verstöße gegen das Völkerrecht werden von den meisten Staaten, auch von führenden Politiker*innen in Deutschland, mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen.
In seinem neuen Buch zeichnet der Völkerrechtler Christoph Safferling die Geschichte des Völkerrechts von 1945 bis heute nach und benennt Doppelstandards und blinde Flecken auch der deutschen Politik. Seine Bilanz ist ernüchternd, sein Appell scharf: Gerade Deutschland muss die völkerrechtlichen Standards einfordern – auch wenn dies bedeutet, in offenen Konflikt mit jahrzehntelangen Verbündeten zu gehen.
Nach einer Buchvorstellung durch den Autor folgt ein gemeinsames Gespräch mit Nora Markard und Ulrich Schneckener über seine Thesen.
Prof. Dr. Christoph Safferling ist Professor für Strafrecht und Völkerrecht an der Universität Erlangen-Nürnberg und Direktor der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien. Er war Ko-Autor der Studien zur NS-Vergangenheit des Bundesjustizministeriums „Die Akte Rosenburg“ zur NS-Vergangenheit des Bundesjustizministeriums und zur Geschichte der Bundesanwaltschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.
Prof. Dr. Nora Markard ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationales Öffentliches Recht und Internationalen Menschenrechtsschutz an der Universität Münster und Ko-Direktorin des Käte Hamburger Kollegs „Einheit und Vielfalt im Recht“. Einem breiten Publikum ist sie durch ihr Buch „Jura not alone“ (zusammen mit Dr. Ronen Steinke) bekannt.
Prof. Dr. Ulrich Schneckener ist Professor für Internationale Beziehungen & Friedens- und Konfliktforschung am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück und Sprecher des Center for the Study of Conflict & Peace.
In Kooperation mit:
Evangelisches Forum Münster, Gegen Vergessen – Für Demokratie Regionalarbeitsgruppe Münsterland e.V., Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V., Käte Hamburger Kolleg „Einheit und Vielfalt im Recht“ der Uni Münster, LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Westfalen-Lippe
Discussed by:
Carsten Gericke
ist Rechtsanwalt und unterstützt Betroffene, die beim irregulären Grenzübertritt Gewalt, illegale Haft oder Pushbacks erlitten haben. Darüber hinaus arbeitet er als Strafverteidiger in Hamburg und ist Richter am Hamburgischen Verfassungsgericht.
Ulrike Krause
ist Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Konstitution und Politik der Geschlechterverhältnisse an der Universität Münster. Außerdem ist sie affiliierte Forscherin am Refugee Studies Centre der Universität Oxford. Sie forscht und lehrt zu Geschlecht, Flucht, Konflikt, Gewalt und Humanitarismus. Zuvor hat sie im Bereich Flüchtlingsschutz und Menschenrechte u.a. für den DED, UNICEF, die GIZ und World Vision gearbeitet.
Anna Katharina Mangold
ist Professorin für Europarecht an der Europa-Universität Flensburg. Sie habilitierte sich an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit einer Arbeit über demokratische Inklusion durch Recht. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Europäischen Integration, der feministischen Rechtswissenschaft, dem Antidiskriminierungsrecht und dem deutschen und europäischen Verfassungs- und Verwaltungsrecht.
Nora Markard
ist Professorin für Internationales Öffentliches Recht und Internationalen Menschenrechtsschutz an der Universität Münster und Co-Direktorin des Käte Hamburger Kollegs „Einheit und Vielfalt im Recht“. Sie forscht zum internationalen Flüchtlingsrecht und zum europäischen Asylsystem. Sie ist Mitglied im Kuratorium des Deutschen Instituts für Menschenrechte und Mitbegründerin der Humboldt Law Clinic Human and Fundamental Rights, der Refugee Law Clinic Hamburg und der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF).