Anthusa - Studien zur byzantinischen Geschichte und Kultur / Studies in Byzantine History and Culture


Mit der Einweihung der Stadt Konstantinopel im Jahre 330 verlagerte sich das Zentrum des Römischen Reiches in die östliche Mittelmeerhälfte, wo es bis zum 15. Jahrhundert existierte. Konstantin I. (der Große) blieb über Jahrhunderte der Referenzpunkt im Selbstverständnis des oströmischen bzw. byzantinischen Kaisertums. Das politische System stand in römischen Traditionen und durchlief andere Transformationsprozesse als die westlichen Teile Europas. Das Reich mit seinem Zentrum am Goldenen Horn war bis in das Hochmittelalter ein role model, nahm eine Brückenfunktion zur arabisch geprägten Welt ein und wirkte nachdrücklich auf die Entwicklungen der vormodernen Geschichte ein.

Die Reihe, in der Einzeluntersuchungen sowie interdisziplinäre kollektive Arbeiten erscheinen, spricht Fragen der Kultur-, Literatur- und Geistesgeschichte des byzantinischen Millenniums an.


Herausgegeben von Prof. Dr. Michael Grünbart

Wissenschaftlicher Beirat/Editorial Board:

Albrecht Berger (LMU München)
Marina Loukaki (Nationale und Kapodistrias Universität Athen)
Vasileios Marinis (Yale University)
Ingela Nilsson (Uppsala Universitet)
Pagona Papadopoulou (Aristoteles Universität Thessaloniki)
Juan Signes Codoñer (Universidad Complutense de Madrid)

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    Band 1: Die Schrift des Alexander Monachus über die Kreuzauffindung 

     

    Bernd Kollmann , Werner Deuse

    Die Schrift des Alexander Monachus über die Kreuzauffindung („De inventione sanctae crucis“). Einleitung, Übersetzung und Kommentar


    Mit der vermeintlichen Entdeckung des heiligen Kreuzes Jesu durch Helena beginnt die faszinierende Geschichte des Kultes um die Kreuzreliquien. Im Jahr 325 soll die Kaisermutter in Jerusalem mit Hilfe des Bischofs Macarius das im Erdreich von Golgota verborgene Kreuz Jesu wieder an das Tageslicht gebracht haben. Bruchstücke der Reliquie verbreiteten sich früh in der gesamten christlichen Welt und erfreuten sich bei den Gläubigen höchster Wertschätzung. Alexander Monachus zählt zu jenen Autoren der Antike, die ausführlicher von diesem nachhaltig in Erinnerung gebliebenen Ereignis berichten. Seine Erzählung von der Entdeckung des heiligen Kreuzes bettet er in einen Abriss der Weltgeschichte ein. Unter besonderer Berücksichtigung der Heilsbedeutung des Kreuzes erstreckt sich die Darstellung von der Erschaffung der Welt bis in die Zeit des arianischen Streits und der Kämpfe um das Bekenntnis von Nizäa. Am Ende steht ein hymnischer Lobpreis auf das Kreuz. Bernd Kollmann und Werner Deuse bieten neben dem griechischen Originaltext von De inventione sanctae crucis zum ersten Mal eine mit Einleitung und Erläuterungen versehene deutsche Übersetzung des in vielerlei Hinsicht bedeutsamen Werks.

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    Band 2: In den Schuhen des Kaisers

     

    Dominik Heher

    In den Schuhen des Kaisers. Usurpationen und ihre Performanz im Byzantinischen Reich (10.–12. Jahrhundert)


    Einmal in die purpurfarbenen Schuhe des Kaisers schlüpfen! Das war das Ziel manch machthungriger Männer in Byzanz. Viele ließen ihren Ambitionen Taten folgen und forderten den Kaiser in Konstantinopel offen heraus, indem sie purpurfarbene Schuhe anlegten und sich von ihrer Anhängerschaft zum Kaiser ausrufen ließen. Ein rein symbolischer Akt. Oder doch mehr?

    Rituale, Zeremonien, aber auch Kleidung und Habitus sind weit mehr als Beiwerk handfester Politik. Oft sind es gerade die performativen Handlungen, die Herrschaft herausfordern, festigen oder überhaupt erst herstellen können. Bei Thronkämpfen kommt es zu einer bemerkenswerten Verdichtung symbolischer Kommunikation, in der sich Traditionen und politische Spielregeln einer Gesellschaft artikulieren.

    Dominik Heher analysiert erstmals systemisch die performativen Aspekte von Usurpationen: Wie forderten Usurpatoren den Kaiser heraus? Wie legitimierten sie ihre Herrschaft, wenn sie Erfolg hatten, und umgekehrt: Wie gingen Kaiser mit besiegten Usurpatoren um? Welche ordnende oder destabilisierende Macht lässt sich den Ritualen selbst zuschreiben? Und welche Rolle spielte die schriftliche Überlieferung dabei?