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Durch Musik zur Sprache

Prof. Dr. Rosemarie Tüpker

Dr. phil. Barbara Keller

Doktorand Rainer Edelbrock

Erika Menebröcker

Oliver Schöndube

Königskinder - jenseits der Bedrohung Heimat finden

Promotionsprojekt: Rainer Edelbrock
Betreuung: Prof. Dr. Rosemarie Tüpker

Untersucht wird die eine entwicklungsfördernde Musiktherapie mit Vorschulkindern aus "bedrohten" Verhältnissen. Diese bestehen u.a. aus Migrations- bzw. Flüchtlingserfahrungen, Leben in Armut und Erfahrungen von familiärer Gewalt.

Zentrale These der Arbeit ist, dass durch diese Verhältnisse das Selbst als Ort der Heimat in der Entwicklung der Kinder bedroht ist. Anhand der Analyse der Gruppendynamik, von Fallbeispielen und der Auswertung von Filmmaterial soll einerseits aufgezeigt werden, wie sich die Bedrohung des Selbst im therapeutischen Prozess abbildet und andererseits welche Faktoren sich als förderlich für die Entwicklung der Kinder herausgestellt haben und welche spezifischen Bedürfnisse der Kinder diesen zugrunde liegen. Es wird weiter der Frage nachgegangen, inwieweit es sich dabei um eine Form von Kulturerwerb im tiefenpsychologischen Sinne handelt.   

Materialien

  • Grundidee und Spielerepertoire: Rosemarie Tüpker: "Durch Musik zur Sprache - Handbuch". Norderstedt 2009. ISBN 978-3-8370-6948-8
  • Konzeptualisierung und Evaluation: Barbara Keller: "Zur Sprache kommen - Konzeptualisierung und Evaluierung eines musiktherapeutischen Förderangebotes." Norderstedt 2013. ISBN 978-3-7322-8471-9
  • Auswertung eines Projektes an Bremer Grundschulen von Erika Menebröcker und Dr. Anne-Katrin Jordan. Kostenloses Download
  • Beobachtungsbogen zum sozial-emotionalen Entwicklungsstand und Sprechverhalten des Kindes von Erika Menebröcker & Dr. Anne-Katrin Jordan. Über den Bestellservice unter dem Namen der Autorinnen. Der Erwerb über den Bestellservice (5 Euro) berechtigt zur Nutzung des Evaluationsmaterials. 
  • Variationen zur Durchführung des Konzeptes „Durch Musik zur Sprache“. Masterarbeit von Sophie Kitschke (2015)   Ausgangsmaterial waren die Abschlusspräsentationen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Weiterbildung. Es gibt Beispiele aus Kindergärten und Schulen, mit stillen und mutistischen Kindern, mit Kindern verschiedener Altersgruppen, im Förderbereich und einem Kinderheim. Die Eigenheiten der Projekte zeigen die Wandelbarkeit des Konzeptes, während die herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten demgegenüber das Spezifische der Haltung und Vorgehensweise hervortreten lassen.  Kostenloses Download
  • Jordan, A.-K., Menebröcker, E. & Keil, N. (2016). Zur Sprache finden. Evaluation eines integrativen musiktherapeutischen Förderprojekts in der Grundschule. Musiktherapeutische Umschau, 37, 2, S. 123–129

Kooperation

  • PROJEKTBESCHREIBUNG

Zielgruppe sind Vorschul- und Grundschulkinder, die nicht über eine altersgemäße Sprachentwicklung verfügen. Sie sollen eine musiktherapeutische Sprachförderung erhalten, in deren Zentrum vor allem die Behandlung der emotionalen und kommunikativen Aspekte von Sprachdefiziten steht.
Das Angebot versteht sich nicht als Ersatz der im Rahmen der Sprachstandsfeststellung entwickelten Sprachförderangebote, sondern als therapeutische Ergänzung der gezielten pädagogischen Sprachförderung. Durch den Ausgangspunkt Musik ist dieses Förderangebot gleichermaßen für deutschsprachig aufgewachsene Kinder wie für Kinder mit Migrationshintergrund geeignet.

Methoden

Mit Hilfe des Mediums Musik und durch ein Setting, welches pädagogische wie therapeutische Erfahrungen einbezieht und je nach individuellen Erfordernissen nutzt, soll das Angebot zu einer Nachreifung beitragen, die es den Kindern ermöglicht, Sprache als etwas Eigenes und als wünschenswerten Zugewinn zu erfahren. Durch die Übergangsqualität der musikalischen Erfahrung soll auch Sprache als Ausdrucks- und als Beziehungsmedium erfahrbar werden. Sie soll den Kindern ermöglichen, sich und das, was sie erleben, mitteilen zu können und auf Verständnis zu stoßen, von sich erzählen zu können und gehört zu werden, etwas über andere und über die Welt zu erfahren und daran teilhaben zu können. Wir erwarten, dass dadurch eine psychologisch günstigere Grundlage für die konkrete Sprachförderungen geschaffen wird und dass die Sprachentwicklung selbst sich durch das Zusammenwirken von Musik und Sprache (Lieder, gesungene Sprache) potenzieren lässt.

Das Besondere

Insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund kann das Medium Musik das Erlernen von Sprache und Kommunikation jenseits des muttersprachlichen und kulturellen Kontextes unterstützen. Im gemeinsamen spielerischen Tun kann eine gezielte Förderung von Selbstvertrauen, Flexibilität und Achtsamkeit im Umgang miteinander stattfinden. Das gemeinsame Musizieren, insbesondere das musikalische Improvisieren, regt die Kreativität und die Phantasie an und fördert die Fähigkeit, auf sich und andere zu hören und kann zu einer verbesserten Affektregulation führen. Diese Erfahrungen werden aus dem „Proberaum Musik“ in den Alltag übertragen.

Bisherige Förderer

Stiftung Sparkasse Münsterland-Ost
Stiftung Generalarmenfond
Förderverein Musiktherapie an der WWU
Sparkasse Gronau
Andreas-Tobias-Kind-Stiftung
Bremer Institut für Musiktherapie
Grasberger Bürgerstiftung IrmgardBeringhoff
Gemeinde Grasberg
Schulverein Grasberg

Bisherigen Aktivitäten im Überblick

2007-2008
  • Aufgrund der Betroffenheit durch die Ergebnisse der Sprachstandserhebung in NRW entwickelt Rosemarie Tüpker die Idee einer musiktherapeutischen Förderung von Vorschulkindern
  • Aus einer ersten Einladung interessierter musiktherapeutischer Kolleginnen und Kollegen entsteht eine Gruppe von bis zu 15 TeilnehmerInnen, die sich in unregelmäßigen Abständen trifft und die Idee diskutiert und weiterentwickelt
  • Vergabe einer Diplomarbeit mit dem Auftrag, geeignete musiktherapeutische Spielvorschläge für eine Sprachförderung kleiner Kinder bei den TeilnehmerInnen der Treffen zu sammeln (H. T. Röder 2008: Musiktherapie und Spracherwerb)
  • Projektentwurf und Beginn der Suche nach Sponsoren
  • Erprobung und Diskussion der Spielideen durch eine kleiner und stabiler werdenden Projektgruppe in auch mehrtägigen Treffen
  • Diskussion und Festlegung der methodischen Grundlagen
  • Kontakte zum Jugendamt der Stadt Münster als Trägerin der Kindertagesstätten, zu einzelnen Kitas und zu Erzieherinnen
  • Entwicklung eines Flyers
  • Suche nach Sponsoren
2008/2009
  • Durchführung eines Vorprojekts mit zwei Musiktherapiegruppen durch Barbara Keller
  • Zusammenfassende Darstellung der Idee, ihrer methodischen Grundlagen und des Spielerepertoire in einer Buchveröffentlichung (Tüpker 2009)
  • Organisation der Projektphase
2009/10
  • Projektphase: Durchführung von insgesamt 9 Musiktherapiegruppen in Kitas in Münster und Umgebung durch Anke Bobert-Witte, Rainer Edelbrock Beate Klein und Eva-Marie Zimmermann-Peusch
2009
  • Dissertation zur Evaluation des Projekts von Barbara Keller. Festlegung der Testverfahren. Durchführung der Testungen. Sammlung und Auswertung der ausführlichen Protokolle
  • Regelmäßige Treffen der Kerngruppe und weiterer interessierter KollegInnen
  • Vorträge und Workshops

2010

  • Durchführung weiterer Gruppen durch Rainer Edelbrock, Erika Menebröcker (im Grundschulbereich), Katrin Steudemann u.a.
  • Kooperation mit Erika Menebröcker und Dr. Anne-Katrin Jordan, Universität Bremen: Projekt an Bremer Grundschulen bis 2013. Infos
  • Planung einer Weiterbildung in Kooperation mit der WWU-Weiterbildung (Betreuung: Alexandra Höhn)

2013

  • Abschluss und Veröffentlichung der Dissertation von Barbara Keller: "Zur Sprache kommen: Konzeptualisierung und Evaluierung eines musiktherapeutischen Förderangebotes"
  • Beginn der ersten Weiterbildungsgruppe
  • Beginn einer Promotion durch Rainer Edelbrock zu einer entwicklungsfördernden Musiktherapie mit kleinen Kindern in Gruppen
  • Einbindung in den Masterstudiengang Klinische Musiktherapie

2014

  • Abschluss der erste Weiterbildungsgruppe mit Vorstellung der Projekte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

 2015

  • Beginn der zweiten Weiterbildungsgruppe
  • Fertigstellung der Masterarbeit Sophie Kitschke: Variationen zur Durchführung des Konzeptes „Durch Musik zur Sprache“

2016

  • Abschluss der zweiten Weiterbildungdgruppe mit Vorstellung der Projekte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • Beginn der dritten Weiterbildungsgruppe