Dr. Christoph Lorke


Lorke2015

Lebenslauf
Forschungsschwerpunkte
Forschungsprojekte
Tagungen
Auszeichnungen/Stipendien
Publikationen
Lehrveranstaltungen

 

 

 

Lebenslauf:

2004–2009 Studium der Geschichte, Germanistik, Pädagogik und Psychologie für das Lehramt an Gymnasien an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
2007–2009 wissenschaftliche Hilfskraft und Tutor am Institut für Germanistik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
2007–2009 wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Geschichte an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
2009 1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien
seit 09/2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Münster
08–10/2012 Elternzeit
2012–2013 Abgabe der Dissertation Oktober 2012; Disputatio März 2013
03-2015 STA-Mobility - Gastdozent an der Universität Plovdiv Paissi Hilendarski

Forschungsschwerpunkte:

  • Deutsche und europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts
  • Deutsch-deutsche Beziehungen nach 1945
  • Kultur- und Sozialgeschichte der Armut nach 1945
  • Geschichte der binationalen Ehen/transnationale Geschichte

Forschungsprojekte

Dissertationsprojekt:

Armut im geteilten Deutschland (1949–1989). Images zwischen Verflechtung und Abgrenzung (abgeschlossen)

Kurzexposé:
Die Untersuchung hatte zum Ziel, eine integriert deutsch-deutsche Wahrnehmungs- und Deutungsgeschichte der „Armut“ zu konzipieren. Die Leitfrage lautete, wie in beiden deutschen Staaten zwischen Teilung und Wiedervereinigung soziale Ungleichheit gedacht, gedeutet und kommuniziert wurde. Um den unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen von Demokratie und Diktatur sowie der strukturellen Ungleichheit der deutsch-deutschen Beziehungen auf verschiedenen Gebieten (begrifflich, systemisch, Quellen) methodologisch Rechnung zu tragen, wurden Grundprinzipien und Leitlinien der Genese, Funktion und Produktion sozialer Images von „Armut“ herausgearbeitet. Vermittels einer Rekonstruktion der tragenden Sprachformen und Kategoriensysteme auf der Ebene von Wahrnehmung, Repräsentation und Debatten wurden verschiedene Fragen aufgegriffen: Welche sozialen Images setzten sich warum und wann durch? Welche Parallelen und Differenzen gab es im innerdeutschen Kräftefeld im Duktus der Stigmatisierung, im Erkennen und Aufgreifen sozialer Unterschiede und bei der zeitgenössischen Image-Kreierung über „Armut“? Welche Bedeutungen hatten die jeweiligen Diskurse für den Gegenüber innerhalb der Systemkonkurrenz des Kalten Krieges? Welche systemfunktionale Relevanz erlangte „Armut“, etwa durch die Zuschaustellung positiver oder negativer Musterbiographien „Armer“?
Für die Analyse wurden „öffentliche“ Aussagen zu „Armut“ in den Blick genommen. Untersucht wurden mediale, fachwissenschaftliche sowie politische Armutsthematisierungen, wodurch der „common sense“ der öffentlichen „Armuts“-Kommunikation herausgeschält werden konnte. Durch die Decodierung zeittypischer Denkhorizonte und kollektiver Ordnungsmuster liefert die Studie ein Phasenmodell des Wandels der Intensität von „Armut“-Thematisierung, die sich immer wieder an zentralen Eigenschaften von sozialen Images orientierte (Erfahrungsableitung, Orientierungsfunktion, Etablierung von Identität/Alterität). Verschiedene Arten des öffentlichen Umgangs mit „Armut“ (Ausblendung, Relativierung, Individualisierung, Pathologisierung, Sanktionierung, Exterritorialisierung, Inklusion und Exklusion) besaßen in beiden deutschen Staaten – häufig phasenverschoben und in unterschiedlicher Intensität – eine wichtige symbolische Funktion. Kam es in der Bundesrepublik ab den ausgehenden 1960er Jahren zu einer diskursiven Öffnung und Erweiterung und wurde das Sprechen über „Armut“ immer selbstverständlicher, aber auch umkämpft-politisierter, so verblieb die Image-Produktion in der DDR vor allem verschleiernd, moralisierend und polarisierend – wenn auch hier zunehmend Entideologisierungs- und Liberalisierungsprozesse auszumachen waren.

Laufendes Forschungsprojekt:

Grenzüberschreitungen. Ehen mit Ausländern (1870–1930)

Eheschließungen mit einem ausländischen Partner sind heutzutage in der Bundesrepublik beileibe keine Seltenheit mehr: Jede neunte Trauung im Jahr 2013 war eine binationale mit deutscher Beteiligung. Jedes achte hierzulande geborene Kind entstammt einer solchen Ehe. Binationale Partnerschaften sind nicht nur Ausdruck privater Lebensentwürfe Einzelner, sie sind zugleich Ergebnis gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen. Tiefergehende Erkenntnisse über diese Paarkonstellationen in historischer Perspektive sind hingegen ein Desiderat. Das Post-Doc-Projekt setzt an dieser Leerstelle an, indem es die Bedeutung transnationaler sozialer Räume auf der Ebene solcher Paarbeziehungen in den Blick nimmt, die unter den Schlagworten binational bzw. bikulturell zu subsumieren sind. Diese Paare bieten vielfache Zugriffsmöglichkeiten dafür, vermittels historischer Sonden nicht nur den Forderungen nach einer transnational erweiterten Gesellschaftsgeschichte Rechnung zu tragen, sondern dadurch auch neue Einblicke in Selbstverständnis und Funktionsweise moderner Nationalstaaten zu gewinnen.

Im Mittelpunkt dieser Geschichte der binationalen Ehen von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre stehen dabei deutsche Reichsangehörige und ihre ausländischen Ehepartner. Solche Paarkonstellationen in diesem Untersuchungszeitraum zu untersuchen hat vor allem deswegen einen Reiz, da sich durch die mehrfachen politischen Brüche und territorialen Verschiebungen nationalisiertes Denken verschärfte und (national-)politische Debatten zunehmend ethisch aufgeladen waren. Ferner dürften nationalspezifische staatsbürgerliche, ausländerrechtliche und standesamtliche Regelungen eine unproblematische Realisierung individueller Lebenspläne in erheblichem Maße behindert haben, dürften neben ganz praktische (Migrationsregime, Sprache) und subtile (etwa familiale) auch bewusste Verhinderungsmechanismen getreten sein, etwa durch Beratung, Kirche und Behörden.

Um einen möglichst multiperspektivischen Blick auf interkulturelle Paarbeziehungen im geschichtlichen Verlauf einnehmen zu können, werden drei Untersuchungsebenen miteinander verschränkt und damit individuelle, politische und öffentliche Aspekte aufeinander bezogen: Den Rahmen bilden die jeweiligen nationalen juridisch-institutionellen Ausgangsbedingungen, die das Zustandekommen solcher Ehen maßgeblich bestimmt und ggf. behindert haben. Daneben werden zeitgenössische Stellungnahmen von Experten und Medien herangezogen, wodurch der gesellschaftlich-politischen „öffentlichen Meinung“ über solche Paarkonstellationen nachgespürt werden kann. Das Leben in einem transnationalen „Grenzraum“ (Johannes Paulmann) machte nicht selten verschiedene Modi der Anpassung erforderlich. Ergänzend beleuchtet werden soll daher auch die individuelle Akteurs-Perspektive auf ihr Leben „dazwischen“. Ungleich stärker als mono- waren interkulturelle Partnerschaften unterschiedlichen Diskriminierungsmodi ausgesetzt. Sie verstießen grundsätzlich gegen gesellschaftliche Regeln einer auf Gemeinsamkeit von Religion, Kultur, Sprache, Hautfarbe usw. orientierten Gemeinschaft. Untersucht werden soll darum auch, wie unter diesen Voraussetzungen von den jeweiligen Paaren neue Bezugshorizonte und eigene (oder: eigen-sinnige?) biographische Ehe-Modelle, Gender-Konstellationen, nationale und kulturelle Grenzen oder spezifische interkulturelle Codes neu verhandelt, eigene Modalitäten von „Wirklichkeit“ kreiert worden sind.

Tagung: Soziale Ungleichheit im Visier: Images von ‚Armut‘ und ‚Reichtum‘ in West und Ost seit 1945

27./28. November 2014
Westfälische-Wilhelms Universität Münster
Schloss, Schlossplatz 2
Senatssaal der WWU
48149 Münster

Nähere Informationen

Nachlese der Tagung: Interview in der Sendung „Aus Kultur- und Sozialwissenschaften" von Deutschlandradio Kultur, 04.12.2014

Tagung: Beziehungen über Grenzen: Paare und Familien in der mobilen Moderne

Veranstaltungsort: Deutsches Historisches Institut Paris, 10.–11. Dezember 2015
Organisation gemeinsam mit Dr. Bettina Severin-Barboutie (DHIP/Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne) und Dr. Maren Röger (Universität Augsburg)

Zum Blog

Einen Artikel zum Thema finden Sie hier (Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 07.01.2016)

Auszeichnungen/Stipendien:

Preis der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg 2009.

Gerald D. Feldman Reisebeihilfen der Max-Weber-Stiftung 2015/16

Publikationen:

Bücher:

  • Hg. gemeinsam mit Thomas Großbölting: BRDDR – Arenen des Übergangs in der Vereinigungsgesellschaft (Arbeitstitel), Stuttgart, voraussichtlich 2016/17
  • Hg. gemeinsam mit Eva Gajek: Soziale Ungleichheit im Visier. Wahrnehmung und Deutung von Armut und Reichtum seit 1945, Frankfurt/M. und New York 2016.
  • Armut im geteilten Deutschland. Die Wahrnehmung sozialer Randlagen in der Bundesrepublik und der DDR, Frankfurt/M. und New York 2015.
  • gemeinsam mit Alexander Kraus (Hg.): Themenschwerpunkt 1988 auf zeitgeschichte online (Juli 2015).
  • gemeinsam mit Paul Kannmann, Erik Richter und Germo Stollberg (Red.): Die innerdeutsche Grenze 1944–1990. Darstellungen und Quellen zur Unterrichtsvorbereitung, Magdeburg 2009.

Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden (Auswahl):

  • Art. ,,Armut", in: Voigt, Rüdiger (Hg.): Handbuch Staat, (in Vorbereitung).
  • Fear of Falling: Poverty, in: Kehoe, Thomas J./ Pickering, Michael (Hg.): Representations of Fear in the German-Speaking World, (in Vorbereitung).
  • Anglo-German Love Relations in the 19th Century. The Example of Georgina Adelaide Grenfell and Friedrich Max Müller, in: Angermion. Yearbook for Anglo-German Literary Criticism, Intellectual History and Cultural Transfers / Jahrbuch für britisch-deutsche Kulturbeziehungen (in Vorbereitung).
  • After the End of “Little Moskwa”: The Forbidden City of Wünsdorf/Wjunsdorf and the Construction and Adoption of Space 1994-2016, in: Folklore: An Electronic Journal of Folklore (in Vorbereitung).
  • Constructions of (Non-)Belonging: The Visualization of Marginalized Social Groups in “Actually Existing Socialism”, in: Demski, Dagnosław/Sz. Kristóf, Ildikó/Periklieva, Violeta (Hg.): Multimedial Representation of the Other and the Construction of Reality: East-Central Europe, 1945-1980 (in Vorbereitung).
  • Neue und alte soziale Ungleichheiten. Armut in der Vereinigungsgesellschaft, in: Großbölting/Lorke, BRDDR – Arenen des Übergangs in der Vereinigungsgesellschaft, Stuttgart, voraussichtlich 2016/17.
  • "Is there anybody normal in our country?" Displaying Social Dissent in GDR Television Detective Series (1970s and 1980s), in: Journal of Cold War Studies, (angenommen).
  • Die Ordnung des Sozialen im Vergleich: „Armut“ im geteilten Deutschland, in: Gloe, Markus/Haarmann, Lutz/ Thieme, Tom: Standortbestimmung Deutschlandforschung (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung, Bd. 108), Berlin 2016, S. 151-168.
  • gemeinsam mit Eva Gajek: (An-)Ordnungen des Sozialen. »Armut« und »Reichtum« in Konstruktion und Imagination nach 1945, in: Gajek/Lorke, Soziale Ungleichheit im Visier, Frankfurt/M. und New York 2016, S. 7-29.
  • Klassifizierung des Sozialen. Bürgerliche Werte und soziale Bewertungen in der DDR, in: Kretschmann, Carsten/Pyta, Wolfram (Hg.): Bürgerlichkeit. Spurensuche in Vergangenheit und Gegenwart, Stuttgart 2016, S. 179-200.
  • Soziale Utopien – prekäre Viertel – problematische Menschen? Perzeptionen urbaner Segregation im geteilten Deutschland, in: Großbölting, Thomas/Schmidt, Rüdiger (Hg.): Gedachte Stadt – Gebaute Stadt. Urbanität in der deutsch-deutschen Systemkonkurrenz 1945–1990, Köln u. a. 2015, S. 266-299.
  • Armut in Bundesrepublik und DDR: Diagnosen sozialer Randlagen, soziale Konstruktionen und symbolische Formen im doppelten Deutschland, in: Timmermann, Heiner (Hg.): Dem Gedächtnis eine Erinnerung: Der Mauerfall von 1989 und seine Relevanz für kommende Generationen, Münster u.a. 2015, S. 125-138.
  • gemeinsam mit Alexander Kraus: Unbekanntes 1988. Deutsch-deutsche Perspektiven auf das „Jahr davor". Einleitung zum Themenschwerpunkt auf zeitgeschichte online (Juli 2015)
  • Die  Debatte über „Neue Armut“ in der Bundesrepublik. Konstruktion einer Kampagne und Strategien ihrer Zurückweisung (1983-1987), in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 63 (2015), 6, S. 552-571.
  • "Soziale Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit": Kinderreiche Familien in der DDR, in: Deutschland Archiv Online, 11.05.2015 online
  • „Nur die Landstraße ist gerecht.“ Visualisierung und Images urbaner und ruraler „Armut“ im deutsch-deutschen Vergleich (1961–1989), erscheint in: Kersting, Franz-Werner/Zimmermann, Clemens (Hg.): Stadt-Land-Beziehungen im 20. Jahrhundert. Geschichts- und kulturwissenschaftliche Perspektiven, (= Forschungen zur Regionalgeschichte, Bd. 77), Paderborn 2015, S. 225-252.

  • "Unten" im geteilten Deutschland. Diskursive Konstruktionen und symbolische Anordungen in Bundesrepublik und DDR, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 10 (2015), S. 11-17 (auch abgedruckt in: APuZ-Edition: Oben - Mitte - Unten. Zur Vermessung der Gesellschaft, Bonn 2015, S. 232-243).online
  • Die Inszenierung des (Un-)Würdigen. „Armut“ und Massenmedien im geteilten Deutschland (1949–1989), erscheint in: Ahrens, Jörg/Hieber, Lutz/Kautt, York (Hg.): Zur Theorie des Image. Visuelle Kommunikation in gesellschaftlichen Konfliktlagen, Wiesbaden 2015, S. 271–293.
  • gemeinsam mit Alexander Kraus: Vor dem Aufbruch. 1988 als vergessenes Jahr, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 24–26 (2014), S. 40–46, online.
  • „Von Anstand und Liederlichkeit.“ Armut und ihre Wahrnehmung in der DDR (1961–1989), in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 10 (2013), online.
  • „Perverse Romantik“, soziale Friktionen und gesellschaftliche Randlagen: Daniela Dahns „Prenzlauer Berg-Tour“ (1987) armutshistorisch gelesen, in: REAL – Revista de Estudos Alemães (2013), H. 4, S. 102–122.
  • „Ungehindert abreagieren“. Hooliganismus in der späten DDR im Spannungsfeld von Anstandsnormen, Sozialdisziplinierung und gesellschaftlichen Randlagen, in: Deutschland Archiv 45 (2012), 5, S. 240–249, online.
  • Das Image der Armut. Ein deutsch-deutscher Vergleich in historischer Perspektive, in: Gegenblende. Das gewerkschaftliche Debattenmagazin, Ausgabe September 2011, online.
  • „Bindekräfte“ des Systems? Zum Verhalten von DDR-Hochschullehrern in den 1960er-Jahren. Das Beispiel der Medizinischen Akademie Magdeburg, in: Deutschland Archiv 44 (2011),4, S. 347–354,  online.
  • Dozenten und die „sozialistische Umgestaltung“. Die Hochschullehrerschaft der Medizinischen Akademie Magdeburg vom Mauerbau bis zum Ende der 1960er Jahre, in: Schröder, Benjamin/Staadt, Jochen: Unter Hammer und Zirkel. Repression, Opposition und Widerstand an den Hochschulen der SBZ/DDR, (= Studien des Forschungsverbandes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Bd. 16), Frankfurt a.M. 2011, S. 205–221.
  • Von Senkrechtstartern, Missmutigen und „Republikflüchtigen“. Zu Anpassungsstrategien von Hochschullehrern in der DDR 1961–1969, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 14 (2011), S. 205–219.
  • zusammen mit Kornelia Pollmann: Umbenennung von Magdeburger Straßennamen nach 1945, in: Föllner, Ursula/Luther, Saskia/Weinert, Jörn (Hg.): Straßennamen und Zeitgeist. Kontinuität und Wandel am Beispiel Magdeburgs, Halle 2011, S. 102–122.

Rezensionen in:

  • Archiv für Sozialgeschichte, H-Soz-u-Kult, Medien und Zeit, Neue Politische Literatur, Rundfunk und Geschichte, sehepunkte.de, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft

Sonstiges:

Lehrveranstaltungen:

Übung: Geschichte als Gegenwart: Perspektiven und Probleme bei der Historisierung des vereinten Deutschland
montags, 10-12 Uhr, Beginn: 11. April 2016

Im Oktober 1990 wuchs, mit Willy Brandt gesprochen, „zusammen, was zusammengehört“. Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik verbanden sich für gut 16 Millionen Ostdeutsche die Durchsetzung von Freiheit und Menschenrechten, Rechtsstaat und Demokratie. Doch gab es für die Deutsche Einheit international wie auch historisch keinen Präzedenzfall. Innerhalb kürzester Zeit mussten komplexe politische, rechtliche, soziale und wirtschaftliche Fragen gelöst werden, die zu erheblichen Reibungsverlusten führen sollten: Sozioökonomische Verwerfungen, tatsächliche und imaginierte soziokulturelle Abweichungen und wirtschaftliche Disparitäten waren ebenso wie geschichtspolitische Debatten oder Fragen um die „innere Einheit“ wesentliche Herausforderungen für die neu zusammenwachsende Gesellschaft im Übergang – und sind mitunter bis heute relevant. Die Übung nimmt nicht nur diese unterschiedlichen Problemlagen in den Blick; sie möchte daneben auch methodisch-konzeptionelle Vorschläge diskutieren, wie eine Annäherung an die jüngste Zeitgeschichte gelingen kann. Für einen Studiennachweis ist das Halten eines Impulsreferates, für einen Leistungsnachweis zudem das Verfassen eines Essays erforderlich. Um eine rechtzeitige Anmeldung per Email wird gebeten.

Empfohlene Literatur zur Einführung:
Görtemaker, Manfred: Die Berliner Republik: Wiedervereinigung und Neuorientierung, Bonn 2009; Jarausch, Konrad H.: United Germany: Debating Processes and Prospects, New York 2013; Ritter, Gerhard A.: Der Preis der deutschen Einheit : die Wiedervereinigung und die Krise des Sozialstaats, München 2006; Rödder, Andreas: Deutschland einig Vaterland : die Geschichte der Wiedervereinigung, Bonn 2010; Stiftung Deutsches Historisches Museum (Hg.): Alltag Einheit: Porträt einer Übergangsgesellschaft, Berlin 2015.

Übung: Fremde in Westfalen: Migrationsgeschichten im 20. Jahrhundert
montags, 14-16 Uhr, Beginn: 11. April 2016

Nordrhein-Westfalen ist wie kein anderes Bundesland von Einwanderung geprägt - etwa ein Viertel der hiesigen Bevölkerung hat Wurzeln in anderen Ländern. Auch Westfalen ist bereits geraume Zeit wichtiges Auswanderungsziel für Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion. Deren Motivationen, ein neues Leben fernab ihrer Heimat zu beginnen, waren ebenso mannigfaltig, wie deren Aufenthaltsdauer, Ankunftserfahrungen oder gesellschaftliches Standing. Die Übung, die in Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen durchgeführt wird, beleuchtet ausgewählte Aspekte regionaler Migrationsgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Neben inhaltlichen Aspekten vermittelt das Seminar grundlegende Kenntnisse für den Umgang mit migrationsgeschichtlichen Quellen, die selbständig er- und bearbeitet werden sollen. Diese werden dann im Seminar vorgestellt und diskutiert (= Studiennachweis). Für einen Leistungsnachweis ist zudem die Anfertigung eines Essays erforderlich. Um eine rechtzeitige Anmeldung per Email wird gebeten.

Empfohlene Literatur zur Einführung:
Bade, Klaus J.: Europa in Bewegung. Migration vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 2002; Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland, Bonn 2003; Nonn, Christoph: Kleine Migrationsgeschichte von Nordrhein-Westfalen, Köln 2011; Strotdrees, Gisbert: Fremde in Westfalen, Westfalen in der Fremde. Zur Geschichte der Ein- und Auswanderung von 1200 bis 1950, Münster 2011.

  • Lehrveranstaltungen vergangener Semester:

    Wintersemester 2015/16

    Proseminar: Einführung in das Studium der neueren Geschichte: Einwanderung nach Deutschland. Aspekte der Migrationsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

    Sommersemester 2015:

    Übung (gemeinsam mit Franz-Werner Kersting): Keine Mitte ohne Rand? Randgruppen und Außenseite in Deutschland im 20. Jahrhundert

    Übung - Lektüreübung: Autobiographien als Quellen: Erinnerungen an "1989" in Selbstzeugnisse von Politikern

    Wintersemester 2014/2015:

    Proseminar: Kommunismus am Ende. 1989/90 in der DDR und Osteuropa

    Sommersemester 2014:

    Übung: Zeitungsbilder im 19. und 20. Jahrhundert – Eine Einführung zur Visual History (Blockveranstaltung)

    Wintersemester 2013/2014:

    Proseminar: Einführung in das Studium der Neueren Geschichte: Politische Kultur im Deutschen Kaiserreich

    Übung (gemeinsam mit Alexander Kraus): 1988. Ein Jahr am Rand der Zeit. Eine Übung im kollaborativen Schreiben

    Sommersemester 2013:

    Übung: Film und Fernsehen als Quellen der DDR-Geschichte. Vom Nutzen und Nachteil audiovisueller Überlieferung für die Historiographie

    Übung: „...wissen wir durch die Massenmedien.“ Eine Einführung in die Analyse von Zeitungstexten (19. und 20. Jahrhundert)

    Wintersemester 2012/2013:

    Proseminar: Einführung in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte: Zwischen „Dynamischen Zeiten“ und Stagflation. Die sechziger und siebziger Jahre (trans)national

    Sommersemester 2012:

    Proseminar: Einführung in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte: Nationalsozialistische Herrschaft 1933–1945

    Wintersemester 2011/2012:

    Proseminar: Einführung in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte: Zwischen Abgrenzung und Verflechtung. Deutsch-deutsche Geschichte 1949–1989

    Sommersemester 2011:

    Proseminar: Einführung in das Studium der neueren und neuesten Geschichte: Reisen als kulturelle Praxis: Die Deutschen und der Tourismus im 19. und 20. Jahrhundert.

    Wintersemester 2010/2011:

    Proseminar: Einführung in das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte: Vom Deutschen Bund zum Kaiserreich: Zwischen Verfassungskonflikt und dem Ende der „Ära Bismarck“ (1862–1890)

    Sommersemester 2010:

    Proseminar: Einführung in das Studium der Neueren Geschichte: Antisemitismus und Judenverfolgung im Dritten Reich

    Wintersemester 2009/2010:

    Proseminar: Einführung in das Studium der Neueren Geschichte: Revolution und Wiedervereinigung 1989/90