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Datenbank mittelalterlicher deutscher Autographen und Originale

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Die Datenbank verzeichnet lateinische und deutschsprachige Autographen und Originale (Handschriften, die unter Beteiligung des Autors entstanden, aber nicht oder nur in geringen Teilen - z.B. in Gestalt von Korrekturen - von ihm geschrieben wurden) des deutschen Mittelalters (9.-16. Jahrhundert). Sie befindet sich noch im Aufbau und ist deshalb z. Zt. dreigeteilt:

Teil eins verzeichnet Autographen und Originale, die in dem wichtigsten Nachschlagewerk der germanistischen Mediävistik, dem 'Verfasserlexikon' verzeichnet sind (2VL: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, hg. von Kurt Ruh zusammen mit Gundolf Keil, Werner Schröder, Burghart Wachinger, Franz Josef Worstbrock, Berlin/New York 1978ff., bisher 10 Bde. (A - Wi). Das 'Verfasserlexikon' behandelt sowohl deutsche Autoren, die in deutscher Sprache schreiben, wie - in Auswahl - solche, die lateinisch, und solche, die mittelniederländisch schreiben; Zeitgrenze ist die Regierungszeit Maximilians I. (1493-1519). Weitere Informationen wurden der Autographen-Datei der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften entnommen; diese und weitere verdanke ich Eef Overgaauw/Berlin. Eine Überprüfung der Angaben des 'VL' wie der Berliner Datenbank war in der Regel nicht möglich; mitunter konnten sie durch die Angaben moderner Handschriftenkataloge ergänzt werden.

Teil zwei der Datenbank basiert auf der Durchsicht einer großen Zahl von gedruckten Handschriftenkatalogen deutscher Bibliotheken in der Handschriftenabteilung der Universitäs- und Landesbibliothek Münster. Dabei wurde stets von entsprechenden Registerstichwörtern ('Autograph') ausgegangen; eine systematische Durchsicht der Kataloge selbst war nicht möglich. Als ergiebig erwiesen sich vor allem die in den letzten Jahrzehnten im Rahmen des DFG-Katalogisierungsprogramms entstandenen Kataloge, die viele, in den literaturwissenschaftlichen Nachschlagewerken nicht verzeichnete Autoren bzw. Autographen und Originale nennen. Teil zwei nennt, wie zu erwarten, eine Reihe von Autoren, die auch in Teil eins erscheinen; es sind deshalb bei der Suche nach Autographen oder Originalen eines mittelalterlichen Schriftstellers vorläufig jeweils beide Teile zu konsultieren. Eine Vereinigung der beiden Teile ist vorgesehen.

Die Abgrenzung zwischen der Verfasserschaft und der Abschrift eines Werkes war, wie zu erwarten, häufig schwierig, dies vor allem etwa bei Originalen von Werken, denen deren Verfasser autographische Korrekturen oder Glossen beigefügt hat. Hier wurde im Zweifelsfall eher mehr als weniger Material geboten. Tritt ein Autor, dessen Autograph in der Datenbank verzeichnet ist, als (Ab-)Schreiber eines Werkes eines anderen Autors auf, so wird dies vermerkt. Dubia werden als solche gekennzeichnet.

Die Datenbank bietet so lediglich einen ersten und sehr vorläufigen, mitunter sicher auch unscharfen Eindruck von Art und Zahl der autographisch und im Original erhaltenen Werke des deutschen Mittelalters.

Teil drei der Datenbank enthält ein Literaturverzeichnis, das alle in den Teilen eins und zwei abgekürzt zitierten Titel aufschlüsselt.

Anlaß für die Erstellung der Datenbank war die in der germanistischen Mediävistik vorherrschende Ansicht, daß es Autographen deutscher Dichter des Mittelalters nicht gebe, eine - bereits von Karl Lachmann vertretene - Meinung, die von sehr großem Einfluß auf die Textkritik mittelalterlicher deutscher Texte gewesen ist: Das Fehlen des 'Anfangs' der Überlieferung mittelalterlicher deutscher Dichtungen machte eben jene 'Rekonstruktionsphilologie' nötig, die noch immer viele Editionen zentraler Texte des deutschen Mittelalters kennzeichnet. Auch wenn nun die Durchsicht des in der Datenbank verzeichneten Materials die Ansicht zu bestätigen scheint, daß Autographen mittelalterlicher deutscher Dichtung die seltene Ausnahme darstellen, so ist die Erkenntnis, daß wir desungeachtet über eine sehr beträchtliche Zahl von Autographen mittelalterlicher deutscher Texte verfügen, doch von hoher Bedeutung. Ihre Untersuchung wird es ermöglichen, eine genaue Vorstellung vom Wesen des mittelalterlichen Autographs überhaupt (also z.B. auch dem eines mittelalterlichen Romans) zu gewinnen und so die Veränderungen, die dessen Text im Laufe der Jahrhunderte erfuhr, richtig zu beurteilen. - Eine genauere Explikation dieser These sowie ein Überblick über Zahl und Art mittelalterlicher deutscher Autographen findet sich in:

Volker Honemann, Autographische Überlieferung mittelalterlicher deutscher Literatur, in: Scrinium Berolinense. Tilo Brandis zum 65. Geburtstag. Berlin 2000 (= Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Bd. 10), hier II, S. 821-828 (mit zahlreichen Literaturangaben zum mittelalterlichen Autograph).

Für die Durchsicht des 'Verfasserlexikons' danke ich Ulrike Schwermann, für diejenige der Handschriftenkataloge Tatjana Louis. Ihr, Sven Peters und Franz Neiske verdanke ich die elektronische Einrichtung. Hinweise auf weitere Autographen, Ergänzungen und Berichtigungen werden erbeten an:

Prof. Dr. Volker Honemann
Westfälische Wilhelms-Universität Münster Germanistisches Institut
Abteilung Literatur des Mittelalters
Stein-Haus, Sclossplatz 34
D-48143 Münster

Tel: 02 51 - 8 32 46 19
Fax: 02 51 - 8 32 83 47
E-Mail: honeman@uni-muenster.de

Münster, Juni 2000    Volker Honemann

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