Die AG Berufsorientierung hat in Kooperation mit der InterVal GmbH zwei Forschungsprojekte zur Evaluation des bundesweiten Berufsorientierungsprogramms (BOP) erfolgreich eingeworben. Seit 2008 unterstützt das BOP Schüler*innen dabei, ihre Stärken zu erkennen, berufliche Perspektiven zu erkunden und ihre Berufswahlkompetenz weiterzuentwickeln. Das BOP ist Teil der Initiative Bildungsketten und wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Betreut wird das BOP durch die Servicestelle Berufliche Orientierung/Bildungsketten im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Forschungsaufträge werden in Kooperation zwischen der InterVal GmbH (Hauptauftragnehmerin) und der Universität Münster (Unterauftragnehmerin), vertreten durch Prof.in Dr. Katja Driesel-Lange, umgesetzt. Die AG Berufsorientierung bringt ihre Expertise bei der Instrumentenentwicklung und Datenanalyse ein. Die von September 2025 bis Dezember 2026 laufende Evaluation umfasst zwei Projekte: Der erste Forschungsauftrag untersucht die Umsetzung und Wirkung der Potenzialanalysen und Berufsorientierungstage nach den neuen Qualitätsstandards von 2024. Der zweite Forschungsauftrag befasst sich mit den landesspezifischen Varianten der Ausgestaltung des BOP und deren strukturellen Rahmenbedingungen. Um die Forschungsfragen zu beantworten, wird ein umfassendes Mixed-Methods-Design angelegt, das relevante Akteure wie Schüler*innen, Lehrkräfte, Bildungsstätten und Verantwortliche in der Verwaltung einbezieht. Das Ziel der Untersuchung besteht darin, Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung des Programms zu formulieren. Weitere Informationen zum Projekt finden sich hier.
In der Dokumentation „Die Entdeckung der Kindheit in der Kunst“ (Regie: Nicola Graef) hat Markus Kluge (AG Pädagogik der frühen Kindheit) als Interviewpartner mitgewirkt. Die Dokumentation zeigt anhand von Kinderporträts aus großen europäischen Museen, wie sich der Blick auf die Kinder vom 17. bis zum 20. Jahrhundert geändert hat. Sie begleitet die Ausstellung Kinder, Kinder! Zwischen Repräsentation und Wirklichkeit (28.11.2025-06.04.2026) im Bucerius Kunst Forum, Hamburg. Die Dokumentation wurde am 14.12.2025 bei ARTE ausgestrahlt und ist noch bis zum 13.03.2026 in der ARTE-Mediathek zu sehen.
Prof. em. Dr. Marianne Krüger-Potratz ist am 18. Januar 2026 im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben ist. 1984 wurde Marianne Krüger-Potratz als Professorin an die Universität Münster berufen. Hier lehrte und forschte sie bis 2009 im Feld der Interkulturellen und International Vergleichenden Erziehungswissenschaft. Seit 1986 leitete sie die Arbeitsstelle Interkulturelle Pädagogik und koordinierte den Zusatzstudiengang Deutsch als Zweitsprache/Interkulturelle Pädagogik. Von 2007-2010 leitete sie an der Universität Münster gemeinsam mit Prof. Dr. Siegfried Gehrmann das Internationale Zentrum für europäische Bildung. Marianne Krüger-Potratz war Mitgründerin der Kommission Interkulturelle Bildung in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Als eine der Ersten wirkte sie daran mit, dass die Bedeutung migrationsgesellschaftlicher Diversität für institutionelle Erziehungs- und Bildungsprozesse von der Erziehungswissenschaft erkannt und systematisch bearbeitet wurde. Gleichzeitig machte sie durch ihre historische Forschung zu Bildungs- und Schulpolitiken deutlich, dass die Thematisierung von Migration und Diversität in institutionellen Bildungskontexten eine lange Vergangenheit hat – trotz der kurzen Geschichte der Fachdisziplin der Interkulturen Pädagogik. Auch nach ihrer Versetzung in den Ruhestand blieb Marianne Krüger-Potratz ihren Forschungsthemen verbunden, etwa im Herausgeber*innengremium der Zeitschrift Die Deutsche Schule, durch die aktive Teilnahme an wissenschaftlichen Tagungen und im Rat für Migration. Marianne Krüger-Potratz hat sowohl Mitarbeiter*innen als auch Studierende geprägt und für ihre Themen begeistert. Mit ihrer direkten, freundlichen und humorvollen Art hat sie sich immer respektvoll und wertschätzend für ihre Studierenden eingesetzt. Das Institut für Erziehungswissenschaft und die Universität Münster werden Marianne Krüger-Potratz als engagierte und ausgesprochen warmherzige Hochschullehrerin in dankbarer Erinnerung behalten.
Die Beurteilung von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst ist Gegenstand der Dissertation von Christoph Kruse (AG Allgemeine Didaktik und Unterrichtsforschung), die nun in der Reihe „Rekonstruktive Bildungsforschung“ im Springer Verlag erschienen ist. Christoph Kruse nutzt in seiner Studie schriftliche Gutachten aus dem Referendariat als bislang unerforschtes Datenmaterial und fragt danach, wie und anhand welcher Kriterien Fach- und Schulleitungen den (Miss-)Erfolg von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst beurteilen. Eingebettet in den Kontext der Professionsforschung werden mittels (konstruktivistischer) Grounded Theory Methodologie Einsichten in die Beurteilungspraxis im Vorbereitungsdienst und den hier relevanten Erwartungen, Bewertungs- und Legitimierungsmustern generiert. In der Studie kann gezeigt werden, wie die Verwobenheit dieser Phänomene dazu dient, die Beurteilung kontingenter Situationen in eine eindeutige und justiziable Beurteilung von Personen zu transformieren. Als dabei erfolgsentscheidend werden Erwartungen an die Unterrichtsplanung, -interaktion und -nachbesprechung herausgearbeitet. Davon ausgehend können problembehaftete Aspekte der Beurteilung – wie etwa die „Lehrerpersönlichkeit“ oder die Vorstellung der Kontrollierbarkeit von Schüler*innenverhalten – als funktional für die Legitimierung der Bewertung von Referendar*innen erklärt werden. Somit werden „durch“ Gutachten forschungsbasierte Einblicke in den Vorbereitungsdienst eröffnet, die über die Beurteilungspraxis hinausgehen.
Kruse, Chr. (2026). Die Beurteilung von Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst (Rekonstruktive Bildungsforschung, Bd. 53). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-50449-6
In einem kompetitiven Verfahren konnte die AG Berufspädagogik ein neues Drittmittelprojekt zum Thema Lernortkooperation in der Pflegeausbildung einwerben, das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren finanziert wird. Aufgrund vieler offener Fragen zu diesem Thema startet das Projekt mit einem hypothesengenerierenden Ansatz. Es folgt eine bundesweite Erhebung, in der die entwickelten Hypothesen geprüft werden. Die Erkenntnisse münden in eine Online-Schulungsreihe sowie in Empfehlungen und Instrumente für die Praxis. In Abgrenzung zu bisherigen Ansätzen im Zuge der Lernortkooperation liegt ein Schwerpunkt auf dem Einsatz hybrider Räume und den damit verbundenen Boundary Objects. Die Wissensbestände der unterschiedlichen Lernorte sollten relationierend in hybriden Räumen zusammengebracht werden, um so ein zielgerichtetes Boundary Crossing zu ermöglichen. Hierin liegt genuin das Potenzial einer innovativen Lernortkooperation.
| Aus der AG Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik
In den letzten drei Jahrzehnten hat sich inklusive Bildung zu einem globalen Paradigma entwickelt, das in den Richtlinien internationaler Organisationen verankert ist und sich in wichtigen Vereinbarungen wie der Salamanca-Erklärung, der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) oder den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) widerspiegelt. Obwohl inklusive Bildung darauf abzielt, Diskriminierung und Marginalisierung zu bekämpfen und die Teilhabe aller zu fördern, stößt sie auf zunehmenden politischen Widerstand und wird in verschiedenen kulturellen und nationalen Kontexten unterschiedlich interpretiert. Diese Vielfalt an Interpretationen hat inklusive Bildung zu einem unscharfen Konzept gemacht, was die international vergleichende Bildungsforschung vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die Sonderausgabe im European Journal for Inclusive Education fokussiert einige dieser Herausforderungen, indem sich die Beiträge auf unterschiedliche Weise mit der Frage auseinandersetzen, wie solche Forschungen angemessen durchgeführt werden können. Das Heft ist im Rahmen des DFG-Netzwerks „Inklusive Bildung im internationalen Vergleich" entstanden und wurde von Raphael Zahnd, Julia Gasterstädt (AG Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik), Andreas Köpfer und Lea Schäfer herausgegeben.
Katrin Huxel und David Rott laden zum Book-Release-Abend für den Sammelband Theater als außerschulischer und außeruniversitärer Lernort ein, der im Waxmann Verlag erschienen ist. Am Freitag, 09.01.2025, wird das Buch am Institut für Erziehungswissenschaft vorgestellt. Mit dabei ist die Schauspielerin Soraya Abtahi, die eine szenische Lesung mit Ausschnitten aus dem Jugendbuch „33 Bogen und ein Teehaus“ präsentieren wird. Der Roman von Mehrnousch Zaeri-Esfahani und die Adaption für das Theater war Ausgangspunkt für die Gestaltung von universitären Seminaren. Der Herausgebendenband wurde durch die Forschungsförderung des Mittelbaus des Instituts für Erziehungswissenschaft finanziell unterstützt. Vereint sind Beiträge, die in einem Kooperationsprojekt mit dem Jungen Theater Münster entstanden sind. Im Zentrum stehen Texte von Studierenden, die an den begleitenden Seminaren teilgenommen haben. Hinzu kommen Beiträge von Wissenschaftler:innen sowie Personen aus der Literatur- und Theater-Szene. Die Buchvorstellung am 09. Januar findet von 18 bis 20 Uhr im Raum C 313 im Bispinghof statt. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen werden erbeten (David Rott: david.rott@uni-muenster.de).
Ab 2026 wird die Redaktion der Fachzeitschrift unsere jugend (uj) – Die Zeitschrift für Studium und Praxis der Sozialpädagogik vom Team der Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Theorie und Praxis der Sozialpädagogik (Prof. Dr. Onno Husen) übernommen. Die seit 1954 im Ernst Reinhardt Verlag erscheinende uj gehört zu den traditionsreichsten deutschsprachigen Publikationsorganen für Theorie und Praxis der Sozialpädagogik und Sozialen Arbeit. Mit ihren Beiträgen zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, aktueller Fachpraxis sowie relevanten Entwicklungen in Jugendhilfe, Bildung und Sozialpolitik richtet sie sich an Fachkräfte, Studierende, Lehrende und Verantwortliche in sozialpädagogischen Institutionen. Die Zeitschrift erscheint zehn Mal im Jahr und hat einen Jahresumfang von über 500 Seiten. Das Redaktionsteam (Anna Bea Burghard, Katrin Hermsen, Onno Husen, Eva van Koolwijk, Melissa Manzel, Anna Silberg und Madeleine Sygor) freut sich auf die zukünftige Arbeit und die Weiterführung dieser fachlich profilierten Zeitschrift.
| Aus der AG Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik
Der von Julia Gasterstädt, Jana Helbig und Michael Urban herausgegebene Band rückt die u.a. von Adele Clarke entwickelte Situationsanalyse in den Mittelpunkt. Die SitA stellt eine der innovativen Weiterentwicklungen der Grounded Theory Methodologie dar. Sie richtet den Fokus auf die Komplexität von Situationen und eröffnet damit einen methodologischen Zugang zur Situiertheit pädagogischen Handelns in komplexen Möglichkeitsräumen. Die Beiträge des Bandes elaborieren die Breite der Verwendung der SitA in erziehungswissenschaftlichen Feldern und diskutieren zugleich daraus abgeleitete theoretische und methodologische Erweiterungen. Neben Weiterentwicklungen der Bezugnahme auf die Theorie sozialer Welten und Arenen und auf Positionierungen als Forschungs- und Reflexionsansatz bearbeitet der Band zugleich auch Schnittstellen zur Kindheitsforschung, Migrationsforschung und Inklusionsforschung. Damit dokumentiert der Band erstmals die erstaunliche Vielfalt, in der aktuell die Produktivität der SitA in der Erziehungswissenschaft als neue Konzeptionalisierung des Forschungsstils der Grounded Theory Methodologie deutlich wird. Er leistet damit einen Beitrag zur Methodenentwicklung in der qualitativen erziehungswissenschaftlichen Forschung.
Die Hans-Böckler-Stiftung fördert eine am Institut für Erziehungswissenschaft angesiedelte Nachwuchsforschungsgruppe mit dem Titel „Konstruktion und Rekonstruktion – Entwicklung und Erforschung inklusiver Didaktik zwischen Schüler*innenorientierung und (Über-)Fachlichkeit“. Die Gruppe wurde von Prof. Dr. Timo Dexel (AG Didaktik und Schulforschung in der inklusiven Bildung) eingeworben und wird von ihm geleitet. In der Nachwuchsforschungsgruppe soll die Entwicklung und Erforschung inklusiver Didaktik fokussiert werden. Leitend ist die Vorstellung, dass nicht eine (Sub-)Disziplin – wie etwa die Schulpädagogik oder die Sonderpädagogik – für ein solches Vorhaben zuständig ist, sondern verschiedene Disziplinen in einen produktiven Austausch treten müssen. In diesem Zusammenhang werden die unterschiedlichen Fachdidaktiken einbezogen und mit erziehungswissenschaftlichen Zugängen transdisziplinär zusammengebracht. In der Nachwuchsforschungsgruppe soll in einer konstruktiven Perspektive erforscht werden, wie Elemente inklusiver Unterrichtsgestaltung unter Berücksichtigung eines fachlichen oder fächerübergreifenden Gegenstandes entwickelt werden können und in einer rekonstruktiven Perspektive, ob und wie im inklusiven Unterricht Gemeinsamkeit erzeugt und Bildungs- und Teilhabebarrieren für Schüler*innen abgebaut werden können.
| Aus der AG Internationale und Vergleichende Erziehungswissenschaft
Das Buch ist eine der ersten Publikationen aus dem am Institut für Erziehungswissenschaft durchgeführten und von der Europäischen Union mit über 3 Millionen Euro finanzierten Forschungsprojekt Constructing Learning Outcomes in Europe: A multi-level analysis of (under)achievement in the life course (CLEAR, Grant Agreement Nr. 101061155). Das Projekt wurde zwischen 2022 und 2025 unter der Leitung von Professor Marcelo Parreira do Amaral und Dr. Jozef Zelinka koordiniert (AG Internationale und Vergleichende Erziehungswissenschaft). 13 Partner aus acht EU-Länder beteiligten sich am Forschungsprojekt. Der im britischen Verlag Bloombury Academic veröffentliche Band ist als Open Access Publikation online verfügbar.
Die zweite, vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage des von Colin Cramer, Johannes König und Martin Rothland (AG Allgemeine Didaktik und Unterrichtsforschung) herausgegebene Handbuchs Lehrerinnen- und Lehrerbildung bietet aus fachlicher, fachdidaktischer, bildungswissenschaftlicher und schulpraktischer Perspektive einen forschungsbasierten Überblick zu allen Bereichen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Mit Beiträgen von 217 Autorinnen und Autoren präsentiert es in 138 Kapiteln ein umfassendes Orientierungswissen. Ausgehend von den Aufgaben im Lehrerinnen- und Lehrerberuf werden die Geschichte und Entwicklung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung sowie ihre Strukturen, Phasen und Kontexte dargestellt und Qualifikationswege aufgezeigt. Die fachlichen, und fachdidaktischen, bildungswissenschaftlichen und schulpraktischen Komponenten, Konzepte und Methoden der Lehrerinnen- und Lehrerbildung werden beschrieben und der Forschungsstand zur Entwicklung von Lehramtsstudierenden sowie Referendarinnen und Referendaren wird dargelegt. Die einzelnen Beiträge des Handbuchs sind über www.handbuch-lehrerbildung.net als Open-Access-Publikationen frei verfügbar. Dies wurde durch die Unterstützung des Open-Access-Publikationsfond der Universität Konstanz ermöglicht.
Auch im Wintersemester 2025/26 bietet das von Timo Dexel, Julia Gasterstädt, Karolina Urton und Jürgen Wilbert ausgerichtete ZEIF-Kolloquium wieder ein Forum, um aktuelle empirische Befunde und Diskurse zur Umsetzung eines inklusiven Bildungssystems zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Perspektiven der Sonder- und Inklusionspädagogik. Ziel des Kolloquiums ist es, die Vernetzung der Arbeitsbereiche Schulpädagogik und inklusive Bildung am Institut für Erziehungswissenschaft zu fördern und den Austausch mit weiteren (inter-)nationalen Wissenschaftler:innen zu ermöglichen. Dazu werden regelmäßig Expert:innen der Inklusions- und Sonderpädagogik eingeladen, die aus unterschiedlichen Perspektiven vielfältige Einblicke in aktuelle Forschungsvorhaben gewähren. Interessierte sind herzlich eingeladen!
Hier finden Sie das Plakat und weitere Informationen zur Ringvorlesung.
Universitäten und Hochschulen müssen sich von Zeit zu Zeit darüber Rechenschaft geben, welche Ziele sie mit ihrer Forschung und Lehre eigentlich verfolgen. Jubiläen sind ein geeigneter Anlass für diese Art der akademischen Selbstvergewisserung. Die Universität Münster begeht nun im Jahr 2030 den 250. Jahrestag ihrer feierlichen Eröffnung. Die Ringvorlesung soll daher auf dem Weg zu diesem besonderen Ereignis zum Nachdenken darüber einladen, welches Bildungsideal an unserer Universität eigentlich konstitutiv ist. In der Ringvorlesung sollen verschiedene Fächer und Disziplinen in den Fachbereichen zu Wort kommen. Ihre Perspektiven sollen in einer großen Bandbreite vorgestellt werden. Organisiert wird die Ringvorlesung vom Arbeitsbereich Historische Bildungsforschung und vom Prorektorat für Studium und Lehre. Teil I dieser Ringvorlesung fand im Wintersemester 2024-25 statt. Aufgrund der großen Resonanz und des anhaltenden Interesses an dieser Thematik wird die Ringvorlesung im Wintersemester 25-26 fortgeführt.
Hier finden Sie das Plakat und weitere Informationen zur Ringvorlesung.
Der von Christina Huf (AG Pädagogik der frühen Kindheit) und Till-Sebastian Idel (Universität Oldenburg) herausgegebene Band versammelt Beiträge aus der zehnjährigen Begleitforschung zum Schulversuch PRIMUS des Landes NRW, ein Unikat im Prozess der staatlichen Schulreform. PRIMUS integriert an den teilnehmenden 5 Versuchsschulen die Primar- und Sekundarstufe zu einer durchgängigen inklusiven Schule von Klasse 1-10 in jahrgangsgemischten Lerngruppen. Ziel des Schulversuchs ist die Entdramatisierung des Übergangs nach Klasse 4. Die wissenschaftliche Begleitforschung fragt nach den Erfahrungen von Lehrer:innen, Eltern, aber insbesondere der Schüler:innen als Akteuren im Schulversuch. Der Schwerpunkt des Bandes liegt dementsprechend auf der Rekonstruktion der Perspektiven und der Erfahrungen der beteiligten Schüler:innen. Konsequent kommt dabei der Ansatz einer wissenschaftlichen Schulbegleitforschung zum Ausdruck, die nach Synergien einer qualitativen Schulentwicklungsforschung und einer erziehungswissenschaftlichen Kindheitsforschung sucht.
Unter dem Leitgedanken „Wissen multiplizieren – Transfer gestalten – Potenziale fördern“ fand vom 17.- 18. September 2025 die regionale Jahrestagung des Schulentwicklungsprojektes Leistung macht Schule (LemaS-Transfer) an der Universität Münster statt. Kern der Veranstaltung war die Vernetzung von Lehrkräften, Schulleitungen, Schulentwicklungsberater*innen, Wissenschaftler*innen des deutschlandweiten Forschungsverbundes, Vertreter*innen der Bezirksregierung und des Ministeriums sowie des Internationalen Centrums für Begabungsforschung (ICBF) und des Landeskompetenzzentrums für individuelle Förderung (LiF). Das Programm für die insgesamt 300 Teilnehmer:innen umfasste ein breites Angebot an fachspezifischen und fachübergreifenden Workshops zur Umsetzung von begabungsförderlichen und potenzialorientierten Unterrichtskonzepten: Den Hauptvortrag gestaltete der Lehrer und Schulentwickler Jan Vedder zum Thema „Schule im Wandel – Lernorte mit Zukunft gestalten“. Seitens des LiF wurden fachübergreifende Vertiefungsangebote zur inklusiven Potenzialförderung, Potenzialdiagnostik und zum Zukunftslernen angeboten. Von Seiten des Forschungsverbunds präsentierten Wissenschaftler:innen Konzepte zur begabungsförderlichen Unterrichtsentwicklung. Abgerundet wurde das Programm mit fachspezifischen Workshops zur potenzial- und begabungsorientierten Gestaltung des Unterrichts in den LemaS-Inhaltsclustern Sprache, Mathematik, Biologie, Sachunterricht und „diFF“ (Diagnosebasiertes individuelles Fordern und Fördern). Die LemaS-Jahrestagung an der Universität Münster stellte den Auftakt der LemaS-Jahrestagungen der fünf Regionalzentren auf Bundesebene dar.
| Aus der AG Internationale und vergleichende Erziehungswissenschaft
Die Abschlusskonferenz des Europäischen Forschungsprojekts Constructing Learning Outcomes in Europe: A multi-level analysis of (under)achievement in the life course (CLEAR) hat am 16. September 2025 in der Fundação Cidade de Lisboa in Lissabon, Portugal, stattgefunden. Das Forschungsprojekt CLEAR, dotiert mit über 3 Millionen Euro, wird von Professor Marcelo Parreira do Amaral (Arbeitsgruppe Internationale und Vergleichende Erziehungswissenschaft) koordiniert. Die Abschlusskonferenz war ein Höhepunkt der dreijährigen Forschungsarbeit, die im Oktober 2022 in Münster begonnen hat und im September dieses Jahrs endet. Unter dem Titel From Learning to Living: Co-Creating Education Quality Across European Regions bot die Projektveranstaltung allen Teilnehmenden einen geeigneten Rahmen, um gemeinsam mit renommierten Policy- und Forschungsexpertinnen und -experten über die Konstruktion von Lernergebnissen und deren Wirkung auf Bildungsleistungen im europäischen Vergleich zu diskutieren.
Das von Inga Selent, Cynthia Kohring, Özlem Özdemir-Simsek, Josefine Franke, Karin Böllert und Wolfgang Schröer herausgegebene Open-Access-Buch mit dem Titel „Religion – Kinder-und Jugendhilfe – Vielfalt. Auf dem Weg zu einer religionssensiblen Fachlichkeit“ rückt die Bedeutung von Religion(en) für die Praxis und die Theorie der Kinder- und Jugendhilfe in den Mittelpunkt und fragt danach, was eine religionssensible Fachlichkeit in der Sozialen Arbeit sein kann. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Positionen der jungen Menschen selbst gelegt. Zudem werden die empirischen Ergebnisse des Forschungsprojekts VielfaltNRW dargestellt und das Verhältnis von Religion und Sozialer Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert.
Die Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) hat Raphael Fehrmann (AG Grundschulpädagogik) den Dissertationspreis 2025 verliehen. Ausgezeichnet wurde seine Dissertation mit dem Titel „Professionelle digitale Kompetenz bei Lehramtsstudierenden fördern! Wie kann Computational Thinking durch den Einsatz von Bildungsrobotik in der Hochschullehre vermittelt werden?“. Der Preis, der herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Medienpädagogik würdigt, ist mit 500 Euro dotiert und wurde im Rahmen der Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik am 19. September 2025 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg verliehen. Raphael Fehrmanns Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung professioneller digitaler Kompetenz bei Lehramtsstudierenden und Lehrkräften: In seiner Dissertation untersucht er, wie Bildungsrobotik als innovative Methode genutzt werden kann, um Computational Thinking bei Lehramtsstudierenden zu stärken. Die Laudatoren Prof. Dr. Johannes Fromme und Prof. Dr. Dieter Spanhel kommen in ihrer Laudatio zu dem Schluss: „Die Dissertation besticht durch ihre Geschlossenheit im Zusammenhang von breiter theoretischer Fundierung, elaborierter empirischer Hypothesenprüfung und einem exzellenten Praxiskonzept für die Ausbildung (wie auch Fortbildung) von Lehrkräften.“ | Laudatio abrufen
Mit der Disputation hat Katrin Peltzer (Arbeitsgruppe Mehrsprachigkeit und Bildung) ihr Promotionsverfahren am 5. September 2025 erfolgreich mit dem Prädikat summa cum laude abgeschlossen. In ihrer Dissertation mit dem Titel „Promoting argumentative writing in adolescent EFL students: A randomized controlled intervention study on the effects of formative feedback“ zeigt sie eindrucksvoll, wie formatives Feedback das argumentative Schreiben von Jugendlichen im Englischunterricht stärkt. Die Studie überzeugt nicht nur durch ihre Ergebnisse, sondern auch durch ihr methodisch anspruchsvolles Design: In einem groß angelegten randomisierten Kontrollgruppenexperiment mit etwa 300 Neuntklässler:innen wurden Pre-, Post- und Follow-up-Daten erhoben und zusätzlich die während der Intervention entstandenen Schreibprodukte und Prozessdaten detailliert analysiert. Auf diese Weise konnte Frau Peltzer differenziert nachweisen, dass insbesondere die Kombination aus Kriterienrastern und Modelltexten Schüler:innen nachhaltig unterstützt – gerade jene, die beim Schreiben oft Schwierigkeiten haben. Diese Form des Feedbacks half ihnen, komplexe Strukturen wie das Entkräften von Gegenargumenten zu entwickeln. Besonders bemerkenswert ist, dass die Fortschritte nicht nur im Englischen sichtbar wurden, sondern sich auch auf das Schreiben im Deutschen übertrugen – und dass die Effekte langfristig anhielten. Damit leistet die Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Unterrichtspraxis: Sie zeigt, dass auch in großen, heterogenen Klassen ressourcenschonendes Feedback möglich ist, das Lernenden zentrale Kompetenzen vermittelt. Dass die Ergebnisse bereits in renommierten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, unterstreicht die wissenschaftliche Relevanz ihrer Dissertation. Die Arbeit wurde von Prof. Dr. Vera Busse und Prof. Steve Graham (Arizona State University) betreut. Als externe Gutachter wirkten Prof. Dr. Gustaf Skar (NTNU Trondheim, Norwegen) sowie Prof. Dr. Hilde Van Keer (Universität Gent, Belgien). Das Projekt wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.