Neandria - Eine Stadt aus Granit

 

Auf einer ca. 500 m hohen Granitkuppe gelegen überragt die antike Stadt Neandria ihr Umfeld. Von hier lassen sich große Teile der Troas, Stadt und Umland des einst mächtigen Troia, das Skamandertal, die Gebirge des Ida mit seinen Ausläufern im Süden unweit von Assos sowie die Küstenregion bis hin zur Einfahrt in die Dardanellen überblicken. Dies war einst der Sitz des Kyknos und hier entwickelte sich bis zur Umsiedlung ein ummauertes Stadtareal von ca. 40 ha. Die Stadt wurde von Äolern gegründet und am Endes des 4. Jhs. v. Chr. anlässlich eines Zusammenschlusses mehrere Städte (Synoikismos) im neu gegründeten Antigoneia, der späteren Metropole Alexandria Troas, aufgegeben. Diese klar umrissenen Daten machten die Erforschung der Stadt lohnenswert, denn das von Granit geprägte Stadtbild war nach Aussagen der Forscher noch immer gut zu erkennen.   

Neandria Ohne Titel-6 Kopie 
Luftaufnahme von Neandria Die jüngere Stadtmauer
 
Hundert Jahre nach dem Forschungsaufenthalt von Robert Koldewey erfolgte 1989 der erste Survey der Forschungsstelle Asia Minor in Neandria. Ziel war es, die gesamte obertägig anstehende Bausubstanz innerhalb der Mauern und in unmittelbarer Nähe dieser aufzunehmen. Mehrere Entwicklungsphasen der Stadtbebauung konnten sichtbar gemacht werden: Scheinbar unregelmäßig angeordnete Häuser befanden sich an der westlichen Anhöhe. Diese wurden von einer Polygonalmauer umschlossen. Außerhalb lag der äolische "Apollontempel". Eine spätere Erweiterung der Stadt, wohl zur Zeit des Königsfriedens, ermöglichte die Ansiedlung östlich des Tempels. Hier entstanden, in Abhängigkeit vom Baumaterial, großräumig aufgereihte Wohnbauten. Eine Entwicklung lässt sich auch beim Bau der Stadtmauer erkennen. Die Befestigung der Tore steigerte sich im Verlauf der ca. 3 m breiten Mauer. Lediglich im Westen, dort wo archaische und klassische Mauer aneinander stoßen sollten, wurde der Anschluss nicht vollzogen. Der Grund dafür waren die im Stadtvorfeld liegenden Steinbrüche, welche in das Befestigungssystem der Stadt integriert wurden. In dem Areal oberhalb der Steinbrüche erfolgte wohl eine der letzten Besiedlungen der Stadt auf dem Cigri Dag.
 Neandriabild
Neandria von Alexandria Troas aus gesehen


Gegen Ende des 4. Jhs. v. Chr. war nur etwa die Hälfte des 40 ha messenden Areals besiedelt. Innerhalb der Mauern gab es 230 Häuser. Die Grundrisse schwanken dabei von 150-200 qm für die kleineren und deutlich über 300 qm für die größeren, zeitlich späteren Wohnhäuser. Gegen Ende des 4. Jhs. v. Chr. mussten sich etwa 2500 Personen auf den Weg in die neu gegründete Stadt Antigoneia am Meer rüsten.

Im Zuge der Untersuchungen sind zahlreiche Zeichnungen und Pläne des Stadtgebietes und einzelner Häuser angefertigt worden, die leider bisher nur zum Teil publiziert werden konnten. Das gesamte Material lagert in den Archiven der Forschunbgsstelle.

Literatur

Fathman-Rey, G., Versuch einer Rekonstruktion eines Wohnhauses von Neandria, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 22 (1996) 15-42.
Filges, A. - Posselt, E., Hellenistische Keramik, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 139-156.
Filges, A. - Matern, P., Eine Opfergrube der Demeter in Neandria, in: in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 22 (1996) 43-86.
Franken, N., Zu zwei neuen Inschriften aus Neandria, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 22 (1996) 87- 89.
Koldewey, R., Neandria, 51. BWPr. (1891).
Maischatz, Th., Untersuchungen zu einer Stadterweiterungsphase im 4. Jh. v. Chr., in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) (1994) 49-64.
Maischatz, Th., Neandreia – Untersuchungen zu Bebauung und Stadtentwicklung, Asia Minor Studien Bd. 40 (2003).
Meinert, G., Wasserbautechnische Anlagen, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 101-115.
Pohl, D., Münzen und andere Metallfunden (mit einem Anhang über Streufunde aus Alexandria Troas), in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 157-174.
Rasmussen, K., Kleinere Architekturfragmente, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 133-138.
Schulz, A., Zur jüngeren Stadtmauer, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 65-89.
Schulz, A., Die Stadtmauern von Neandreia in der Troas, Asia Minor Studien 38 (2000)
Schwertheim, E., Geschichte und Forschungsstand, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 21-37.
Schwertheim, E., Die Inschriften, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 39-47.
Trunk, Markus, Das Theater von Neandria? Vorbericht zu einer Stufenanlage im Stadtzentrum, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 91-100.
Trunk, M., Sondagen am Stufenkomplex von Neandria, in: in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 22 (1996) 149-156.
Wiegartz, H., Äolische Kapitelle. Neufund 1992 und ihr Verhältnis zu bekannten Stücken, in: Schwertheim, E. - Wiegartz, H. (Hrsg.), Neue Forschungen zu Neandria und Alexandria Troas, Asia Minor Studien 11 (1994) 117-132.


Impressum | © 2010 Forschungsstelle Asia Minor
Forschungsstelle Asia Minor
Georgskommende 25
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83-24901 · Fax: +49 251 83-24902
E-Mail: AsiaMinor@uni-muenster.de