PROJEKTE

Poetik der Modelle. Ein partizipativer Ansatz zur Energiewende

Ein Reinhart-Koselleck-Kooperationsprojekt der Universität Münster und des Karlsruher Instituts für Technologie

© KIT

Das Projekt

Die Energiewende ist nicht nur das zentrale soziotechnoökonomische Projekt der Gegenwart, sie ist auch deren größte Erzählung. Das Narrativ der Energiewende entwirft und deutet Energiezukünfte auf der Datenbasis seiner Gegenwart; es ist daher vor allem mit Modellen dieser Energiezukünfte befasst. Als Teile eines Narrativs der bestmöglichen Zukunft, das auf Akzeptanz und Partizipation gerichtet ist, sind diese technischen Modelle nicht nur soziologisch von Bedeutung, sondern werden als Objekte und Akteure der ästhetischen Modellbildung auch an der Schnittstelle von informatisch-technischer und kommunikativer Modellierung aktiv. Das technische Modell wird zum Erzählmodell, ‚Modellpoetik‘ adressiert den energiepolitischen Grundlagenfall.

Modellästhetik – so die Ausgangsthese  – ist der blinde Fleck der Modelltheorie. Das überrascht schon deshalb, weil die im Reallabor beständig durchgeführte Übersetzung der Modellsprachen und ihrer Bildprogramme ein ästhetisches Verfahren ist, das eigene Voraussetzungen mitführt und eigene Regeln befolgt. Modelldarstellung (Repräsentation), Modellerzählung (Narration) und modellierte Welt (Modalität) erweisen sich dabei als Grundkategorien der Modellästhetik, die man von der technologischen und wissenstheoretischen Beobachtung des Modellierungsvorgangs unterscheiden kann. Die informatisch-technischen Kategorien werden dabei oft an Maßstäben und Regeln orientiert, die als ästhetische Modellannahmen nicht selbst Teil der wissenschaftlich-technischen Modellbildung geworden sind. Der unscharfe Konfliktbereich von Handeln, Darstellen und Werten, der dort abgeblendet wird, ist das erklärte Forschungsfeld des Koselleck-Projekts.

Modellästhetik informiert und optimiert die Kommunikation der Fachdiskurse, aber auch der Technikfolgenabschätzung im Sinne einer Wissensethik und erweitert somit auch die wissenssoziologische Bestimmung der ‚Kulturtechnik Modell‘. Versteht man den Diskurs der Energiewende auf diese Weise als gesamtgesellschaftliches Selbstverständigungs- und Wertungsnarrativ, dann wäre dem Modellkomplex aus technoinformatischem und technosozialem Design noch eine dritte Säule einzufügen: das technopoetische Modelldesign (s. Abb.).

Perzepte und Konzepte brauchen immer eine Außenseite, eine Form der Darstellung, da-mit man sich auf sie beziehen kann. Modelle als Akteure produzieren ihren Gegenstand mit Hilfe einer solchen anwendungsbezogenen Ästhetik, die als Technopoiesis aus Materialien, Medien, Regeln und Verfahren die ästhetische Verwirklichung der technischen Modellannahmen betreibt. Hier kommt die für das Forschungsvorhaben zentrale Grundkategorie Modellpoetik ins Spiel. Ist die Modellästhetik mit der Analyse der modellbasierten Repräsentation und ihrer Wirkungen befasst, so hat es die Modellpoetik mit der Herstellung, Gestaltung und Vermittlung dieser Repräsentationen zu tun. Modellpoetik unternimmt die Analyse der noch kaum erforschten Repräsentationsdynamik sowohl innerhalb des Energiesystemdesigns als auch in der Vermittlung seiner Modellierungspraktiken,  -probleme und  -ergebnisse an einen weiten Kreis von Stakeholdern und an die allgemeine Öffentlichkeit. Für den Erfolg der Energiewende wird das Verständnis des modellästhetischen Designs und seiner Darstellungsverfahren somit zum Grundlagenfall.

 

© ZfM

Ein idealer Ort für diesen Austausch ist die Kommunikationsgemeinschaft des Reallabors. Reallabore schaffen Welten: in Modellarchitekturen simulieren sie Modelle einer raumzeitlichen Zukunft, deren Ausgestaltung dringlich und nur in Modellen möglich ist. Die ‚richtige‘ Modellästhetik ist ihr größtes Risiko; die Metamodellierung, die das vorgeschlagene Projekt befördert, ist ästhetisches risk management. Dieses schafft erst die Voraussetzung für den Erfolg des partizipativen Modellierens, das zur Einsicht in modellästhetische Entscheidungen befähigt. Es stiftet Modellkompetenz.

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© KIT
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Personen

  • Prof. Dr. Veit Hagenmeyer, Energieinformatik, KIT Karlsruhe (Antragsteller)
  • Prof. Dr. Klaus Stierstorfer, Anglistik, Universität Münster (Antragsteller)
  • Prof. Dr. Robert Matthias Erdbeer, Germanistik, Universität Münster (Forschungskoordination)
  • Prof. Dr. Armin Grunwald, Technikfolgenabschätzung, KIT Karlsruhe / ITAS
  • Prof. Dr. Daniel J. Lang, Reallaborforschung, KIT Karlsruhe / ITAS
  • Dr. Paulina Dobroć, Technikfolgenabschätzung, KIT Karlsruhe / ITAS
  • Prof. Tobias Becker, Gestaltung und Gestaltungstheorie / Bildende Kunst, Universität Siegen (ass. Partner)

Energy Futures on Campus in the Middle East: Teaching. Modelling. Realisation.

A DeveloPPP 'Partners in Transformation' Project

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This project is a research collaboration of the University of Münster, the Imam Ja’afar al-Sadiq University of Baghdad, Iraq, and the Applied Science Private University of Amman, Jordan. It addresses the urgent need for a sustainable, resilient energy future in Jordan and Iraq. While Jordan requires support to scale up its renewable infrastructure and research capacity, Iraq needs foundational investment in infrastructure, planning, and capacity building. The asymmetry between the two countries is not just a challenge—it is a call to action. By fostering collaboration between advanced and emerging energy systems, the project aims to catalyse transformative change where it is most needed and most overdue.

The core initiative for the project originates within a long collaboration between KIT and the University of Münster exploring innovative approaches to modelling in general and energy transition in particular. The uniqueness of the approach here is the integration of modelling aesthetics and communicative aspects within models, which are themselves seen as processes rather than static constructs. This project line has been funded by the Volkswagen Foundation (2019-2023) and, currently, by the DFG (2025-2030; https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/550232575). With the develoPPP project, modelling expertise gained for Germany can now be tested, adjusted and applied in very different contexts (Iraq and Jordan), which are promising locations precisely because of their differences to the German situation and the perceived context-contingency of models.

Personen

  • Prof. Dr. Klaus Stierstorfer, Universität Münster
  • Prof. Mohammad Ahmad Hamdan, ASU, Amman
  • Ass. Prof. Dr. Azeez Jasim, IJSU, Baghdad