An der inhaltlichen Ausgestaltung der sonderpädagogischen Fachrichtungen im Lehramt für sonderpädagogische Förderung an der Universität Münster sind verschiedene Arbeitsgruppen mit mehreren Hochschullehrenden und akademischen Mitarbeiter*innen aus dem Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) und demInstitut für Psychologie in Bildung und Erziehung (IPBE) beteiligt. Aufgrund der vielfältigen Expertisen im Themenfeld der sonderpädagogischen Fachrichtungen, sowohl in der Forschung als auch im Lehrbetrieb, können wir ein fundiertes und breit gefächertes Curriculum bereitstellen – und so zu einer professionellen Lehramtsausbildung in der sonderpädagogischen Förderung beitragen.
Auf den Seiten der folgenden Arbeitsgruppen finden Sie nähere Informationen zu den jeweiligen Arbeits- und Forschungsschwerpunkten sowie aktuellen Entwicklungen.
Arbeitsgruppe Didaktik und Schulforschung in der inklusiven Bildung (IfE)
Die Arbeitsgruppe Didaktik und Schulforschung in der inklusiven Bildung wurde im Wintersemester 2024/2025 eingerichtet. In unserer Forschung beschäftigen wir uns mit Bildungsprozessen im Kontext von Benachteiligung, mit inklusiver Didaktik und der Qualifizierung von (angehenden) Lehrkräften für inklusiven Unterricht. Es geht insgesamt darum, Bildungs- und Teilhabebarrieren zu analysieren und Wege zu finden, diese abzubauen. Wir verfolgen dabei den Ansatz, Kontexte von Bildung in den Blick zu nehmen (also etwa die didaktische Gestaltung des Unterrichts, aber auch Kontexte im Lebenslauf insgesamt).
Im Kontext von Unterricht interessieren uns vor allem die fachspezifischen und fächerübergreifenden Herausforderungen inklusiver Bildung – und damit zusammenhängend die Frage, welche Vorteile etwa Projektunterricht gegenüber Fächerorientierung hat, wie Kooperationsprozesse im Fachunterricht aussehen (oder aussehen sollten) oder welche unterrichtlichen Angebote Schüler*innen gemacht werden. Bislang haben wir dies v.a. für die Primarstufe untersucht. Die mathematische Bildung ist uns dabei ein besonderes Anliegen.
Methodisch und methodologisch sind wir in der qualitativen Forschung beheimatet. Wir nutzen insbesondere (narrative) Interviews und ethnografische Zugänge, die im Sinne der Grounded-Theory-Methodologie oder der objektiven Hermeneutik bearbeitet werden.
In der Lehre sind wir insbesondere im Lehramt sonderpädagogische Förderung tätig, hier im Modul Inklusive Schul- und Unterrichtsentwicklung (ISU), aber auch in allen anderen Lehramtsstudiengängen sowie im Fachstudiengang Erziehungswissenschaft. Wir betreuen Bachelor- und Masterarbeiten zu verschiedenen Themen im Kontext inklusiver Bildung.
Arbeitsgruppe Diagnostik und individuelle Förderung in der inklusiven Schule (IPBE)
Forschung und Lehre der Arbeitseinheit „Diagnostik und individuelle Förderung in der inklusiven Schule" widmen sich der Entwicklung und Diagnostik von Selbstregulation und exekutiven Funktionen vom Vorschul- bis ins Erwachsenenalter. Im Mittelpunkt stehen die Frage, welche Aspekte der Selbstregulation schulische Entwicklung und psychische Gesundheit vorhersagen, sowie die Entwicklung und Validierung psychometrischer Instrumente zur Erfassung von Selbstregulation und ADHS. Darüber hinaus werden Möglichkeiten der individuellen Förderung von Kindern mit Risikofaktoren untersucht. Themenübergreifend werden dabei ein ressourcenfokussierter Blick eingenommen sowie Geschlechtsunterschiede und Zusammenhänge mit dem Temperament berücksichtigt.
Arbeitsgruppe Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik (IfE)
Die AG Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Grundlagen der inklusiven Bildung und Sonderpädagogik verbindet eine Breite konkreter empirischer Fragestellungen mit grundlegenden erziehungswissenschaftlichen Perspektiven im Zusammenhang von Inklusion und Exklusion im Bildungssystem. Ausgehend von einem breiten, transformatorischen Verständnis von Inklusion legen wir in Forschung und Lehre den Fokus insbesondere auf ein Verständnis behindernder Situationen und damit verbundene Exklusionsprozesse und fragen zum Beispiel danach, wie die Kategorie des sonderpädagogischen Förderbedarfs zugewiesen wird, welche Rolle unterschiedliche (Para)Professionelle in inklusiven Settings haben oder wie Schulen und Familien zusammenarbeiten.
Arbeitsgruppe Emotionale und soziale Entwicklung in der inklusiven Schule (IPBE)
In der Arbeitseinheit „Emotionale und soziale Entwicklung in der inklusiven Schule“ werden in Forschung und Lehre die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen im Kindes- und Jugendalter fokussiert und dabei individuelle Förderbedarfe von Schüler*innen in den Blick genommen. Entwicklungspsychologische und pädagogisch-psychologische Perspektiven auf die Rolle verschiedener Risiko- und Schutzfaktoren werden ebenso beleuchtet wie die Möglichkeiten der Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen. Im Kontext der Professionalisierung von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften ist zudem die Förderung der Emotionssozialisation von Bezugspersonen (z.B. durch Emotionscoaching) Gegenstand von Forschung und Lehre.
Die Arbeitsgruppe Sonderpädagogik des Lernens forscht und lehrt über Lern- und Verhaltensprobleme von Kindern und Jugendlichen in schulischen und außerschulischen Feldern.
Sie verfolgt das Ziel, die Lern- und Entwicklungsbedingungen von Kindern- und Jugendlichen besser zu verstehen, damit pädagogische Interventionen und Unterstützungsangebote wirksamer eingesetzt werden können. Im Fokus steht dabei die Erforschung einer auf die Bedingungen von Wachstum und Entwicklung ausgerichteten Diagnostik, die in den pädagogischen Handlungsvollzug integriert ist. Dazu werden in der Arbeitsgruppe neue diagnostische Zugänge entwickelt, sowie psychometrische Modelle zu deren Güte aufgestellt.
Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die Erforschung der Klasse als sozialer Interaktionsraum und dessen Einfluss auf die psychische Gesundheit sowie soziale Ausgrenzung von Schulkindern. Dabei geht es um Fragen der Gestaltung von Peer/ Peer Interaktionen, der Beziehung der Lehrkraft zu den Schulkindern sowie die Frage danach, wie ein auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtetes Lehrkraftverhalten gestaltet werden kann.
Der Arbeitsbereich „Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik: Inklusive Bildung“ fokussiert in Forschung und Lehre Fragen schulischer und unterrichtlicher Inklusionsprozesse. Dabei wird ein breites Inklusionsverständnis zugrunde gelegt, aus dem heraus Fragestellungen sowohl mit Bezug zum sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf als auch zu weiteren Heterogenitätsdimensionen sowie deren Intersektionalität betrachtet werden.
In der Lehre sowie den verschiedenen Forschungsprojekten der Arbeitsgruppe werden insbesondere Fragestellungen der inklusiven Schul- und Unterrichtsentwicklung, des inklusiven Schulklimas, der Professionalität (angehender) pädagogischer Fachkräfte, der multiprofessionellen Kooperation sowie der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen betrachtet.
Diagnostik und Evaluation im schulischen Kontext (IPBE)
Forschung und Lehre der Arbeitseinheit „Diagnostik und Evaluation im schulischen Kontext“ umfassen ein umfangreiches Spektrum psychologisch-pädagogischer und psychologisch-diagnostischer Themenfelder. Hierzu gehören beispielsweise Forschungsvorhaben und Veranstaltungen zu pädagogisch-psychologischen Erkenntnissen zu wirksamem Unterricht, zur Diagnose und Förderung der Lesekompetenz, zur Förderung bei Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten sowie zur Leistungsmessung und Leistungsrückmeldung in der Schule.