Beteiligung am Exzellenzcluster
- Mitglied der Graduiertenschule
- Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Wissenschaftskommunikation
Mein Dissertationsvorhaben widmet sich einer Terrakottawerkstatt aus der römischen Kaiserzeit (2.–3. Jh. n. Chr.) in Gerasa, dem heutigen Jerash in Jordanien. In der Zeit ab dem 2. Jh. n. Chr. erlebte Gerasa eine Phase intensiver wirtschaftlicher und kultureller Blüte, die sich in ihrem städtischen Ausbau sowie in ihrer reichen materiellen Kultur widerspiegelt. Die Werkstatt, bekannt als Cave Workshop, ist die bisher einzige archäologisch nachgewiesene Terrakottawerkstatt in Transjordanien. Seit der Entdeckung und Ausgrabung im Jahr 1933 und Erstpublikation in 1944 gilt sie als Referenzfund für die koroplastische Produktion der Region, wurde jedoch bislang weder vollständig untersucht noch systematisch publiziert.
Erste Untersuchungen der figürlichen Terrakotten des Cave Workshops im Rahmen meiner Masterarbeit 2025 haben gezeigt, dass es sich bei dem Fundkonvolut um eine heterogene Gruppe handelt, die eine große Bandbreite an ikonographischen Typen und stilistischen Parallelen aufweist. Es umfasst klassische griechische, römische und lokal geprägte Motive, die auf eine komplexe Interaktion von Bildtraditionen hinweisen.
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Gesamtmaterial des Cave Workshops – bestehend aus figürlichen Terrakotten, Lampen, Masken und Appliken – unter ikonographischen und produktionstechnischen Aspekten zu analysieren. Zur Erfassung der Herstellungsabläufe des Cave Workshops wird das Konzept der chaîne opératoire herangezogen. Damit können anhand der materiellen Eigenschaften und Bearbeitungsspuren an den Terrakotten und Lampen die Produktionsabläufe der Werkstatt rekonstruiert werden. Darüber hinaus werden Fragen nach kulturellen Austauschprozessen und wirtschaftlichen Zusammenhängen untersucht, indem die Produkte der Werkstatt mit Funden aus anderen Werkstätten des ostmediterranen Raumes verglichen werden. Schließlich wird die Funktion und Nutzung der Terrakotten und Lampen durch ihre Einbindung in den urbanen und sozialen Kontext der Stadt Gerasa analysiert.
Anhand dieser Fragen wird untersucht, in welchem Maß der lokale Produktionsort Teil einer überregionalen koiné war, in dem sich wirtschaftliche Beziehungen, Wissensvermittlung und Bildrepertoire des ostmediterranen Raumes überschneiden.