Beteiligung am Exzellenzcluster
- Mitglied der Graduiertenschule
- Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Wissenschaftskommunikation

Die auf den Papyri Paennestitauy (P. London BM EA 10064) und Gatseshen (P. Kairo JE 95838) basierende Totenbuchtradition stellt eine der umfangreichsten Traditionslinien der altägyptischen Dritten Zwischenzeit dar. Eine der Spruchsequenzen, für die diese beiden Papyri als Vorlage dienten, findet sich auf insgesamt sechs Papyri der zweiten Hälfte der 21. und der beginnenden 22. Dynastie. Es handelt sich um die Sequenz: 65 – 92 – 68 – 69 – 70 – 101. Eine Besonderheit in dieser Gruppe stellt der Papyrus der Nes-Mut (P. Hamm 2236) dar. Im Gegensatz zu den anderen fünf Papyri handelt es sich bei ihm um ein sogenanntes Miniatur-Totenbuch, denn er ist insgesamt nur 103 cm lang und besteht ausschließlich aus der hier besprochenen Sequenz. Außerdem weist der Papyrus Nes-Mut markante Abweichungen zu seinen Parallelen auf, etwa das Fehlen von Spruch 69 und auffällige Kürzungen der übrigen Sprüche. Mein Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie der Papyrus der Nes-Mut sich in die Tradition P. Gatseshen/P. Paennestitauy einordnet, da er zwar eindeutig Teil davon zu sein scheint, jedoch gleichzeitig über deutliche Abweichungen verfügt. Handelt es sich bei Papyrus Nes-Mut möglicherweise um den Versuch, eine zu dieser Zeit offenbar beliebte und daher viel belegte Spruchsequenz zu einem Miniatur-Totenbuch zu kürzen? Welche Ideen und Konzepte scheinen besondere Relevanz bei der Kürzung der Sprüche gehabt zu haben? Zur Beantwortung dieser Frage ist eine umfassende Bearbeitung des Papyrus Hamm 2236 im Kontext seiner Parallelen und Vorlagen notwendig. Die Untersuchung des Papyrus der Nes-Mut als Miniatur-Version einer beliebten Spruchsequenz trägt dabei nicht nur zu einem besseren Verständnis der Entwicklung dieser konkreten Spruchsequenz, sondern auch einem Teil der religiösen Vorstellungen der beginnenden Dritten Zwischenzeit bei.