EXC 2060 C3-11 - Kritik der religiösen Lebensform

Projektzeitraum
Projektstatus
laufend
Mittelgeber
DFG - Exzellenzcluster
Förderkennzeichen
EXC 2060/1
  • Beschreibung

    Im wissenschaftlichen Diskurs der Philosophie hat sich mit Bezug auf die ubiquitären Konflikt- und Umbruchsituationen in pluralistisch verfassten Gesellschaften die Einstellung weitestgehend durchgesetzt, dass Fragen der richtigen Lebensweise prinzipiell nicht entscheidbar sind und in den Bereich privater Präferenzen gehören. Es ist mittlerweile ein wesentliches Merkmal moderner Auffassungen von Ethik, dass es keine objektiven Maßstäbe zur Bewertung von individueller Lebensgestaltung geben könne, und dass die Aufstellung solcher Maßstäbe ein Schritt zur Sittendiktatur sei. Der faktisch existierenden Vielfalt von Lebensformen wird daher ganz bewusst mit einer pragmatisch-agnostischen Zurückhaltung begegnet. Mit Blick auf kulturelle Selbstverständigungsprozesse untergräbt die Philosophie durch diese evaluative Enthaltsamkeit allerdings einen Teil ihrer eigenen Relevanz, da im öffentlichen Diskurs gesellschaftliche Konflikte häufig durchaus als Konfrontationen zwischen verschiedenen Lebensformen aufgefasst werden. Nicht selten werden solche Konflikte als Kollisionen zwischen religiösen und nicht-religiösen Lebensformen gedeutet. 
    Wesentliches Ziel des Projektes ist es, durch einen eigenständigen Ansatz der Kritik religiöser Lebensformen zum Verständnis solcher Konflikte beizutragen. Ein zentraler systematischer Anknüpfungspunkt des Projekts ist die gegenwärtige Debatte um den Begriff der Lebensform selbst. Es soll im Rahmen eines eigenen Lösungsvorschlags zum Problem der Individuierung und Evaluation von Lebensformen der Versuch unternommen werden, religiöse Lebensformen an Rationalitätsstandards zu messen. Ob und inwiefern die Maßstäbe der Kritik von Lebensformen interner oder externer Natur sein müssen, ist eine der zentralen Leitfragen des Projekts.
  • Personen