EXC 2060 B3-37 Religiöse Organisationen in der Wohlfahrtspolitik vor dem Hintergrund von Einwanderung und religiöser Pluralisierung in Westeuropa

Projektzeitraum
-
Projektstatus
Laufend
Mittelgeber
DFG - Exzellenzcluster
Förderkennzeichen
EXC 2060/1

  • Beschreibung

    Christliche Organisationen waren und sind in vielen europäischen Ländern zentrale wohlfahrtsstaatliche Akteure. Doch angesichts des gesellschaftlichen Wandels der vergangenen Jahre – in Form von Migration, religiöser Pluralisierung und der Ökonomisierung der westlichen Wohlfahrtsstaaten – stellt sich die Frage, inwiefern sich die sozialpolitische Rolle religiöser Akteure gewandelt hat. So sind beispielsweise in Deutschland die beiden großen Kirche mit stetig sinkenden Mitgliederzahlen konfrontiert, während die Nachfrage nach den sozialen Diensten von Caritas und Diakonie ungebrochen hoch bleibt. Gleichzeitig werden auch islamische Organisationen sowie profitorientierte Anbieter in der Wohlfahrt aktiv.

    Ziel des Projektes ist es, mittels einer komparativen Analyse zu erforschen, inwiefern sich die Rolle religiöser Organisationen in der Wohlfahrtspolitik der Staaten Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Österreich verändert hat – insbesondere im Kontext der Einwanderungsprozesse der vergangenen Jahre. Durch das vergleichende Forschungsdesign sollen vor dem Hintergrund divergierender institutioneller Rahmenbedingungen, wie den unterschiedlichen Staats-Kirchen-Modellen und den wohlfahrtsstaatlichen Arrangements, Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich der sozialpolitischen Rolle und des Selbstverständnisses religiöser Akteure erforscht werden. Wie unterscheidet sich beispielsweise die sozialpolitische Rolle religiöser Akteure in eher laizistischen Systemen (Frankreich) von der in einem Land mit einer Staatskirche (Dänemark)? Und welchen Einfluss haben liberale Wohlfahrtsstaaten (Großbritannien) im Vergleich zu kontinentaleuropäischen Wohlfahrtsstaaten (Deutschland, Österreich) auf die Position religiöser Organisationen in der Wohlfahrt?

  • Personen

    PROF. DR. MATTHIAS KORTMANN
    Fakultätsprofessur „Religion und Politik“
    Humanwissenschaften und Theologie
    Technische Universität Dortmund
    Emil-Figge-Straße 50
    44227 Dortmund
    Tel: +49 231 775-5209
    matthias.kortmann@tu-dortmund.de

    MAXIMILIAN SELENT, M.A.
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter
    Martin-Schmeißer-Weg 3a
    44227 Dortmund
    maximilian.selent@tu-dortmund.de

  • Promotionen

    MAXIMILIAN SELENT, M.A.

    Promotion

    Religiöse Organisationen als politische Akteure während der Asylkrise in Deutschland, Frankreich und Großbritannien (Arbeitstitel)

    Betreuer

    Seit den 1980er Jahren gewinnen religiöse Organisationen in der Wohlfahrtspolitik (West-)Europas zunehmend an Bedeutung. Doch treten einige dieser religiösen Wohlfahrtsorganisationen nicht nur als Anbieter sozialer Dienste auf, sondern auch als politische Akteure - mit dem Anspruch, die Interessen sozial benachteiligter Menschen zu vertreten. In Deutschland wurde dies zuletzt wieder während der sogenannten Asylkrise deutlich, in der sowohl Caritas als auch Diakonie teils deutliche Kritik an Asylrechtsverschärfungen der Bundesregierung übten.

    Ziel dieses Dissertationsvorhabens ist es, die sozial- und asylpolitische Rolle religiöser Organisationen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien während der Asylkrise in den Jahren 2015 und 2016 zu analysieren. Mittels qualitativer Inhaltsanalysen und Interviews sollen die Positionierungen einzelner religiöser Organisationen in der Asylkrise erfasst und miteinander verglichen werden. Dieses Vorgehen ermöglicht, (länderspezifische) Unterschiede zwischen, aber auch innerhalb der Religionen zu identifizieren: Beziehen sich beispielsweise Caritas und secours catholique in ihrer Kritik der europäischen Asylpolitik gleichermaßen auf christliche Werte? Und inwiefern unterscheiden sich die Positionierungen christlicher Organisationen von denen mit islamischem Hintergrund?

    In einem darauffolgenden Schritt wird außerdem die Frage behandelt, inwiefern nationale und institutionelle Kontextfaktoren – zum Beispiel die unterschiedlichen Verhältnisse zwischen Staat und Religion oder die wohlfahrtsstaatlichen Traditionen – Einfluss auf die politische Aktivität der untersuchten Organisationen haben.