EXC 2060 A3-4 - Diskurse der Reinigung im spanischen Mittelalter: Rahmenbedingungen, Konjunkturen und Wahrnehmungen im Widerstreit

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Projekthomepage
Projektzeitraum
-
Projektstatus
Laufend
Mittelgeber
DFG - Exzellenzcluster
Förderkennzeichen
EXC 2060/1
Mittelart
Teilprojekt in DFG-Verbund koordiniert an WWU
  • Beschreibung

    Auf Entflechtung ausgerichtete Diskurse entstanden in als krisenhaft wahrgenommenen historischen Situationen, die aus Sicht bestimmter Akteure die „Rückkehr" zu einem als rein und unverfälscht apostrophierten „Urzustand" nahezulegen schienen. Im Zuge der Diskussionen um die convivencia der drei monotheistischen Religionen wurde seit dem 19. Jahrhundert erörtert, ob das moderne Spanien als Resultat einer Geschichte von Verflechtungsprozessen aufzufassen war oder ob es seine gotische und katholische Reinheit gegen alles Fremde verteidigt hatte; umstritten war vor allem, ob Juden und Muslime überhaupt Spanier gewesen waren. Den Auseinandersetzungen lag letztlich die Frage zugrunde, ab wann oder wodurch „fremde" Eroberer zu etwas eigenem wurden, zum Bestandteil der religiös, ethnisch oder national aufgefaßten Geschichte. Das Projekt nimmt Impulse der Diskussion der Arbeitsplattform „Transkulturelle Verflechtungen" auf, die sowohl den Aspekt der Entflechtung als auch diesbezügliche Narrative ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken möchte. Zugleich trägt es zur Beantwortung der Frage bei, auf welche Weise Religion gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen stimulieren, eindämmen und modifizieren kann, worin ihre dynamische Potenz begründet liegt und welche externen Bedingungen ihre Mobilisierungsfähigkeit begünstigen bzw. einschränken. Zudem bezieht die Fragestellung die Spannung zwischen Ambiguität und Entscheidung sowie zwischen religiöser Pluralität und politischer Einheit mit ein. Dabei wird auf theoretische Beobachtungsperspektiven der Differenzierung, der Ungleichheit und der Normativität zurückgegriffen. Überdies sind Beiträge des Projekts zu Fragen der Eskalation oder Eindämmung von Gewalt geplant, ebenso auch zu Wahrnehmung und Konstruktion von Migration und Diaspora.
  • Personen