© ENGAGE
Forschungsproblem

Ein zentrales Ziel gesellschaftlichen sowie politischen Handelns ist die Förderung bzw. der Schutz des Gemeinwohls. Wichtiger Gemeinwohlgehalt und Rahmenbedingung für die Bestimmung anderer Gemeinwohlgehalte sind Aspekte und Prinzipien einer (in ökologischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht) nachaltigen Entwicklung. Bürger*innenschaftliches Engagement kann wesentlich zur Förderung bzw. zum Schutz eines so verstandenen nachhaltigen Gemeinwohls beitragen. Vielen neuen Formen von Engagement und Beteiligung wird allerdings vorgeworfen, dass je nur ein bestimmter Teil der Bürger*innen vertreten ist, sodass anstelle des Gemeinwohls vielmehr (eigene) partikulare Interessen gefördert werden. Soziale Ungleichheiten würden sich so weiter festigen.

Unter welchen Bedingungen Bürger*innenbeteiligung tatsächlich zu „nachhaltigem Gemeinwohl“ beitragen kann, erforscht das inter- und transdisziplinäre Verbundprojekt „ENGAGE – Engagement für nachhaltiges Gemeinwohl“, das am 01.11.2019 gestartet ist und über eine Laufzeit von 3 Jahren (November 2019-Oktober 2022) im Rahmen der Richtlinie "Teilhabe und Gemeinwohl" durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

Forschungsaufbau
© ENGAGE

Unter der Leitung von Prof'in Doris Fuchs (ZIN, WWU Münster), Dr. Florian Kern (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung) und Dr'in Corinna Fischer (Öko-Institut e.V.) untersucht das Verbundprojekt verschiedene Formen bürger*innschaftlichen Engagements und politischer Beteiligung auf nationaler und kommunaler Ebene sowie im Rahmen von Verbänden und selbstorganisierten Initiativen.

Dazu werden zunächst mithilfe der Erfassung quantitativer Daten allgemeine Trends im bürger*innenschaftlichen Engagement und der politischen Beteiligung untersucht. In insgesamt fünf Fallstudien werden anschließend die Bedingungen der in den jeweiligen Fällen vorliegenden Formen bürger*innenschaftlichen Engagements und politischer Beteiligung zur Förderung nachhaltigen Gemeinwohls untersucht. Im Fokus steht dabei etwa der Einfluss von Prozessgestaltung, Inklusionsstrategien und Rahmenbedingungen der jeweiligen Form bürger*innenschaftlichen Engagements.

Fallstudien

Das ZIN (WWU) konzentriert sich in seiner Fallstudie auf die informelle dialogorientierte Beteiligung von Bürger*innen auf kommunaler Ebene und widmet sich unter anderem Herausforderungen der zielgruppengerechten Ansprache zunehmend ausdifferenzierter Milieus, Erfolgsbedingungen lokaler Bürger*innenbeteiligung und Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf Beteiligung. Teil dieser Fallstudie ist ein Realexperiment in Form der Organisation eines eigenen Partizipationsformates in Kooperation mit einer Kommune in Deutschland.

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung führt zwei weitere Fallstudien durch. Zum einen geht es um Beteiligung der Zivilgesellschaft in und durch Verbände. Der Fokus liegt auf einer vergleichenden Untersuchung klassisch verbandlich organisierter Akteure wie Gewerkschaften, Sozial- und Wohlfahrtsverbände und jüngerer Verbände aus Umweltschutz, Naturschutz und Klimapolitik. Zum anderen beschäftigt sich das IÖW-Projektteam mit der Beteiligung der Zivilgesellschaft in dezentralen, selbstorganisierten Formaten mit Fokus auf kritisch-kreative Milieus, etwa offene Werkstätten, Reparaturinitiativen oder Urban-Gardening-Projekten.

Das Öko-Institut führt ebenfalls zwei Fallstudien durch. Eine Fallstudie zu nationalen Beteiligungsverfahren untersucht von der Bundesregierung initiierte Prozesse wie beispielsweise die Bürgerdialoge zu Lebensqualität, zum Deutschen Ressourceneffizienzprogramm oder zur Europäischen Union. Eine Fallstudie zum zivilgesellschaftlichen Engagement in traditionellen und prekären Milieus untersucht Engagementformen wie Kleingarteninitiativen, Landfrauenvereine, Dorfläden oder Initiativen zur Selbst- und Nachbarschaftshilfe.