Fallstudien

Fünf Fallstudien im Rahmen des ENGAGE-Projekts untersuchen, welche Faktoren hemmend oder förderlich darauf wirken, dass Engagement und Beteiligung von Bürger*innen zu nachhaltigem Gemeinwohl beitragen. Die Fallstudien nehmen dazu unterschiedliche Engagement- und Beteiligungsformen in den Blick:

 

Fallstudie zu informeller Beteiligung auf kommunaler Ebene (ZIN, WWU)
Bürgerdialog "Food Futures: Unser Ernährungssystem in Münster"

In Kooperation mit dem Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit der Stadt Münster hat das ENGAGE-Team des ZIN vom 23.-25. September 2021 einen 3-tägigen Bürgerdialog durchgeführt, bei dem 29 zufällig ausgewählte Bürger*innen aus Münster Ideen für eine Verbesserung der Nachhaltigkeit des Ernährungssystems in Münster entwickelt haben. Unter dem #tatenfuermorgen war der Bürgerdialog außerdem Teil der Aktionstage "Nachhaltigkeit" des Rates für Nachhaltige Entwicklung.

Hinweise zum Forschungsdesign

Um den Bürgerdialog möglichst inklusiv zu gestalten, erfolgte die Rekrutierung der Dialogteilnehmer*innen nach einen zufallbasierten Mini-public-Modell durch das IDPF Wuppertal (Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung). Auf Grundlage einer Zufallsziehung aus dem Einwohnermelderegister der Stadt Münster sollte also ein repräsentatives Bild der Stadtbevölkerung erreicht werden.

Auch die methodische Gestaltung des Bürgerdialogs wurde so zugeschnitten, dass sie den unterschiedlichen Teilnehmer*innen möglichst gleichberechtigt ermöglichte, sich einzubringen und so ein vertrauensvolles Gesprächsklima entstand. Mit Blick auf das Ziel der Gemeinwohlförderung wurden auch Methoden eingesetzt, die einen Perspektivwechsel der Teilnehmer*innen, d.h. das Nachdenken über Interessen und Bedürfnisse anderer Bürger*innen oder vom Dialogthema betroffener Personengruppen anregen sollte.

Zielsetzung und Ergebnisse

Gemeinsam haben die Bürger*innen Ideen für eine Verbesserung der Nachhaltigkeit des Ernährungssystems in Münster erarbeitet. Entstanden sind acht Leitplanken für ein nachhaltigeres Ernährungssystem in Münster, die Nahrungsmittelproduktion im urbanen Raum, Vernetzungsmöglichkeiten verschiedener Akteure, einen nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft, Müllvermeidung, Schul-und Kitaverpflegung, die Förderung einer nachhaltigen und vielfältigen Esskultur, Aufklärung und Transparenz sowie Bildung zu Fragen gesunder und nachhaltiger Ernährung betreffen.

Die Ergebnisse wurden am 6. Oktober 2021 in der Wissenschaftsbox der WWU, einem umgebauten Schiffscontainer, an der Stubengasse in Münster ausgestellt, um sie den münsteraner Bürger*innen zugänglich zu machen und eine weitere Diskussion in der Bürgerschaft anzuregen. Auch der Dezernent für Wohnungsversorgung, Immobilien und Nachhaltigkeit, Stadtrat Matthias Peck, war vor Ort, um sich persönlich über die Ergebnisse des Dialogs zu informieren. Eingebracht wurden die Ergebnisse des Bürgerdialogs auch in den Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen der Stadt Münster (AUKB)

Die entstandenen Leitplanken für ein nachhaltigeres Ernährungssystem in Münster können im Einzelnen hier nachgelesen werden.

Fotos

© Martha Bösch, WWU
  • © Janna Schipper, Illustre Runde
  • © Lena Siepker, WWU
  • © Lena Siepker, WWU
  • © Shari Langner, WWU
  • © Shari Langner, WWU
  • © Janna Schipper, Illustre Runde
Fallstudie zu verbandlichem Engagement der Zivilgesellschaft (IÖW)

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung führte eine Fallstudie im Bereich des Engagements von Bürger*innen in Verbänden durch. Zwar verbringen anteilig wenige Menschen ihre zeitintensivste freiwillige Tätigkeit im Rahmen von Verbänden, allerdings weisen sie immer noch sehr hohe Mitgliedszahlen auf (Petschow 2021). Zudem sind unterschiedliche Bevölkerungsgruppen vertreten, wenngleich sich ältere Menschen und Männer überdurchschnittlich oft in Verbänden engagieren.

Hinweise zum Forschungsdesign

Im Rahmen der Fallstudie wurde besonders darauf geachtet, Verbände auszuwählen, welche die soziale und ökologische Dimension der Nachhaltigkeit zu ihrer Zielsetzung zählen. Dementsprechend wurden die AWO, als Beispiel für einen Sozial- und Wohlfahrtsverband und der BUND als Beispiel für einen Verband des Umwelt- und Naturschutzes als Fallbeispiel gewählt.

Im ersten Schritt wurde eine Literaturanalyse zu Verbänden und Engagement in Verbänden im Allgemeinen sowie den beiden ausgewählten Verbänden im Speizielle durchgeführt, um ein grundlegendes Verständnis für relevante Diskussionsstränge und Themen zu erhalten. Außerdem wurde für die beiden Fallbeispiele eine auf die letzten 10 Jahre eingegrenzte Analyse von Dokumenten durchgeführt, die Aspekte von Engagement und Gemeinwohl thematisieren. Schließlich wurden pro Verband sechs qualitative, leitfadengestützte Expert*inneninterviews durchgeführt, um den geschriebenen Anspruch mit der Wirklichkeit abzugleichen und die Ziele mit den Ergebnissen des Engagements zu vergleichen.

Zielsetzung und erste Ergebnisse der Fallstudie

Die vorläufigen Ergebnisse der Fallstudie wurden im Rahmen der "LCOY - Junge Klimakonferenz Deutschland" am 15. Oktober 2021 in Kassel mit jungen Engagierten geteilt und erste Ansätze zur Verbesserung von Rahmenbedingungen von Engagement mit ihnen erörtert.

Schließlich wurde am 16. November 2021 ein digitaler Workshop "Verbandsvertreter*innen" im Gespräch - verbandliches Engagement für ein nachhaltiges Gemeinwohl" mit Vertreter*innen von AWO, BUND, Caritas, NABU, Paritäter sowie dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement durchgeführt. Ziel des Workshops war es, neben hemmenden und fördernden Faktoren des Engagements für die Förderung von nachhaltigem Gemeinwohl verbandsübergreifende Politikempfehlungen zu formulieren. Auch diese sollen dabei helfen, Gemeinwohlpotenziale des Engagements in Verbänden zu fördern.

Die finale Analyse der Ergebnisse sowie weitere Details des Workshops und der Fallstudie werden in Kürze im Fallstudienbericht nachzulesen sein.

© Antenna - Unsplash