Archiv des Monats: Januar 2020

Elsevier kauft 3D4Medical: Auswirkungen auf den Sobotta Atlas

Die App Sobotta Anatomie Atlas wird sehr gut genutzt und auch von uns im Rahmen von easystudium seit 2014 mit großem Erfolg angeboten. Seit einiger Zeit hieß es nun, dass Elsevier an einer neuen App bastelt und die bisherige nicht mehr weiterentwickelt (dies war auch an den wenigen Versionsänderungen der App zu merken). Nun kaufte Elsevier aber vor einigen Wochen die Irische Firma 3D4Medical (Pressemeldung Elsevier, Infovideo von 3D4Medical). Kaufpreis 46m$. 3D4Medical hat mit Complete Anatomy* bereits eine gute Anatomie-Suite (ist aber auf dem deutschen Markt nie so richtig durchgestartet, lediglich die Uni Marburg hat das Produkt lizenziert.).

Es ist nun anzunehmen, dass Elsevier die Neuaufsetzung der Sobotta App einstellt (wenn es die jemals gegeben hat). Das folgt dem bekannten Elsevier-Schema, globalen Lösungen den Vorrang vor nationalen zu geben. Wie das Beispiel mediscript -> exam prep zeigt, wo zugunsten einer globalen „Lösung“ die Marktführerschaft beim Kreuzen von med. Staatsexamina aufgegeben wurde, ist diese Strategie allerdings nicht immer erfolgreich. [In Parenthese: Diese Entscheidung hat bis heute Auswirkungen, da z.B. ClinicalKey Student mit der Möglichkeit zu Kreuzen deutlich konkurrenzfähiger wäre.]

Die App Sobotta Anatomie Atlas wird von der ZB Med weiterhin zur Nutzung angeboten.

* Complete Anatomy hat den Vorteil, schon 3D- und VR-fähig zu sein, was bei den Studis gut ankommt (siehe Visible Body). IMHO ist aber der Erfolg auf dem deutschen Markt mit einem rein englisch-sprachigen Produkt kein Selbstläufer (um es vorsichtig auszudrücken), darauf weisen auch unsere Erfahrungen mit 3D4Medical-Produkten hin.

Foto: 3D4Medical

Aktualisiert: 11 Wege an Zeitschriften-Artikel zu kommen, die in Münster nicht verfügbar sind

## jetzt mit Open Access Button und unpaywall ##

Der folgende Artikel beantwortet die Frage, wie man an Artikel von Zeitschriften kommt, die nicht vor Ort verfügbar sind.

1. Website des Verlags
Auf der Website des Verlags könnte der Artikel als „Hybrid-Open-Access“ immer noch zugänglich sein. Und auch wenn die Bibliothek das Abo gekündigt hat: manchmal vergessen Verlage schlicht und einfach, den Zugang abzuschalten.

2. Google Scholar
Eine Google– oder noch besser Google-Scholar-Suche fördert Artikel zur Oberfläche, die von Drittanbietern (oft den Autoren selber) ins Internet gestellt wurden.

3. PubMedCentral
In PubMed werden verschiedene Artikelversionen verlinkt, darunter der PubMedCentral-Version. PMC bietet 2.000 Zeitschriften nach einer Embargoperiode frei verfügbar an.

4. DOAI / oaDOI
Sie können die digitale Objektkennung (DOI) eines Artikels in den DOAI– und oaDOI-Dienst eingeben, um frei verfügbare Artikel zu lokalisieren. Dabei werden Preprint-Archive, Researchgate und institutionelle Repositorien durchsucht.

5. #icanhazpdf
Twitter-Nutzer können mit dem Hashtag #icanhazpdf und einem Link auf den Artikel anderen Nutzern Ihr Interesse für diesen Artikel anzeigen. Wenn jemand Zugriff hat, kann er Ihnen den Artikel zukommen lassen.

6. Reprint Requests / Open Access Button
Eine weitere Option ist (wenn auch manchmal etwas zeitaufwendiger), den entsprechenden Autor zu kontaktieren und ihn um eine Kopie des Artikels zu bitten. Diese Praxis wird von allen großen Verlagen gebilligt. Ein eleganter Weg, an Reprints zu kommen, ist der preisgekrönte Open Access Button.

7. Kollegen fragen, die einen Zugang haben
In der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek finden Sie Institutionen, die auf eine bestimmte Zeitschrift noch Zugriff haben. Dann kann man einen Kollegen fragen, der dort arbeitet. Diese Praxis ist rechtlich im Graubereich, nicht alle Verlage unterstützen dies.

8. Rapidoc
Über die Zweigbibliothek Medizin können Sie den Artikel via Fernleihexpressdienst Rapidoc erhalten. Die Qualität ist manchmal bescheiden, da die Verlage uns zwingen, den Artikel einzuscannen. Wenn Sie eine bessere Abbildungsqualität benötigen, geben Sie dies bitte bei der Bestellung im Kommentarfeld an!

9. Artikel oder Zeitschrift privat kaufen
Für einen schnellen (aber nicht kostenlosen!) Zugang zu einem Artikel, beißen Sie die Zähne aufeinander und zahlen für den Artikel. Einige Institutionen erstatten Ihnen diese Kosten. Zeitschriften-Artikel kosten typischerweise zwischen 25 und 35 Euro, aber es gibt auch Sparpreise, wie z.B. Lancet Choice ($49 für 5 Artikel) oder Cell Press (read-only ab $3,99). Man kann die Zeitschrift auch privat abonnieren, was meist einen Bruchteil der Bibliothekslizenzen kostet.

10. Browser-Plugins
Wenn Sie vor einer Paywall stehen: Der Browser-Plugin von EndNote Click (früher Kopernio) sucht nach lizenzierten aber auch frei verfügbaren PDFs. Gehen Sie zum Artikel und klicken Sie auf das EndNote Click-Symbol in der Browserleiste. Unterstützt werden u.a. PubMed, ScienceDirect, Web of Science und Google Scholar. Registrierung erforderlich (u.a. auch wegen der Zuordnung der richtigen Zeitschriftenlizenzen und Library Credentials: Benutzen Sie „University of Munster“). Eine Alternative ist unpaywall.

11. Eigene Artikel ins Netz stellen
Zugegebenermassen hilft Ihnen das nicht (zumindest nicht kurzfristig), aber Ihren Kollegen. Mittel- und langfristig könnte durch dieses Green Open Access die Abhängigkeit von Zeitschriftenmonopolen verringert werden. So erlaubt Cell Press z.B. die Veröffentlichung von pre-refereeing Manuskripten, Elsevier sogar die von pre-print and post-print or publisher’s version/PDF.


Modifiziert nach Björn Brembs und Guus van den Brekel.

Foto: Jameek at photocase.de

144 englisch-sprachige Springer-Bücher dauerhaft gekauft

Wie berichtet standen alle englischsprachigen Bücher des Springer-Verlags des Erscheinungsjahres 2019 der drei Fachgebiete Behavioral Science and Psychology, Biomedical and Life Sciences sowie Medicine in Form eines Leasings lediglich für 2019 zum Download im Hochschulnetz zur Verfügung.

Von den über 2.000 Büchern wurden nun alle Titel, die mehr als 60-mal genutzt wurden, angekauft. Diese insgesamt 144 Bücher stehen damit dauerhaft unter den folgenden Adressen zur Verfügung:

Foto: Springer