Sefer Ẓurat ha-Areẓ
© The New York Public Library

Laufende Forschungsprojekte

  • The Evolution of the Passover Haggadah as an Independent Book Genre (13th–17th Centuries)

    DFG Sachmittelprojekt KO 5639/2-1
    © BnF, Département des Manuscrits, Hébreu 1388

    Projektleitung: Katrin Kogman-Appel; DFG Sachmittelprojekt KO 5639/2-1

    Oktober 2021–September 2024

    Beschreibung:

    The precept to celebrate Passover every spring in commemoration of the liberation of Israel from Egypt is biblical (Exod. 12 and 13:6–8): a lamb is to be slaughtered and consumed; no leavened bread is to be eaten for seven days; and every father is obliged to tell his son about “what the Lord did for me, when I went free from Egypt.” The last implies that the performance of the ritual involves a significant didactic element, and a liturgical text was compiled toward this goal. Known as the haggadah, it was to be recited during a family-based ritual meal on the eve of the Passover holiday

    The project explores the emergence of the Passover haggadah as an individually bound, often illustrated book. Its results will offer a chapter in the social and cultural history of the Jewish book. As a statutory prayer, the haggadah text was originally included in the general prayer book, the siddur, and occasionally also in the mahzor, the festival prayer book. However, when one opens a modern Jewish prayer book, one observes that the haggadah is no longer part of it. Pursuing a material approach to the book as an object, the project will shed light on the social and cultural processes that determined the detachment of the haggadah (often as an illuminated codex) from the general prayer book, which has come to be understood as a long-term evolution between the 13th and the 17th century rather than a sudden phenomenon as was the former belief. It will illuminate the social and cultural factors that determined the handling of ritual books within the various Jewish societies (Central Europe, Italy, Iberia, and the Middle East) in an age of transition and migration.

    Expected outcome: Monograph by the PI under the above title

  • Rhetorische Strategien in jüdischen und islamischen Rechtstexten

    Sonderforschungsbereich 1385 "Recht und Literatur", Teilprojekt B04

    Teilprojektleitung: Prof. Dr. Regina Grundmann, Prof. Dr. Norbert Oberauer

    Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Sehra El-Khodary, Dr. Nicola Kramp-Seidel

    Das Teilprojekt zielt auf einen Vergleich von islamischer Fatwa- und jüdischer Responsa-Literatur. Diese beiden literarischen Genres stellen bis zu einem gewissen Grade funktionale Pendants dar: In beiden Fällen handelt es sich um Stellungnahmen von Gelehrten zu primär rechtlichen und ritualgesetzlichen Problemen, die von Laien, Gerichten oder anderen Gelehrten an sie herangetragen werden. Das Erteilen von Fatwas geht bis in die Frühzeit des Islam zurück und die jüdische Responsa-Literatur weist eine Geschichte von mehr als 1300 Jahren auf. In beiden religiösen Traditionen entstanden mit der Zeit Sammlungen von Fatwas bzw. Responsa und es wurden in unterschiedlichem Umfang auch Empfehlungen für das Verfassen solcher Rechtsgutachten gegeben.
    Der geplante Vergleich bezieht sich nicht auf die juristische, sondern primär auf die literarische Dimension dieser Rechtstexte. Wir fragen nach den rhetorischen Strategien, welche die Verfasser von Fatwas und Responsa entwickelt haben, um Autorität zu generieren. Dazu gehören stilistische und sprachliche Mittel ebenso wie spezifische Argumentationsformen, aber auch Formen der Intertextualität, etwa in Gestalt von Zitaten und anderen autoritätsstiftenden Verweisen. Darüber hinaus interessieren uns auch außersprachliche Aspekte der Performanz wie etwa Verhaltensnormen bei der Kommunikation zwischen Laien und Gelehrten.
    Wir gehen davon aus, dass Umfang und Art der verwendeten Strategien maßgeblich durch institutionelle Rahmenbedingungen der jeweiligen Rechtsdiskurse geprägt sind. Wichtige Rahmenfaktoren könnten z.B. die Existenz von Rechtsschulen oder von (anderen) hierarchischen Strukturen innerhalb des Diskurses sein, wie auch das Verhältnis zwischen Gelehrten und staatlicher Macht oder die Strukturen religiöser Wissensproduktion. Ein weiterer entscheidender Faktor dürfte der hermeneutische Umgang mit Rechtsquellen sein. Diese Rahmenfaktoren sind in der jüdischen und islamischen Tradition nicht identisch, weshalb wir annehmen, dass sich in ihnen teilweise unterschiedliche rhetorische Strategien herausgebildet haben. Es gilt aber für beide Traditionen, dass die genannten Rahmenfaktoren keine Konstante darstellen, sondern seit je her durch geographische Unterschiede und historische Wandlungsprozesse geprägt sind. Zum jüdisch-islamischen Vergleich treten daher im Teilprojekt auch räumliche und diachrone Vergleichsperspektiven hinzu. Insbesondere wollen wir untersuchen, wie sich rhetorische Strategien mit dem Übergang zur Moderne verändert haben, denn mit ihr haben sich die oben angesprochenen Rahmenfaktoren in besonders signifikanter Weise verschoben. Durch diesen Fokus will das Teilprojekt zugleich eine weiterführende Perspektive für die zweite und dritte Förderphase erschließen. Mit der Moderne gewinnen sowohl die Globalisierung als auch die Entstehung neuer Medien eine zentrale Bedeutung für die Produktion von Fatwas. Im Judentum haben sich in der Moderne in verschiedenen jüdischen Zentren neue Genres etabliert, die zum Teil eine Nähe zu der Responsaliteratur aufweisen bzw. in denen über die Halacha reflektiert wird.

    Mit dem Projekt verfolgen wir einen in doppelter Hinsicht neuen Forschungsansatz in Judaistik und Islamwissenschaft: Innovativ ist zum einen der systematische Fokus auf die literarische Dimension von Fatwas und Responsa, die bislang fast ausschließlich auf ihre rechtlichen oder institutionellen Aspekte hin untersucht wurden. Innovativ ist weiterhin der komparative Ansatz des Projekts, der ein multipler ist: Wir vergleichen rechtliche Literaturproduktion in unterschiedlichen Epochen und Regionen, die zudem durch unterschiedliche religiöse Traditionen bestimmt sind. Durch diesen breit angelegten Vergleich erhoffen wir uns neue Erkenntnisse darüber, wie institutionelle, politische, technische, kulturelle und andere Rahmenfaktoren die literarische Gestaltung von Rechtstexten beeinflussen.

    Teilprojekt im Sonderforschungsbereich

  • Polemik, Gesellschafts- und Religionskritik in Talmudparodien des 19. bis 21. Jahrhunderts

    Exzellenzcluster Religion und Politik. Dynamiken von Tradition und Innovation, Projekt C3-6

    Beteiligte Personen: Professor Dr. Regina Grundmann, Maria Teresa Hartmann, M.A.

    Projektbeschreibung:
    Parodien des babylonischen Talmuds, des monumentalen Hauptwerks des rabbinischen Judentums, zeichnen sich durch eine komplexe Überlagerung von religiösen und nichtreligiösen Diskursen, von Tradition und Innovation, Normativität und Kreativität, Geschichte und Aktualität aus. Die Texte parodieren ihre Vorlage, den babylonischen Talmud, oftmals bis ins kleinste Detail in formaler, sprachlicher, inhaltlicher und hermeneutischer Hinsicht. Seit dem 19. Jahrhundert wird das Genre der Talmudparodien insbesondere für politische Themen, Gesellschaftskritik und -satire, Religionskritik und innerjüdische Polemik genutzt. Die thematische Spannbreite der ab dem 19. Jahrhundert verfassten Parodien in Form und Stil des Talmuds ist äußert groß: Überliefert sind u.a. Parodien über die Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung im zaristischen Russland, über das Leben jüdischer Immigranten in den USA, über die amerikanische Gesellschaft zur Zeit der Prohibition sowie gegen den Chassidismus und das Reformjudentum gerichtete Parodien. Das Projekt untersucht die religions- und kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Parodien, ihre gesellschaftlichen und politischen Funktionen, ihr Verhältnis zur rabbinischen Tradition sowie den Zusammenhang zwischen Polemik, Gesellschafts- und Religionskritik.

    Projektbeschreibung im Rahmen des Exzellenzclusters

  • Religious Buildings Change their Identity: Iberia 711–1609

    Exzellenzcluster Religion und Politik. Dynamiken von Tradition und Innovation, Projekt A3-6

    Beteiligte Personen: Prof. Dr. Katrin Kogman-Appel, Franziska Kleybolte, M.A.

    In the course of Iberia’s political history religious buildings frequently changed hands. Most often these buildings were not destroyed, but, rather, appropriated. These acts transported conquerors and conquered, majority and minority of different religious background from a zone of political conflict into one of cultural confrontation. Such appropriations most commonly followed conquests, acts of religious persecution, expulsions of either the Jewish or the Muslim minority, and as a by-product of forced baptism among large groups of population. While the appropriation of religious buildings occurred under a variety of circumstances, modern art historians and archeologists so far attended primarily to the material aspects and the physical changes these buildings underwent. The cluster project is dedicated to synagogues that passed into the hands of Christian organizations. The focus will, however, not be put on physical change, but, rather, on the cultural aspects of these appropriations. For several decades now, the historical discourse on religious minorities in Iberia is governed by the so-called “Convivencia” controversy. Recent scholarship addresses the tensions, conflicts and modes of co-existence of the divers religious groups in attempts to contextualize them in the political, theological, social, and cultural developments of the period. Whether pregnant with tension or not, these groups were entangled with each other to varying degrees. Thus, the appropriation of religious buildings is a visible marker of the extent of such processes. While expulsions and the following appropriation of buildings were often a clear symptom of disentanglement, several of these structures changed hands already prior to the expulsions of the minorities in the late fifteenth (the Jews) or the early seventeenth century (the Muslims), while the different groups were still intensely entangled.

    Projektbeschreibung auf der Seite des Exzellenzclusters

    Beschreibung Forschung Franziska Kleybolte

  • From Manuscript to Printing Press: The Illustrated Book in Jewish Culture (Fourteenth–Sixteenth Centuries)

    Alexander von Humboldt Professur
    © BnF, Département des Manuscrits, Hébreu 1388

    Projektleiterin: Katrin Kogman-Appel, gefördert von der Alexander von Humboldt Professur (2015–2022)

    From the moment the idea of multiple reproduction began to occupy the minds of makers of books in the fourteenth century, the manuscript and the printed book entered into a complex relationship. Over some centuries these two media co-existed and their ways often crossed. The project examines the cultural, religious, social and economic background of illustrated Hebrew books in Europe during this crucial period in the history of the book. First changes in the culture of books occurred since the late fourteenth century in the German Lands in the style and techniques of illustration, changes that appear to be a by-product of the emergence of print culture. These changes, observable also in vernacular and Latin book history, reflect the economic and social developments that ultimately led to the printing press. The project will identify these changes as they can be observed specifically in Hebrew manuscripts, compare them to similar processes in non-Jewish book production, and examine them against the background of social and economic developments during that period within the different Jewish communities.

    Detaillierte Projektbeschreibung

  • The Visual in the Medieval Jewish World: Perspectives from Art History, Literary History, and Social History

    Alexander von Humboldt Professur
    © BnF, Département des Manuscrits, Hébreu 7

    Projektleiterin: Katrin Kogman-Appel, gefördert von der Alexander von Humboldt Professur (2015–2022)

    The project examines medieval Jewish textual evidence about visuality, visualization, and different functions of the visual in various contexts: halakhah, magic, science. The project aims at analyzing findings from various sources in an interdisciplinary, integrative approach against the background of methodologies applied in the research of acculturation and cultural exchange in the field of social history and historical anthropology.

    Detaillierte Projektbeschreibung

Beendete Forschungsprojekte

  • Cresques Abraham: Scribe, Illuminator, and Mapmaker in Fourteenth-Century Majorca

    Alexander von Humboldt Professur
    © BnF, Département des Manuscrits, Esp. 30

    Projektleiterin: Katrin Kogman-Appel, gefördert von der Alexander von Humboldt Professur (2015–2020)

    This project deals with a fourteenth-century royal cartographer, a Majorcan Jew immersed in the legacy of ancient Greek and Arabic science, who also commanded expertise in Hebrew scribal work and illumination at the highest level. In these different capacities Elisha ben Abraham Bevenisti Cresques (1325–1387) conveyed and negotiated diverse intellectual and artistic traditions. A mapmaker in the service of the kings of Aragon, Elisha (commonly referred to as Abraham Cresques in the literature) functioned as a channel for the communication of his royal patrons’ Christian worldview. An accomplished Hebrew scribe and illuminator, he also created a masterpiece of Sephardi Bible illumination, a work that stands at the apogee of Iberian Jewish art. He was a dedicated bibliophile and the owner of a large codex comprising a whole range of texts of various interests, his own private library, so to speak. Looked at from different perspectives, Elisha Cresques emerges as an intellectual “hub,” where mapmaking converges with scribal work, miniature painting with scientific knowledge, and the culture of a minority with that of the majority.

    Detaillierte Projektbeschreibung

Habilitationsprojekte

  • Dr. Rainer Josef Barzen

    Death and Commemoration of the Dead in the Medieval Ashkenazi Tradition

    Researcher: Dr. Rainer Josef Barzen

    This project explores the various forms of individual and community commemoration and their roles within Jewish identity in the Middle Ages. I ask the question how the deceased were commemorated by their families and the community outside of the cemetery. I also investigate how this commemoration echoed within individual and community life, influencing and shaping the individual identities and  self-image of the communities.

     Further reading:

    The Ashkenazi commemoration of the dead found its first expression in liturgy in the 12th century. Liturgical poetry (Piyutim), as well as other prayers and lists of martyrs, represented the persecution experiences of the first crusade and were positioned in the service of certain holydays. The lists of martyrs and deceased community benefactors used for this purpose were compiled into memorbooks from the 13th century on, with the Nuremberg memorbook currently the oldest known manuscript of an Ashkenazi memorbook to have survived. This analysis provides insight into the origin and structure of the text as well as the liturgical and non-liturgical functions of this new literary genre. The communal and individual commemoration of the dead also finds expression outside of the prayer service, within the framework of the Jewish annual cycle and in public spaces. Thus, commemoration is also incorprated into, for example, Lenten calendars, inscriptions on synagogues, commemorative inscriptions for the victims of persecution, and entries in manuscripts intended for public use.

    The results of this project will be presented as a Habilitation thesis by Dr. Rainer Josef Barzen in 2022/2023.

    Publications:

    -Rainer Josef Barzen, "Personal Grief between Private and Public Space: A Micrographic Inscription as a Historical Source (Ms Vienna Cod. hebr. 16)". In Philology and Aesthetics: Figurative Masorah in Western European Manuscripts, edited by Hanna Lis together with Jonas Leipziger (Judentum und Umwelt / Realms of Judaism 85). Frankfurt am Main [u.a.]: Peter Lang 2021, 35-57.

    -Rainer Josef Barzen, "Materialization of Memoria. Memory and Remembrance of Benefactors in Building Inscriptions in Medieval Ashkenaz". In Visual and Material in Premodern Jewish Culture, edited by Katrin Kogman-Appel, Elisheva Baumgarten, Elisabeth Hollender und Ephraim Shoham-Steiner. Turnhout: Brepols 2022 (including transcripts of the 18 inscriptions) (forthcoming, in print).

    Podcast 2021:

    -Rainer Josef Barzen, "Gedenke Oh Herr Deiner Heiligen Gemeinden". Wie erinnerten sich Juden ihrer Toten und Märtyrer im mittelalterlichen Deutschland. In: Zugehörig oder ausgegrenzt? 1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland. Ein Forschungs-Podcast aus dem Exzellenzcluster "Religion und Politik" im Themenjahr "Zugehörigkeit und Abgrenzung" mit dem Institut für Jüdische Studien der WWU Link

    ["Remember O Lord Your Holy Congregations". How did Jews remember their dead and martyrs in medieval Germany? In: Belonging or marginalized? 1,700 years of Jewish life in Germany. A research podcast from the Cluster of Excellence "Religion and Politics" in the annual theme "Belonging and Demarcation" with the Institute for Jewish Studies at the University of Münster]

     

Dissertationsprojekte

  • Maria Hartmann

    Zur Projektbeschreibung

  • Martin Herholz

    Ein Vergleich der Regulierungsstrategien religiöser Pluralität von Reform Judaism und Conservative Judaism in den USA und ihr Einfluss auf interreligiöse Dialoginitiativen in den USA und Europa

    Wie nutzen Religionsgemeinschaften traditionelle religionsgesetzliche Regulierungspraktiken, um konstruktiv mit religiöser und weltanschaulicher Pluralität umzugehen? Welche Strategien sind dabei zu erkennen? Und welche Prägekraft können diese Regulierungspraktiken über den Kontext ihrer ursprünglichen Anwendung hinaus entwickeln? Diesen Fragen wird im Rahmen des Dissertationsprojekts am Beispiel der beiden größten Denominationen des US-amerikanischen Judentums, Conservative Judaism und Reform Judaism, nachgegangen.

    Zur detaillierten Projektbeschreibung

  • Rodica Herlo-Lukowski

    Joel ben Simeon – ein jüdischer Schreiber und Maler als Zeitzeuge der Entwicklung des Buchdrucks

    Das bedeutendste Ereignis des 15. Jahrhunderts für die Buchgeschichte war die Erfindung des Druckverfahrens mit beweglichen Lettern. Hebräische Bücher wurden erstmals in Rom um 1470 gedruckt. Das Promotionsprojekt versucht, von einer Gruppe ausgewählter und signierter Handschriften Joel ben Simeons ausgehend, den Übergang vom Handschriftenmedium zum Druckverfahren in der jüdischen Buchkultur zu verstehen. Joel ben Simeon wurde mit den gleichen Faktoren und sozioökonomischen Entwicklungen, die das Aufkommen der Buchpresse eingeleitet haben, konfrontiert. Seine Handschriften werden auf mögliche Reaktionen des Schreibers und Malers auf die Herausforderungen durch die sich ändernde Lesekultur, den Buchmarkt und die neue Leserschaft untersucht, wobei der Fokus meiner Dissertation auf die Bildersprache gelegt wird. Es soll untersucht werden ob die Handschriften bereits eine serielle Produktion signalisieren, die innerhalb des Illustrationsprozesses zu erkennen sei und ob sie auf eine ökonomischere Art der Herstellung durch die Beschleunigung des Malprozesses und Reduzierung des Kostenfaktors hindeuten. Die Analyse seiner Handschriften soll im Hinblick auf diese Fragestellung im Vergleich mit ausgewählten jüdischen Druckerzeugnissen der Frühphase erfolgen. Meine Arbeit will versuchen, von der Handschrift als Artefakt ausgehend, die Überlegungen des jüdischen Handschriften-Herstellers zu den Änderungen in der Buchkultur nachzuvollziehen und zu beleuchten, und somit neue Erkenntnisse über diese Zeit des Übergangs erbringen.

  • Franziska Kleybolte

    "Zu Boden geworfen." Die christliche Aneignung, Zerstörung und Umwandlung von Synagogen in Iberien zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert

    Übergreifendes Untersuchungsinteresse, welches meinem Dissertationsprojekt zugrunde liegt, ist die Umwandlung von sakralem Raum einer Religionsgemeinschaft durch eine andere Religionsgemeinschaft, etwa bei Eroberungen oder Verfolgungen. Speziell beschäftige ich mich in meiner Promotionsarbeit mit der Eroberung, Umwandlung und Zerstörung von jüdisch sakralem Raum durch Christen auf der Iberischen Halbinsel des Mittelalters. Zahlreiche Beispiele dafür sind bis heute bekannt, wobei es in etwa fünfzig Prozent der heute bekannten Fälle zu einer sakralen Umnutzung des jüdischen Raums kam; Synagogen wurden hier in Kapellen, Kirchen, Kathedralen, Klöster und zu Gotteshäusern gehörenden Gebäuden umgewandelt bzw. die Synagoge abgerissen zugunsten eines Neubaus zuvor genannten Inhalts.Das Projekt befasst sich mit den Interessen auf politischer, wirtschaftlicher und religiöser Ebene, welche diese Umwandlungen motivierten und fragt, inwiefern die Untersuchung dieser Interessen als Abbild des damaligen jüdisch-christlichen Verhältnisses auf den zuvor genannten Ebenen verstanden werden kann. Dafür schaue ich mir in meiner Arbeit das christlich-jüdische Leben und Verhältnis vor, während und nach den Umwandlungen an den jeweiligen Orten des Geschehens an und untersuche die einzelnen Schritte der Umwandlung sowie ihre Rezeption. Eine deutliche Zunahme an Synagogenumwandlungen auf der Iberischen Halbinsel lässt sich am Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts feststellen: 1391–92 kam es im Königreich Kastilien-León und Aragon zu Judenpogromen, welche viele Umwandlungen nach sich zogen und gleiches geschah während und nach der Disputation von Tortosa 1413–14 in etwa selbigen Regionen. Diese Umwandlungen sollen mir als Untersuchungsbeispiele dienen. Ein Blick auf frühere und spätere Synagogenumwandlungen sowie auf die Umwandlungen von Moscheen, wofür es ebenso zahlreiche Beispiele auf der Iberischen Halbinsel gibt, soll darüber hinaus Gedanken zu dem allgemeinen Phänomen von Eroberung, Zerstörung und Umwandlung von sakralem Raum ‚der Anderen’ ermöglichen, wie es sich epochen-, religions-, und regionsübergreifend immer wieder finden lässt.

    Weitere Informationen

  • Meyrav Levy

    Ashkenazi Mahzorim as Generators of an Affective Experience
    © British Library, MS Add. 26896

    The overarching research interest of my dissertation project is the prayer experience that illuminated mahzorim, produced between 1250 to 1350, may have evoked in worshipers. Mahzorim are Jewish prayer-books containing piyyutim (liturgical poetry) and biblical texts which were recited in the synagogue on each Jewish holidays. In my doctoral thesis I am particularly concerned with how the liturgical text and concomitant illustrations mediate the holidays’ cardinal message to worshipers in a vivid and affective way. In the liturgy and illustrations of Passover, on which my research focuses, it is apparent that worshipers are stimulated to cognitively revive in their imagination the Exodus narrative and the celebration of past and future redemption. This way, they encourage worshipers to fulfill the well-known commandment: “In every generation a man is obligated to see himself as though he personally had gone forth from Egypt” (Mishnah Pesachim 10:5). Such an affective reception of the liturgy is the result of multiple techniques that are embedded on the textual, visual and performative level of illuminated mahzorim. Among these techniques are evocative sound textures, foregrounded rhetorical devices, tangible metaphors and a graphic poetic-visual language. It is these stimulating devices that stand at the core of my academic inquiry, while considering their activation during the prayer performance. My claim to their cognitive, sensory, and emotional effectiveness relies largely on cognitive-reception theories in the fields of poetics, phonetics, imagery, performance and more. Medieval halakhic discussions, too, attest to the cognitive-emotional effectiveness of ritual singing, reciting liturgical texts and viewing certain illustrations. By examining the multimodal content of illuminated mahzorim against contemporaneous sources, and modern theories, I seek to elucidate the essence of the cognitive experience of medieval Ashkenazi worshipers.

  • Walter Schiffer

    Samson Raphael Hirschs Tora-Hermeneutik am Beispiel seines Kommentars zu Bereschit

    Im 19. Jh. ereigneten sich zahlreiche Wandlungen in der jüdischen Lebenswelt. Einer der wesentlichen Protagonisten war Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808-1888). Hirsch veröffentlichte 1836 dieאגרות צפון  Neunzehn Briefen über Judenthum, in denen er eine Antwort auf die Anfragen der Moderne gab. In seinem Entwurf setzte er sich dezidiert vom Reformjudentum ab und entwickelt sich in den folgenden Jahren zum Begründer der viel beachteten Neo-Orthodoxie.

    Mit seinem Konzept beschritt Hirsch neue Wege: Einerseits stand er auf dem Boden der Altorthodoxie, wenn er davon ausging, dass Gott am Sinai die schriftliche und mündliche Tora offenbarte und daraus schloss, dass die Tora nicht historisch relativierbar sei; die Halachah hat demnach unveränderte Gültigkeit. Andererseits sollten Jüdinnen und Juden das Gesetz nicht allein erfüllen, sondern „von der Thauroh Geist durchdrungen“ sein, ein „sich selbst begreifendes Judentum“ sollte entstehen (16. und 18. Brief). In diesem Sinne wirkte er erzieherisch durch Publikationen und Reden auf seine AdressatInnen und seine Gemeinden ein. Weiterhin interpretierte Hirsch für seine Zeit die Idee von ‚torah im derech erez‘ (Tora mit weltlicher Kultur; Pirke Awot 2,2) dahin gehend, dass neben der Torah auch die weltliche Lebensweise und die europäischen Kulturgüter gelehrt und gelernt werden sollten, damit Juden am politischen und kulturellen Leben teilhaben könnten, wenn diese nicht der Tora widersprachen. Die Torah bildete die Basis für seine gemeindepolitischen Aktivitäten wie für die (halachische) Alltagsgestaltung.

    Wie versteht Samson Raphael Hirsch aber die Torah? Welche hermeneutischen Regeln macht er geltend? In dem Promotionsprojekt werden Hirschs Auslegungen am Beispiel vonספר בראשית / Genesis analysiert, wobei sein hermeneutischer Ansatz, mittels homorganischer Wurzeln die Tiefe der Wortbedeutungen zu ergründen und für die Textdeutung fruchtbar zu machen, besondere Beachtung erfährt. Im zweiten Schritt werden Hirschs Interpretationen mit zentralen Positionen aus der jüdischen Bibelauslegungstradition (Midrasch BerR, RaSchI, Mendelssohn) abgeglichen. Die meist verdeckt ausgeführten Auseinandersetzungen mit den Errungenschaften der deutschen Kulturgeschichte werden in einem dritten Komplex herausgearbeitet und kontextualisiert. Auf diese Weise wird ein Ausschnitt aus Hirschs Geflecht von ‚tora im derech erez‘ sichtbar gemacht.