Laurentius de Voltolina; Liber ethicorum des Henricus de Alemannia
Berlin, SMPK Kupferstichkabinett, Min. 1233
© Bildarchiv Foto Marburg

Hier finden Sie Informationen zum Lehrangebot des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte III

Lehrveranstaltungen von Prof. Keupp im Sommersemester 2018

Informationen zur Anmeldung und Teilnahmebeschränkung entnehmen Sie bitte dem KVV.

Proseminar: Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Das Mittelalter lesen lernen: Zeichen und Symbole einer fernen Epoche; Mi. 14-16 Uhr (Raum F 33), Do. 14-16 Uhr (Raum F 030)
Krönungen, Küsse, Kniefälle - in großer Breite überliefern die Quellenberichte und Bildzeugnisse des Mittelalters symbolische Akte mit den zugehörigen Gesten und materiellen Requisiten. Zentrale politische Rituale wie die Königserhebung, aber auch zahllose Rechtshandlungen und Glaubens­praktiken waren in das Gewand gut verständlicher Zeichen und Symbole gehüllt. Sie dienten den Zeitgenossen als verlässliche Orientierungsmarken. Indem sie soziale und politische Ordnung sichtbar machten, sorgten sie zugleich für Stabilität und Verlässlichkeit im alltäglichen Miteinander. Diesen fremden Code zeichenhafter Mitteilungen in Teilen zu entschlüsseln, wird die Aufgabe des Proseminars sein. Exemplarisch soll dabei in zentrale Aspekte der Verfassungs-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte des Mittelalters eingeführt werden.

Hauptseminar: Gewalt - Geschäft - Gerechtigkeit. Fehdeführung im Spätmittelalter/Münsterische Stiftsfehde; Fr. 10-12 Uhr (Raum F 102)
"Wisse, Marschall Gerd Morrien, dass ich (...) Dein Feind sein will..." Duzende Schreiben mit gleichartiger Grußadresse trafen im Verlauf des Jahres 1454 auf der Wasserburg Lüdinghausen südlich von Münster ein. Die Briefsteller drohten dem Burgherrn darin mannigfaches Ungemach an, bekundeten aber zugleich, durch den fristgerecht übersandten Fehdebrief ihre Ehre gewahrt zu haben. Gewalthandeln wurde damit in einen rechtlichen Rahmen gestellt und einem spezifischen Regelwerk unterworfen: Wenn die Männer Gerd Morriens in den Jahren 1454/55 2400 Armbrustbolzen verschossen, so steht dem der unglückliche Verlust eines einzigen Menschenlebens gegenüber. Häufiger erfahren wir von punktuellen Raub- und Plünderungszügen, einem florierenden Geschäft mit Lösegeld und Gefangenen und flächig eingetriebenen Schutzgeldern. Das Hauptseminar will einen vertieften Einblick in die Praxis der Fehdeführung im spätmittelalterlichen Reich gewähren und wird dabei einen Schwerpunkt auf den westfälischen Raum des 15. Jahrhunderts legen. Erwartet wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Bereitschaft, sich mit originalen Archivalien dieser Zeit zu befassen. Der Besuch der ersten Seminarsitzung ist obligatorisch.

Übung: Das Mittelalter der Moderne. Zur 'ewigen Jugendlichkeit' einer Epoche; Do. 10-12 Uhr (Raum F 040)
"Ewige Jugendlichkeit" beschied Max Weber den historischen Wissenschaften. Der Strom der Zeiten führe ihnen unentwegt neue Fragestellungen und Perspektiven zu, lasse sie in jeder Generation in neuem Gewand erstrahlen. Diesem historischen 'Wechselbad' sieht sich auch die Epoche des Mittelalters ausgesetzt. Die Übung wird sich daher mit dem Wandel der Mittelalterbilder zwischen 18. Jahrhundert und Gegenwart befassen und dabei sowohl Hauptwerke der Historiographie als auch Kunst, Film und Theater mit einbeziehen. Sie wird zudem einen Blick auf die Praktiken der Mittelalter-Inszenierung in Museum, Spiel und Festgeschehen und ihren Bezug zur zeitspezifischen Mittelalterforschung richten.