Neue Veröffentlichungen aus dem Institut

© Universitätsverlag WINTER

Antje Dammel, Friedel Helga Roolfs, Kirstin Casemir (Hg.): Personennamen in Bewegung / Anthoponyms in Motion. Themenheft der Zeitschrift Beiträge zur Namenforschung (BNF) 56.1/2.2021. Heidelberg: Universitätsverlag WINTER 2021.

Der Band vereint ausgewählte Beiträge der Tagung Bewegte Namen / Names in Motion, die im Herbst 2019 in Münster stattgefunden hat. Die Beiträge fokussieren auf einen Teilaspekt von Namenbewegung, der von der deutschsprachigen Onomastik gerade erst entdeckt wird: die Anpassung bzw. den Wechsel von Personennamen in sozialen Spannungsfeldern, die von situativer Mehrnamigkeit bis zum tabubelegten Bruch mit dem alten Namen reichen kann.

In der Einleitung arbeiten Antje Dammel, Friedel Roolfs und Kirstin Casemir verschiedene Ausprägungen des Phänomens Namenbewegung heraus und loten die semiotischen und sozialen Rahmenbedingungen von Namenwechsel und situativer Mehrnamigkeit aus. Damaris Nübling schließt mit dem Thema Lebensabschnitts-namen an und argumentiert dafür, dass hier Namen nicht nur bewegt werden, sondern selbst bewegend wirken, indem sie maßgeblich am Vollzug biographischer Transitionen beteiligt sind. Miriam Schmidt-Jüngst betrachtet dazu ein hochinteressantes Fallbeispiel: den Namenwechsel in geschlechtlichen Transgressionen, den sie als semiotische Kongruierung verschiedener Ebenen wie Kleidung und Stimme analysiert. Emila Aldrin stellt die Frage, wer eigentlich Schweden in Schulbüchern repräsentiert. In ihrer diachronen Analyse von Namen und Illustrationen in Sozialkundebüchern stößt sie auf Unausgewogenheiten in Bezug auf Geschlecht und kulturelle Diversität. Anna Balbach geht dem Namenwechsel von Menschen nach, die der Sklaverei entkommen sind, und vergleicht auf der Grundlage einer Datenbank von Suchanzeigen selbstgewählte mit fremdbestimmten Namen. Simone Busley nimmt sich das Phänomen der Umbenennung von Personal bei Dienstantritt im 19. und beginnenden 20. Jh. vor und vergleicht landwirtschaftliche mit bürgerlichen Haushalten. Der Beitrag von Sharon Lohse und Stefanie Krain, der aus einem studentischen Projekt in einem Namenseminar am Germanistischen Institut hervorgegangen ist, untersucht in leitfadengestützten Interviews, wie fünf Angehörige verschiedener Orden zu ihren Ordensnamen gekommen sind, welche Einstellungen sie zu ihrem Ordensnamen haben und in welchen sozialen Umfeldern welcher Name gebraucht wird. Dabei kristallisiert sich heraus, dass der Ordensname ein weniger prominenter Marker des Übergangs ist als etwa die Einkleidung und dass kein Namenwechsel stattfindet, sondern situative Mehrnamigkeit entsteht. Anne Rosar schließt mit einer quantitativen und qualitativen Analyse von Befragungsdaten zur Ehenamenwahl in Deutschland den Band ab. Besonders interessant sind ihre Ergebnisse zu wiederkehrenden Topoi, mit denen die Befragten ihre Entscheidungen begründen.

Der digitale Zugriff kann über die folgende Seite erfolgen: https://bnf.winter-verlag.de/current_issue/BNF

© De Gruyter

Anja Binanzer, Jana Gamper und Verena Wecker (Hrsg.): Prototypen – Schemata – Konstruktionen. Untersuchungen zur deutschen Morphologie und Syntax. Berlin: De Gruyter 2021.

Die Termini Prototyp, Schema und Konstruktion bezeichnen drei zentrale Konzepte, anhand derer im Rahmen funktional-kognitiv ausgerichteter Grammatiktheorien die mentale Repräsentation grammatischer Strukturen und Relationen modelliert wird. In diesem Band werden diese Konzepte durch neue linguistische Analysen zur Morphologie und Syntax des Deutschen aus anwendungsbezogenen Disziplinen wie der Spracherwerbs-, Sprachverarbeitungs- und Sprachwandelforschung unter der Anwendung eines breiten methodischen Spektrums, das von der Analyse authentischer Texte und Gesprächsdaten über Korpusanalysen hin zu experimentellen Künstwörtertests und Eye-Tracking-Experimenten reicht, überprüft und eröffnen damit neue Erkenntnisse zur Modellierung kognitiver Mechanismen der Organisation sprachlichen Wissens aus funktional-kognitiver Perspektive.

Der Band ist als Open-Access-Publikation erschienen und kann über die folgende Seite aufgerufen werden: https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110710595/html

© De Gruyter

Udo Friedrich, Ulrich Hoffmann, Bruno Quast (Hrsg.): Anthropologie der Kehre. Figuren der Wende in der Literatur des Mittelalters. Berlin, Boston: de Gruyter 2020 (Literatur – Theorie – Geschichte. Bd. 21).

Der Band untersucht Figuren der Wende sowohl in ihren kulturellen Ausprägungen und historischen Entwicklungen als auch in ihren poetologischen Konfigurationen. Ausgehend von der Kehre als epistemischer Figur über Modellierungen religiöser Konversion bis hin zu literarischen Modellen der Umkehr erstreckt sich ihre Wirkungsgeschichte in ganz verschiedenen Feldern. Die Wende erweist sich dabei als eine elementare Form der Orientierung.

Der Begriff der Wende impliziert eine ihm inhärente Bipolarität, insofern eine Grenze zugleich auch als Ausgang figuriert. Narratologisch markiert die Kehre in einem Handlungsgefüge insofern eine Grenze, als sie das Ende einer narrativen Sequenz an einen neuen Anfang bindet, der mit der Figur einer Rückorientierung verbunden ist. Die literarische Inszenierung des kulturellen Narrativs der conversio kann das Narrativ selbst in den Mittelpunkt rücken, etwa den Moment der Nichtentschiedenheit (Krisis), der wohl als konstitutiv für den Wendeprozess anzusetzen ist, aber nicht zwingend zur Darstellung kommen muss. Als ebenso wichtig erweisen sich die verschiedenen Diskursrahmen, in die Figuren der Wende eingespannt werden können.

Der Band kann im Uni-Netz über die Seite des Verlags aufgerufen werden:

https://www.degruyter.com/view/title/580444?rskey=43CZnS&result=1

© De Gruyter

Beate Weidner, Katharina König, Wolfgang Imo, Lars Wegner (Hrsg.): Verfestigungen in der Interaktion. Konstruktionen, sequenzielle Muster, kommunikative Gattungen. Berlin, Boston: de Gruyter 2021.

Die sowohl theoretisch als auch empirisch ausgerichteten Beiträge des vorliegenden Sammelbandes zu Ehren von Susanne Günthner befassen sich mit unterschiedlichen Verfestigungen auf der Interaktionsebene. Diese reichen von relativ kleinteiligen Formaten wie verfestigten Praktiken oder Handlungen bis hin zu den Großformen der kommunikativen Gattungen. Auch nonverbale Routinemuster wie beispielsweise Gesten werden in den Blick genommen.

Der Band ist als Open-Access-Publikation erschienen und kann über die folgende Seite aufgerufen werden: https://www.degruyter.com/view/title/547380

© LIT Verlag

Andreas Blödorn, Stephan Brössel (Hrsg.): Zeitfiktionen. Reflexionen und Funktionen von Zeit in Literatur und Film. Münster: LIT 2020 (Zeit und Text. Bd. 22).

Aktuell wird dem Thema ‚Zeit‘ vonseiten der Medienkulturwissenschaften hohe Aufmerksamkeit beigemessen. Der Band widmet sich Problemkomplexen, die mit ‚Zeit‘ in Verbindung stehen und durch ihre literarische und filmische Verarbeitung überhaupt erst zutage treten, und prüft im Zuge dessen Begriffsinstrumentarien und Analysekategorien. Dabei wird ein historischer Bogen vom ersten Drittel des 19. Jahrhunderts bis in das 21. Jahrhundert gespannt und epochenspezifischen, medienspezifischen und generischen Reflexionen von Zeit und ihrer jeweiligen funktionalen Einbindung in Textzusammenhänge nachgegangen.

© De Gruyter

Andreas Blödorn, Madleen Podewski (Hrsg.): Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft 2019. Berlin, Boston: de Gruyter 2020.

Das Jahrbuch dokumentiert wie gewohnt einige der Vorträge, die auf der Jahrestagung 2018 gehalten worden sind (von Hans-Joachim Hahn, Claudio Steiger, Verena Ullmann und Erika Kontulainen). Zudem sind vier weitere Beiträge aufgenommen, die das Spektrum der Fragestellungen um wissensgeschichtliche (Christiane Arndt, Marie-Luise Goldmann) und um medien- und gattungsgeschichtliche (Hans-Joachim Jakob und Benjamin Heller) Akzentsetzungen erweitern. Schließlich führt es mit dem Beitrag von Gerd Biegel die Rubrik „Neues aus dem Archiv“ ein, mit der wir von nun an möglichst regelmäßig Quellenfunde verschiedenster Art präsentieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen wollen. Die sei hiermit sogleich um entsprechende Zusendungen – auch in knappen Formen – aufgefordert. Die Raabe-Bibliographie, die über mehrere Jahre hinweg dankenswerter Weise von Lisa Behrendt und Wolfgang Dittrich erstellt wurde, liegt nun in den Händen des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literatur und Medien am Germanistischen Institut der Universität Münster. Hier ist vereinbart worden, sich der besseren Übersichtlichkeit halber auf Einträge des jeweils vorhergehenden Berichtsjahres – d. h. für das vorliegende Jahrbuch auf Publikationen aus 2018 – zu beschränken.

© Verlag Wilhelm Fink

Stephan Brössel, Susanne Kaul (Hrsg.): Echtzeit im Film. Konzepte – Wirkungen – Kontexte. Paderborn: Fink 2020.

Wie lässt sich der Trend zu filmischer Echtzeit analytisch fassen? Wie der Echtzeit-Begriff für eine filmwissenschaftliche Auseinandersetzung heuristisch nutzbar machen? Der Band widmet sich einem Phänomen, das in der jüngeren Filmgeschichte eine Konjunktur erlebt. Im Kern handelt es sich um eine Konvergenz zweier Zeitebenen, die etwa in der Erzähltheorie als Übereinstimmung zwischen der Zeit der Präsentation des Films auf der Leinwand und der in der Fiktion ablaufenden Zeitdauer gefasst wird. Im vorliegenden Band erfährt der Begriff eine breitere Klassifikation, wird in zentrale Konzepte überführt und hinsichtlich seiner Wirkungspotenziale geprüft sowie historisch, kulturell und gattungstheoretisch kontextualisiert. Bereitgestellt werden soll der Filmwissenschaft dadurch ‚Echtzeit‘ als eine fundierte Analysekategorie.

© Kiepenheuer&Witsch

Kai Sina (Hrsg.), unter Mitarbeit von Tanita Kraaz: Im Kopf von Maxim Biller. Essays zum Werk. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2020.

Maxim Biller schreibt seit dreißig Jahren an einem Werk, dessen Vielstimmigkeit in der deutschsprachigen Literatur nach 1945 ohne Vorbild ist. Es umfasst diverse Gattungen, Stil- und Tonlagen – vom großen Zeitroman über die psychologisch komplexe Erzählung und das kritische Gegenwartstheater bis zur harten, streitbaren Intervention. Unterschiedlichste Traditionen versammeln sich zu einem weltliterarischen Gespräch: Philip Roth und Saul Bellow begegnen Jaroslav Hašek und Franz Kafka, Schreibweisen der internationalen Moderne vereinigen sich mit der literarischen Ästhetik der Nachkriegszeit, die große Weimarer Ära der jüdischen Kritik trifft auf die Schule des New Journalism. Der von Kai Sina herausgegebene Band berücksichtigt das Werk in sämtlichen Facetten und vereint selbst vielfältige Ansätze aus Wissenschaft, Journalismus, Literatur. Um Billers Stil geht es genauso wie um die großen Themen, die sein Werk umkreist: die langen Schatten der deutschen Vergangenheit und der stalinistischen Gewaltherrschaft, um Familiengeheimnisse und das Schicksal der eigenen Biografie. Es ist ein Buch für alle, die Maxim Billers Werk schätzen, aber auch für jene, die einen ersten Einstieg in seine literarische Welt suchen.

© De Gruyter

Wolfgang Imo, Jens Philipp Lanwer (Hrsg.): Prosodie und Konstruktionsgrammatik. Berlin, Boston: de Gruyter 2020.

Die Konstruktionsgrammatik ist in den meisten Ausprägungen ein gebrauchsbasiertes Grammatikmodell. Bestandteil des mündlichen Sprachgebrauchs sind immer auch prosodische Gestaltungsmittel. Der Bereich der Prosodie wird in konstruktionsgrammatischen Untersuchungen aber bisher eher stiefmütterlich behandelt. An dieser Forschungslücke setzt der vorliegende Sammelband an: Es wird die Frage gestellt, ob – und wenn ja, inwieweit – prosodische Charakteristika als mehr oder weniger stabile Merkmale sprachlicher Konstruktionen aufgefasst werden können. Die Beiträge des Sammelbandes vereint das Interesse, Möglichkeiten einer konstruktionsgrammatischen Modellierung von Ergebnissen linguistischer Untersuchungen auszuloten, die nur oder auch auf die Ebene der Prosodie abzielen.

© De Gruyter

Wolfgang F. Bender: Hauptweg und Nebenwege. Studien zu Lessings „Hamburgischer Dramaturgie“. Berlin, Boston: de Gruyter 2020.

Die vorliegenden Studien eröffnen den Blick auf ein vom ,Spaziergänger‘ Lessing akribisch angelegtes Netz von ,Haupt- und Nebenwegen‘, auf die Verflechtung sozialhistorischer, poetologischer und anthropologischer Aspekte seines europäisch orientierten Theaterpanoramas. Er avanciert zum Gewährsmann, dessen Fallanalysen zum theatralen Spiel deutliche Spuren im späteren Diskurs über den Aufgabenbereich des Theaters hinterlassen.

© Wallstein

Martina Wagner-Egelhaaf: Sich entscheiden. Momente der Autobiographie bei Goethe. Göttingen: Wallstein 2020.

Eine Untersuchung von Goethes entscheidenden Wegpunkten und ihrer Literarisierung in seinen autobiographischen Schriften.

Dass sich der Mensch in der Moderne sehr viel häufiger entscheiden muss als die Menschen früherer Zeiten und dass er größere Entscheidungsspielräume hat, ist eine oft aufgestellte Behauptung. Aber was sind überhaupt die zentralen Lebensentscheidungen des modernen Menschen? Und wie trifft er seine Entscheidungen? Wie souverän oder in sich schlüssig ist sein Entscheiden? Auf der Grundlage philosophischer und soziologischer Entscheidungstheorien geht Martina Wagner-Egelhaaf in ihrer Studie Entscheidenskonstellationen in Goethes autobiographischen Schriften, insbesondere in »Dichtung und Wahrheit«, nach, die zentral in Goethes Lebenslauf waren. Dabei treten vielfältige Situationen und Lebensstationen in den Blick, die eine Entscheidung erforderten: Entscheidungen zum Beruf ebenso wie zur Partnerwahl, Entscheidungen in Religionsfragen, zu Reiseunternehmungen wie auch zum eigenen Werk. Es wird detailliert gezeigt, in welcher Weise diese Entscheidensfelder ineinandergreifen und wie Goethe Entscheidenssituationen in seinen autobiographischen Schriften literarisch gestaltet hat.

© De Gruyter

Kai Sina, David E. Wellbery (Hrsg.): Goethes Spätwerk / On Late Goethe. Berlin, Boston: de Gruyter 2020.

So selbstverständlich uns der Begriff des ‚Spätwerks‘ in der allgemeinen Kommunikation über Literatur erscheint, so erstaunlich ist seine weitgehend unreflektierte, zumeist nur intuitive Verwendung im Bereich der Literaturwissenschaft. Dieses Buch fragt nach den Möglichkeiten einer möglichst trennscharfen Konturierung des Phänomens ‚Spätwerk‘. Dabei wird die verbreitete Verwendung des Begriffes als eine von außen herangetragene biographische oder epochale Orientierungsgröße überschritten, um so die ästhetischen Eigengesetzlichkeiten des Phänomens von innen zu erhellen. Als Erkundungsfeld bietet sich das Werk desjenigen Schriftstellers an, das für den im frühen 20. Jahrhundert aufkommenden Spätwerkdiskurs von richtungsweisender Bedeutung ist: das Werk Goethes. Hierfür spricht zudem ein charakteristisches Desiderat: Denn obwohl die Forschung der letzten sechzig Jahre das Goethe'sche Spätwerk in seinen komplexen Schreibweisen bereits weitgehend erschlossen hat, ist die Frage nach seiner Spätzeitlichkeit als einer poetischen Qualität bislang nur gestreift worden. Damit liefert dieses Buch einen problemorientierten Beitrag sowohl zur Goethe-Philologie wie auch zur Literaturwissenschaft im Allgemeinen.

© Metzler

Wolfgang Imo, Jens Philipp Lanwer: Interaktionale Linguistik. Eine Einführung. Stuttgart: Metzler 2019.

Was zeichnet Sprache aus, die interaktional verwendet wird, beispielsweise in einer Unterhaltung oder einem Chat? Worin unterscheidet sie sich von monologischer Sprache, beispielsweise in einer Rede oder einem Zeitungsartikel? – Dieser Band informiert über alle zentralen Themen der interaktionalen Linguistik. Die Autoren erläutern die theoretischen und methodischen Grundlagen und bieten eine Einführung in die Transkription von Gesprächen. Weitere Kapitel widmen sich z.B. der Syntax, der Semantik, der Prosodie, der Multimodalität von Gesprächen sowie der interaktionalen computervermittelten Schriftlichkeit. - In zweifarbiger Gestaltung mit Definitionen, Abbildungen, zahlreichen Beispielen und Transkripten.

© Vorwerk 8

Britta Herrmann, Lars Korten (Hrsg.): Diskurse des Sonalen. Klang – Kunst – Kultur. Berlin: Vorwerk 8 2019. (Audiotexte: Klang – Kunst – Kultur. Bd. 2.)

Der vorliegende Band schlägt ›Sonalität‹ als Komplementärbegriff zu ›Visualität‹ vor. Er soll einerseits dazu beitragen, sich vom visuellen Paradigma der medienkulturwissenschaftlichen Forschung weiter zu emanzipieren, und andererseits ermöglichen, historische und kulturelle Klangmuster, -praktiken und  Hörerwartungen als Teil eines Dispositivs zu erkennen und zu untersuchen, ohne zugleich bestehende Begriffe der Klangforschung überschreiben zu wollen. Nicht zuletzt eignet sich der Begriff dazu, das Verhältnis von ›Oralität‹ und ›Literalität‹ neu zu bedenken.

© Stauffenburg

Uta Quasthoff, Friederike Kern, Sören Ohlhus, Juliane Stude: Diskurse und Texte von Kindern. Praktiken – Fähigkeiten – Ressourcen: Erwerb. Tübingen: Stauffenburg 2019.

Die Studie ist sowohl als Printversion im Stauffenburg Verlag veröffentlicht (ISBN 978-3-95809-524-3) als auch  als frei zugängliche Onlineversion zu finden unter:

http://dx.doi.org/10.17877/DE290R-20360

Die Untersuchung legt einen Beitrag zur sprachwissenschaftlichen, interaktiv fundierten Erwerbsforschung vor, der auf längsschnittlichen mündlichen und schriftlichen Daten von mehr als 30 Grundschulkindern basiert, die über drei Jahre mit gezieltem Blick auf die Verschiedenheiten ihrer Aneignungsprozesse und Erwerbsverläufe beobachtet wurden.  Diese empirischen Perspektiven werden zusammengeführt zu einem erwerbsbasierten theoretischen Konzept von Diskurs- und Textkompetenz.

© Vandenhoeck & Ruprecht

Martina Wagner-Egelhaaf, Bruno Quast, Helene Basu (Hrsg.): Mythen und Narrative des Entscheidens. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2019.

Es gibt Mythen des Entscheidens, die immer wieder erzählt werden: die Entscheidung von Adam und Eva im Paradies, vom Baum der Erkenntnis zu essen, das Urteil des Paris, Herakles am Scheideweg oder Buridans Esel, der sich zwischen zwei Heuhaufen nicht entscheiden kann und deshalb zugrunde geht. Der Sammelband untersucht das Verhältnis von Mythos, Narration und Entscheiden. Er setzt in Mythos und Literatur erzählte Entscheidensszenarien in Bezug zu modernen Theorien des Entscheidens und fragt nach ihrer Funktion sowie den Veränderungen in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten.

© Synchron

Carla Dauven-van Knippenberg, Christian Moser, Rolf Parr, Martina Wagner-Egelhaaf (Hrsg.): Text – Körper – Textkörper. Heidelberg: Synchron 2019.

Texte und Körper stehen in einer mehrfachen, nicht nur metaphorischen Beziehung: Literarische Texte bilden vielfach menschliche, tierische, pflanzliche und dingliche Körper ab, und sie tun es mittels der Sprache, die im literarischen Medium zu Schrift wird. Der vorliegende Band geht der Frage nach, wie mittels Sprache und Schrift Körperlichkeit repräsentiert bzw. geschaffen wird. Dabei tritt nicht zuletzt der ‚Körper‘ der Schrift, d.h. die konkrete Materialität der Buchstaben und des Buches als Medium einer literarischen Körperpoetik in den Fokus. Das Spektrum der Beiträge, die das Phänomen ‚verkörperte Texte‘ auf unterschiedliche Weise in den Blick nehmen, umfasst literatur-, sprach-, medien- und tanzwissenschaftliche sowie psychoanalytische Perspektiven.

© De Gruyter

Nicole Palliwoda, Verena Sauer, Stephanie Sauermilch (Hrsg.): Politische Grenzen – Sprachliche Grenzen? Dialektgeographische und wahrnehmungsdialektologische Perspektiven im deutschsprachigen Raum. Berlin, Boston: de Gruyter 2019 (Linguistik – Impulse & Tendenzen. Bd. 83).

Seit jeher befasst sich die Dialektologie mit Grenzen und Isoglossen sowie mit der Abgrenzung von Dialekten untereinander. Hierbei spielen sowohl natürliche als auch gesetzte Grenzen eine Rolle, das zeigen besonders jüngste Untersuchungen. Der vorliegende Band "Politische Grenzen – Sprachliche Grenzen? Dialektgeographische und wahrnehmungsdialektologische Perspektiven im deutschsprachigen Raum" basiert auf einer gleichnamigen Tagung, die an der Technischen Universität Dresden stattgefunden hat. Ziel des Bandes ist, unterschiedliche Forschungszweige zum Thema "Sprache und Grenze" zusammenzuführen und eine breite synchrone, methodische, strukturelle sowie funktionale Perspektive zu eröffnen. Die folgenden vier Themenschwerpunkte stehen hierbei im Mittelpunkt: Dialektgeographie, Sprachdynamik, Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit sowie Wahrnehmungsdialektologie.

© De Gruyter

Martina Wagner-Egelhaaf (Hrsg.): Handbook of Autobiography/Autofiction, 3 Bde., Bd. 1: Theory and Concepts, Bd. 2: History, Bd. 3: Exemplare Texts. Berlin, Boston: de Gruyter 2019.

Autobiographical writings have been a major cultural genre from antiquity onwards. In our globalized age, where media and other cultural factors contribute to a rapid transformation of lifestyles, this cultural practice has maintained, even enhanced, its popularity and importance.

By conceiving autobiography in a wide sense that includes memoirs, diaries, self-portraits, autofiction as well as medial transformations of the genre, this three-volume handbook offers an expansive survey of theoretical approaches, systematic aspects, and historical developments in an international and interdisciplinary perspective.The handbook places special emphasis on the modes of self-representation in non-Western cultures and on inter- and transcultural perspectives of the genre.

© Fink Wilhelm GmbH + CompanyKG

Britta Herrmann (Hrsg.): Anthropologie und Ästhetik. Interdisziplinäre Perspektiven. Paderborn: Fink 2019.

Die Kategorie des Menschseins wird aufgrund wechselnder Wissensbestände und Orientierungskrisen immer wieder neu bestimmt. Das Ästhetische ist damit eng verbunden. ‚Aisthesis‘ ist erstens eine Form der sinnlichen und empfindenden Wahrnehmung, ein vorrationaler ‚way of worldmaking‘ (Nelson Goodman), der den Bezug des Menschen zu sich und seiner Welt moduliert. Ästhetische Vorstellungen grundieren zweitens aber auch die Idee des Humanen und die Normen menschlicher Handlungsweisen. Und drittens sind ästhetische Erkenntnis- und Ausdrucksformen Teil eines ‚selbstgesponnenen Bedeutungsgewebes‘ (Clifford Geertz) der Kultur, das die Grenzen und das ‚Andere‘ des Menschen bestimmt. Der interdisziplinäre Sammelband vereint aus verschiedenen Fächern und Forschungsperspektiven heraus Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen anthropologischen Fragestellungen und ästhetischen Formationen.

Mit Beiträgen von Horst Bredekamp, Steffen Martus, Martin Seel, Christoph Wulf, Elisabeth Timm u.a.