"In wilder zügelloser Jagd nach Neuem"

© Ferdinand Schöningh

Die katholische Kirche und die „Moderne“ – ein Thema, über das sich heute genauso trefflich streiten lässt wie schon vor 100 Jahren. Damals hatte Pius X. in einem Rundumschlag alles Moderne verurteilt. Insbesondere die Glaubenswächter der Inquisition und Indexkongregation
hatten diese „antimodernistische“ Haltung zu vertreten und verurteilten Bücher über Bücher. Doch warum hielt man damals an der Römischen Kurie alles für so schlimm, was mit „modern“ zu tun hatte? Warum ließ man sogar bis 1967 die katholischen Priester in einem „Antimodernisteneid“ den Irrtümern der Zeit abschwören und dem kirchlichen Lehramt unerschütterliche Unterordnung geloben?

Der so genannte „Modernismus“ und „Antimodernismus“ in der katholischen Kirche ist ein weites Forschungsfeld. Dabei sind sowohl die Fragen wie die Antworten von bleibender Aktualität. Der vorliegende Band geht auf eine Tagung in der Villa Vigoni am Comer See im Oktober 2006 zurück, auf dem führende Modernismusexperten aus Europa und den USA eine Bilanz gezogen haben.

Nach einer Analyse, warum es vor gut 100 Jahren überhaupt zu einem solch erklärten Antimodernismus kommen konnte und auf welche Archive sich die Forschung heute stützen kann, werden ausgewählte Fälle vorgestellt. Einerseits kommen die „Opfer“ in den Blick – waren es nun Modernisierer oder Modernisten, die von der Kurie verfolgt wurden? Andererseits richtet sich anhand einiger biographischer Profile erstmals der Focus auf die „Täter“ – wer waren überhaupt die Träger des römischen Antimodernismus? Für den weiteren Fortgang der Forschungen dürfte das im Anhang enthaltene Inventar sämtlicher deutscher Buchzensurfälle von 1893 bis 1922 von ausschlaggebender Bedeutung sein.


Hubert WOLF und Judith SCHEPERS (Hg.), "In wilder zügelloser Jagd nach Neuem". 100 Jahre Modernismus und Antimodernismus in der katholischen Kirche (Römische Inquisition und Indexkongregation 12), Paderborn u.a. 2008, 320 S., gebunden, ISBN: 3506765116.