Junges Forum Geschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums Münster. Herausgegeben von Hubert Wolf und Thomas Flammer

„Junges Forum Geschichte“ – mit diesem Titel ist die Reihe des Instituts überschrieben. Noch eine Reihe …? – wird sich mancher denken. Ganz bewusst eine neue Reihe, in der die Arbeiten junger Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gedruckt werden, die im Kontext der Geschichte des Bistums Münster stehen! Müssen solche Erstlingswerke denn wirklich gedruckt werden …? – das könnte kritisch angefragt werden. Auch hier ist mit einem klaren Ja zu antworten. Denn viele Diplom- und Staatsexamensarbeiten in den Fächern Theologie, Geschichte und anderen historisch arbeitenden Geisteswissenschaften wenden sich jenen „kleinen“ Themen zu, die von der „großen“ Geschichte häufig links liegen gelassen werden. Sie sind zumeist mit Begeisterung geschrieben und eben noch nicht fest gefügten Denkschulen verhaftet. Häufig arbeiten die Verfasser mit ungedrucktem Quellenmaterial und unkonventionellen Methoden. Selbstverständlich können solche ersten selbständigen wissenschaftlichen Studien noch mit der einen oder anderen „Kinderkrankheit“ belastet sein. Die Maßstäbe, denen eine Dissertation gerecht zu werden hat, an der meist jahrelang gearbeitet wird, dürfen an Studien, die nach den Vorschriften der entsprechenden Prüfungsordnungen in wenigen Monaten fertig zu stellen sind, nicht angelegt werden. Letztere sollten aber auch nicht in der Schublade verstauben. Es wäre schade, wenn ein solcher Wissensfundus verloren ginge und man dieses Potenzial nicht fruchtbar machen würde.

Bisher erschienen:

Anna-Maria Balbach, Die Barmherzigen Schwestern zu Münster zur Zeit des Nationalsozialismus (Junges Forum Geschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums Münster 1), Münster 2007

Daniel Polreich, Die katholische Filmarbeit im Bistum Münster (Junges Forum Geschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums Münster 2), Münster 2007.

Maike Hartmann, Bistumspresse während des Zweiten Vatikanischen Konzils (Zweiten Vatikanischen Konzils (Junges Forum Geschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums Münster 3), Münster 2009.

Hendrik Martin Lange, Max Bierbaum. Ein katholischer Theologe in der NS-Zeit (Junges Forum Geschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums Münster 4), Münster 2009.

Sebastian Eck, Michael Keller (1896-1961). Genese und Profil seiner seelsorgerischen Konzeption (Junges Forum Geschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums Münster 5), Münster 2012.

Maren Chaoui, Seelsorge, Frömmigkeit und Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg. Feldpost an den Pfarrer von Brochterbeck (Junges Forum Geschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums Münster 7), Münster 2013.

In Vorbereitung

Linda Haas, Die Ausbildung zur Seelsorgehelferin im Bistum Münster bis zum II. Vatikanischen Konzil Junges Forum Geschichte. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums Münster 6).

Weitere Publikationen außerhalb der Reihe

Die Beiträge zur Kirchengeschichte des Scopingaus dokumentieren die Ergebnisse der Arbeit des regionalgeschichtlichen Arbeitskreises Kulturraum Scopingau über einen Zeitraum von 2006 bis 2014. Bis heute ist vielen Menschen, die in dieser Region des westlichen Münsterlandes leben und arbeiten, unbekannt, dass es sich – historisch gesehen – zur Zeit des Frankenreiches um sächsisches Gebiet handelte, das in Gaue aufgeteilt wurde. Der lateinische Name war pagus scopingus; daraus leitet sich sprachlich das heutige Schöppingen ab.

Die Beiträge behandeln einen Zeitraum von über 1200 Jahren: von der Christianisierung über die Entstehung und Bedeutung von Frauenklöstern sowie die Rolle der Täufer im westlichen Münsterland bis hin zu Entwicklungen der Kirchlichkeit nach 1945.

Maximilian Kaller – Bischof der wandernden Kirche. Flucht und Vertreibung – Integration – Brückenbau, hg. von Thomas Flammer und Hans-Jürgen Karp (Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands, Beiheft 20), Münster 2012.

Dieser Sammelband würdigt das Wirken des ermländischen Bischofs Maximilian Kaller (1880-1947). Zugleich behandelt er die Frage, wie sich die nationalen und internationalen Diskussionen über Zwangsumsiedlungen von Bevölkerungen, die Eingliederung der Vertriebenen in die Aufnahmeländer und das Verhältnis zwischen Opfern und Tätern entwickelt haben. Für Kallers pastorales Wirken war das ab Ende 1933 entwickelte neuartige Seelsorgemodell der Wandernden Kirche kennzeichnend, das den durch staatliche Binnenwanderung aus ihrer gewohnten Umgebung gerissenen Katholiken weiterhin eine kirchliche Anbindung ermöglichen und sie in einem weiteren Schritt zur religiösen Mündigkeit führen sollte. Zwei Regionalstudien zeigen, welche Impulse von den heimatvertriebenen Katholiken ausgegangen sind und welche seelsorglichen Konzepte für deren Betreuung und Integration maßgebend waren. Weitere Themen sind die NS-Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten im Osten als Vorgeschichte von Flucht und Vertreibung, die deutsch-polnischen Kirchenbeziehungen während des zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit sowie der jüngere, national überformte und von Diktaturen beeinträchtigte geschichtspolitische Diskurs in Deutschland und Polen über Flucht und Vertreibung. Eine Brückenfunktion können von Vertreibungserfahrungen geprägte Bevölkerungsgruppen – die polnischen wie die deutschen Vertriebenen – einnehmen. Ob künftig eine europäische Erinnerung möglich sein wird, entscheidet sich maßgeblich im fortdauernden deutsch-polnischen Dialog.

Münster im Krieg. Bombenbilder 1943-1945 von Heinrich Börsting, hg. von Thomas Flammer und Hubert Wolf, Münster 2005; 2. Aufl. Münster 2012.

Der Priester und Historiker Dr. Heinrich Börsting (1900–1969) war der erste Archivar der Diözese Münster. Mit seiner Leica hielt er von Oktober 1943 bis April 1945 im Auftrag Bischof von Galens die Zerstörungen an den Kirchen der Stadt fest. Börsting fotografierte unmittelbar nach den Bombardements, unter persönlicher Lebensgefahr, mit professionellem Wagemut und mißachtete dabei oft die Grenzen seiner Fotografiererlaubnis. So sind die Bilder Zeugnisse seines Pflichtbewußtseins der Nachwelt gegenüber und Ausdruck stummer Klage in der Katastrophe … Bilder von unglaublicher Nähe. 60 Jahre nach Beendigung des Kriegs werden diese eindrücklichen Bilddokumente erstmals veröffentlicht.

Wolf, Hubert: Clemens August Graf von Galen. Gehorsam und Gewissen. Freiburg 2006.

Der kürzlich selig gesprochene Galen war Bischof von Münster 1933 bis 1946. Sein Auftreten gegen die Ermordung von Behinderten durch die Nazis hat ihm den Beinamen "Löwe von Münster" eingebracht. Hubert Wolf stellt Erkenntnisse aus bislang unbekannten Dokumenten vor. Er zeigt einen Mann, der auch Seiten hatte, die ihn als sperrig, ja fragwürdig erscheinen lassen. Und der dennoch an entscheidender Stelle Mut bewies - ein differenziertes Bild zwischen Grenze und Größe. Der Band erschien aktuell zum 60. Todestag Galens am 16. März 2006.