Man sieht das aufgeschlagene Arbeitsbuch, daneben eine geschlossene Version mit dem Cover.
Die Unterrichtsmaterialien basieren auf den Lebensgeschichten von Martin Wachskerz, Alex Weißberger, Hildegard Jacobi und Siegbert Steinfeld
© Bettina Engel-Albustin

Aus Lebensgeschichten lernen

Neues kostenfreies Arbeitsbuch auf Basis einzigartiger Biografien jüdischer Verfolgter erschienen

Lernen anhand konkreter Lebensgeschichten anstatt abstrakter Texte über den Zweiten Weltkrieg und die Shoah: Das ist jetzt mit dem kostenlos und digital verfügbaren Arbeitsbuch Aus Lebensgeschichten lernen. Ein Arbeitsbuch zum Projekt „Asking the Pope for Help“ möglich. Auf Basis von vier Biografien jüdischer Verfolgter können Schülerinnen und Schüler jüdisches Leben in den Zeiten von Totalitarismus, Weltkrieg und Shoah selbstständig entdecken, erschließen und reflektieren.

Ausgangspunkt der Unterrichtseinheiten sind jeweils Bittschreiben, die jüdische Verfolgte in ihrer Verzweiflung an den Vatikan richteten. Die erst seit 2020 zugänglichen Quellen aus den vatikanischen Archiven werden im Projekt „Asking the Pope for Help“ am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Universität Münster systematisch aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Die didaktisch aufbereiteten Quellen eröffnen Zugänge zu den Biografien der Bittschreibenden. Sie werden durch die Arbeit mit den Dokumenten als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung erinnert, aber auch als historische Subjekte mit eigenen Handlungsmöglichkeiten sichtbar“, erläutert Prof. Dr. Clauß Peter Sajak, der die Quellen gemeinsam mit Alissa Geisler vom Institut für Religionspädagogik und Pastoraltheologie erschlossen hat. „Die bewährte Methode des Erinnerungslernen wird auf diese Weise mit neuen Elementen biografischen und forschend-archivalischen Lernens verbunden“, ergänzt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Konzipiert ist das Material rund um die Lebensgeschichten von Martin Wachskerz, Alex Weißberger, Hildegard Jacobi und Siegbert Steinfeld für den Einsatz in den Jahrgangsstufen 9 und10 sowie in der gymnasialen Oberstufe. Die einzigartigen Quellen geben nicht nur Einblick in die Lebensgeschichten der Verfolgten, sondern auch in die Entscheidungsverfahren im Vatikan. „Mithilfe unserer Materialien können die Schülerinnen und Schüler selbst erforschen, wie der Vatikan auf diese Bitten reagierte und was daraufhin geschah“, erläutert Hubert Wolf, einer der Autoren des Buches und Projektleiter des Forschungsprojektes „Asking the Pope for Help“. „Um dies historisch fundiert zu ermöglichen und gesellschaftlicher Polarisierung und digitaler Desinformation etwas entgegenzusetzen, war es uns wichtig, Kopien der Originalbriefe im Buch zu verwenden.“

Die modulare Konzeption der Unterrichtsmaterialien ermöglicht es den Lehrkräften, Umfang und Schwerpunkt der Sequenz passgenau auf ihre Lerngruppe und die verfügbare Unterrichtszeit zuzuschneiden. Ein Glossar und Erläuterungen zum Projekt, zur Kurienstruktur und zu den didaktischen Potenzialen des Projekts ergänzen die Materialien.  

Das Arbeitsbuch ist aus einer Kooperation zwischen dem Institut für Religionspädagogik und Pastoraltheologie und dem Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Universität Münster entstanden. Dank der Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz kann die Publikation Open Access unter folgendem Link heruntergeladen werden: https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/detail/index/sArticle/60703/sCategory/1431?srsltid=AU7gw4VR_W7o5KodBNFJLy30YPHEPGLUzTz3pSkwkHLBS0bkG9RS4RKO 

Publikation: Alissa Geisler, Jana Haack, Prof. Dr. Clauß-Peter Sajak und Prof. Dr. Hubert Wolf (2026): Aus Lebensgeschichten lernen. Ein Arbeitsbuch zum Projekt „Asking the Pope for Help“. Sequenzen und Module für den Religionsunterricht, Vandenhoeck & Ruprecht, 196 Seiten.