Neuer Film zur Geschichte des Zölibats

Die Zölibatspflicht gab es in der katholischen Kirche immer schon, und an ihr führt kein Weg vorbei? Das ist ein Irrtum, wie Hubert Wolf in einer neuen Dokumentation in der ZDF-Reihe "Terra X History" zeigt.
Es geht um ein höchst umstrittenes Thema: Die Zölibatspflicht schreibt katholischen Priestern vor, ehelos und sexuell enthaltsam zu leben. Für die einen ist sie ein Gebot Gottes und ein unverzichtbares Alleinstellungsmerkmal der katholischen Kirche. Die anderen sehen in ihr einen Risikofaktor für sexuellen Missbrauch und ein Hindernis bei der Versorgung der Gläubigen mit den heilsnotwendigen Sakramenten in Zeiten des Priestermangels.
Die Dokumentation geht das Thema grundsätzlich an und spürt den Ursprüngen der Zölibatsidee nach: in der Bibel, in der spätantiken Philosophie und in der Geschichte der Kirche. Die Argumente für die Pflicht zur Ehelosigkeit kommen dabei nach und nach auf den Prüfstand: Ist eine Nachfolge Jesu tatsächlich nur in Ehelosigkeit möglich? Ist die Fähigkeit, enthaltsam zu leben, eine Gnadengabe? Und ist sie untrennbar mit der Leitung einer Gemeinde verbunden?

Deutlich wird, dass die Tradition des verpflichtenden Zölibats gar nicht so alt ist, wie häufig behauptet. Außerdem gab es immer auch katholische verheiratete katholische Priester. Und es gibt sie immer noch: Zum katholischen Glauben übergetretene evangelische und anglikanische Pfarrer dürfen als katholische Priester verheiratet bleiben, und die mit Rom unierten Ostkirchen kennen gar keine Zölibatspflicht. Wolf gelangt daher zu dem Fazit, dass die Ehelosigkeit katholischer Priester kein Dogma ist, sondern nur eine rechtliche Regelung, die jederzeit widerrufen werden kann.
Der Film basiert auf Hubert Wolfs Buch "Zölibat. 16 Thesen", das 2019 im Verlag C. H. Beck erschienen ist.
